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Westlich von Bangkok - Nakhon Pathom

Erstellt von HPollmeier, 24.07.2005, 18:45 Uhr · 2 Antworten · 830 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von HPollmeier

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    Westlich von Bangkok - Nakhon Pathom

    Hallo zusammen,

    vorab mache ich den geneigten Leser darauf aufmerksam, daß die Photos von alten Negativen und Dias ‚gescannt’ und individuell – je nach Erhaltungszustand – bearbeitet wurden.

    Sie sind mit denen von Digitalkameras nicht vergleichbar, haben allerdings hier und da historischen Wert, weil sie ab 1979 entstanden sind und ein Thailand zeigen, daß es weithin heute nicht mehr gibt.

    Auch im Text sind Abweichungen vom Istzustand ohneweiters gegeben, da ich in unserer schnellebigen Zeit mit Aktualisierungen nicht nachkommen kann.


    Westlich von Bangkok - Nakhon Pathom
    Von Heinz & Rainer Pollmeier
    © Text & Fotos Pollmeier



    Prang Sam Yod in Lopburi


    Das Schwemmland westlich von Thonburi gilt als "Garten Thailands". Es ist leicht in Tagesausflügen von Bangkok aus zu erreichen. Nach Süden nimmt man den schnellen Phetchkasem Highway 4 über Nakhon Pathom oder die interessantere Nationalstraße 35 an ausgedehnten Salzteichen vorbei mit einem Zwischenaufenthalt in Phetburi (Phetchaburi).



    Von Nakhon Pathom soll der Buddhismus seinen Siegeszug durch Siam angetreten haben. Aber der großen Pagode von Phra Pathom sieht man ihr ursprüngliches Gesicht nicht mehr an, denn der indische Einfluß und der Buddhismus kamen vor den Thais ins Land. Diese saßen noch in China, als sogar Gegenstände aus dem Mittelmeerraum nach Hinterindien - wie man Südostasien lange genannt hat - kamen. 1927 wurde in dem Dorf Phong-Tuk eine Lampe pompejanischen Stils zusammen mit einer kleinen Buddhastatue gefunden, die indischen Einfluß verrät. Damals wurden weite Teile Siams noch von unabhängig umherziehenden Negritogruppen besiedelt.



    Herkunft und Verbreitung der Völker, die heute in Hinterindien leben, sind umstritten. Sicher weiß man, daß die Kultur der einander verwandten Volksstämme der Mon und Khmer das heutige Thailand mitgeprägt hat. Beide Völker lebten schon um die Zeitenwende in Nieder-Burma, Thailand, Kambodscha und Vietnam. Erst um das 11. Jh. begannen die Thai, aus dem Norden in die mit dem heutigen Thailand identischen Gebiete der Mon-Zivilisation einzuwandern und diese zu assimilieren. Vor der Zeitenwende beeinflußte die chinesische Kultur Indochina sehr stark, aber die wichtigsten auswärtigen Kulturkontakte entwickelten sich dann zu Vorderindien.




    So segelten indische Kaufleute nach Südostasien und gründeten infolge der intensiven Handelsbeziehungen u. a. Niederlassungen in Thailand, Kambodscha und Vietnam. Es bildeten sich kleine indisierte Fürstentümer mit einer ausgesprochenen Mischkultur. Mit den Handelsherren kamen hinduistische Brahmanen und buddhistische Mönche. Aber auch umgekehrt machten sich Südostasiaten auf den Weg nach Indien. Neben neuerworbenen Kenntnissen werden sie religiöse Schriften und Kunstwerke mitgebracht haben. So entstanden im Laufe der Jahrhunderte in vielen Gebieten neue kulturelle Zentren, in denen einheimische und indische Elemente sich zu einer neuen Kultur entfalteten.


    Phra Pathom Chedi in Nakhon Pathom


    Dies zeigte sich besonders im ersten Jahrhundert n. Chr., als indische Zivilisatoren im Gebiet des südlichen Kambodscha und Vietnam das Reich von Funan gründeten, das wiederum stark die buddhistischen Königreiche der Mon im heutigen Thailand beeinflußte. Gegen Ende des 6. Jh. besiegten und besetzten Regenten eines Reiches, das in den chinesischen Quellen Chenla genannt wird, Funan und hielten sich dort während des gesamten 7. Jh. Hieraus entwickelte sich im 9. Jh. das Khmer-Reich, das in den nächsten 500 Jahren die Geschichte Hinterindiens prägte und sich zeitweilig bis auf das heutige Malaysia ausdehnte. Sein Einfluß ließ im 13. Jh. unter dem Druck der Thai nach. Als diese sich in der Hauptstadt Sukhothai etabliert hatten, begannen sie, die umliegenden Gebiete zu erobern; im 15. Jh. fiel ihnen letztendlich auch Angkor zu.




    Nakhon Pathom wurde wahrscheinlich schon über ein Jahrhundert v. Chr. direkt an der Küste gegründet; der Golf von Siam war nicht so stark versandet wie heute. Die erste zerstörte Siedlung soll König Chai Siri mit neuem Leben erfüllt haben. Er war der Gründer der Dynastien von U Thong und hat seine Mon-Untertanen hier angesiedelt, die unter dem Druck ihrer Nachbarn im Norden hatten auswandern müssen. Die Legende berichtet, an der Stelle von N. Pathom habe in vorchristlicher Zeit die Stadt Sirichai gelegen, von der aus Ashokas (ca. 268-32 v. Chr.) Missionare die Mon bekehrt hätten. Das wäre im dritten vorchristlichen Jahrhundert gewesen. So ungewiß das sein mag, denn zeitlich passen die Daten nicht zusammen, die Ausgrabungen und Funde bestätigten jedenfalls das sehr frühe Gründungsdatum von Prapatom.




    Doch archaische Montexte fand man erst auf Sandsteinfragmenten des 6. Jh. Die älteste Moninschrift kam in Lopburi zutage. Ihre Sprache ist der der Khmer verwandt. Ein Rad aus Sandstein im Museum von N. Pathom wurde auf ca. 150 v. Chr. datiert. Das "Rad der Lehre" (dharma-chakra) setzte Buddha mit seiner ersten Predigt in Bewegung. Ein buddhistisches Mon-Relief erinnert daran. Das Land der Mon ist auch unter dem Namen Dvaravati (6.-11. Jh.) bekannt und scheint sich u.a. um N. Pathom konzentriet zu haben, gewiß eine Heimstätte des orthodoxen Theravada-Buddhismus, der sich im südlichen Asien durchgesetzt hat. 1951 wurden vom Boden und vom Flugzeug aus in diesem Gebiet zahlreiche, bisher nicht ausgegrabene, von Erdwällen umschlossene Städte identifiziert. Nach Ansicht des thailändischen archäologischen Dienstes werden sie die Entwicklung der Monkultur besser erhellen.




    Die von den Mon errichtete Grundform des Heiligtums aus dem 4. Jh. von ca. 40 Metern Höhe ist die eines ceylonesischen Dagoba gewesen. Er wurde im 11. Jh. von den Khmer in ein typisch kambodschanisches Turmheiligtum, einen Prang, verwandelt, verfiel aber im Laufe der Jahrhunderte. Der Dagoba hat sich aus der indischen Stupa, einem unzugänglichen Kuppelbau, entwickelt. In seinem Zentrum befindet sich ein zugemauerter Raum, in dem Reliquien Buddhas oder seiner Jünger aufbewahrt werden. Der Ursprung von Stupa und Dagoba ist ein rundes Hügelgrab, eine Gedenkstätte für bedeutende Persönlichkeiten.



    Restaurierung der fünf Khmer-Prangs in Wat Kamphaeng Laeng

    König Mongkut (Rama IV.) ließ 1853 über die vom Dschungel überwucherte Ruine eine riesige Kuppel errichten, die an eine umgestürzte Almosenschale erinnert und unter seinem Nachfolger Chulalongkorn 1870 fertiggestellt wurde. Sie beherrscht die Stadt und die Umgebung. Der Chedi gilt heute als das älteste und höchste buddhistische Heiligtum Thailands. Über die Stufen steigt man zur gewaltigen Plattform hinauf, auf der sich über hundert Meter hoch die Pagode aus dem 19. Jh. erhebt, höher als die Schwedagon in Rangun, von der sie sich in der Form grundsätzlich unterscheidet. Obwohl von erhabener, monumentaler Wirkung, erreicht sie - ein wenig plump - nicht die vollendete Eleganz der burmesischen Schwester, des schönsten Chedi der Welt. Die starke Wirkung geht vor allem von den orangefarbenen chinesischen Glasurziegeln aus, mit denen sie gedeckt ist.


    Im November findet nach dem Loy-Krathong-Fest um die Pagode ein großes Tempelfest statt. Auch da wird von vielen Gäubigen ernst genommen, was für den Kenner der Lebensgeschichte des indischen Prinzen verherrlichende Zutaten späterer Jahrhunderte sind. Auf manchen profanen Tand der Neuzeit könnten wir verzichten - aber das sollten die Christen der westlichen Welt erst einmal vormachen.



    Der einst berühmte Flußmarkt in Damnoen Saduak scheint immer mehr zur Touristenattraktion zu "verkommen". Ursprünglichere schwimmende Märkte findet man in der Umgebung. Jedenfalls muß man zwischen 7 und 11 Uhr unterwegs sein, um etwas vom Einkaufsrummel mitzubekommen. Wenn man überhaupt den Abstecher macht, mietet man am besten ein Boot und unternimmt u. a. von Ratchaburi aus eine ausgedehnte Fahrt durch die Kanäle. "Entlang der Klongs erstrecken sich an wenigen Stellen noch wahrhaft idyllische Plätze," schreibt ein Reiseführer. Wer etwas "von der Ruhe und Abgeschiedenheit der grünen Gärten und kühlen, von Obstbäumen und Palmen überwachsenen Kanäle erlebt", fragt sich ohnehin, wie die Menschen den Gegensatz verkraften zwischen dieser, ihr angestammten Welt, und dem, was die westliche Zivilisation ihnen an Bedrängendem und Fremdem beschert hat.



    Die kulturellen Höhenpunkte Thailands liegen im Norden. Um so überraschter ist der Reisende, wenn er in Phetchaburi an der Grenze zum Süden noch einmal die ganze Fülle thailändischer Geschichte und Kultur aufnehmen kann: Buddhistische Grotten nördlich und westlich der "Stadt der Diamanten", der Khao Wang-Palast des Königs Mongkut aus dem 19. Jh. mit einer herrlichen Aussicht auf Stadt und Umgebung; der 121 Meter hohe Khao Bandai It-Berg, nur 2 km vom Khao Wang entfernt, mit vielen Höhlen und Grotten - und weitere dreißig Klöster aus allen Epochen. Wat Mahathat blickt auf eine tausendjährige Geschichte zurück.



    Im etwas schwierig zu findenden Wat Kamphaeng Laeng kann man Abschied nehmen von den Bauwerken der Khmer, die hier zwischen 1157 bis 1207 auf dem Höhepunkt ihrer Macht fünf - davon vier kunstvoll restaurierte - Prangs errichteten. Ihre Spuren wird man im Süden nicht mehr finden.



    Und wer den Artikel ausdrucken will, kann es auch hierueber machen:




    Gruss
    HPollmeier

  2.  
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  3. #2
    Avatar von J-M-F

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    Re: Westlich von Bangkok - Nakhon Pathom

    danke schön, ist in meine tour mit aufgenommen

    wenn du noch was andres schönes in der nähe hast, her damit :bravo:

  4. #3
    Avatar von wasa

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    Re: Westlich von Bangkok - Nakhon Pathom

    In Nakhon Pathom ist auch ein Summer Palace eines Rama zu besichtigen.Im Chedi unbedingt nicht die Besichtigung der Höhle vergessen,dort sitzt ein Monk der auch etwas deutsch spricht.
    Um zum Floated Market zu kommen ist es näher von NP nach Ban Phaeo zu fahren und dort ein Boot zu mieten (ca. 500.- Baht aushandeln) als von Ratchaburi.Diese Klong Tour ist sehenswerter.
    Allerdings stimmt es,dass der Markt nur noch eine Touristen Shopping Meile ist.

    mfg

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