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Taormina - Ein Platz für Romantiker

Erstellt von HPollmeier, 31.05.2004, 10:53 Uhr · 0 Antworten · 990 Aufrufe

  1. #1
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    Taormina - Ein Platz für Romantiker

    Hallo zusammen,

    Ottos Anregung folgend sollte das Thema die Folge „Eine schöne Fahrt oder Alternativen zu Thailand“ ergaenzen. Durch den Wegfall der Bilder wurde es verstuemmelt.

    Ich habe nun die Bildfolge bei ‚Arcor’ neu aufbereitet, aber in Ottos Thema passt sie nicht mehr; sie steht sozusagen isoliert da.

    Wer meinem Gedankengang folgen will, dass die Thais in grober Verallgemeinerung die Italiener Suedostasiens verkoerpern, wird das Thema ggf. unter dem Oberbegriff „Touristk“ dulden.

    Denn tatsaechlich streben gebildete Thais oft nach Italien. Begeben wir uns dorthin, an einen Schnittpunkt abendlaendischer Kultur: Sizilien!


    Taormina - Ein Platz für Romantiker
    Von H. & R. Pollmeier
    © Fotos Pollmeier


    Unterwegs auf dem langen Weg:
    Am Magra:




    “München leuchtet,“ sagt T. Mann, aber der Himmel über Florenz dräut:


    Wenn auch selten:


    Siena:



    Capri:


    Über versteckte Reize Italiens schweigen ihre Liebhaber oft, aber Goethe, Italiens bester Fremdenverkehrswerber deutscher Sprache, war begeistert, als er von der obersten Stufe des antiken Theaters auf das vulkanbeherrschte Panorama dieser klassischen Landschaft schaute. Taorminas Schönheit ist die Schönheit seiner Ausblicke.








    Ein anderer mediterraner Globetrotter vor fast dreitausend Jahren, ein gewisser Herr Odysseus, geriet vor "Siziliens grünen Gestaden" noch in höchste Seenot. Die beiden Höllenhunde Skylla und Charybdis, gewaltige Meeresstrudel, lauerten an der Straße von Messina. Als Johann Wolfgang mit einer Korvette auf die "herrliche Insel des Sonnengottes" zusteuerte, wurde er nur seekrank und mußte in der Kajüte auf die "Matratzen". Er nahm "roten Wein und gutes Brot" zu sich und dichtete im Frühjahr 1787, gewiß erholt: "Ein klarer Duft blaute alle Schatten."

    Riviera der Zyklopen:


    Heute reicht die halbe Stunde mit dem Fährschiff gerade für einen Cappucino. Und wo Goethe noch auf dem Maulesel entlangritt, streben wir hurtig auf der Autostrada dem hochgelegenen "Tauromenion" zu, das vor 2000 Jahren bereits Reiseziel betuchter Römer war. Schon im alten Großgriechenland war Plato dort Tourist, wo Archimedes lebte und Aeschylos starb. Naxos ganz in der Nähe, heute der Fischer- und Badedorf Giardini Naxos zwischen den Kaps Taormina und Schiso, ist ohnehin die erste Kolonie der Griechen auf Sizilien.


    Es wurde in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts von den Chalkidiern unter der Führung von Tukles gegründet; ihnen schlossen sich die Naxier von der gleichnamigen Ägäisinsel an. Thukydides berichtet, daß von diesem Stützpunkt die Männer kamen, die in der Ebene erst Leontinoi (Lentini) und dann Katane (Catania) gründeten. Aber die Halbinsel


    war schon seit dem Neolithikum und der Bronzezeit bis zur Ankunft der Griechen bewohnt.

    Unterwegs auf Sizilien:

    Gola d’Alcantara – Natur in Basalt:




    Aci Castello:






    Agrigent:


    Der Concordia-Tempel aus dem 5. vorchristlichen Jh. ist einer der besterhaltenen griechischen Tempel überhaupt:



    Tempel der Juno Lacinia:





    Die Säulen des Herkules-Tempels:




    Ein Abstecher nach Selinunt:


    Cefalu:


    Die spärlichen Baureste von Naxos sind kein spektakulärer Höhepunkt einer Sizilienreise, aber hier finden wir das Tor zur Geschichte eines Volkes, das in wenigen Jahrzehnten einen unerreichten Mythos schaffte. Seine Städte wetteiferten mehr als fünfhundert Jahre lang in Prunk und Schönheit mit den prächtigsten des Mutterlandes selbst. Die im 5. Jahrhundert völlig neue, nach strikt geometrischen Schema angelegte Stadt mit ihren breiten Straßen wurde von Dionysios I. um 403 v.Chr. völlig zerstört. Fortan gilt das nordöstliche Taormina als Erbe der antiken Stadt. Es spielte in griechisch-römischer Zeit keine bedeutende Rolle mehr.


    Wegen seiner festen Lage auf der schmalen Bergterasse widerstand es lange den anstürmenden Sarazenen, wurde erst 902 erobert und von den Arabern als Almoezia prächtig wieder aufgebaut. 1079 fiel es an die Normannen, dann teilte es die Geschicke Siziliens.

    Die gassenreiche, verwinkelte Stadt selbst auf den Terassen und Hängen des Monte Tauro ist ein spätmittelalterliches Geviert hoher Häuser,




    reichgeschmückter Paläste


    und schöner Kirchen



    mit den Kunsteinflüssen aller Epochen.

    Auf der Hauptstraße mit dem königlichen Namen Corso Umberto kann man heute einen Kilometer lang auf Souvenirjagd gehen, in der Hochsaison offensichtlich eine Hauptbeschäftigung vieler Badegäste von den Buchten und Stränden der Küste.




    Taormina ist längst nicht mehr das Reiseziel, das die elegante Welt vor dem ersten Weltkrieg im Winter mehr zur Kur als zum Sport aufsuchte. Wer sich im Sommer durchwühlt, achtet kaum noch zwischen dem zur Kirche umgebauten Jupitertempel und der Piazza am Dom



    mit seinem Barockbrunnen auf ehrwürdiges Mauerwerk aus Lavablöcken und Römerziegeln, auf die Fassaden engstehender Palazzi zwischen den Shops. Weniger Souvenirrummel als an der Flanierstraße herrscht 350 m höher am Berg, denn über Taormina schwebt auf 885 m Höhe wie ein Schwalbennest Castello Mola,



    ein charakteristischer Ort mit uralten Steinhäusern - kein leichter Sprung zurück in vergangene Jahrhunderte. Denn eine Dreistundenwanderung über den "Mulattiera" führt zu den Resten der alten Akropolis von Tauromenion, in die engen Gassen eines echteren Siziliens, mit Gemäuer von Efeu überrankt, leicht vergammelt und voll stiller Schönheit.


    Wenn ein Tag über dem Jonischen Meer rosenfingrig und wolkenlos aufgeht, erhebt sich mächtig dräuend, mit eingeschneiten Kraterflanken Mongibello, der Ätna, der Berg der Berge, wie eine Fata Morgana des Kilimandscharo.




    Antike-Schwärmer steigen deswegen täglich die Via Teatro Greco herauf. Die Sizilianer sagen schlicht: "Der eisige große Alte mit der Pfeife im Mund und weißer Kaputze." Der größte aktive Vulkan Europas bildet auf Grund seiner vulkanologischen, physischen, biologischen und landschaftlichen Merkmale einen einzigartigen Naturkomplex, den viele besungen haben. Es gibt unzählige Möglichkeiten, den Naturschutzpark zu durchfahren oder zu erwandern. Man kann dort auch Skier leihen. "Du fühlst dich wie Ikarus zwischen der Sonne und dem Mittelmeer," sagt ein Gast.


    Aber sitzt es sich nicht besser im Teatro Greco oder im Giardino Pubblico, Thukydides zur Hand oder auch Goethe - das hatte man schon immer vor.





    Weitere Infos zum Ätna:

    http://www.educeth.ch/stromboli/etna/index-de.html

    http://www.educeth.ch/stromboli/othe...etna02-de.html

    http://www.tboeckel.de/efsf_d.htm

    Auf der Rückfahrt sollte man ein ‚Weltwunder’ nicht versäumen – Castel del Monte:








    Gruss
    Heinz Pollmeier

  2.  
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