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Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

Erstellt von HPollmeier, 05.11.2004, 16:17 Uhr · 23 Antworten · 3.819 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von HPollmeier

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    Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

    Hallo,

    bei den „Öffentlichen Fotoalben“ von „Arcor“ findet man unter der Rubrik „Natur“ wundervolle Bilder von Orchideenblüten, so z. B. unter

    http://www.arcor.de/palb/thumbs_publ...lbumID=3082667

    http://www.arcor.de/palb/thumbs_publ...lbumID=3039578

    http://www.arcor.de/palb/thumbs_publ...&albumID=45569

    http://www.arcor.de/palb/thumbs_publ...&albumID=45569

    http://www.arcor.de/palb/thumbs_publ...&albumID=46979

    http://www.arcor.de/palb/thumbs_publ...&albumID=40967

    Wir haben das zum Anlaß genommen, uns mit den Orchideen in Thailand zu befassen:

    Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen
    Von Heinz & Rainer Pollmeier

    Orchideen umgibt das Flair des Geheimnisvollen und der Exotik. Sie waren die ersten Pflanzen, die nur um ihrer Schoenheit wegen gepflegt wurden. Thailand hat allein 1.000 wildwachsende Arten - kein Wunder, dass sie zu Nationalpflanzen geworden sind.


    Wilde Orchideen findet man leicht in den Wäldern um den Doi Inthanon:


    Im ganzen Land sieht man kaum ein Haus, an dem nicht wenigstens ein Topf mit Orchideen haengt. Die Zucht von Hybriden ist nicht nur ein populaeres Hobby, sie wurde ein bluehender Geschaeftszweig. Kaum ein Flugzeug verlaesst Bangkok, das nicht einige der charakteristischen langen Kartons mit Schnitt-Orchideen oder ganzen Pflanzen mit sich fuehrt.

    Als Schnittblumen werden sie ueberall in Bangkok angeboten:


    Fuer Liebhaber ist der Blumenmarkt in Thevet ein einzigartiger Genuss, aber man kann auch ohne weiteres Gaertnereien in Bangkok oder Farmen besuchen, die Orchideen fuer den Export zuechten. Sie liegen meist in Thonburi oder an beiden Seiten der Schnellstrasse zum Flugplatz. Eine der groessten Firmen ist T. Orchids


    an der 30/71 Suthisarn Road in Ithamara.

    Besucher sind gern gesehen; sie koennen sich robuste Exemplare fuer die eigene Fensterbank aussuchen,




    denn auch aus unseren Breiten werden viele anpassungsfaehige Arten in die Zucht einbezogen. Sie ergeben eine faszinierende Bluetenpracht zu erstaunlich guenstigen Preisen.

    Orchideen stehen in Parks wie hier in Singapur:



    Orchideen sind Weltenbummler
    Orchideen sind mit 30.000 Arten neben den Korbbluetlern die groesste Pflanzenfamilie. Dazu kommen 100.000 Kreuzungen. Sie nutzen in den Tropen wie Bromelien, Tillandsien und viele Farne ihre Wirtsbaeume als Unterlage und heissen daher Epiphyten (griech. epi phyton = Überpflanze). Sie klammern sich mit ihren Luftwurzeln an der Rinde fest, ernaehren sich von den modernden Partikeln, von Regenguessen und einfallendem Licht.

    Und hängen in vielen Gärtnereien:



    Die Gattungen und Arten in Europa, genauso bescheiden und anspruchslos, gehoeren zu den terrestrischen (lat. terra = Erde) Orchideen, weil sie wie unser Knabenkraut, Frauenschuh und Ragwurzel auf der Erde leben. Der griechische Philosoph und Naturwissenschaftler Theophrastos (372 bis 289 v. Chr.) gilt als Erfinder des Namens Orchis, der ..... bedeutet, weil die Wurzelknollen des Knabenkrauts ein wenig dem maennlichen Organ aehneln.


    Es ist also ein Vorurteil, dass Orchideen nur im feuchtheissen Tropenklima gedeihen. Diese Weltenbummler wachsen in Norwegen und Alaska (Calypso bulbosa), in Westfalen und Sibirien, wir finden sie nicht auf den Hochgebirgsgipfeln, in den grossen Wuesten und den Polarregionen. So gibt es fuer jeden Ort daheim eine geeignete Pflanze, man muss nur ein wenig ihre Lebensgewohnheiten kennen, wenn man dem Kauf nicht widerstehen kann. Bei rechter Pflege passen sie sich den Gegebenheiten der Zimmerkultur an und haben ein sehr langes Leben.


    Die Urorchidee ist wohl zu Beginn des Tertiaers vor 65 Millionen Jahren aufgeblueht. Neben den wildwachsenden Naturarten kristallisierten sich durch natuerliche Kreuzungsmoeglichkeiten immer neue Verbesserungen heraus, auch wenn fuer jede Art ein bestimmtes Insekt als Kreuzungshelfer zustaendig war. Charles Darwin (1809 bis 1882) hat in seinen Studien zur Orchideenbestaeubung herumgeraetselt, welcher unbekannte, langruesselige Schmetterling eine Orchideenart auf Madagaskar mit extrem langen S.... bestaeuben koenne. Als Forscher spaeter den betreuenden Nachtschwaermer entdeckten, gaben sie ihm den Namen Xantopan morgani praedicta fuer den "vorhergesagten" Schmetterling.


    Wir toeten, was wir lieben
    Etwa 50.000 Pflanzenarten sind nur noch in botanischen Lexika zu finden. Tropische Orchideen werden zusaetzlich durch Auspluenderung ihrer speziellen Lebensraeume und durch die Rodung der Regenwaelder vernichtet. Auch die Entdeckungsgeschichte der Orchideen zeigt das ungehemmte Verlangen der Menschen nach Eigennutz: Ruecksichtsloses Gewinnstreben und Sammlergier raeumen gezielt und systematisch bis zur Katastrophe die Bestaende leer, die schamlose Orchidomanie, die aggressive Seuche der Orchideenjaeger, hat einen barbarischen Raubbau bewirkt, den "nicht einmal eine ordinaere Pflanzenart haette verkraften koennen", wie der englische Orchideenforscher Philipp Cribb feststellte.


    Die Chinesen schaetzten Orchideen. "Die Orchideenkultur des Herrn Wong" ist ein heute noch lesenswertes Lehrbuch aus der Sung-Dynastie (960 bis 1270 n. Chr.). Praekolumbische Voelker Mittel- und Suedamerikas verehrten viele ihrer variantenreichen Orchideengattungen, bei den Azteken war eine Pflanze heilig, weil ihre eigenwilligen Blueten dem Kopf der goettlichen Schlange aehnelten. Sie entdeckten auch die Vanilla planifolia: Ihre Kapsel dient als natuerlicher Lieferant von Vanillearoma und wird heute vornehmlich in Mexiko landwirtschaftlich genutzt. Hernando Cortez praesentierte die wohlriechenden Schoten 1510 dem spanischen Hof. Bei allen Voelkern galten einige Arten als wirksame Aphrodisiaka. In Europa wurden in den Klostergaerten nur wenige Exemplare fuer die Heilchemie des Mittelalters gehalten.


    Erst 1615 bluehte eine exotische Orchidee in den Niederlanden, 1732 in England. Gegen 1800 wurden dort bereits ueber 60, 1830 bereits 400 verschiedene Orchideenarten gehalten. Der Markt boomte: Orchideen wurden Statussymbol eines spleenigen Adels und raffgieriger Emporkoemmlinge. Kriminelle Orchideenjaeger raubten weltweit die Natur aus. Noch 1903 blaetterte man fuer seltene Arten 20.000 Goldmark hin.


    Der deutsche Arzt Engelbert Kaempfer (1651 bis 1716) erforschte asiatische Orchideen und der nach England ausgewanderte Frederik Sander (1847 bis 1920) fasste alle Hybriden in einem "Orchid Guide" zusammen. Die Nachtraege werden von der Londoner "Royal Hortyculture Society" betreut. Dort werden auch die Zuechtungen mit ihrem Stammbaum namentlich dokumentiert und exakt beschrieben, denen wir in einer thailaendichen Gaertnerei unser Augenmerk widmen.


    Fuer die Fensterbankkultur eines Amateurliebhabers eignet sich gewiss die in Thailand und Burma verbreitete Cymbidium lowianum,


    benannt nach Stuart Low, der sie zum ersten Mal in Europa zum Erbluehen brachte. Die bis zu 10 cm grossen Blueten sind gelblich- und duklegruen geaedert, die Lippe zeigt einen scharlachroten Fleck. Sie blueht in kuehler Umgebung besonders lange, man kann sie sogar im Sommer bis zum Frosteinbruch in den Garten stellen. Ob diese Cymbidium-Hybride aus Australien das aushaelt, ist allerdings fraglich.


    Auch die trichterfoermigen Dendrobium-Arten


    sind fuer den kuehlen bzw. temperierten Klimabereich zu empfehlen. Die edle Dendrobium nobile


    haelt wochenlang ihre roetlich getuschten, weissen Blueten mit einem dunklen Purpurfleck.


    Der thailaendische Orchideenhaendler Prasong Sukhakul hat fuer temperiertes Klima die widerstandsfaehige, kraeftige und bluehfreudige Paphiopedilum sukhakulii


    mit ungewoehnlich kuehner Farbzusammenstellung gezuechtet: ´Weisslichgruen die von tiefgruenen Laengsstreifen durchzogene Fahne, gelblichgruen die pupurfarben gepunkteten Petalen, rotbraun marmoriert das metallisch glaenzende Labellum.‘


    Gruss
    Heinz

    P. S.: Natürlich würden wir es begrüßen, wenn das Thema um weitere Hinweise und Bilder ergänzt würde.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Bökelberger

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    Re: Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

    Tolle Bilder Heinz
    Die darf ich meiner Frau aber nicht zeigen...
    bei uns jetzt jetzt schon kaum noch Platz vor
    lauter Blumen. :-)

  4. #3
    Avatar von Ricci

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    Re: Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

    Toller Bericht Heinz. Befasst Du dich näher mit Orchideen?

    Ich habe vor 2 Wochen einen deutschen Geschäftsmann kennengelernt, der mit Orchideen-Export Geld macht. Ist das rentabel?


    Ciao
    Ricci

  5. #4
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

    Hat er Dir das nicht gesagt, Ricci? :???:

    @Pollmeier:
    (wie immer)

  6. #5
    Avatar von Ricci

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    Re: Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

    Hoppala.....überlesen.
    Sind die schönen Bilder dran schuld.

  7. #6
    Avatar von Ampudjini

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    2.482

    Re: Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

    Hallo DT,

    was für Blumen habt ihr denn zu Hause?? Auch Orchideen?
    Oder andere thailändische Pflanzen?? Oder eher deutsche??

    Wir haben zu Hause auch viele Pflanzen. Von der riesigen Aloe Vera habe ich ja, glaub ich, schon mal geschrieben. Werde bei Gelegenheit mal ein Foto machen von dem riesen Ding und hier reinstellen.
    Aus Thailand haben wir sonst nur noch "Bai Magrut" und Zitronenbäume. Achso, exotisch ist noch der Tamarindenbaum. Aber der ist erst 30 cm hoch.

    Und schöne Blüten hat das alles auch nicht. :-(

  8. #7
    PETSCH
    Avatar von PETSCH

    Re: Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

    Jini:
    bei uns samesame:
    AloeVera
    Orchideen
    Tamarind
    Ich habe Gieß-und Pflegeverbot: ist Sache der Mia

  9. #8
    MartinFFM
    Avatar von MartinFFM

    Re: Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

    Mir als Orchideen-Freak geht da natürlich das Herz auf.
    Aber ich kann nur warnend den Finger heben für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen sich so eine Blütenbracht aus dem Urlaub mitzubringen.

    Orchideen stehen unter dem Schutz des Washingtoner-Artenschutzabkommens. Das bedeutet, daß diese nur mit speziellen Bescheinigungen ausgeführt werden und auch nur mit der entsprechenden Erlaubnis der Deutschen Behörden (CITES) eingeführt werden dürfen.
    Das ist eine langwierige und etwas umständliche Prozedur (und nicht gerade billig), also mit schnell mal sowas aus dem Urlaub mitbringen ist nicht. Und Gnade dem, der beim deutschen Zoll ohne diese Dokumente auffällt, das wird teuer.

    Das gilt natürlich nur für Pflanzen. Orchideen-Schnittblumen sind davon nicht betroffen.

  10. #9
    Avatar von HPollmeier

    Registriert seit
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    Re: Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

    Hallo MartinFFM,

    an ´Vorschriften´ hab ich als guter Deutscher natuerlich nicht gedacht; also will ich diese Warnung auch nicht entkraeften.

    Dem Vernehmen nach haben grosse Haendler, die vornehmlich in die USA liefern, den ´Original-Papierkram´ nebst aller notwendigen Stempel meist in der Schublade.

    So wird auch in der Regel bei ´Antiquitaeten´ verfahren. Man muss sie allerdings schlicht und einfach mit der Post schicken; ich habe gehoert, dass kleine, handliche Pakete meist direkt an der Haustuer in Deutschland abgeliefert werden. Muss man tatsaechlich zum Zoll, sollen in Thailand ausgestellte ´Rechnungen´ mit sinnvollem Inhalt recht wertvoll für die Schaetzung der Zollgebuehr sein, sagen Kenner, die keine weiteren Einzelheiten preisgeben.

    Nun ist es wegen der Temperaturunterschiede nicht sinnvoll, Orchideen mit der Post zu verschicken; die geeigneten Behaeltnisse sind im Artikel aufgefuehrt, Fachaendler verfahren danach. Wer im groeßeren Umfang verschickt, kennt halt Fachhaendler, für die auch besondere Bestimmungen gelten.

    Für den Kleinbedarf: Wer kauft schon Schnittblumen im Flugplatz und bringt dort in der laenglichen Kiste einige lebendige Pflanzen unter? Die in Thailand gezuechteten europaeischen Arten sind recht klein, aber aeußerst widerstandfaehig; sie sollen - wie ich gehoert habe - oft an anderer Stelle ´kleben´-bleiben.

    Mit solch spaerlichen Angaben kannst Du natuerlich nicht viel anfangen - aber ich will bei den Bekannten auch nicht weiter nachbohren, sonst machen sie sich evtl. noch straffaellig. Ich hoffe mal, du verstehst Spass.

    Mit bestem Gruss
    Heinz

  11. #10
    MartinFFM
    Avatar von MartinFFM

    Re: Orchideen - Thailaendische Nationalpflanzen

    Hallo Heinz,

    es sollte keine Kritik an deinem Bericht sein, im Gegenteil, ich fand ihn schön.
    Ich wollte nur nochmal expliziet darauf hinweisen, daß es bei der Einfuhr von Orchideen ohne CITES zu ziemlichen Problemen kommen kann. Da ich als (fast)Orchideen-Fachmann mit dieser Problematik schon selbst und in anderen Foren genug Bekanntschaft gemacht habe weiß ich, was dann für ein Trubel aufkommen kann. Und ich wollte nur diejenigen warnen, die über die Thematik Artenschutzabkommen nicht so Bescheid wissen. Denn ich weiß auch aus eigener Erfahrung wie verlockend es sein kann, wenn man im Urlaub so eine tolle Pflanze sieht und sich denkt: die nehm ich doch einfach mal mit.

    Wie es in der Realität teilweise gehandhabt wird steht auf einem anderen Blatt. Aber das kenne ich auch und es ist gut, daß das mehr oder weniger nur Insider wissen; zumindest nicht die offiziellen Stellen.

    Viele Grüße
    Martin

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