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Cambodia, wie ich es mag

Erstellt von abstinent, 28.08.2005, 09:59 Uhr · 94 Antworten · 9.832 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von abstinent

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    Cambodia, wie ich es mag

    [highlight=yellow:d09189e900]Ich stelle 'mal zu Testzwecken meinen aktuellen Cambodia-Bericht aus dem SEA-Forum hier auch ein.
    Viel Spaß beim Lesen.[/highlight:d09189e900]



    Cambodia - Augusttrip 2005

    Text by "abstinent"
    Fotos by "Mad Max" & "Abstinent"


    Part 1:

    Der Trip startete am frühen Abend, was für Reisende nach Cambodia sehr ungewöhnlich ist. Wir wollten aber die Grenzsituation des Nachts abchecken, und uns ein Bild von der Situation vor Ort machen. Reisen nach Cambodia von Thailand aus gehen im Regelfall entweder über Aranyaprathet/Poipet (Nordosten) oder über Hat Lek/Cham Yeam im Changwat Trat (Südosten).

    Die Existenz von Rund um die Uhr operierenden Casinos im Niemandsland war uns durchaus bekannt, und irgendwie konnten wir da vielleicht durchschlüpfen, mal sehen!

    4 Stunden Airconbus vom Future Park Rangsit (Bangkok) bis zur Station in Aranyaprathet waren völlig stressfrei und relaxend. Der Fahrpreis liegt mit 173 Baht im tolerierbaren Bereich, billiger fährt nur noch der Bummelzug dorthin. Abfahrtszeiten in Hua Lamphong ( BKK-Hbf. ) mit dem ersten Hahnenschrei am Morgen und Ankunft irgendwann am frühen Nachmittag - Nicht unser Ding, denn diese unklimatisierten Minimalspeedzüge sind nur etwas fuer Passivgeniesser von Lowbudgettransportmitteln und abgerockte Eisenbahnfeteschisten ohne wirklichen Tatendrang. (Kein Affront @ OTTO! )



    In Aranyaprathet ließen wir uns dann erstmal ein Abendessen schmecken, bevor wir uns von einem der hiesigen TukTuks die restlichen 6 KM zur Grenze chauffieren ließen. So ein TukTukride kostet tagsüber 40 Baht, des Nachts muß man mit einem kleinen Aufpreis rechnen.



    Die Grenze und der hiesige Thalaad Romklao (Grenzmarkt) machten einen düsteren und verlassenen Eindruck, nur die thaiseitigen Casinoparkplätze waren hellerleuchtet und mit bewaffneten Guards versehen.
    Zocker werden hier standesgemäß mit amerikanischen Luxusbussen in die jeweiligen Casinos verfrachtet, doch danach trachteten wir nicht.
    Unbehelligt erreichten wir den direkten Grenzbereich und freuten uns mit den hier stationierten Schwarzen Grenzsherriffs ueber deren tolle Ausrüstung. Nachtsichtgeräte, US-Sturmgewehre mit Restlichtverstärker und passive Sicherheitssensoren vom Allerfeinsten - für die in der völligen Dunkelheit operierenden Grenzschützer, weiter vorne hatte man europäische Militärwaffen (HKG3 sagt Donald20, der StaffSarge ;-D ) im Anschlag - nicht weniger gefährlich oder weniger Eindruck schindend.
    Hier kommt keine Maus ueber die Grenze ohne registriert zu werden!
    Ein längerer Plausch mit einem freundlichen Grenzer förderte dann auch ein paar haarsträubende Anekdoten zu Tage, deren Wiedergabe ich mir hier schenke - schon allein um meine Glaubwürdigkeit in den Augen der geschätzten Leserschaft nicht ganz zu verlieren.
    Mad Max und ich sind nämlich keine Qualitätstouristen - wir sind diesmal echte Extremtouristen!




  2.  
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  3. #2
    Avatar von abstinent

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    Re: Cambodia, wie ich es mag

    Part 2:

    Die Ärmsten der Armen schlafen hier an der Grenze unter freiem Himmel auf Kartonstreifen oder Styroporfetzen - das sind die Marktleute, die hier tagsüber betteln oder versuchen einen Service an den Mann oder die Frau zu bringen.
    Das Servicespektrum ist hier sonst riesengroß und fängt bei schattenspendenden Schirmträgern an, Schmuggelzigaretten bietet man an und Transportgelegenheiten für Lauffaule per hölzerner Einachskarre.

    Wir können uns mit dieser trügerischen Idylle hier nicht anfreunden, und begeistern unseren immer noch wartenden TukTuk-Chauffeur mit einer weiteren Fahrt retour nach Aranyaprathet.
    Ein Einfachsthotel an der Ausfallstraße nach Buriram wird angesteuert, und für 400 Baht belegen wir ein Airconzimmer mit ausgelubberten Betten aber wohlriechenden und sauberen Handtüchern sowie Bettwäsche.

    Der Abend ist noch relativ jung, und Aranyaprathet wimmelt nur so vor Bars, Karaokeschuppen und anderen Rotlichtetablissements, deren Existenz hier den zahlreichen alleinreisenden Männern dient.
    Uns ist nicht nach Rotlichtaktivitäten, gegessen hatten wir auch schon - aber eine Massage, das käme uns gut zu Paß!

    Direkt gegenüber dem Hotel wurden wir dann auch schnell fündig. 2 Stunden 200 Baht in deren Räumlichkeiten, 2 Stunden im Hotelzimmer 240 Baht. 2 betagtere Masseusen folgten uns dann auch brav in unser Zimmer, und konnten es dann gar nicht erwarten, sich über uns herzumachen.

    Shower First! hieß aber unsere Devise des Abends, und nachdem der Staub der Reise von unseren Körpern gewaschen war - konnten wir die angenehme Massage viel besser geniessen.

    Die beiden waren sich einig (so hörten wir aus ihrem Geschwätz heraus) das wir mehr wollten als nur eine Massage. War aber sicherlich mehr Wunschdenken ihrerseits als Erwartungshaltung.
    Während wir also da auf je unserem Bettchen lagen, turnten die beiden also auf uns herum und machten Witzchen über die anzunehmende Größe unserer Geschlechtsteile und was wohl so die Normalität beim Geschlechtsverkehr mit Farangs sei.

    Die Massage selbst war gut und kräftig, aber wir hatten die Damen ja auch weise in dem Pulk von bereitwilligen Ladies gewählt. Bizeps war Kriterium Nummer 1, von vordringlich weiblichen Geschlechtsmerkmalen der meist jüngeren Masseusen hatten wir uns nicht beirren lassen.

    gegen Ende der 2stündigen Massage übermannte uns dann die einsetzende Müdigkeit, und mit einem kleinen Tip sowie einem "Khop Khun Krap" entließen wir die Damen.

    Am Morgen nach nicht so erholsamem Schlaf auf der gut durchgelegenen Matratze ging es dann ein weiteres Mal zur Grenze.
    TukTukdriver warteten bereits vor dem Hotel, wollten von uns Farangs aber wüste Preise abfragen. Die Sonne stand noch nicht im Zenit, und die Temperaturen waren eher mäßig, so trollten wir uns dann auf Schuster`s Rappen in Richtung 7Eleven (dem letzten vor Cambodia!) in der Ortsmitte.

  4. #3
    Avatar von khon jöhraman

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    Re: Cambodia, wie ich es mag

    Hallo Frank,

    Du weißt, dass ich vor allem die Reiseberichte von Otto und von Dir geradezu verschlinge. Ihr reist sicher auf verschiedene Art und Weise. Trotzdem kann ich aus Euren Reiseberichten unheimlich viel Wissenswertes herausziehen, trotzdem ich wiederum auf andere Weise reise, als Ihr.

    Gruß ins Nachbarland
    K.J.

  5. #4
    Avatar von abstinent

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    Re: Cambodia, wie ich es mag

    @ k.j.

    jeder individualtraveller hat so seine erfahrungen umgemünzt in entsprechende verhaltens- und vorgehensweisen. und ein jeder hat andere prioritäten, klar - deshalb ist es ja auch für mich interessant die berichte anderer zu lesen.
    danke für die blumen

    ciao

    "abstinent"

  6. #5
    Avatar von abstinent

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    Re: Cambodia, wie ich es mag

    Part 3:

    Thalaad Romklao, der Bordermarkt in Aranyaprathet. Hauptumschlagplatz für illegale Waffen in Thailand, Drogen- und Schmuggelkram en masse.

    Hier gibt es alles zu kaufen, vom Kleinkind bis zum Granatwerfer. Weil wir am früehen Morgen hier sind, haben wir noch wenig Streß mit Bettlern und Touts, die kommen erst aus ihren Löchern wenn die Touribusse gegen Mittag aufschlagen - und die Bummelzugaspiranten ihren Billigsttrip mit einem finalen, schweißfördernden 7 KM Marsch zur Grenze absolviert haben.



    Hier gibt es auch einen Dealer, der gute Verbindungen zu einer US-DRMO hat. DRMO'S sind Verwertungsstellen für nicht mehr benötigte militärische Ausrüstungsteile und Bekleidungen. Hier kann Max nun nach Herzenslust in Bergen von Uniformteilen wühlen, und er wird schon nach kurzer Suche fündig.



    Nun voll ausgerüstet für den Extremtrip geht's weiter in Richtung Grenze. Die von mir angebotene Transportmöglichkeit zum Farangsonderpreis von einer Palette Dietcoke schlägt Max aber dann doch aus:



    Wir versorgen uns noch mit Proviant und Trinkwasser, und dann sind wir schon auf der Brücke über den Müllfluß.
    Die Ausreise ist unproblematisch, wie immer - doch an der Khmerseite kommt es zu den erwarteten Problemen.
    Mein eigener Reisepaß weist keine volle freie Seite mehr auf, die Cambogrenzer geben mir zu verstehen, daß ein zusätzlich überreichter 10 Dollarschein dieses Manko meines Passes umgehend ausbügeln könnte. Zähneknirschend überreiche ich den Schein mit weiteren 20 $ für das Visa. Flugs klebt ein eifriger Grenzer die paßseitengroße Marke über ein altes Laos-Visa - und schon Minuten später stehen wir auf cambodianischem Territorium.





    Hier seht ihr den berühmten Kreisverkehr, wo sich alle mafiösen Schlepperschergen und Transportanbieter mit reisewilligen Touristen treffen. Dies ist der denkbar ungeeignetste Platz um einen Weitertransport zu organisieren!


  7. #6
    Avatar von Otto-Nongkhai

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    Re: Cambodia, wie ich es mag

    Wir wollten aber die Grenzsituation des Nachts abchecken, und uns ein Bild von der Situation vor Ort machen.
    Jetzt bin ich aber entteuscht,Frank,ich dache es kommt jetzt ein Tip wie man illegal in und aus Cambodia kommt.

    Trotzdem schoener Bericht,Frank,vergess deine halbe Meekongflasche nicht ,die bei mir noch im Eisschrank steht.

    Gruss

    Otto

  8. #7
    Avatar von khon jöhraman

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    Re: Cambodia, wie ich es mag

    Hallo Frank,

    Nochmals zu Otto und zu Dir. Die Bilder könnten auch ähnlich von Otto stammen. So unterschiedlich seid Ihr in der Motivation Eurer Reisen gar nicht. Eher dürfte sich die Reiseart (Fortbewegungsmittel) und die Ansichten über die Länder und deren Bewohner etwas unterscheiden.

    Gruß aus Pattaya
    K.J.

    P.S. Dies soll kein Thema anheitzen, wer nun die richtigen Meinungen vertritt oder die besseren Berichte schreibt. Denn ich weiß auch, dass Ihr gut miteinander befreundet seid.

  9. #8
    Avatar von abstinent

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    Re: Cambodia, wie ich es mag

    @ k.j.

    ja, vor dem otto ziehe ich jederzeit meinen hut - auch wenn unsere weltanschaulichen und persönlichen standpunkte differieren. ich zolle dem mann viel respekt und hätte ihm gerne bei der einen oder anderen prekären situation zur seite gestanden.
    otto ist jemand, den man einfach mögen muß!
    schade finde ich nur, daß z.b. untote 5exmärchenschreiber dann unter jüdisch klingenden phantasiepseudos ottos werke als buch herausgeben, ohne dem mann auch nur in einem satz dafür respekt zu zollen.
    naja, es ist halt seine sache, was er andere mit seinem intellektuellen eigentum anstellen läßt.

    ciao


  10. #9
    Avatar von abstinent

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    Re: Cambodia, wie ich es mag

    Part 4:

    Aber es gibt nichts Schlimmeres, als offiziell geförderte Mafiaabzockereien - so wie zum Beispiel diese hier:



    Was sich hier als "Büro der Kommission der Minibusbetreiber" tarnt, ist nichts anderes als eine neue, zusätzliche und ertragreiche Einnahmequelle für die Ortsmafia.
    Polizei in Poipet ist immer auf der Seite der Mafiosis!
    Denn sonst wäre deren Lebenserwartung bereits jenseits des "aufgedruckten" MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum).

    Poipet als das "Butthole" Cambodias zu umschreiben wäre sicherlich recht zutreffend. Korruption und Mafiastrukturen sind hier dominanter und prägnanter als überall im Land. Wie auf jedem Trip ist Poipet für uns nur Transitstop, ein sehr unangenehmer obendrein!

    Der beschriebene Kreisverkehr ist das, was man als rechtlose Zone fuer den Reisenden bezeichnen kann. Hunderte von Schleppern geiern hier herum und lungern auf Touristen. Fünf- bis Zehnfache Preise für den Transport ruft man auf, und nicht selten steht ein Backpacker - so wie Michael, ein Engländer - nach entrichtetem Fahrpreis wie ein begossener Pudel irgendwo im tiefsten Slum herum:



    Nach eingehender Ortsbesichtigung auf der Ladefläche eines Pickuptrucks, der uns nach Battambang bringen sollte - befindet die Ladeflächenmamasan, das wir mehr als die vereinbarten 5 $ berappen sollen!
    Wir entscheiden uns gegen die Abzocke und steigen einfach wieder ab. Bezahlt wurde noch nichts, und wir verloren nur etwas Zeit. Michael dagegen hatte bereits 35.000 Riel ( ~9 US-$) bezahlt, und weinte nun seinem Geld hinterher. Nach Intervention unsererseits bekam er 10.000 Riel wieder ausgehändigt, was seinen Verlust etwas limitierte. Wir boten ihm an sich uns anzuschliessen, und ich organisierte für uns 3 den Transport per Pickupladefläche nach Battambang.

    Max hielt mir während der Verhandlungen geschickt wie ein Travelprofi die Schlepper vom Hals, und schon nach kurzer Recherche hatten wir einen passenden Pickup-Piloten gefunden.
    Auf 2 Tonnen getrockneter Thaifrüchte (in Säcken) sitzend, machten wir es uns so bequem wie möglich und harrten der Dinge die da kommen. Tarif fuer 3 Personen Nonstop nach Battambang waren nun 12 Dollar.
    Die Schlaglochpiste von Poipet nach Sisophon ist noch in dem gleichen lausigen Zustand, wie zur Zeit des Krieges. Schlagloch an Schlagloch reihen sich hier die teils metertiefen Straßenschäden. Hier überhaupt von Straße zu reden ist blanker Hohn!
    Jeder Sitz im Abteil des Pickups war natürlich doppelt verkauft worden, und es drängelten sich dort nun 6 Passagiere zum Driver. Die an der Heckscheibe plattgedrückten Gesichter der Heckpassagiere sprachen Bände.
    Wir lümmelten uns bequem hin, rauchten nach Herzenslust und ließen uns den kühlenden Fahrtwind um die Ohren wehen.




    Max ist ein gelehriger Cambodiarookie, und lernt auch schnell die Bedeutung einer um die Stirn gebundene cambodianische Krama (Bandana) zu schätzen.
    Den Erfahrungswert hinsichtlich weisser T-Shirts auf staubigen Landstrassen, den sammelt er hier gerade



  11. #10
    pef
    Avatar von pef

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    Re: Cambodia, wie ich es mag

    @Absti,

    habe für die Strecke Siem Reap - Poipet 4 Stunden gebraucht, unser Taxifahrer war gut. 2001 war die Strasse von Sisophon nach Siem von den Japanern neu gemacht worden. Davon sieht man heute nix mehr. Schlaglochpiste pur, wie von dir beschrieben. :-)

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