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Bettelkinder in Thailand

Erstellt von Jinjok, 06.08.2005, 16:49 Uhr · 7 Antworten · 961 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Jinjok

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    Bettelkinder in Thailand

    Ich schreib das mit Absicht im Tourismusteil, weil ich der Meinung bin, das daß über eine einfache Nachricht hinausgeht.

    Jeder hat auf den Fußgängerbrücken und insbesondere an den touristischen Brennpunkten Bangkoks wie Siam Square, Silom oder entlang der Sukhumvit, aber nicht nur dort schon Bettler mit zum Teil sehr kleinen Kindern gesehen, die einem stumm den Becher als Bitte um eine Gabe entgegenrecken. Manchmal liegt auch ein Teller auf dem Boden und sie bitten mit einem Wai um Geld. Nicht selten sind die Kinder oder die Bettler selbst mehr oder weniger stark mißgebildet. Ich sah an der nördlichen Pahol Yothin schon oft einen Mann mit einem durch Verbrennungsnarben grausamm entstellten Gesicht. Viele Thailänder aber erst recht die Touristen greifen bei so einem Anblick schnell zum Kleingeld, um den armen Kreaturen etwas vermeintlich Gutes zu tun.

    Gestern las ich aber einmal mehr einen Artikel, der tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken läßt. Das Straßenbetteln in Bangkok ist zweifellos fest in der Hand des organisierten Verbrechens. Der Grund ist, daß ein Bettler in den o.g. Gegenden am Tag durchschnittlich 1000 THB einnimmt. Die größte bekannte Tageseinnahme macht ein kleiner Junge ohne Arme allabendlich an der Silom mit über 3000 THB.

    Hinter den Bettlern stehen Menschenhändler, die diese aus dem Ausland oder den entlegenen, ärmsten Regionen Thailands in die Hauptstadt bringen, wo sie unter schlimmsten Bedingenen gehalten werden und zu ihren Bettel-Schichten jeden Tag mit Vanbussen gefahren werden. Viele Bettler mit Entstellungen, die besonders viel Mitleid erregen uns somit Einnahmen erziehlen, machen sogar zwei Schichten am Tag an verschieden Orten. Von dem eingenommen Geld bleibt ihnen gar nichts. Wenn es nach Meinung der Hintermänner nicht genug ist werden sie oft geprügelt und/oder ohne Essen nach der Schicht wieder in ihr finsteres Loch gesperrt, welches ihr Quartier darstellt. Da Kleinkinder oder Säuglinge besonders bei Frauen das Geld gut locker machen, sorgen die Menschenhändler natürlich immer für Nachschub in dem sie Kinder im Ausland für ein paar tausend THB den Eltern abkaufen und die von da an ein Leben als Bettelsklave führen müssen.

    Das Ganze ist eine Teufelskreis. Weil sich mit 10 Bettlern, die keine anderen Kosten verursachen als Essen für nicht mal 100 THB aber bei zwei Schichten Einnahmen von bis zu durchschnittlich 20.000 THB am Tag erziehlen lassen, wird klar welche kriminelle Energie hier eingesetzt wird. Und je mehr Menschen den Bettlern etwas Gutes tun wollen und Geld geben, desto mehr Bettler werden auf die Straßen geschickt. In manchen Gegenden ist schon jede Fußgängerbrücke mit mindestens 2 Bettlern besetzt. Geld zu geben verschlimmert hier die Situation zweifellos.

    Auch die Polizei hat keine Möglichkeit die Bettler dauerhaft von den Straßen zu vertreiben, weil die Strafe nur 100 THB beträgt und sie sofort von den Hintermännern an eine andere Strelle gebracht werden wo sie weiterbetteln müssen. Die Hintermänner werden auch fast niemals genannt, weil sonst anderen Familienmitgliedern, die sich in den Händen andere Menschenhädler befinden, Gewalt droht oder aber mindestens Gefängnis und Abschiebung durch die Polizei, da sie fast immer nach dem Gesetz illegale Einwanderer sind. Anläßlich der Stadtsäuberungen vor dem APEC-Zirkus 2004 hat Thailand 15.000 Bettler nach Kambodscha zurückbringen lassen.

    Wenn aber mal ein Kind doch die Hintermänner benennt und zu einer Unterkunft führt, dann findet die Polzei immer erschreckende Zustände vor, die den Begriff Sklaverei voll rechtfertigen. Der einzige Ausweg kann nur sein, niemals Geld an solche Bettler zu geben. Wenn man eine Mahlzeit oder ein kühles Getränk ausgibt kann man eventuell etwas Gutes tun, obwohl man ruhig einmal aus der Entfernung beobachten kann, wie lange es dauert bis der Aufseher kommt und die Gabe einkassiert.
    Jinjok

    http://www.nationmultimedia.com/2005..._18277788.html

    Aus diversen Beiträgen der internationalen Presse zusammengetragen. Einige Passagen wurden möglicherweise aus dem Gedächtnis frei übersetzt

  2.  
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  3. #2
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Bettelkinder in Thailand

    Dieses Problem gibts auch in Deutschland,mit Bettelsklaven aus
    Suedost-Europa! Das organisierte Verbrechen ist halt international.

    mfG

    Lothar aus Lembeck :-(

  4. #3
    Avatar von Teerak Jaa

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    Re: Bettelkinder in Thailand

    Viele der ´Bettel-Kinder´ werden in Kambodja angeworben,oder dort Ihren Eltern abgekauft! Teilweise wird der ´behinderte Zustand´ (fehlende Extremitäten)der Kinder,durch die eigenen Eltern herbeigeführt,nur um deren ´Marktwert´ für die Untergrundorganisationen zu erhöhen.

    Für diesen Missstand gibt es nur einen Ratschlag an Fangs´s:

    Kein Geld für ´Bettel-Kinder´ !

    Wenn Ihr Mitleid mit den Kinder habt oder Ihnen etwas Gutes tun wollt,dann kauft Ihnen etwas zu essen oder zu trinken und beobachted sie dabei.

    WESW
    Teerak Jaa

  5. #4
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Bettelkinder in Thailand

    Es ist in der Tat ein nicht zu übersehendes Problem, wobei ich nun keine Vergleiche zur hier - selbst zu Heinsberg - ziehen will. Ich kam einmal während eines Gemeindefestes der ev. Kirche damit in Berührung, als ich in einem bettelnden kind aus Osteuropa etwas zu Essen kaufen wollte, dieses aber dann schnell verschwand, nachdem es kein Bargeld bekam. Sie rannte zu einem Wagen, aus dessen Fenster ein mürrisch dreinblickender ebenso osteuropäisch aussender Mann sah.

    Suay, also meine Frau, scheint ein Gespür dafür zu haben. Erinnere mich, als wir in Bangkok zur Botschaft waren, und anschliessend einen relativ lange Fußmarsch zum Ticket-Office hinter uns brachten, dass sie an drei bettelnden Kindern, die am Straßenrand saßen, ziemlich hochnäsig vorbei ging - einem Mädchen, dass mit verkrüppelten Beinen alleine auf weiter Flur saß, hatte sie 20 THB in den Teller gegeben.

    Jinjok, es sind in der Tat menschliche Abgründe, die man als Durchschnittsmensch in ihrer Tragweite gar nicht so richtig erfassen kann.
    Selbst die einzelnen Schicksale in meiner Firma verblassen im Vergleich dazu...

  6. #5
    EO
    Avatar von EO

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    Re: Bettelkinder in Thailand

    Hallo Jinjok.
    Es war uns (EO + Ich)schon lange bekannt.
    Über die Bettelkinder aus Kambodcha wurde auch mal was im TV gezeigt.Es ist aber schwer bis weilen unmöglich auszufiltern wer ist Bettelsklave für die Organisation oder freier Bettler.

  7. #6
    Tom_Bern
    Avatar von Tom_Bern

    Re: Bettelkinder in Thailand

    Im vergangenen April wurden wir Zeugen von 2 eindrücklichen Erlebnissen, welche einiges aussagen:

    - In der Nähe des Landmark Hotels sass an der Sukhumvit immer ein bettelnder Mann mit einem sehr jungen Hund (es ist schon Tierquälerei, dass ein so junger Hund vom Muttertier getrennt war). Der Mann teilte sich diesen Platz mit einer Frau mit Kind... Als wir in unmittelbarer Nähe mal auf jemand warteten, schnappte meine Frau auf, dass der Mann zu einem anderen Bettler vis-à-vis sagte, dass er heute in 4 Stunden rund 1500 Baht eingenommen habe... Man rechne was dort pro Monat alles reinkommt...

    - Ebenfalls an der Sukhumvit beobachteten wir mal einen Mann, wie er seine gesunden Beine so bandagierte, dass er am Schluss wie jemand aussah, welcher die Unterschenkel und Füsse verloren hatte. Mit seinem Verband und den "Schlabberhosen" konnte man nicht mehr feststellen, dass er eigentlich gesund war.

    Gruss Tom

  8. #7
    Avatar von mai pen rai

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    Re: Bettelkinder in Thailand

    Jinjok,

    du beschreibst die vorherrschende Situation sehr ausführlich und ich kann deiner Argumentation weitestgehends folgen. Leider ist es wie bei den meisten Dingen im Leben so, dass man sie von mehreren Seiten betrachten kann.

    Denn eines sollte man nie vergessen, es gibt auch echte Bettler die nichts besitzen und auf die Almosen die sie bekommen angewiesen sind. Ich habe allerdings in Thailand festgestellt das echte Bettler oft zu stolz sind um Geld von Touristen anzunehmen.

    Dies ist meine Meinung zu diesem Thema.

    mai pen rai

  9. #8
    Avatar von Jinjok

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    Re: Bettelkinder in Thailand

    Die meisten Dingen haben sogar mehr als zwei Seiten. Eine Seite zum Beispiel wäre, daß - nennen wir sie einmal echte Bettler aus eigenem Antrieb und auf eigene Rechnung, auf den von mir beschrieben Plätzen keine Chance hätten auch nur einen Baht zu bekommen. Die Reviere sind abgesteckt.

    Aber das Land ist groß und in den Tambuns kennt man die ortsansässigen Armen und Bettler, denen gibt man dann den Rest des Essens oder auch eine alte Hose. Abgetragene Kleidung nehme ich jetzt immer mit in den Urlaub, Schwiegermutter kennt viele auf dem Land die die noch brauchen können. Leuten die durch die Abfalleimer suchen, haben sicherlich keinen goldberingten Mafiaboss im Rücken. Denen kann man mit ein paar Münzen wirklich was Gutes tun.

    Aber in der Annonymität der Großstadt weiß natürlich niemand was mißbrauchte Bettelsklaven sind und wer von diesem Geld wirklich seinen täglich Reis finanziert. Genau das machen sich die Skalventreiber zu Nutze und was noch schlimmer ist, die echten bettler haben daneben keine Chance und werden zu unrecht in den selben Topf geworfen.
    Jinjok