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TukTuk oder......Erkenntnisse eines Beförderungswilligen

Erstellt von abstinent, 01.05.2004, 13:32 Uhr · 5 Antworten · 1.397 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von abstinent

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    TukTuk oder......Erkenntnisse eines Beförderungswilligen

    Hier ist einmal ein Einteiler aus meiner Feder :

    Er behandelt die recht thaitypische Thematik des TukTuks:
    Viel Spaß beim Lesen

    copyright by "abstinent"
    original aus 2003, aufgearbeitet & aktualisiert 11/04/2004



    TUKTUK

    TukTuk's fanden in Bangkok erstmals so um 1955 Verwendung, und ersetzten die bis dahin noch gebräuchlichen Ochsenkarren und Pferdefuhrwerke langsam im Laufe der folgenden Jahre. Erste Modelle waren Japan-Importe, doch findige Thais verbesserten die Fahrgestelle und Aufbauten fortlaufend. Die Motorisierung jedoch entspricht immer noch dem Originalstandard.

    Heutige TukTuks sind allesamt aus thailändischer Produktion, und man exportiert diese sogar nach Sri Lanka, Indien und Nepal. Neueste Designstudien der führenden siamesischen Universitäten beschäftigen sich häufig mit der TukTuk-Thematik, und schicke Prototypen füllen die Ausstellungshallen der Unis.

    TukTuk’s - das sind im Allgemeinen kleine, übelriechende Rennsemmeln mit irre großem Gefahrenpotential, aber einer gewissen Romantik.
    Dreiradmopedzwitter mit einem langen Dach über der gesamten Konstruktion, einem Fahrersitz mit Sattel vorne und einer Sitzbank für 2 Asiaten oder Anderthalb Farangs hinten. Angetrieben wird es von einem leistungsschwachen 250ccm Zweitaktaggregat, aber das günstige Leistungs/Gewichtsverhältnis verhilft dem Geschoß zu einem beachtlichem Beschleunigungsvermögen. Topspeed ist so um die 80 KM/H.

    Noch vor Jahren waren sie wichtige Transportmittel für Markthändler oder auch einfach auch nur zur Personenbeförderung wichtiges Utensil der Bangkokians.

    Launische Driver mit großem Hang zur Selbstüberschätzung pilotieren diese Geschosse durch den seit Jahren immer dichter werdenden Verkehr. Der zunehmende Druck seitens der Passagiere - die im Laufe der Jahre vermehrt auf bequemere Aircon-Taxis auswichen, führte zu einem regelrechten Ellenbogen-Wettbewerb bei den verbliebenen TukTuk-Chauffeuren.
    Mafiöse Strukturen der übriggebliebenen TukTuk-Organisationen sind offensichtlich, "Frechheit siegt!" ist wohl die Devise im Straßenverkehr.

    Utopische Preisvorstellungen für Farangs bringen TukTuk-Piloten oftmals bis an den Rand der Lächerlichkeit. Nicht selten wird einem Farang das Drei- bis Fünffache an Fahrgeld abverlangt, was dieser für ein Taxi-Meter berappen müßte.
    TukTuk's sind auch im Stau nicht schneller, als ein Taxi - denn die Fahrzeugbreite läßt ein hindurchschlängeln, wie es die Mopeds an jeder Ampel machen, nicht zu.

    Kippstabil sind sie noch nie gewesen, diese gedopten Kinderdreiräder. Und ein jeder Langzeittourist oder Expat kann Stories von TukTuk's berichten, die ihre Fahrgäste in schneller Kurvenfahrt auf dem schlüpfrigen Asphalt im Regen ausgeklinkt haben. Nicht selten wurden diese hinauskatapultierten Fahrgäste dann von anderen Verkehrsteilnehmern in Geländewagen oder Pickuptrucks überrollt. So etwas liest man dann in der Tagespresse.

    TukTuk's gehören aber zu Bangkok, wie die Gondeln zu Venedig oder die Pferdekaleschen zu Wien. Schön romatisch, überteuert - und ... absolut unwichtig!
    Der Zweitaktgestank, die überheblichen Preisforderungen, die Unsicherheit, die Unbequemlichkeit..... ich brauche den Nervenkitzel nicht, ich fahre Taxi, Mopedtaxi - oder mit der BTS.
    Einheimische zahlen für Kurzstrecken 20 Baht - versucht mal, als Farang einige Meter unter 50 Baht zu bekommen! Für die 50 Baht fahre ich lieber trocken und sicher im Aircon-Taxi bis zu 5 KM weit.
    Die Abkoche seitens der Driver macht vor dem Fahrpreis aber nicht Halt. Kommissionenzahlende Juwelliere, Massagebuden, Schneider und andere zwielichtige Hökerbanden sind mittlerweile die Haupteinnahmequellen der TukTuk-Driver. Dummtouristen werden mit vielen Worten in das entsprechende Etablissement gecoacht, wo sie dann aggressivsten Verkäufern und Salespeoplen der Marke "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" ausgesetzt sind.

    TukTuk-Driver sind nie nett! Sie wollen nur abkochen und den Touristen ausnehmen, dabei sind denen alle Mittel Recht.
    Tut euch den Gefallen und fahrt mit Taxi, Bus oder BTS, wenn ihr in Bangkok seid. Nur ganz Eiligen und Ortskundigen ist auch das Mopedtaxi zu empfehlen, besonders in Rush-Hourzeiten.

    In der Regenzeit wird man durch den feinen Sprühnebel des schmutzigen Fahrbahnwassers im TukTuk fast dreckiger, als ein Fußgänger. Das Dach hält nur die relativ sauberen Fluten von oben ab! Die vorbeijagenden PKWs sorgen an jeder Pfütze (und davon gibt es in Bangkok reichlich!) für hochfrequente Duschen mit Dreckwasser von der Seite.

    Bauartbedingt haben heutige TukTuks eine riesige Autobatterie fast lose vorne auf dem Trittbrett des Fahrers stehen. Bei jedem Unfall sausen diese geschoßartig durch die Gegend und verteilen ihren Säureinhalt gleichmäßig auf andere Verkehrsteilnehmer und Passanten. An jeder Ampel schalten TukTukdriver ihre Höllenmaschinen ab, um sie dann beim ersten Hauch von Gelblicht lautstark wieder anzuwerfen.

    TukTuk's außerhalb Bangkoks stellen oft (in Ermangelung von richtigen Taxen) die einzige Möglichkeit dar, die Sohlen zu schonen, und dann muß man sich halt auf dieses Abenteuer einlassen, oder laufen. Städte wie z.B. Hat Yai, Ayutthaya, Sa Keo, Nakhon Sawan, Lopburi, Aranyaprathet und Korat sind klassische TukTuk-Reviere.
    Hier gilt zwingend: Unbedigtes Aushandeln des Preises vor dem Einsteigen! Ortsunkundige sollten sich bei Ortsansässigen vorher nach der ungefähren Route und dem zu erwartenden Fahrpreis erkundigen.

    Im Regelfall sind die TukTuks in den Provinzstädten aber bei Weitem nicht so raffgierig, wie in der Hauptstadt.

    Achtung: Bei der Suche nach einem Hotel, einem Massagesalon oder einem Reisebüro unbedingt vorher anderweitig informieren! Den Empfehlungen der TukTuk-Driver ist in den allerseltensten Fällen Glauben zu schenken. Deren Empfehlungen basieren ausschließlich auf der Höhe der zu erwartenden Kommission!
    Die schlimmsten TukTuk Abkocher Thailands findet man nach wie vor in Bangkok. Diese Spezies lungert des nachts vor Patpong, Nana Entertainment Plaza, Sukhumvit Sois 3, 5, 7 & 11 und vor den Busstationen Ekkamai und Mor Chit herum.

    Wer unbedingt TukTuk fahren auf seiner Erlebnisliste stehen hat, der sollte sich eines der Vehikel aus dem laufenden Verkehr fischen, und eine Zeitspanne mit dem Driver vereinbaren. Sightseeing im TukTuk ist durchaus reizvoll, und für einen Obulus von vielleicht 150 Baht kann man schon eine 2-3 stündige Rundfahrt bekommen.

    TukTuk-Freaks sollten einmal das Stammrevier der TukTuk-Gangs aufsuchen. Es ist ganz einfach zu finden. Das Mahboonkrong-Shoppingcenter wird vom Pathumwan Pricess Hotel flankiert. Zwischen dem Pathumwan Princess und der Chulalangkorn-Uni führt eine Straße in Richtung Chinatown. Sobald das National Stadiumgelände hinter einem liegt, stolpert man auf dem Gehsteig über Motoren- und Getriebeteile, die hier scheinbar achtlos herumliegen. Hier gibt`s billigen Mechanikerservice für Pickuptrucker und Taxipiloten. Die TukTuk-Boys haben sich in den dunklen Seitengassen und Hinterhöfen verschanzt, aber zieht euch Öldichte Gummistiefel an, die schwarzen Pfützen sind kein Wasser!
    Gebrauchte TukTuks kosten hier ab 25.000 Baht (Trümmer), betriebsbereite Modelle erzielen derzeit so um die 60.000 Baht.

    ciao

    "abstinent"

  2.  
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  3. #2
    Avatar von abstinent

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    Re: TukTuk oder......Erkenntnisse eines Beförderungswillige

    übrigens: ich würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere unter euch einmal aufrafft, und eigene anekdötchen oder berichte zur thematik bringt. ihr könnt das auch gerne hier an dieser stelle tun

    ciao

    "abstinent"

  4. #3
    pef
    Avatar von pef

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    Re: TukTuk oder......Erkenntnisse eines Beförderungswillige

    Es war vor 2 oder 3 Jahren. Meine Frau, Tochter und ich kamen mit reichlich Gepäck mit dem Bus aus BKK in Korat an. Wie Absti schon schrieb, Korat ist eine Tuk Tuk Hochburg. Am Busterminal gibts keine Taxis nur Tuk Tuks. Das Gepäck und wir hätten da nie reingepasst. Ich spielte schon mit den Gedanken entweder 2 von diesen Dingern zu chartern oder Bekannte anzurufen, die uns mit dem Auto abholen. (Wir hatten vorher nicht gesagt, dass wir kommen).
    Was macht aber der Tuk Tuk Fahrer, er zieht hinten am Fahrzeug so eine Art Gepäckständer raus (ungefähr wie Fahrradhalter in D´land)und packt da locker 2 Koffer drauf und hat sie festgebunden. Vorsichtshalber habe ich mich während der Aktion ins Tuk Tuk gesetzt, weil ich dachte, durch die schweren Koffer hinten, geht die Kiste vorne hoch :-) Also 2 Erwachsene ein Kind hinten auf der Bank, Füße auf dem am Boden verstauten weiteren Gepäck, ging es los. Aber nicht direkt nach Hause, nein, Mia musste einkaufen. Ratet mal was? Richtig etwas zu essen Little bit.
    Also auf zum nächsten Markt. Mia und Tochter verschwanden im Gewühl und ich blieb als Gepäckaufpasser
    Nach 3 Zigaretten und ca. 30 Minuten tauchte der Rest der Familie wieder auf, bepackt wie die Esel, und, mir fiel fast die Zigarette aus der Hand, hinterher dackelte noch ein bepackter HiWi-Träger.
    Wie sagte meine Mia Little bit, goil.
    Da die Thaitüten wirklich äußerst reissfest sind, kein Vergleich zum deutschen Plastikgelumpe, wurden die Tüten vertrauensvoll an vorhandene Haken, vor die Füße des Fahrers auf unseren Knien und sonst wo deponiert, wobei mich meine Mia ausdrücklich darauf hinwies bitte die Tüten nicht so zu drücken.
    Im Stillen hab ich mich gefragt, welche Zuladung so ein Gefährt überhaupt verträgt. :???: Habe diesen Gedanken aber verdrängt.
    Na ja jetzt konnte es los gehen. Meine Mia gab die Richtung an :ca. 12km Richtung Chok Chai.
    Unser Fahrer war kein Zauderer, sondern ein zügiger Fahrer. Fantastisches Anschneiden der Kurven in der Stadt, immer auf der Ideallinie, während ich mich an die Tüten klammerte oder die Tüten an mich
    Kurz bevor es auf die Schnellstrasse ging, hatte ich wahrscheinlich einen der wichtigsten Gedanken meines Lebens, vielleicht war er lebensrettend. Vorsichtig machte ich meiner heroisch mit den kostbaren Essenstüten kämpfenden Mia klar, dass ein kleiner Umweg über die Dörfer für unser Überleben, nein natürlich nicht für unser Überleben, sondern für das Überleben des sanukspendenden Essens angebrachter wäre, als mit der total überladenen Karre und mehr als 50kmh über den vielbefahrenen Highway zu donnern.
    Diese, meine Sorge über das Essen, imponierte meiner Mia und sie gab Anweisung über die Dörfer zu fahren.
    Ich kam vom Regen in die Traufe. Auf der Nebenstrecke war null Verkehr und unser Driver wollte wohl die Spitzengeschwindigkeit seines Gefährts austesten und den Motor auf Langstrecke freipusten. Ich schwörs euch, liebe Forengemeinde, so ein thailändisches Dreirad kann auch zumindest kurzfristig bei Kurvenfahrten stabil auf 2 Rädern fahren.Diese Kunststücke auf 2 Rädern waren aber meiner Mia dann doch zuviel (das kostbare Essen )und sie lies einen Brüller Richtung Kamikazefahrer los, der auch sofort gehorsam das Tempo rausnahm ;-D
    Nun ja, da ich diese kleine Geschichte hier schreiben kann, wisst ihr, das wir dann doch gut an unserem Ziel angekommen sind. Das anschließende Essen mit der engen und weiteren Verwandschaft (ca. 40 Personen) war wirklich ausgezeichnet und Chang sowie Kao Lao flossen in Strömen.Nach der unabdingbaren Einnahme von 2 Alka Selzer, ging ich dann im Seemannsgang zu Bette und träumte von einem Tuk Tuk Fahrer, der mich direkt vor die Himmelspforte fuhr. Warum wohl

  5. #4
    pef
    Avatar von pef

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    Re: TukTuk oder......Erkenntnisse eines Beförderungswillige



    Ich hoffe, das klappt jetzt!

  6. #5
    pef
    Avatar von pef

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    Re: TukTuk oder......Erkenntnisse eines Beförderungswillige

    Es klappt. :bravo:
    Und noch eins

  7. #6
    Avatar von dawarwas

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    Re: TukTuk oder......Erkenntnisse eines Beförderungswillige

    @Pef,

    :bravo:

    Real Thai.

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