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Thailand als erfolgreiches Reisezielland

Erstellt von Bakwahn, 10.03.2008, 14:11 Uhr · 83 Antworten · 4.134 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Bakwahn

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    Thailand als erfolgreiches Reisezielland

    Thailand als erfolgreiches Reisezielland
    Warum ausgerechnet Thailand?


    0. Vorbemerkung

    Ich habe diesen Aufsatz bereits vor mehreren Monaten auf einem anderen Board veröffentlicht. Nun habe ich ihn an einigen wenigen Stellen noch einmal überarbeitet und stelle ihn jetzt hier auf das Nittaya-Board ein.
    In den vergangenen Jahren ist auf diesem Board immer mal wieder über Fragen diskutiert worden wie:

    Warum Thailand? Warum Urlaub in Thailand? etc.

    Die Antworten waren nur wenig ergiebig. Ich habe nun versucht, in systematischer und historischer Sicht ein paar Antworten zu geben.
    Mein Aufsatz teilt sich in 3 Abschnitte.

    Ich beginne daher ganz konventionell mit dem ersten Teil:


    1. Zur Fragestellung:

    Ein Aufsatz in der Wochenzeitung die ZEIT über die indischen Inseln der Andamansee hat mich auf die Frage gebracht, warum es gerade Thailand zu einem der erfolgreichsten Fernreiseländer der Welt gebracht hat. Bei diesen besagten Inseln handelt sich um die Inselgruppe in der Andamansee, die zu Indien gehört, wohlgemerkt!
    Der Zeitaufsatz hat den Titel „Große Freiheit Nummer 7; Die namenlosen Strände der Andamanen zählen zu den schönsten der Welt. Noch gehören sie den Rucksacktouristen“

    (Den Link zum Aufsatz aus der Zeit habe ich unten angegeben)

    Warum ist Thailand zu einem der am meisten besuchten Fern-Reiseländer der Welt geworden?
    Warum ist Thailand das Ferienziel für Millionen von Touristen und Urlaubern aus der ganzen Welt geworden?
    Warum sind es nicht die umliegenden Länder geworden?


    2. Zur aktuellen Lage:

    Millionen von Touristen aus sämtlichen Ländern des Westens, aus Westeuropa, USA und Kanada, Australien und Neuseeland sowie aus Japan besuchen jährlich das Königreich. Selbst Neureiche aus osteuropäischen Ländern – allen voran Russland - haben seit Ende der 90er Jahre ebenfalls Thailand (zum Überwintern) für sich als Urlaubsland entdeckt.

    Seit ein paar Jahren werden ganze asiatische Völkerschaften von Pauschaltouristen durch Bangkok und Pattaya geschleift: Koreaner, Taiwanesen und auch gut verdienende Festlandchinesen etwa aus Hongkong und Schanghai sowie den aufblühenden „Sonderwirtschaftszonen“ wie Shenzen werden durch die Sehenswürdigkeiten Bangkoks gescheucht und zu für sie eigens inszenierten „Events“ gekarrt.


    3. Wer waren und sind die Konkurrenten Thailands?

    Ein Blick auf die Landkarte Südasiens, Südostasiens und Ostasiens präsentiert uns viele Länder, die als mögliche Urlaubsreiseziele nicht nur für Westler, sondern für Reisende aus aller Welt in Frage kommen: Indien, Sri Lanka bzw. Ceylon, Myanmar bzw. Burma, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, Malaysia, Indonesien und die Philippinen.
    Von allen diesen Kandidaten für möglichen Tourismus ist weltweit Thailand das Ziel Nummer 1 geworden. Heute ist Thailand eines der von Ausländern am meisten besuchten Länder der Welt. Die Thailand umgebenden Staaten Indien und Ceylon, Burma, Laos, Kambodscha, Malaysia, Vietnam und Indonesien bekommen von diesem Touristenstrom allenfalls ein paar Brosamen.


    Ein kurzer historischer Rückblick:
    Um eine Sache zu erklären, sie verständlich und verstehbar zu machen, ist es oft hilfreich, ihre Geschichte zu erzählen. Dann sieht man meistens klarer. In der Tat, dieser Erfolg für Thailand ist auch historisch zu erklären.

    Ferntourismus im großem Stile war erst ab Anfang/Mitte der 70er Jahre möglich; erst dann gab es die nötigen Großraumflugzeuge, die zu bezahlbaren Preisen massenhaft Touristen zu weit entfernten Zielen bringen konnten. Erst ab dann gab es eine kaufkräftige Klientel, die sich solche Reisen auch leisten konnte. Diese Menschen kamen aus Japan und den Ländern des Westens, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch ein ungebrochenes und lang anhaltendes Wirtschaftswunder zu relativem Wohlstand und verhältnismäßig hohen Einkommen gelangt waren.
    Zu ersten Adressen des internationalen Ferntourismus in dieser Weltgegend wurden im Verlauf der 70er und frühen 80er Jahre Sri Lanka, die indonesische Insel Bali sowie Thailand.
    Warum gehörten von den vielen möglichen Zielländern Südasiens ausgerechnet Sri Lanka und Bali sowie Thailand zu den großen Destinationen des damals aufblühenden internationalen Ferntourismus?

    Als Antwort versuche ich folgendes:
    Wohl in erster Linie deswegen, weil internationale Hotelketten und Reiseunternehmen diese Inseln (Bali, Ceylon) touristisch erschlossen und eine entsprechende touristische Infrastruktur schufen; natürlich zusammen mit Hilfe und unterstützt von den nationalen Regierungen, örtlichen Behörden sowie landeseigenen Investitionen. Beide Inseln, sowohl Ceylon als auch Bali, boten paradiesische Strände und altehrwürdige Kultur. Beide verfügten über einen großen leistungsfähigen Flughafen (Colombo und Denpasar) und eine passable Infrastruktur. Das, was für diese beiden Inseln galt, galt auch in besonderem Maße für Thailand.

    Warum sind die anderen Länder bzw. die vielen anderen Inseln nicht zu möglichen Zielorten des Fremdenverkehrs geworden?

    Diskutieren wir vier aussichtsreiche Kandidaten:
    Schauen wir zuerst auf Burma als einen ebenfalls vielversprechenden Anwärter, der mit fulminanten touristischen Attraktionen (in Rangun, Pangan, Mandalay etc.) und berauschenden Inseln, Stränden und bis heute völlig unerschlossenen Tauchgründen in der Andamanen See aufwarten kann. Aber Burma wird seit Jahrzehnten von diversen Militärdiktaturen beherrscht, die das Land außenpolitisch isoliert und wirtschaftlich abgeschottet haben und nach Belieben ausplündern und die eigene Bevölkerung erbarmungslos knechten. Burma kam deswegen jahrzehntelang als Reiseziel nicht infrage. Erst seit ein paar Jahren öffnet sich Burma vorsichtig ausländischen Touristen, weil die herrschenden Militärs den Tourismus als devisenbringende Einnahmequelle entdeckt haben. Aber Burma bleibt, wie erst in jüngster Zeit wieder zu sehen, ein unruhiges Land, in dem es zu jeder Zeit zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen und Gewaltausbrüchen kommen kann.

    Auch Kambodscha hat von seiner Geographie, Kultur und Geschichte beste Voraussetzungen für den internationalen Tourismus. Aber 1975 kamen die mörderischen Roten Khmer an die Macht und führten das Land in die Steinzeit zurück. Ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung verlor durch diese „Revolution“ ihr Leben. Abschreckend für jede Form des Tourismus. Von diesen Schreckensjahren beginnt sich Kambodscha jetzt erst zu erholen.

    Auch Malaysia käme als mögliches Ziel des internationalen Tourismus infrage. Es verfügt über Traumstrände von vielen hunderten Kilometer und Inseln von paradiesischer Schönheit. Dennoch hat sich nur auf Langkawi und an einigen anderen Orten ein nennenswerter, allerdings hochpreisiger Tourismus entwickelt. Wahrscheinlich bestand auf Seiten des autokratisch geführten Malaysias nur ein geringes Interesse am Aufbau und Ausbau einer touristischen Infrastruktur für den massenhaften internationalen Fremdenverkehr.

    Das muslimische Indonesien hatte wohl wie das muslimisch beherrschte Malaysia ebenfalls kaum Interesse an einem Einstieg in das Ferntourismusgeschäft; eben bis auf Bali, das sich sowohl ethnisch als auch von Religion und Kultur her deutlich von dem ansonsten muslimischen Indonesien unterscheidet und daher diesen Sonderweg wohl gehen konnte. Auch die in den 70ern und 80ern fast völlig fehlende Infrastruktur auf den indonesischen Inseln Sumatra, Borneo etc. verhinderte die Entwicklung von Tourismus. Vielleicht war und ist der indonesische Inselarchipel auch unter Gesundheitsfragen nicht unproblematisch. Malaria, Gelbfieber und andere Tropenkrankheiten können mit dazu beigetragen haben, dass sich kein nennenswerter Ferntourismus entwickelte.

    Vielleicht scheinen muslimische Gesellschaften generell etwas verschlossener zu sein, weniger offen für internationalen Tourismus. Die enge Verschränkung von strenger Religion und öffentlichem Leben, verschleierte Frauen und Alkoholverbot wirkt eher abschreckend auf westliche Touristen. Eine Ausnahme bilden seit ein paar Jahren die durch Öl zu superreichen Gesellschaften gewordenen Emirate und Königreiche am Persischen Golf, die einen luxuriösen „5-Sterne-Tourismus“ für den internationalen Jetset hochgezogen haben (Dubai, Abu Dhabi etc.)


    4. Als erstes Ergebnis kann man folgendes festhalten:

    Thailand war in der Zeit des Aufbruchs des internationalen Massenferntourismus (ab etwa Anfang der 1970er Jahre) umgeben von Militärdiktaturen bzw. „autokratischen Demokratien“ (Malaysia), von verbrecherischen Regimes (Burma, Kambodscha), kommunistischen Ländern (Laos, Vietnam) und muslimischen Staaten (Malaysia, Indonesien).
    Diese Länder fielen daher als mögliche Destinationen für den internationalen Tourismus weitgehend aus.

    Als Verbündeter der USA während des Vietnamkrieges stand Thailand unter dem mächtigen Schutzschirm der Amerikaner, war daher eine Insel der Ruhe, der Sicherheit und auch ein Ort relativer innerer Stabilität und Gefahrlosigkeit. Im Jahre 1975 endete der Vietnamkrieg, und die Amerikaner zogen aus Vietnam und damit auch weitgehend aus Thailand ab; Siam, ihrem Stützpunkt für die Luftangriffe auf Vietnam sowie das Land für „Rest and Recreation“ (Ruhe und Erholung) für ihre gestressten Soldaten.
    Die Thais haben während der ca. 15 Jahre (etwa von Anfang der 60er Jahre bis 1975), die sie die amerikanischen Soldaten in großer Zahl im Land beherbergten, sehr schnell gelernt und die Erfahrung gemacht, wie viel Geld (sprich harte Devisen) sich mit dem Tourismus verdienen lässt. Sie begannen sehr rasch, eine touristische Infrastruktur aufzubauen. Und schon bald war vom komfortablen 4 Sterne-Hotel für den anspruchvollen Pauschaltouristen bis zur 50 Baht Hütte für den Rucksackreisenden, den Backpackern, alles vorhanden.

    Die Entwicklung der folgenden Touristenziele ist bekannt:
    Ko Samui, Phuket und auch Pattaya sind bereits Mitte/Ende der 70er Jahre bei uns in Deutschland zu Traumzielen des „Südseeurlaubs“ geworden. Auch ich war damals wonnetrunken von den Berichten und den berauschend schönen Bildern, die man gelegentlich im STERN, im SPIEGEL oder in diversen TV-Reisemagazinen im Fernsehen immer wieder zu lesen bzw. zu bestaunen bekam. Heute sind die meisten Buchten und Strände dieser eben genannten Reiseziele mit Hotelburgen und Beton zugepflastert und die örtlichen Behörden kämpfen mit Umweltbelastungen, Verschmutzung und Trinkwasserknappheit.

    Auch die TAT hat einen entsprechenden Anteil am Erfolg des Thailand-Tourismus.
    So heißt es bei Wikipedia über die TAT:
    „In Thailand ist sie die erste und wichtigste Organisation, die spezifisch für die Fremdenverkehrsförderung verantwortlich ist. Die TAT beliefert die Öffentlichkeit mit Informationen und Daten zu allen touristischen Aspekten, informiert über Thailand als Reiseland, um die thailändischen und ausländischen Touristen zum Reisen in und nach Thailand zu animieren, leitet Studien, um Entwicklungspläne für touristische Bereiche zu entwickeln, steht für die Zusammenarbeit zur mit interessierten Stellen zur Verfügung und unterstützt die Ausbildung und Entwicklung von Personal im Fremdenverkehrsbereich.“

    Die TAT hat durch ihre Werbe- und Promotionsaktionen sicherlich in ganz entscheidender Weise Thailand in der Welt als Reiseland bekannt gemacht. Die TAT hat die touristischen Attraktionen des Landes – die eigenen Leute, Kultur und Religion, Sonne, Meer und Strände etc. - marktschlüpfrig gestylt. Die Methoden der Inszenierung ihres Landes reichen über farbenprächtige Prospekte und Plakate, diverse Werbeaktionen (Visit-Thailand-Year etc.) mit zahllosen Festivals, Feierlichkeiten, „Events“ eben. Ja selbst der Geburtstag des Königs wurde bereits effektvoll durch die TAT vermarktet.

    Natürlich gibt es noch eine Reihe weiterer Pluspunkte, die zum Erfolg Thailands beigetragen haben, die ich für wichtig und zentral für den Triumph halte. Ein paar nenne ich hier:

    1. die tiefe Prägung durch den Theravada-Buddhismus mit seiner Toleranz und Friedfertigkeit.
    2. Die Freundlichkeit der Menschen, ihre Lebensfreude, ihr viel zitiertes Lächeln, ihre Gastfreundschaft und auch ihre Neugierde auf die Fremden, die Farlangs.
    3. Ihre Fähigkeit, ihr Lebensprinzip „Sanuk“ in allen Lebensvollzügen, seien diese noch so beschwerlich und mühevoll, wirksam werden zu lassen.
    4. Zudem ist Thailand ein absolut sicheres Reiseland. Überfälle auf Touristen, Diebereien, räuberische Erpressungen etc. sind fast völlig unbekannt.
    5. Nicht zu vergessen, die thailändische Küche, die sicherlich eine der besten, wohlschmeckendsten, bekömmlichsten und raffiniertesten der Welt ist.
    6. Das bis heute immer noch sehr günstige Preisniveau. Wo gibt es Hotelzimmer im Mittelklassebreich zwischen 10 bis 20 Euro, landesübliche Mahlzeiten zu einem bis zwei Euro?

    Ich meine hiermit eine erste Antwort auf die Frage gegeben zu haben, warum Thailand in dieser Weltgegend das Traumziel für Millionen von Touristen geworden ist.

    Hier der Link zu dem Aufsatz in der Zeit, der mich zu meinen Überlegungen angeregt hat:
    http://www.zeit.de/2007/23/Andamanen?page=all

    Fortsetzung folgt sogleich!

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Bakwahn

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    Re: Thailand als erfolgreiches Reisezielland

    zweiter Teil:

    Einige Überlegungen und Kommentare, ein „Brainstorming“:

    Im ersten Teil habe ich vordergründige Beschreibungen und Erklärungen für den kometenhaften Aufstieg Thailands als Urlaubsziel von Millionen sonnenhungriger Urlauber und Touristen aufgelistet.

    Bei Thailand verschränkte oder besser vermittelte sich die Angebots- mit der Nachfrageseite auf äußerst erfolgreiche Weise.
    Auf der Nachfrageseite steht der normale, durchschnittliche Tourist und möchte für die wenigen Wochen seines Urlaubs in der Regel Sommer, Sonne, Strand und Meer, gutes Essen und Trinken, Ausgeh- und Vergnügungsmöglichkeiten, dazu ein paar kulturelle Sehenswürdigkeiten, gepaart mit ein paar Ausflügen zu lokalen Attraktionen etc.; eben Erholung, Unterhaltung und Vergnügen. Und das alles zu günstigen Preisen bei garantierter Sicherheit. Das sind sicherlich ja auch berechtigte und unverdächtige Reisemotive.
    Die thailändische Tourismusindustrie, das zuständige Innenministerium, lokale Behörden etc. haben sich sehr schnell auf diese Wünsche eingestellt, und die touristischen Gegenden Siams bieten ja denn auch dem Besucher in der Regel ein „Rund-Um-Wohlfühlgefühl“.
    Auf diesem Board hier, dem Nittaya Board, posten überwiegend Leute, die mit Thailänderinnen verheiratet sind oder sonstwie festere Bindungen an dieses Land haben, etwa dadurch, dass sie dort leben und arbeiten oder als Rentner oder Pensionär dort zeitweise leben, überwintern.
    Von zwei Diskutanten wurde die Frage „Warum Thailand?“, warum sie irgendwann einmal anfingen, nach Thailand zu reisen, warum sie sich Thailand als Urlaubsziel ausgesucht haben und dann diesem Land die Treue gehalten haben; diese Frage wurde stellvertretend für viele andere in geradezu beispielhafter Offenheit und beeindruckender Kürze folgendermaßen beantwortet:

    Johnboy schreibt:
    „Mal abgesehen davon das mich Asien schon lange fasziniert, gefällt mir an LOS speziell:
    - die unkomplizierte Art zu reisen
    - günstige Lebenshaltungskosten
    - freundliche und offene Menschen
    - das Essen
    und das man immer wieder bezaubernde, traumhafte Stellen findet wo man am liebsten gleich bleiben und alt werden möchte.“


    Und Hschub gesteht:
    „warum Thailand ?
    -weil ich eine Thailänderin liebe und mit Ihr verheiratet bin, :-)
    Sie nicht abzockt und unser Geld nicht Ihrer buckligen Verwandtschaft schickt.
    -weil ich weisse Palmenstrände und türkisblaues Meer liebe,
    -weil ich mich bei Sonne und Temperaturen ab 30 Grad wohlfühle,
    -weil ich die thailändische scharfe und würzige Küche sehr mag,
    -weil das Preis/Leistungsverhältnis für mich stimmt
    und sabai/sanuk auch meine Lebenseinstellung sind“


    In diesen Aussagen finden sich alle wesentlichen Motive und Momente, die LOS zu dem erfolgreichen Reiseland gemacht haben, das es bis heute ist.


    Exkurs: ein historischer Rückblick

    Alles Reisen war bis ins 20. Jahrhundert hinein nur für eine kleine gesellschaftliche Gruppe möglich, ein Privileg von Reichen, Wohlhabenden und Geschäftsreisenden, die damit zugleich auch ihren adligen oder großbürgerlichen Lebensstil demonstrierten.
    Erst in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das Reisen, und hier insbesondere die Urlaubsreise, zu einer Möglichkeit immer größerer Gesellschaftsschichten. Der Ausbau des Eisenbahn- und Straßennetzes sowie das Aufkommen der Automobile ermöglichte immer mehr Menschen, eine Reise zu unternehmen.

    Ab Mitte der 50er Jahre wurde das Reisen zu einem Massenphänomen, und speziell die West-Deutschen entwickelten sich in den folgenden Jahren, dank Wirtschaftswunder und der harten DM, zum „Reiseweltmeister“.

    Die Tourismusforscherin Karin Hlavin-Schulze schreibt in einem Aufsatz etwa sinngemäß (siehe Literaturhinweise unten): Ab dieser Zeit taucht ein neues Symbol auf, die Sonnenbräune. Nicht mehr blasse Haut und körperliche Grazie und Zierlichkeit, Zeichen der vornehmen leisure-class, der „oberen Zehntausend“, sondern tiefe Bräune wurden zum Zeichen sozialen Aufstiegs, zum Prestigesymbol von höchstem Stellenwert.

    Mallorca wurde Anfang der 60er zur „Putzfraueninsel“, ein Reiseziel für den billigen Massentourismus, ein Image, unter dem Mallorca bis heute noch leidet, obwohl es diverse Anstrengungen und Maßnahmen seitens der mallorcinischen Behörden gab und gibt, den „Ballermann-Tourismus“ z.B. in Arenal und Cala Rajada durch hochpreisigen Tourismus zu ersetzen. Seit Jahren schon wirbt man um „Qualitätstouristen“.

    Ein anderes Ziel für viele Deutsche war während der langen Zeit des Wirtschaftswunders und der harten DM Italien und speziell Rimini. Die Adria wurde zum "Teutonengrill". Für sonnenhungrige Deutsche war es der perfekte Traum vom Süden: Sonne. Strand, Meer und südliche Exotik. Rein ins Auto (oder Flugzeug), raus aus dem kalten, verregneten Sommer und runter an den Strand von Rimini.

    Ich referiere noch einmal Karin Hlavin-Schulze:
    Mit einer Reise wird dem Normalen, unserem grauen Alltag, das Außergewöhnliche als eine Art Gegenwelt zu unserem Alltagsleben entgegengesetzt. Die Ordnungsstruktur des Alltags, die durch Eintönigkeit, Routine, vielleicht auch durch Langeweile und Frustrationen gekennzeichnet sind, durch Einordnung und auch Unterordnung (z.B. im Beruf) wird durch eine Reise, insbesondere durch die Urlaubreise, durchbrochen. Eine Reise wird als Kontrastprogramm zum Alltag verstanden und soll auch so erlebt werden. Die Prospekte, die Bilder und die Werbung der Tourismusindustrie versprechen genau das: die Reise als Entlastung von der täglichen Routine, es ist ein Ausstieg auf Zeit von unserem durchorganisierten freudlosen Alltag, eine zivilisatorische Auszeit.

    Im Urlaub gelten gemeinhin auch andere Prioritäten und Toleranzschwellen als zu Hause; übermäßiger Konsum, sorgloser Umgang mit Geld, ein mitunter sich darauf abstützendes Herrschaftsgebaren: Man zahlt schließlich für alles! Man hat schließlich Urlaub! Man schlüpft als Urlauber in andere Rollen, in Rollen, die einem zu Hause meist verwert sind. Man hat lange gespart und verfügt jetzt über eine gut gefüllte Reisekasse, die einem ein starkes Selbstbewusstsein und ein entsprechend herrschaftliches Auftreten ermöglicht.

    Alle diese Motive und Momente des Reisens, insbesondere der Urlaubsreise, erfüllt Thailand geradezu vorbildlich: Niedriges Preisniveau, Hotels, Essen, menschliche Dienstleistungen im internationalen Vergleich zu Spottpreisen , höfliche, lächelnde dienstbeflissene Menschen, die versuchen, es dem Farlang so bequem wie möglich zu machen, natürlich immer auch gegen ein paar Baht, versteht sich ….

    Fortsetzung folgt sogleich!

  4. #3
    Avatar von Bakwahn

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    Re: Thailand als erfolgreiches Reisezielland

    Dritter Teil:

    Es gibt aber auch eine zweite- eine ohne Zweifel - dunkle Seite dieses Landes.
    Thailand: Ziel Nummer 1 des 5extourismus, und zwar weltweit!

    1. These:

    Der Erfolg Thailands als internationales Reiseziel verdankt sich auch – nun wie soll ich das sagen – dem weiblichen Teil seiner Bevölkerung, den jungen Frauen des Landes.

    So wurde bereits in der Mitte der 70er Jahre in unseren Medien über Thailand als dem Reiseziel für 5extouristen berichtet. Die das Land ab etwa 1975 allmählich verlassenden US-Amerikaner wurden durch einströmende, überwiegend männliche (5ex-)Touristen ersetzt. In allen wichtigen Massenmedien – Fernsehen, Spiegel, Stern etc. – wurde damals darüber entsprechend reißerisch und ausführlich berichtet. Ich erinnere mich noch gut daran. Auf dem Hinflug – so wurde gespottet - war es der „Bumms-Bomber“ und auf dem Rückflug dann der „Tripper-Clipper“.
    Die Flugzeuge sollen in den ersten Jahren bis zu über 80% Männer nach Bangkok gebracht haben; so wurde es immer wieder kolportiert. Diese sensationelle, skandalöse, monströse Berichterstattung zog dann weitere, neugierig gewordene überwiegend männliche Touristen nach sich.
    Seit vielen Jahren allerdings scheint das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Thailandurlaubern ungefähr ausgeglichen zu sein: viele Paare, Familien mit Kindern, Frauen, alleinreisend oder in kleinen Gruppen, und natürlich viele interethnische Paare und Familien.


    2. These:

    Diese (männlichen) Touristen der ersten Jahre haben ein Angebot angenommen, welches ihnen dieses Land von sich aus gemacht hat: die jungen Frauen und Mädchen dieses Landes.

    Und das gilt bis heute: Meine Erfahrung und meine gefühlsmäßigen Schätzungen sagen mir, dass heute ungefähr 30.000 junge Mädchen und Frauen in den Touristenzentren von Bangkok, Pattaya, Phuket und Ko Samui ihre Dienste den männlichen Touristen anbieten.
    Alle staatlichen Institutionen, vom Innenministerium, über die Polizei bis hin zu den Bürgermeistereien und den örtlichen Verwaltungen von Städten und Gemeinden, haben von Anfang an dem sich ausbreitenden 5extourismus keine Hindernisse in den Weg gelegt; ganz im Gegenteil. Es gibt eine Anweisung des damaligen Vizepremierministers Boonchu Rajnashtien, der 1980 gesagt hat:
    „Innerhalb der nächsten 2 Jahre brauchen wir Geld. Deshalb sollen die Gouverneure die natürlichen Attraktionen in ihren Provinzen zusammen mit einigen Arten der Unterhaltung in Erwägung ziehen. Einige von ihnen mögen diese Arten der Unterhaltung abstoßend und beschämend finden, denn es sind vor allem die 5exuellen Arten der Unterhaltung, die die Touristen anziehen. Diese Arten der Unterhaltung sollten nicht verboten werden, nur weil wir hohe Moralvorstellungen haben …“ (zitiert nach Susanne Lipka: Das käufliche Glück in Südost-Asien. Münster 1985)
    So konnte man bereits 1971 im Stern lesen: „Den Mann aus Deutschland erwartet in Bangkok das Paradies. Bereits im Lächeln der Mädchen findet er die Antwort auf all seine Wünsche.“ Und die Quick schrieb 1975: „ … das Lächeln der Mädchen, so beständig, die Mädchen so willig und billig, als wär’s ein Stückchen Paradies.“ (beide Zitate zitiert nach Susanne Lipka: Das käufliche Glück in Südost-Asien. Münster 1985)


    3. These:

    Es gibt kein anderes Land auf dieser Welt, das in einem solch hohem Maße Prostitutionstourismus nicht nur zulässt, sondern aktiv begünstigt bzw. gefördert hat.
    Vielleicht noch die Dominikanische Republik, aber mit auffälligen Unterschieden.

    Das solls gewesen sein. Ich höre mal auf. Wie wir alle wissen, ist das ein unangenehmes Thema. Aber diese Art des Tourismus gehört zu Thailand wie die thailändische Sonne, die Strände und die wunderschönen buddhistischen Wats.

    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf


    Literaturangaben:

    Hasso Spode: Wie die Deutschen "Reiseweltmeister" wurden. Eine Einführung in die
    Tourismusgeschichte, Erfurt: LzT 2003.
    Hasso Spode: Goldstrand und Teutonengrill. Kultur- und Sozialgeschichte des Tourismus in
    Deutschland. 1945 bis 1989, Berlin: Verlag für universitäre Kommunikation 1996
    Karin Hlavin-Schulze: Alles schon mal dagewesen? Reisen in der Postmoderne
    In: Tourismus Journal, 2. Jg. 1998 Heft 2, S. 273 – 282
    Susanne Lipka: Das käufliche Glück in Südost-Asien. Münster 1985

  5. #4
    Avatar von Dieter1

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    Re: Thailand als erfolgreiches Reisezielland

    Malysia ist Strand- und Inselmaessig gegenueber Thailand zwar klar im Vorteil, aber die eher verschlossene muslimische Gesellschaft (66% Moslems, Rest meist Chinesen) und die durch Erdgas- und Erdoelvorkommen geringe Abhaengigkeit von dem touristischen Wirtschaftszweig, lassen das Land diesbezueglich wohl noch eine zeitlang in Ruhe :-) .

    Ausserdem gibts in Malaysia keinen Isaan.

  6. #5
    Avatar von Bakwahn

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    Re: Thailand als erfolgreiches Reisezielland

    Dieter, zu deinen Anmerkungen zu Malysia:

    wie ich schon schrieb:
    Vielleicht scheinen muslimische Gesellschaften generell etwas verschlossener zu sein, weniger offen für internationalen Tourismus. Die enge Verschränkung von strenger Religion und öffentlichem Leben, verschleierte Frauen und Alkoholverbot wirkt eher abschreckend auf westliche Touristen.

    Das gilt natürlich auch für das überwiegend muslimische Malysia. Insbesondere auch dann, wenn der Islam in diesem Land die Staatsreligion ist!

    Deine ironisch gemeinte Anmerkung zum Isaan:
    ganz Laos und Kambodscha sind ein einziger Isaan!
    Diese Länder befinden sich wirtschaftlich auf einem Niveau, auf dem sich der thailändische Isaan mal vor ca. 25 Jahren befunden hat! Die wirtschaftlichen Fortschritte sind auch ganz besonders im Isaan zu spüren. So arm sind die Leute dort schon lange nicht mehr! Thailand ist schon lange ein Schwellenland, ja ein junges Industrieland.

  7. #6
    Avatar von Nordbayer

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    Re: Thailand als erfolgreiches Reisezielland

    in welche Schule gehst Du denn, dass Du solche Aufsätze schreiben musst? oder macht man sowas freiwillig? was willst Du uns damit sagen?

  8. #7
    Avatar von Bakwahn

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    Re: Thailand als erfolgreiches Reisezielland

    Zitat Zitat von Nordbayer",p="570620
    in welche Schule gehst Du denn, dass Du solche Aufsätze schreiben musst? oder macht man sowas freiwillig? was willst Du uns damit sagen?
    1.
    Ich habe lediglich eine Frage beantworten wollen, eine Frage, die offensichtlich für viele hier auf diesem Board von großem Interesse ist. Das sieht man daran, daß solche Threads - besser Themen - in den letzten Jahren immer wieder diskutiert worden sind. Die zwei besten und brauchbarsten Antworten (meiner Meinung nach) habe ich zitiert.

    2. Ich bin weder Schüler noch Lehrer.
    Ich schreibe solche Aufsätze freiwillig in meiner Freizeit.
    Weil mich solche interessanten Fragen und vor allen Dingen wahre und richtige Antworten auf solche Fragen interessieren.

    3. Du brauchst meine Beiträge ja nicht zu lesen.

  9. #8
    KKC
    Avatar von KKC

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    Re: Thailand als erfolgreiches Reisezielland

    @Bakwahn,
    guter Versuch und weiterer ernsthafter Diskussion würdig.
    Ich hoffe nur er wird nicht durch solch intellektuelen Postings wie von Nordbayer 'aufgewertet' (oder abgewertet?).
    Sei's drum, manche leben in Thailand halt unter einer Käseglocke.
    Gruß

  10. #9
    Avatar von Nordbayer

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    Re: Thailand als erfolgreiches Reisezielland

    habe lediglich 3 Fragen gestellt. Aber werde mich aus diesem Thread dann doch heraushalten. Soll dann doch für die Intellektuellen reserviert bleiben.

  11. #10
    Avatar von Joopi

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    Re: Thailand als erfolgreiches Reisezielland

    Besucherentwicklung aus der BRD

    2003 = 389 T
    2004 = 449 T
    2005 = 445 T
    2006 = 507 T
    2007 = 379 T bis 10/07

    2008 = 570 T Erhoffte Besucherzahl....

    Quelle TFA Frankfurt

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