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ABSURDISTAN oder THAILAND

Erstellt von bmei, 28.06.2008, 10:56 Uhr · 117 Antworten · 6.595 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von bmei

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    ABSURDISTAN oder THAILAND

    Wenn man das Land, das man seine Heimat nennt verlassen hat, dann stellt man sich hin und wieder die Frage, ob dass in jedem Fall die richtig Entscheidung war.

    Und jeder der in einem fremden Land lebt, wird hier und da vergleichen, wie das eine oder andere im Herkunftsland und im neuen Land gehandhabt oder entschieden wird.

    Ein wichtigste Punkt ist immer die finanzielle Versorgung. Und wenn dieser Punkt ausreichend betrachtet ist, dann stellt sich die Frage, wie wirkt sich diese finanzielle Versorgung im Herkunftsland und wie im Ausland (Thailand) aus. Aber nicht nur die finanzielle Betrachtung ist dabei wichtig. Viel wichtiger ist für mich das alltägliche Leben und da habe ich einen Artikel von Michael Winkler gefunden, der ziemlich genau das widerspiegelt was in den Nachrichten nicht direkt gesagt wird. Aber wenn man mal zwischen den Zeilen liest der fühlt förmlich, wie es in unserem „demokratischen Staat“ brodelt. Da nütz es auch nicht, mit dem erhobenen Finger auf andere zu wiesen um ihnen zu sagen wie es geht , oder wie es bei uns (in D) geht. Oft aus dem Zusammenhang gerissen oder zu verstehen, warum die es in anderen Ländern anders geht. Wichtig für mich ist aber das es geht.
    Und hier der Artikel vom anderen Land „ Absurdistan“.


    Absurdistan...
    Das Wetter wird langsam besser zumindest schneit es nur noch ganz selten. Das verleitet viele Leute dazu, bereits Urlaubspläne zu schmieden. Diese treffen sich dann später alle auf der Autobahn und nutzen die durch den Stau geschenkte Zeit, um sich in wohliger Vorfreude auf das Urlaubsziel zu entspannen. Ich möchte Ihnen heute entgegenkommen und Ihnen ein kleines Land vorstellen, das Sie gerne im nächsten Reisebüro buchen können. Vielleicht kennen Sie sogar schon ein paar Dinge, die ich hier beschreibe, denn das eine oder andere könnte glatt in Deutschland stattfinden. Aber natürlich ist das sehr unwahrscheinlich, um nicht zu sagen: absurd.
    Womit beginne ich meine Beschreibung? Ach, passend zur Urlaubszeit mit dem Straßenverkehr. Dort erwarten die Absurdistani ein hohes Maß an staatlicher Fürsorge. Da gibt es natürlich eine Straßenverkehrsordnung, die auf 200 Seiten penibel regelt, was auf absurdistanischen Straßen zu tun und was zu unterlassen ist. Aber da sich natürlich nicht einmal die Verkehrsrichter alle 1598 Paragraphen dieses Gesetzeswerkes merken können, haben die Absurdistani eine sehr praktikable Lösung gefunden, dem einfachen Bürger die Vorschriften nahe zu bringen: Verkehrsschilder.
    Zwar dürfen nach §197 an einem Pfosten höchstens drei Verkehrsschilder angebracht werden, aber §1431 erlaubt es, schon nach fünf Metern den nächsten Pfosten mit drei weiteren Verkehrsschildern aufzustellen, welche nach §602 die vorhergehenden ergänzen, einschränken oder außer Kraft setzen dürfen. Auf den Autobahnen gibt es laut §37 keine Geschwindigkeitsbegrenzung, es sei denn, ein Verkehrsschild gebietet Gegenteiliges. Vor Rasern brauchen Sie sich dennoch nicht zu fürchten, denn tagsüber sind 98% der aburdistanischen Autobahnen mittels Verkehrsschildern geschwindigkeitsbegrenzt.
    Die dortigen Autofahrer sind an ihre Verkehrsschilder gewöhnt, ja, sie fühlen sich ohne diese sichere Leitlinie hilflos. Deshalb haben die Absurdistani kürzlich zwei neue Verkehrsschilder eingeführt: Warnung! 2.500m / 1.000m / 500m schilderfreie Strecke! (Die Zahl der Aufschrift unterscheidet sich je nach Bedarf, allerdings hat bisher niemand eine Straße gefunden, die wirklich 2.500m ohne ein einziges Verkehrsschild auskommt.) Und als zweites: 200m / 100m bis zum nächsten Verkehrsschild. Vor allem jenes zweite Verkehrsschild hat sich als überaus nützlich erwiesen, da es dem Autofahrer die Sicherheit vermittelt, den rechts- und verkehrsschilderfreien Raum sehr bald zu verlassen.
    Besonders effektiv ist in Absurdistan die Steuererhebung geregelt. 287 Gesetze mit 6.173 Paragraphen (wobei sich die Historiker noch uneins sind, ob nicht in der Erstfassung des 14. Steuergesetzes von 1806 ein Druckfehler aufgetreten ist, welcher drei eigenständige Paragraphen zu Unterparagraphen eines vierten werden ließ, es mithin also 6.176 Paragraphen sein müßten) und insgesamt 114.326 Vorschriften regeln die Steuererhebung für Absurdistani, Nicht-Absurdistani, Ausländer mit dauerhaftem oder eingeschränktem Wohnrecht und durchreisenden Ausländern ohne jegliche Geschäftstätigkeit. Auf 436 Formularen, die viertel-, halb- oder ganzjährig abzugeben sind, müssen die Absurdistani begründen, wieso sie weniger Steuern zu zahlen gedenken, als ihnen ihr Staat ohnedies schon abgenommen hat.
    Vor der Steuer sind alle Absurdistani gleich. Das führt dazu, daß ein Multimilliardär ungefähr soviel Steuern bezahlt, wie seine Putzfrau. Manche Staatsrechtler verweisen darauf, daß die Steuergesetzgebung eine gigantische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme darstelle. Tatsächlich arbeitet jeder zehnte Absurdistani für die Steuern. Ein Sechstel dieser Leute verfaßt Steuerratgeber oder Kommentare zu Steuergesetzen, entwirft Steuerformulare oder druckt diese Formulare, Ratgeber und Kommentare. Zwei Sechstel dieser Leute arbeiten in den Finanzämtern und Finanzabteilungen der Kommunen, Bezirke, Körperschaften, Länder und des Bundes. Drei Sechstel hingegen finden ihr Auskommen als Steuerberater, Steuergehilfen, Anlageberater und Psychiater. Letztere behandeln all jene Absurdistani, die versucht haben, die vierteljährliche verbindliche Steuervorabschätzung der abzuführenden jährlichen Gesamtsteuer ohne jegliche Hilfe auszufüllen.
    Als Ausländer lebt es sich ziemlich angenehm in Absurdistan, vor allem, wenn Sie die Landessprache nicht einmal in Ansätzen beherrschen. Laut Gesetz dürfen Sie deswegen nicht diskriminiert werden, was bedeutet, daß die Ordnungshüter Sie in Ihrer jeweiligen Muttersprache anzusprechen haben. Da aber die meisten Polizisten weder Suaheli, noch Arabisch oder Hindustani sprechen, verzichten sie bei kleineren Vergehen, die bei gebürtigen Absurdistani zu Bußgeldern oder bis zu drei Monaten Gefängnis führen würden, auf die Verfolgung der Strafe. Eine unbekannte Dunkelziffer von Absurdistani nutzt das inzwischen aus und gibt vor, nur Suaheli, Arabisch oder Hindustani zu sprechen. Das ist ziemlich risikolos, weil die Beamten auch in diesem Fall den Aufwand scheuen. Verplappert er sich, genügt es, ein Attest jenes Psychiaters vorzuweisen, der ihn behandelt, weil er versucht hat, die vierteljährliche verbindliche Steuervorabschätzung der abzuführenden jährlichen Gesamtsteuer ohne jegliche Hilfe auszufüllen.
    Um Ausländer in Absurdistan zu werden, genügt die Kenntnis eines Zauberwortes, das jedoch auf Absurdistanisch vorgetragen werden muß: Asyl. Zum Glück klingt dieses Wort auf Absurdistanisch genauso wie auf Deutsch, und selbst, wenn Sie es englisch als "Esseil" aussprechen, wissen die Beamten bei der Einreise, was gemeint ist. Sie legen Ihnen danach drei Formulare vor, die Sie ohne Bedenken unterschreiben können. Mit dem ersten beantragen Sie Asyl in Absurdistan und versichern, in Ihrem Heimatland politisch verfolgt oder wegen Ihrer Hautfarbe / Ihres Geschlechtes / Ihrer Körpergröße / Ihres Mundgeruches diskriminiert zu werden. Mit dem zweiten Formular beantragen Sie die Zuweisung einer Wohnung, die Übernahme der Kosten für die Neueinrichtung dieser Wohnung und die Auszahlung von Sozialhilfe. Im dritten Formular melden Sie den Verlust Ihres Reisepasses und daß Sie sich nicht mehr erinnern können, aus welchem Land Sie nach Absurdistan geflohen sind. Letzteres ist sehr wichtig, da manche Absurdistani inzwischen davon reden, Asylanten in ihre Herkunftsländer abzuschieben. Wenn nun Sie selbst nicht wissen, aus welchem Land Sie stammen, wissen die Absurdistani nicht, wohin sie Sie abschieben sollen. Damit ist Ihr Bleiberecht gesichert.
    Wichtig ist auch die Religion. Am besten, Sie erklären, ein Anhänger des Großen Goldhamsters zu sein. Vor 75 Jahren wurden nämlich in Absurdistan 30 Millionen Anhänger des Großen Goldhamsters mittels einer riesigen Hamsterzentrifuge zu Tode gefoltert. Bei 150facher Erdbeschleunigung wurden nicht nur deren Organe, sondern auch die Knochen zu einem dünnflüssigen, schnell verdunstenden Brei zerquetscht. Zwar gab es damals auf der ganzen Welt keine 30 Millionen Anhänger des Großen Goldhamsters - und erst recht nicht in Absurdistan -, zwar ist die Konstruktion einer derartigen Hamsterzentrifuge auch mit heutigen Mitteln nicht zu bewerkstelligen und es hat bisher niemand geschafft, einen Menschen rückstandslos verdunsten zu lassen, aber die Hamsterzentrifuge ist eine geschichtliche Offensichtlichkeit, die niemand bezweifeln darf.
    Jedenfalls sind Sie als Anhänger des Großen Goldhamsters vom Wehrdienst befreit, bekommen Sozialhilfe zusätzlich zu Ihrem Arbeitseinkommen, brauchen auf den Steuerformularen nur anzukreuzen, daß es gegen Ihre Religion verstößt, an das Verbrecher-Regime Steuern zu bezahlen und Sie bekommen einmal im Jahr Besuch von Ihren Abgeordneten, dem zuständigen Bürgermeister und einer Delegation des Stadt- bzw. Gemeinderates, die sich bei Ihnen dafür entschuldigen, daß deren Vorfahren Ihre Vorfahren in die große Hamsterzentrifuge gesteckt haben.
    Die Politiker von Absurdistan haben drei Hauptaufgaben: Zum einen entwerfen sie neue Steuergesetze, welche die Lücken in der vorhandenen Steuergesetzgebung schließen sollen. Als zweites weihen sie große Hamsterräder ein. Das sind Denkmäler für die große Hamsterzentrifuge, also für die Verbrechen des absurdistanischen Volkes. Jede Stadt über 20.000 Einwohner besitzt inzwischen ein großes Hamsterrad wider das Vergessen. In den nächsten 20 Jahren sollen auch Stadtteile und Orte ab 2.000 Einwohner ihr großes Hamsterrad erhalten. Einmal im Jahr haben dann alle Einwohner dorthin zu pilgern und sich anzuhören, wie sich die Politiker für die große Hamsterzentrifuge entschuldigen. Die dritte Aufgabe der Politiker ist der Besuch von Volksfesten. Dort sitzen sie inmitten ihrer Wähler und beklagen sich über die Schwere ihres Berufes, die große Verantwortung und die viel zu geringe Bezahlung. Und wenn Sie dann als Wähler den armen Politiker so richtig bedauern, bittet er Sie um Ihre Stimme, damit er auch nach der nächsten Wahl noch über die Schwere seines Berufes, die große Verantwortung und die viel zu geringe Bezahlung klagen kann.
    Abgeordnete sind im täglichen Leben von Absurdistan enorm wichtig. Deshalb gibt es auch sehr viele davon, auf Staats-, Landes-, Bezirks-, Landkreis- und Gemeindeebene. Weil der Staat jedoch so viel Geld ausgeben muß, um Steuern einzutreiben, kann er den Abgeordneten nicht genug bezahlen für die Schwere ihres Berufes und die große Verantwortung. Deshalb hat man in Absurdistan ein geniales System entwickelt: die Mandatsträger-Patenschaft. Jeder absurdistanische Unternehmer übernimmt einen oder mehrere Mandatsträger als Pate. Formal stellt er diese Mandatsträger in seinem Betrieb an und bezahlt ihnen ein Gehalt, aber natürlich müssen die Mandatsträger dafür nicht arbeiten. Der kleine Handwerker patet vielleicht nur einen einzigen Gemeinderat, der Großindustrielle hat dafür ein Drittel des Bundestages auf seiner Gehaltsliste.
    Diese Patenschaft ist eine vertrauliche Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit. Die Paten dürfen bei neuen Steuergesetzen mitreden, was sicher stellt, daß sie nicht mehr Steuern bezahlen müssen als ihre Putzfrau. Die Patenkinder zeigen sich außerdem erkenntlich, indem sie ihren Paten bei der Eröffnung eines neuen Hamsterrades oder beim jährlichen Hamstergedenken bequeme und überdachte Sitzplätze verschaffen, außerdem Bundesverdienstkreuze und weitere Ehrenmedaillen.
    Natürlich zeichnet sich der Staat Absurdistan auch durch ein wohlgeordnetes und effektives Beamtenwesen aus. Wer etwas von einem Beamten braucht, erhält jederzeit das erforderliche Antragsformular. Und alle Folgeformulare für die Folgeanträge. Und Erklärungsbögen, Erfassungsbögen, Selbstauskunftsbögen und Erläuterungsblätter mit Ausfüllanleitungen für die diversen Formulare. Bei den Eingaben gibt es die Unterscheidung "formlos" (bis zu fünf Formulare / Beiblätter / Erfassungsbögen), "förmlich" (sechs bis zwölf Formulare etc.), "ausführlich" (in der Regel um die 20 Formulare mit mehreren Anlagen) und "notariell" (Dabei ist die Zahl der Formulare nach oben offen. Für den Antragsteller empfiehlt es sich, zwei Anwälte und einen Psychiater einzuschalten. Letzterer wird bei Fortgang des Verwaltungsaktes zunehmend wichtiger.)
    Erfahrene Absurdistani kennen natürlich die kleinen Abkürzungen im Dienstweg. Da gibt es zum einen die offizielle Abkürzung. Die besteht darin, daß der Pate seine Mandatsträger um sich versammelt, diesen erläutert, was er gerne tun möchte, und die sich darum kümmern, daß die Beamtenschaft durch ein neues Gesetz veranlaßt wird, im Sinne des Paten zu entscheiden. Dann gibt es die inoffizielle Abkürzung, ohne Patenschaft. Das heißt, die gibt es natürlich nicht. Es gibt also nicht die "Besucher-Papierkörbe" in den Amtsstuben, in welche Antragsteller zusammengeknülltes Papier werfen können, zum Beispiel Geldscheine. Es gibt auch keine Beamten, die solche Besucher-Papierkörbe regelmäßig leeren und den Müll trennen, also nach Papierabfall und noch gebrauchsfähigen Geldscheinen. Und schon gar nicht gibt es Beamte, die nach Aussortierung der Geldscheine aus Versehen den Stempel mit der Aufschrift "Genehmigt" auf ein Formular fallen lassen, das noch gar nicht zur Genehmigung anstünde.
    Natürlich sind die Beamten von Absurdistan vollkommen unbestechlich. Es sind ja nicht sie, die Geldscheine annehmen, sondern die Besucher-Papierkörbe. Und im Rahmen der gebotenen Mülltrennung sortieren die pflichtbewußten Beamten nur dasjenige aus, was wiederverwendbar ist. Das Leben eines Beamten in Absurdistan ist hart und entbehrungsreich, vor allem für Lehrer. Deshalb träumt jeder Beamte davon, zum Abgeordneten aufzusteigen. Als solcher bekommt er drei bis fünf Nebentätigkeiten, bei denen er ohne Arbeit reich wird, während er bei den Wählern über die Schwere seines Berufes, die große Verantwortung und die viel zu geringe Bezahlung klagt.
    Während die Nebentätigkeiten der Abgeordneten einträglich, mit wenig Arbeit verbunden und vollkommen legal sind, sind Nebentätigkeiten der einfachen Bürger mit viel Arbeit verbunden, schlecht bezahlt und als Schwarzarbeit illegal. Es sei denn, man ist Ausländer. Dann sind Nebentätigkeiten zwar auch illegal, aber die ausländischen Mitbürger zu belangen, wenn sie zum Bruttosozialprodukt von Absurdistan beitragen, wäre Diskriminierung. Außerdem spricht kein Kontrolleur Suaheli, Arabisch oder Hindustanisch und der angerichtete Schaden lohnt den ganzen Aufwand nicht. Noch feiner heraus sind die Anhänger des Großen Goldhamsters. Diese müssen gegenüber den Polizisten nur auf die große Hamsterzentrifuge verweisen, dann übernehmen die Polizisten bereitwillig die Arbeit, sorgen dafür, daß der Anhänger des Großen Goldhamsters für die nicht geleistete Arbeit angemessen entlohnt wird und sammeln anschließend weiteres Geld für die Errichtung einer neuen Gedenkstätte.
    Trotz der zahlreichen Steuergesetze hat der Staat Absurdistan viel zu wenig Geld. Das geht sogar soweit, daß ein gewesener Lordoberkanzler jetzt als Vertreter für Gasleitungen jobben muß, weil seine Pension hinten und vorne nicht reicht. Seine Nachfolgerin ist eine engelgleiche und im ganzen Volk beliebte Lordoberkanzlerin, die in ihrem figurbetonten Hosenanzug nur kleine politische Schritte zu gehen wagt. Sie ist derart freundlich, daß sie sogar alle bösen Worte vermeidet. Eines der furchtbarsten Worte auf Absurdistanisch lautet Reform. Deshalb mutet die Frau Lordoberkanzlerin dies ihrem Volk nie zu. Und für das andere schlimme Wort "Arbeitslosigkeit" hält sie sich einen eigenen Lordobervizekanzler.
    Absurdistan ist selbstverständlich eine Demokratie, sonst hätten die Amerikaner das Land längst bombardiert. Ach nein - die Amerikaner haben das Land schon bombardiert, deshalb ist es jetzt eine Demokratie. Ja, so herum ist das richtig. Die Amerikaner haben den Segen der Demokratie von Himmel geworfen. Jedoch haben die Absurdistani vor lauter Demokratie kürzlich nicht gewußt, wen sie wählen sollten. Also haben sich die beiden größten Wahlverlierer zusammengetan und regieren nun mit Zweidrittel-Mehrheit und einer absolut beliebten Lordoberkanzlerin. Und wenn die Absurdistani schön brav sind, dürfen sie bald den Amerikanern helfen, anderswo die Demokratie vom Himmel zu werfen. Dann ist die Frau Lordoberkanzlerin sicher ganz stolz.
    Zu den größten Errungenschaften des Landes gehört die sortenreine Mülltrennung. Jede der 34 Sammeltonnen eines Haushaltes besitzt einen aufgedruckten 18-stelligen Barcode. Dieser Barcode ist in der Größe von 5x5mm unauffällig auf jeder Verpackung aufgeprägt. So kommen in jede Mülltrennungstonne nur die Verpackungen desselben amerikanischen Großkonzerns. Auf dem Land sind Mülltrennungs-Sheriffs unterwegs, die den Inhalt der Mülltrennungstonnen kontrollieren und gegebenenfalls eine gebührenpflichtige Verwarnung erteilen. Diese 34 Mülltonnen müssen einmal pro Woche vor das Haus gestellt werden, damit sie die Müllabfuhr abholen kann. Diese entleert sie alle in den gleichen großen Sammelbehälter, der zur Müllverbrennungsanlage gefahren wird. Denn dank des ehemals regierenden Wanderkröten-Schutzvereins haben die Städte und Gemeinden so große Müllverbrennungsanlagen gebaut, daß diese sich nur lohnen, wenn sie den gesamten Hausmüll verbrennen können.
    Übrigens, auf Ihr geliebtes Dosenbier müssen Sie in Absurdistan verzichten. Bierdosen hat der ehemalige Bundeskrötenwanderungsminister verboten. Na ja, nicht direkt verboten, denn das wäre undemokratisch, da müßten dann eventuell die Amerikaner zurückkommen und noch ein paar Bomben abwerfen. In Absurdistan regelt man das mit einer bundesunfähigkeitsministeriellen Bierdosenschadstoffsonderumweltabgabenumlage (auf dem eigens entwickelten Steuerformular bumBdSau anzugeben, zwecks gegebenenfalls geltend zu machender Vorsteuerumlagenerstattung). Jedenfalls kann sich jetzt keiner mehr erlauben, Dosenbier zu trinken, und Sie als Tourist müssen auf das dortige Flaschenbier umsteigen. Aber keine Sorge, dank eines Reinheitsgebotes enthält dieses nur sorgsam genveredelte Naturextrakte und ist viel besser als Ihre ausländische Chemieplörre.
    Absurdistan ist übrigens in einen Staatenbund eingebettet. Dieser begann als EWG, was für Einer Wird Geplündert gestanden hatte. Damals haben fünf Nachbarstaaten festgelegt, wieviel Tribut Absurdistan an sie zu bezahlen hatte. Dies erwies sich als so tragfähig, daß weitere sechs Staaten diesem Bund beitraten, der dann EWU hieß. Das stand für Extrem Widersinnige Umlageverfahren. Da Absurdistan nur elf andere Länder finanzieren konnte, vergrößerte man Absurdistan um ein Drittel und die EWU um mehr als das Doppelte. Heute heißt die Staatengemeinschaft EU, das steht für Einig Untergehen.
    Die Geldumverteilungsmaschinerie der EWU war damals nicht vollkommen gewesen, vor allem deshalb, weil es den Absurdistaler noch gegeben hatte. Als man schließlich herausfand, daß die Arbeiter, die damals die große Hamsterzentrifuge gebaut hatten, in Absurdistischen Reichstalern bezahlt wurden, beschloß man, diese Währung abzuschaffen. Seitdem bezahlt die EU in Teuerios. Das ist viel einfacher. Absurdistan verdient mit seinen Handelsüberschüssen viele Teuerios, gibt diese an die EZB (Einfach Zulangen Bereichert) ab, wo sich die anderen EU-Länder holen, was sie brauchen, um im Ausland einzukaufen.
    Absurdistan hat auch eine Armee. Die wurde einstmals zur Landesverteidigung aufgebaut und ausgerüstet. Aber da in den letzten Jahrzehnten absolut niemand Absurdistan angreifen wollte, bekam sie mittlerweile neue Aufgaben. Als international einsetzbare Hilfstruppe hält sie jene Länder für ihre amerikanischen Freunde unter Kontrolle, in denen es amerikanischen Soldaten zu langweilig wird. Keine Sorge, das ist völlig ungefährlich. Sollte wirklich einmal etwas passieren, telefonieren die Absurdistani mit Amerika. Das schickt dann ein paar Flugzeuge und bombardiert, bis sich die Absurdistani sicher fühlen und das besetzte Land wieder demokratisch gesonnen ist.
    Neben den Ausländern und den Anhängern des Großen Goldhamsters gibt es in Absurdistan eine weitere privilegierte Kaste: die Arbeitslosen. Das sind vormals einfache Arbeiter, deren Firmenlenker so hohe Gehälter einsteckten, daß die Firmen sich die Arbeiter nicht mehr leisten konnten. Um die Manager weiter bezahlen zu können, mußten die Firmen ins Ausland ausweichen, wo die Arbeiter viel weniger Teuerios bezahlt bekommen als in Absurdistan. Die Lohndifferenz teilen sich die Manager mit ein paar Abgeordneten, welche die Firma dank dieser Rationalisierung mehr bezahlen kann. Die Arbeitslosen selbst bekommen auf bewährte Weise Brot und Spiele geboten, was zeitgemäß Satellitenfernsehen und zweites Arbeitslosengeld bedeutet.
    Dafür danken alle der Lordoberkanzlerin, sind zufrieden, glücklich - und werden sie bei der nächsten Wahl bestimmt wieder wählen. Oder die Partei ihres Lordobervizekanzlers. Das ist sowieso egal, weil die Sozialistische Union Absurdistans und die Christliche Partei der Demokraten sowieso das gleiche wollen: Neue Steuergesetze, mehr Hamsterräder aufstellen und mehr Geld für die Abgeordneten, für die Schwere ihres Berufes und deren große Verantwortung. Alles andere steht auch so zum Besten für die Abgeordneten von Absurdistan, da braucht niemand etwas zu ändern.
    Die einzigen, denen es nicht ganz so gut geht, sind die Rentner. Also jene Rentner, die keine zwei bis fünf Zusatzversorgungen haben, wie die Abgeordneten, die Anhänger des Großen Goldhamsters und die zugewanderten Ausländer. Denen werden nämlich durch neue Steuergesetze höhere Abgaben auferlegt, während Leistungseinschränkungsgesetze parallel dazu die Rentenzahlungen kürzen. Aber falls ein solcher Rentner einen guten Steuerberater kennt, weiß der natürlich Abhilfe. Eine einfache Auslandsreise genügt. Kommt man wieder nach Hause, verliert man den Paß, sagt in einwandfreiem Absurdistanisch das Zauberwort "Asyl" und gibt an, man wäre ein im Heimatland verfolgter Anhänger des Großen Goldhamsters. Letzteres erklärt zudem einleuchtend, wieso ein bedrohter Ausländer akzentfrei Absurdistanisch spricht, denn Anhänger des Großen Goldhamsters sind nun einmal intelligente und kultivierte Leute, die das von Haus aus können.
    Alles in allem ist Absurdistan ein wunderbares Land, in dem es sich angenehm und arbeitsfrei leben läßt, vorausgesetzt, man ist entweder Abgeordneter, Steuerberater, Psychiater, Anhänger des Großen Goldhamsters oder Ausländer. Der Rest der Leute beschäftigt sich damit, Steuerformulare auszufüllen, bombardierte Sehenswürdigkeiten wieder aufzubauen, EU-Vorschriften zu erfüllen oder ganz einfach das Geld zu verdienen, das anschließend umverteilt wird. Aber über diese Leute lohnt es sich nicht zu schreiben. Das wäre nämlich blöd. Oder, wie es auf Neu-Absurdistanisch heißt: uncool.
    Also, wenn Sie einmal nach Absurdistan wollen, reden Sie mit Ihrem Reisebüro. Das besorgt Ihnen auch das Visum, das Sie bei der Einreise vorweisen müssen. Nach der Abstempelung bitten Sie den Beamten, Visum und Paß zu vernichten. Das geht, denn Sie haben die Einreisevorschriften penibel erfüllt. Er wird Ihnen dann zeigen, wo Sie den Schalter finden, an dem Sie Asyl beantragen können. Unmittelbar davor finden Sie einen Tisch mit Bildchen vom Großen Goldhamster. Da können Sie schnell noch zu Ihrem neuen Glauben konvertieren - Unterschrift genügt - und bei Bedarf einen neuen Namen annehmen. Mit der Bestätigung des Zentralrates der Anhänger des Großen Goldhamsters von Absurdistan steht einem neuen Leben auf Kosten des Volkes von Absurdistan nichts mehr im Wege.
    © Michael Winkler

    Link auf den Urheber von Absurdistan
    http://www.michaelwinkler.de/Pranger/190406.html

    Gruß Bernd

  2.  
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  3. #2
    Avatar von DisainaM

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    Re: ABSURDISTAN oder THAILAND

    ein schöner Artikel und ein gut gemeinter fred,
    der leider die Moderatoren in Bedrängniss bringt,
    nicht zuletzt wegen Deinem Copyrightvermerk.

    Als <forenmember solltest Du anmerken,
    dass Du selber der genannte Autor bist, oder dass Du vom Autor die Copyrightrechte zu einer Forumveröffentlichung hast,

    oder du lässt alles weg, und zieterst nur Auszüge aus dem Werk, versehen mit einer vernünftigen Relation von Kommentierung,

    anstonsten droht dem Forum eine kostenpflichtige Abmahnung.

  4. #3
    Avatar von bmei

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    Re: ABSURDISTAN oder THAILAND

    Hier die Kopierrechte vom Autor

    Auszug:

    1. Privatpersonen

    Privatpersonen im Sinne dieses Copyrights sind jegliche natürliche und juristische Personen, die nicht gewerbsmäßig publizistisch tätig sind. Wenn also ein Autohändler in seinem Werbeprospekt den "Pranger" oder den "Tageskommentar" zitiert, dann ist er im Sinne dieser Regelung eine Privatperson.

    Privatpersonen dürfen diese Texte kostenlos wiedergeben, falls sie mit Quellenangabe und - im Internet - mit einem Link auf die Original-Seite versehen sind. Alternativ ist auch ein Link auf die Homepage
    (http://www.michaelwinkler.de)

    oder die Inhaltsangabe des Prangers
    (http://www.michaelwinkler.de/Pranger/Pranger.html)

    bzw. den Tageskommentar
    (http://www.michaelwinkler.de/Kommentar.html)

    zulässig.

    Hier im Original http://www.michaelwinkler.de/Copyright.html

    Bernd

  5. #4
    Avatar von Denisss

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    Re: ABSURDISTAN oder THAILAND

    vielleicht gilt hier auch § 130 Stgb.
    Ich wuerde es nicht drauf anlegen

  6. #5
    Avatar von bmei

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    Re: ABSURDISTAN oder THAILAND

    Ja der §130 StGB, schon echt Wert mal darüber nachzudenken!

    Gruß

  7. #6
    Avatar von Gerd / Muenchen

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    Re: ABSURDISTAN oder THAILAND

    @bmi,

    sorry, aber das sind alles alte Hüte, über die sich schon seit Jahrzehnten Leute wie Dieter Hildbrandt, Gerhard Schramm, Gerhard Polt und andere Kabarettisten/Comedians lustig gemacht haben (siehe YouTube!).
    Der Artikel ist außerdem zu lang und zäh geschrieben...

  8. #7
    Avatar von bmei

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    Re: ABSURDISTAN oder THAILAND

    Richtig Gerd stimmt auffallend, Hildebrand gibts in THL nicht, vielleicht heißt er nur anders!

    Aber fangen wir doch mal beim Verkehr an.
    Auf Schritt und Tritt hat man in D die Forstmeister im Anmarsch. Parken oder Halter ist in D ausser vor roten Ampeln kaum möglich um nach 5 Minuten das Ticket an der Winschutzscheibe zu haben. 500m fahren ohne Gurt - Pech gehabt.
    Gar mit einem Ordungshüter zu diskutieren - zwecklos, in jedem Falle müssen die Euronen gezückt werden -
    Naturlich haben wir in THL mehr Verkehrstote aber -
    In Deutschland war ich meistens immer einer der Schnellsten
    (Betone ohne Punkte in Flensburg). In THL hat sich mein Fahrstil grundlegend geändert. Das liegt mit Sicherheit nicht nur an den schlechteren Straßen, obwohl das auch bald der Vergangenheit angehören dürfte, sondern das liegt daran, das nicht jeder gegen jeden rücksichtslos fährt. Man fährt hier mit weniger Stress. Wahrscheinlich liegt es wirklich an dem Übermaß an Schildern die in D aufgestellt sind.
    Vielleicht gibts aber auch Gründe.

    Gruß Bernd

  9. #8
    Avatar von Gerd / Muenchen

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    Re: ABSURDISTAN oder THAILAND

    Ich weiß nur, dass ich hier ein dickes Problem habe.
    Mir gefällt hier alles immer weniger und wenn ich dann die täglichen news hier höre, einfach...

    Das größte Problem habe ich mit meiner Frau:
    Ihr gefällt es hier immer besser, sie hat einen guten Arbeitsplatz mit fast nur thailändischen Kolleginnen mit viel sanuk und einem festen Einkommen.
    Und sie will frühestens in 10 Jahren nach TH zurück... :-(

  10. #9
    Avatar von Hua Hin

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    Re: ABSURDISTAN oder THAILAND

    ...sondern das liegt daran, das nicht jeder gegen jeden rücksichtslos fährt. Man fährt hier mit weniger Stress.
    ...und das sagt jemand, der in Hua Hin wohnt?

    Gruss Alex

  11. #10
    Avatar von storasis

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    Re: ABSURDISTAN oder THAILAND

    ja und auch Fußgänger queren hier die Straßen völlig relaxed

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