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Entdeckungsreise durch Kanchanaburi

Erstellt von HPollmeier, 26.07.2005, 22:56 Uhr · 1 Antwort · 713 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von HPollmeier

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    Entdeckungsreise durch Kanchanaburi

    Hallo,

    wir haben einmal die Artikel zusammengefasst, die wir über Kanchanaburi geschrieben haben; damit erhält man einen Überblick.

    Zunächst haben wir alte Farbnegativfilme aus den Jahren 1979/80 bearbeitet.

    Etwa seit 1975 wurden die Urwaelder noerdlich der Stadt Kanchanaburi gerodet. Wenn man auf den Wirtschaftswegen bis zum Fluss Khwae Noi vordrang - der hier zum ‚Shoppen’ ueberfluessige ‚Cityjeep’ haette dort gute Dienste geleistet - musste man nur auf ein Schnellboot warten,


    das die im Fluss vertaeuten Holzhaeuser ansteuerte - die ersten sogenannten schwimmenden Hotels. Es waren aber eher Schuppen,


    denn der Tourismus steckte hier wahrlich noch in den Anfaengen.



    Damals nannte man uns auch nicht Backpacker oder dergleichen; aber um unserem Tun nachtraeglich einen moderneren Namen zu geben, muesste man uns als Sensationstouris bezeichnen, denn wir verfolgten mit Erschuetterung den Raubbau an der Natur.

    Angler konnten sich mit Fisch selbst versorgen,


    aber ansonsten musste man auch nicht verhungern:



    Die Kinder schliefen im Baumhaus -


    mit den Affen als Nachbarn:


    Die Elefanten hatten noch voruebergehend Arbeit:



    Was sie vom Urwald uebrig liessen,


    schauten wir uns tagsueber auf schweisstreibenden Wanderungen an:




    Dabei war hin und wieder eine kleine Erfrischung eingeplant:



    Oft trafen burmesische Taenzerinnen, die sich ein paar Baht dazuverdienen wollten, bei den ‚schwimmenden Hotels’ ein;




    Was sie darboten, hatte noch den Hauch von Folklore,



    die leider auch allzu schnell vermarktet wurde.



    Kanchanaburi hat sich in den Folgejahren total veraendert; wir haben es erst 1994 wieder besucht. Man glaubte, in einem anderen Land zu sein. Man kann diese unterschiedlichen Landschaften einfach nicht vergleichen. Wir legen an die muensterlaendische Parklandschaft ja auch nicht die Messlatte germanischer Besiedlung.

    Ohne der Nostalgie zu froenen, tut es mir allerdings in der Seele weh, wenn ich miterleben muss, wie Landschaften fuer den Massentourismus aufbereitet werden. Koh Chang ist wieder solch ein Beispiel; und zu viele klatschen Beifall.

    Gruss

    Heinz Pollmeier

    P. S.: Die Bilder zu der Reise von 1994 folgen gelegentlich.


    Hallo zusammen,

    wir haben erst 1994 Kanchanaburi wieder bereist und fanden ein anderes Land vor – aber nicht weniger beeindruckend:

    Entdeckungsreise durch Kanchanaburi

    Von Heinz & Rainer Pollmeier
    © Text & Fotos Pollmeier


    Die Brücke über den River Kwae war ursprünglich aus Holz und hielt nur acht Monate, sie widerstand nicht den schweren Zügen und den Fluten des Flusses. Die neue Stahlbrücke auf Betonpfeilern - die legendäre - wurde 1944/45 von allierten Bombern aus Ceylon zerstört; die Japaner ersetzten sie als Kriegsreparation. Mit Brücke und Todesbahn verbinden sich viele sentimentale Interessen.


    "Was die Brücke über den Fluß Kwai zur Sehenswürdigkeit macht, ist einzig und allein die historische Assoziation," sagt ein Reiseführer. Das Bauwerk unterscheide sich kaum von anderen, etwa 50 Jahre alten Eisenbahnbrücken. Auch der Spielfilm um den Bau der Brücke hat mit den wahren Begebenheiten wenig zu tun. Weil dem Manager die Landschaft nicht gefiel, drehte man auf Sri Lanka.


    In dem einst unwegsamen Königreich hatte die Eisenbahn, natürlich neben der politischen Kontrolle der Außenbezirke, wesentlichen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Auch als die Kriegsgefangenen die Todesbahn bauten, war das gesamte Gebiet fast undurchdringlicher Dschungel; erst die Bahn erschloß diesen Landesteil für die Landwirtschaft. Heute ist die Provinz Kanchanaburi mit rd. 750.000 Einwohnern eine der fruchtbarsten Gegenden Thailands.


    Nun stimmen Autoren darin überein, daß die Landschaft der Provinz jeden begeistere, der sie mit Zug, Mietwagen oder Schiff bereist. Vor zwanzig Jahren drängten sich die Urwälder noch bis an die Grenzen der Stadt. Wir haben den Einschlag miterlebt und nicht geglaubt, aus der Zerstörung des Dschungels könnte jemals neues Leben entstehen. Aber zumindest auf den rotbraunen Böden der Ebenen ist eine freundliche, frisch-grüne, wenn auch mehr eintönige als eindrucksvolle Kulturlandschaft entstanden:
    Maniok, Mais, Baumwolle, Zuckerrohr-, Papaya- und Mangoplantagen beherrschen das Bild. An den Hängen der Karstketten und Kalksteinkegel versöhnt Sekundärwald ein wenig das Auge.


    Die Nationalparks

    Ob allerdings eine Eisenbahnfahrt von Thonburi über Nakhon Pathom und Kanchanaburi nach Nam Tok, dem wenig spektakulären Ende der einstigen Todesbahn, ein "Muß" für jeden Thailandbesucher ist, wie es Reiseveranstalter gern einzureden versuchen, lassen wir dahingestellt. Das weitgehend unbekannte Kanchanaburi - Kurzform auch Kan’buri oder Kan - hat mehr zu bieten. Gewiß, bei der modernen Verkehrserschließung und durchgestylten Infrastruktur gibt es kaum noch ein „Abseits der Touristenströme“, aber was tatsächlich von den Rodungen verschont blieb, gehört in den Ausläufern des Tenasserim-Gebirges (Maeklong-Berge) immer noch zu den faszinierendsten Gebieten Thailands.



    Vier Nationalparks von vielschichtiger Schönheit wetteifern miteinander. Der 59 qkm große Tham Than Lot oder Chalerm Rattanakosin National Park, der kleinste, liegt ca. 100 km nördlich von Kanchanaburi. Hier trifft man auf ursprüngliche Dschungellandschaft mit üppiger Fauna und Flora, mit herrlichen Wasserfällen und der Tropfsteinhöhle Tham Than Lot Noi. Im Sri Nakharin weiter nördlich, 1.534 qkm groß, haben Naturfreunde und Angler die Chance, auf Flößen im riesigen Srinagarind Reservoir zu wohnen. Der Sai Yok National Park, 108 km von Kanchanaburi entfernt und 500 qkm groß, liegt an der alten Eisenbahntrasse. Wasserfälle und Fledermaushöhlen - mit den kleinsten Säugetieren der Welt, den Hummel-Fledermäusen - sind die Attraktionen. Übernachten kann man in kleinen Hütten auf Flößen auf dem Kwae Noi, der sehr fischreich ist; Handschnur mit gekochten Reiskörnern an kleinen Haken ist das richtige Gerät, frischen Fisch in die Pfanne zu bringen. Vielleicht erwischen Sie den pla yisok, einen Fisch mit zartem Fleisch, der nur im Kwae Yai und Noi lebt. Eine Spezialität in der Region Kanchanaburi! Sie wird aber Touristen kaum angeboten, man muß schon darauf bestehen. In einigen Hotels entwickelt sich ohnehin die debile Angewohnheit, Farangs nur angeblich westlich-amerikanisches Food anzubieten - eine fatale Service-Unterwürfigkeit.



    Der Erawan National Park, früher bekannt als Khao Salob, nur 65 km von Kanchanaburi entfernt und 550 qkm groß, zieht sich durch das bewaldete Tal eines Wildwasser-Nebenflusses des Kwae Yai. Auf etwa zwei Kilometern folgt man bergauf - bequem und trittsicher - dem Erawan-Wasserfall, dem berühmtesten in Thailand. In sieben Stufen sprudelt das quirlige Naß über Sinterterassen herab - gewiß nicht so atemberaubend wie Pamukkale, das türkische Baumwollschloß in den Bergen des Taurus, aber auch ein Naturphänomen mit kleinen und großen Kalksteinbassins, die zum Baden einladen. Manche Touristen sind arg enttäuscht, weil der freie Fall nicht hält, was die thailändischen Angaben - Höhe einschließlich aller Zwischenstufen - versprechen. In dieser Gegend kommen - statistisch gesehen - auf einen ausländischen Besucher zwei- bis dreieinhalb einheimische, denn die Thais sind lebhaft daran interessiert, ihre Heimat besser kennenzulernen - ganz im Gegensatz zu anderen Ländern der Dritten Welt. Doch über das Reiseverhalten in Südostasien gibt es keine verläßlichen Untersuchungen.



    Prähistorische Ausgrabungen

    In den Nationalparks und ihrer Umgebung fand man viele steinzeitliche Begräbnisstätten mit Skeletten, Töpferwaren und anderen Gebrauchsgegenständen. Ein Ausflug zum Dorf Ban Kao führt zu den Wurzeln der Menschheit. Wer sich für Archäologie und Vorgeschichte interessiert, sollte nicht versäumen, das kleine „Ban Kao Neolithic Museum“, nur 35 km von Kanchanaburi entfernt, an der H 3229 zu besuchen, zumal sich damit ideal ein Rundgang durch den „Prasat Muang Singh Historical Park“, die Löwenstadt der Khmer, verbinden läßt. Mietwagen oder Motorrad sind die praktischen Weggefährten. Wie das Gästebuch des neuen Museums ausweist, sind europäische Besucher recht selten, eigentlich unverständlich, wenn man bedenkt, daß tausende Touristen eine rostige Eisenbahnbrücke bestaunen.



    Der Niederländer Dr. H. R. Van Heekeren eröffnete ein ganz neues Kapitel zur Vorgeschichtsforschung in Südostasien. Als Kriegsgefangener der Japaner entdeckte er beim Eisenbahnbau am Kwai Noi Spuren prähistorischer Siedlungen. Bis Kriegsende hielt er sein Wissen geheim und veröffentlichte dann einen Bericht, der bewies, daß dieses Gebiet an der Gebirgskette zwischen Burma und Thailand schon vor 10.000 Jahren besiedelt war. Van Heekeren hatte schon in Indonesien geforscht. Der amerikanische Anthropologe Heider erhärtete 1956 seine Entdeckungen; daraufhin erkundete 1961/62 ein thailändisch/dänisches Joint Venture die Ufer des Kwai Noi und grub planmäßig mit überraschenden Funden.



    Die Ausgrabungsstätte von Ban Kao am linken Ufer des Flusses erwies sich als besonders ergiebig: Man entdeckte 44 menschliche Skelette, sehr schöne Keramiken, verschiedene Werkzeuge sowie Tierknochen in einer Ansiedlung aus der Jungsteinzeit. Achille Clarac berichtet bereits in der deutschen Ausgabe (1979) seines immer noch lesenswerten Kunst- und Reiseführers „Thailand“, daß „die Komission in der sogenannten Tham Rup-Grotte, 10 km von diesem Wasserlauf entfernt, an der Gebirgsflanke Felsmalereien entdeckte, von deren Existenz die Einheimischen wußten, die aber noch nie untersucht worden waren. Wenn man beim gegenwärtigen Stand der Forschung diese Malereien auch noch nicht einer bestimmten Periode zuordnen kann, so hat man doch in der Nähe von Tham Rup Gegenstände gefunden, die aus dem Paläolithikum und dem Mesolithikum stammen, also noch viel älter sind als die von Ban Kao.“


    Prasat Muang Singh Historical Park
    Wer die Khmer-Bauwerke in Surin noch nicht besucht und auf dem Weg nach Süden versäumt hat, in Phetchaburi die fünf Khmer-Prangs in Wat Kamphaeng Laeng aufzusuchen, kann sich hier im Westen Thailands ausgiebig mit der Khmerkunst beschäftigen. Die „Löwenstadt“ ist ein Juwel aus dem 13./14. Jahrhundert.


    Stadt, Befestigungsanlagen und Tempel wurden geprägt von Jayavarman VII., der von 1181 bis 1219 regierte, dem fleißigsten Bauherrn und letzten großen König in der Geschichte Angkors. Er ließ nicht nur Angkor Thom, Bayon, Preah Khan, die Elefanten-Terasse usw. errichten, sondern legte auch soziale Einrichtungen an wie Schulen und Krankenhäuser sowie Rasthäuser für Pilger und Kaufleute. Dieser König brach sogar mit der jahrhundertealten Tradition des Hinduismus und wandte sich dem Mahayana-Buddhismus zu, ohne die Symbole seiner Vorgänger zu verwerfen.


    Die rechteckige Befestigungsanlage Muang Singh in einer Flußschleife des Kleinen Kwai sicherte die westliche Grenze des Khmer-Reiches. Die Stadtmauer mit Wassergraben (880 m) umfaßt ein Gelände von rd. 100 Hektar. Alle Kunstbauten sind aus Laterit. Die mit riesigen Steinen gepflasterten Wege führen durch hohe Eingangstore zum zentralen Prang, in dem vermutlich der Bodhisattva Avalokitesvara aus dem Mahayana-Buddhismus stand. Der Bodhisattva ist ein Wesen, das die höchste Stufe auf dem Weg zur Erleuchtung erreicht hat, sozusagen an der Schwelle zum Nirwana steht. Aus Mitleid mit den Menschen verzichtet es aber auf diesen letzten Schritt, um ihnen auf Erden bei der Suche nach der ewigen Glückseligkeit zu helfen. Dieser Bodhisattva ist identisch mit Lokesvara, den Jayavarman VII. im Bayon und an den Eingangstoren zu Angkor Thom darstellen ließ.Vier Gorupas umringen den Hauptturm, die Stuckdekorationen sind verschwunden. Ohnehin widerstanden nur die Ruinen der aus Sandstein, gebrannten Ziegeln oder Laterit gefügten Tempel, Paläste und öffentlichen Bauten der tropischen Verwitterung und den Termiten. Die Masse der profanen Holzhäuser ist vergangen, die Menschen lebten in Hütten aus Holz, die wir uns auf den heute offenen Flächen zwischen den steinernen Bauwerken vorzustellen haben.


    Wer die Anlage besucht, sollte sich bewußt sein, daß er die perfekte Nachbildung des Universums betritt, wie es in der hinduistischen Mythologie beschrieben wird: Die Wassergräben symbolisieren das Urmeer, Galerien die Gebirgsketten und Türme den Sitz der Götter. Auch hier errichteten die Khmer ihre irdische Vorstellung von der hinduistischen Kosmologie der Welt. Es ist nicht übertrieben, wenn man von einer religiösen „Landschaftsarchitektur“ spricht, die das verkleinerte Abbild des vom „Gott-König“ beherrschten Universums gestaltet. Aber auch wenn die Völker der Mon-Khmer-Sprachgruppe als die ältesten historisch nachweisbar sind, beweisen prähistorische Grabfelder auf dem Gelände von Muang Singh, daß vor den Hochkulturen dynamische Wanderungsbewegungen der Völker Spuren hinterlassen haben.


    Da die Thais die Kultur der Khmer respektierten und eigentlich immer nur an Landbesitz interessiert waren, bietet es sich bei einem Rückblick in die Geschichte an, auch einige Wats in der Nähe Kanchanaburis, wie z. B. Wat Tham Kao Noi oder Tham Sua, zu besuchen.


    Ohnehin sollte man die Provinz nicht erlebnishungrig auf der Jagd nach Höhepunkten (Events) im Schnellgang durchstreifen, sondern mindestens zwei Wochen auf Entdeckungsreise gehen. Das wird kein Urlaub von der Stange, aber hier gleichen sich die Hotels auch nicht wie ein Airbus dem anderen. Es ist ein ideales Gelände für mobile Mittfünfziger, rüstige Rentner und Pensionäre, denen es auf eine Woche nicht ankommt. Und auf die wohlige Wellness-Welle muß keiner verzichten, denn fast jede Herberge verfügt über eine warme Dusche. Die „Abenteuer“ bleiben - auch ohne Offroad-Jeep - bequem, und wer nicht nur dem Geist, sondern auch dem Körper Gutes tun will - Hua Hin ist über die Autobahn nur ein Katzensprung weit entfernt.





    Die Todesbahn am River Kwai
    Von H. & R. Pollmeier
    © Text & Fotos Pollmeier


    Das passiert den pfiffigen Thais nicht oft: Eine "Katze im Sack" zu kaufen. Als sie nach dem Krieg die Death Railway von den Alliierten für 50 Mio Baht erstanden, war die 415 km lange Eisenbahnlinie von Nong Pla Duk zum Drei-Pagoden-Paß an der burmesischen Grenze im desolaten Zustand - morsch, zerbombt, teilweise demontiert. Aber im nachhinein erwies sie sich als Goldgrube.


    Nicht weit von Kanchanaburi liegt die berühmte Brücke über den River Kwai, richtiger Maenam Kwae Yai, Vorlage für Pierre Boulles Roman "Die Brücke am Kwai" und den gleichnamigen Film. Das Zentrum der Stadt erstreckt sich am linken Ufer des Maenam Meklong, dem Zusammenfluß von Maenam Kwae Yai (großen Fluß) und Noi (kleinen). "Was die Brücke über den Fluß Kwai zur Sehenswürdigkeit macht, ist einzig und allein die historische Assoziation," sagt ein Reiseführer. Das Bauwerk unterscheide sich kaum von anderen, etwa 50 Jahre alten Eisenbahnbrücken. Stimmt. Auch der Spielfilm um den Bau der Brücke hat mit den wahren Begebenheiten wenig zu tun. Weil dem Manager die Landschaft nicht gefiel, drehte man auf Sri Lanka.


    Der Mann muß blind gewesen sein. Autoren stimmen darin überein, daß die Landschaft der Kanchanaburi-Provinz jeden begeistert, der sie mit Zug, Pkw oder Schiff bereist. Vor 15 Jahren drängten sich die Urwälder bis an die Grenzen der Stadt. Was von den Rodungen verschont blieb, gehört immer noch zu den faszinierendsten Gebieten Thailands: Vier Nationalparks von vielschichtiger Schönheit. Der Erawan National Park, nur 65 km von Kanchanaburi entfernt und 550 qkm groß, zieht sich durch das bewaldete Tal des Oberlaufs des Kwae Yai, mit herrlichen Wasserfällen, Sinterterassen und der Phra That Höhle. Der kleinere, 59 qkm große Tham Than Lot oder Chalerm Rattanakosin National Park liegt 97 km nördlich von Kanchanaburi: Ursprüngliche Dschungellandschaft, hohe Wasserfälle und die Tropfsteinhöhle Tham Than Lot Noi. Im Sri Nakharin, 1.534 qkm , oberhalb des Erawan National Park haben Naturfreunde und Angler die Chance, auf Flößen im riesigen Srinagarind Reservoir zu wohnen. Der Sai Yok National Park, 108 km von Kanchanaburi entfernt und 500 qkm groß, liegt an der alten Eisenbahntrasse. Wasserfälle und Fledermaushöhlen sind die Attraktionen. Übernachten kann man in kleinen Hütten auf Flößen auf dem Kwae Noi, der sehr fischreich ist; Handschnur mit gekochten Reiskörnern an kleinen Haken ist das richtige Gerät, frischen Fisch in die Pfanne zu bringen. Vielleicht erwischen Sie den pla yisok, einen Fisch mit zartem Fleisch, der nur im Kwae Yai und Noi lebt. Eine Spezialität in Kanchanaburi!


    Im Jahre 1941 ging der Vorhang hoch zum fernöstlichen Akt des 2. Weltkrieges, nicht minder grausam als in Europa; ein entsetzliches Kapitel des Krieges. Wenige Monate nach dem Überfall auf Pearl Harbour am 7.12.1941 befand sich Japan im Krieg mit den USA, dem britischen Empire und den Niederlanden. Die Regierung Phibul Songkram verbündete sich mit den Japanern; sie sah sich außerstande, ihnen Widerstand zu leisten. Verteidigungsminister Songkram wurde bereits 1938 Premierminister, sympathisierte ohnehin mit den Achsenmächten und brachte seine nationalistischen Expansionsideen mit der Umbenennung von Siam in Thailand zum Ausdruck. Durch Protektion der Japaner vergrößerte er Thailand um Gebiete von Birma, Malaysia, Laos und Kambodscha. Als die Achsenmächte auf der Verliererstraße waren, trat Songkram zurück. Pridi Phanomjong, der mit Unterstützung der Amerikaner die freien Thai angeführt hatte, ergriff von neuem die Macht. Nach der Niederlage der Japaner distanzierte sich die königliche Regierung von der Politik Phibuls, gab die annektierten Provinzen zurück und stellte für kurze Zeit die Demokratie wieder her. Aber bereits im April 1948 herrschte Phibul wieder und wurde erst 1957 von General Sarit abgelöst.


    Um den gefährdeten Nachschubweg zur See von Japan über Singapore nach Burma zu vermeiden, beschloß die japanische Generalität den Bau einer Bahnlinie zur burmesischen Hauptstadt Rangoon - ein phantastisch-utopisches Projekt mitten im Krieg mit einer nicht gerade einfachen Streckenführung am Kwae Noi entlang über den Drei-Pagoden-Paß, um bei Thanbyuzayat die burmesische Küste zu erreichen!


    Es begann das dunkelste Kapitel der jüngsten Geschichte Thailands. Anfang 1942 arbeiteten die Japaner die Detailpläne für die Kriegsbahn aus, im Juni ergingen die Befehle zum sofortigen Baubeginn "ohne Rücksicht auf Kosten an Geld und Menschenleben". Tausende von Kriegsgefangenen der frühen Siege wurden nach Burma und Thailand transportiert. Das kam für viele Briten, Australier, Niederländer und US-Amerikaner einem Todesurteil gleich. Die Nahrungsmittel und Medikamente reichten nicht aus, um die Zwangsarbeiter der beiden Trupps zu versorgen, die von Burma und Siam aufeinander zuarbeiteten. Die allierten Soldaten wollten durchhalten; damit hatten die Japaner nicht gerechnet. Im Kaiserlichen Japan war es Usus, in solchen Situationen Selbstmord zu begehen, um nicht "das Gesicht zu verlieren". Darüber hinaus sabotierten die Gefangenen durch Pfuscharbeit.


    Größtes natürliches Hindernis war auf thailändischer Seite der unberechenbare Kwae Yai, der, in der Trocken- träge dahinfließend, in der Regenzeit zu einem reißenden Strom anschwillt, der ganze Bäume wegreißt. Von Oktober 1942 bis Februar 43 bauten die Kriegsgefangenen eine hölzerne Brücke über den Kwae Yai; sie hielt nur wenige Monate den Fluten des Flusses und den schweren Zügen stand. In Windeseile erarbeitete man neue Pläne für eine Stahlbrücke auf Betonpfeilern, die legendäre Brücke am Kwae. 1944/45 zerstörten allierte Bomber aus Ceylon den vierten bis sechsten Bogen der Brücke. Die Japaner ersetzten als Kriegsreparation die drei Bögen durch zwei größere eckige Elemente.


    Die Besatzer gingen äußerst brutal mit den rund 70.000 Kriegsgefangenen und den unter falschen Vorgaben angelockten 200.000 Arbeitern aus den besetzten Ländern um. Unterernährung, Krankheiten oder allgemeine Erschöpfung, Arbeitsunfälle und Grausamkeiten forderten einen unvorstellbaren Tribut an Menschenleben. Ärzte operierten mit Bauwerkzeugen und ohne Medikamente, um Leben oder Glieder von Verunglückten zu retten. Man schätzt, daß etwa 100.000 Zwangsarbeiter und 18.000 Kriegsgefangene beim Ausbau der Strecke starben, die bald den treffenden Namen "Death Railway", Todesbahn, erhielt.In Kanchanaburi markieren endlose Reihen von Kriegsgräbern den Platz ihrer letzten Ruhe; nahe der Brücke am Kwae hat die thailändische Regierung das große Gelände für den Soldatenfriedhof zur Verfügung gestellt. Der Besucher betritt ihn durch einen Torbogen in der verzierten Mauer und verstummt angesichts von 18.000 kupfernen Grabtafeln, die wöchentlich poliert werden. Was sagen uns einzelne Inschriften wie "Sergeant Anthony Whitworth, United Kingdom, *1918, +1943" - 18.000 mal? Death Railway und die Brücke am Kwae - nur sentimentales Interesse oder Mahnmal gegen den Krieg? Aber hat uns Leid je verändert?


    Die einst gut organisierten Bahnen in Siam hinterließ der Krieg als Torso: Gleisanlagen, Bahnhöfe, Betriebswerke und Brücken waren von zahllosen Bombenangriffen ruiniert. Nur eine intakte Eisenbahn konnte den raschen Wiederaufbau des Landes garantieren. Im Pioniergeist des fortschrittlichen Königs Chulalongkorn wandelte 1951 der "State Railway of Thailand Act" die Royal State Railways of Siam in ein staatliches Unternehmen um. Die Streckenlänge beträgt heute 3.862 km; letzte Neubaustrecke war die 134 km lange Route von Chachoengsao nach Sattahip. Der größte Staatsbetrieb des Landes beschäftigt 22.500 Menschen.


    In dem einst unwegsamen Königreich hatte die Eisenbahn wesentlichen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Auch als die Kriegsgefangenen die Todesbahn bauten, war das gesamte Gebiet fast undurchdringlicher Dschungel; erst die Bahn machte die landwirtschaftliche Erschließung dieses Landesteils möglich. Heute ist die Provinz Kanchanaburi eine der fruchtbarsten Gegenden Thailands. So ist die Eisenbahnfahrt von Thonburi über Nakhon Pathom und Kanchanaburi nach Nam Tok, dem heute wenig spektakulären Ende der einstigen Todesbahn, fast ein "Muß" für jeden Thailandbesucher.


    Gruss
    HPollmeier

  2.  
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    Avatar von zero

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    Re: Entdeckungsreise durch Kanchanaburi

    Tolle Fotos und gute Infos! Danke!

    Ich kenne Kanchanaburi seit 1989 und bin auch nicht gerade erbaut darüber, wie die Thais mit ihrer Natur umgehen. Dabei ist es in Kanchanaburi ja noch vergleichsweise harmlos verglichen mit dem was auf Ko Chang oder auf Ko Samui passiert, um nur 2 Orte zu nennen. Der Großteil der Farangs kommt ja nur zu einem Tagesausflug zur Brücke und zum üblichen Touristenrummel beim Tigertempel (was soll so besonderes daran sein, dass man sich ein paar Tiger ansieht, die von Mönchen mit Opiaten so zugedröhnt werden, dass ihnen andauernd die Augen zufallen?), aber es gibt doch noch viele ziemlich unberührte Plätze.

    In etwa 3 Wochen werde ich übrigens wieder einmal 4 bis 5 Tage in Kanchanaburi sein.

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