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Zwischen Bayern und Bangkok

Erstellt von Rene, 29.03.2005, 23:30 Uhr · 3 Antworten · 1.234 Aufrufe

  1. #1
    Rene
    Avatar von Rene

    Zwischen Bayern und Bangkok

    Von Per Hinrichs

    Europäische Hochschulen werben in Thailand um asiatische Studenten. Nach Deutschland kommen bisher nur wenige, doch das soll sich ändern. Studiengebühren könnten ein Lockmittel sein.


    Jeder kann es sehen: Die europäischen Universitäten sind in Asien einfach nicht gut aufgestellt. Die Niederlande etwa. Am Stand der Hanzehogeschool aus Groningen fehlen Trennwände, das Brett mit dem Namen hängt schief, Tische fehlen. So kann man sich eigentlich nicht auf der "European Higher Education Fair", der Messe europäischer Unis in Bangkok, präsentieren. Immerhin 78 Hochschulen, darunter 18 deutsche, haben den weiten Weg nach Thailand zurückgelegt, um endlich "die europäischen Unis im asiatischen Hochschulmarkt besser zu positionieren", sagt Christian Hülshörster vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD). "Bislang gehen asiatische Studenten lieber nach Australien oder in die USA, um zu studieren."

    Deshalb hat das Interesse des DAAD, der die Messe zusammen mit französischen und niederländischen Partnern organisiert, vor allem wirtschaftliche Hintergründe. Es geht weniger um Voltaire, Rembrandt und Goethe als um Thermodynamik und Maschinenbau, die den fernöstlichen Studenten näher gebracht werden sollen. Als Ingenieure oder Naturwissenschaftler werden sie Kontakte in ihr ehemaliges Gastland pflegen - und so für Aufträge sorgen. Das jedenfalls hofft auch die Europäische Union, die die Messe mit 200 000 Euro fördert.

    Klingt erst einmal gut. Auf der anderen Seite: Haben deutsche Hochschulen nicht andere Probleme? Leiden sie nicht an Platzmangel, heruntergekommenen Gebäuden, chronischer Unterfinanzierung? Warum sollen junge Asiaten denn ausgerechnet an die in Bangkok vertretene FH Bad Honnef gehen, wenn Sie auch in San Francisco oder Sydney studieren können? Zumal dort Englisch gesprochen wird und niemand die Fremdsprache Deutsch lernen muss. Etwa 11 000 Thailänder studieren in Australien, 10 000 zieht es in die USA, immerhin noch 4000 besuchen britische Unis. An deutsche kommen bisher gerade mal 782.

    Jochen Krauß vom Messestand der TU München ist ganz zuversichtlich, dass es von den 4100 Besuchern "ein paar" nach München verschlägt. Sein Argument: "Unsere Uni schneidet in internationalen Rankings gut ab."

    Quelle und weiter:

  2.  
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  3. #2
    Avatar von DisainaM

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    Re: Zwischen Bayern und Bangkok

    Es stimmt leider, daß die Stituation, asiatische Studenten nach Deutschland zu bringen, sehr schwer ist.

    Wer es schafft, ein Stipendium für Deutschland zu bekommen, kann zwar in der Regel sein Grundstudium absolvieren, die Chancen aber, das Studium mit einer im Ausland wichtigen Zusatzqualifikation, wie einem Doktor abzuschließen, sind denkbar schlecht.
    Wer es als asiatischer Student erstmal geschafft hat, die Deutsche Sprache auf Hochschulniveau zu sprechen und zu verstehen, schließt in der Regel sein Studium mit Auszeichnung ab.
    Um jedoch im Heimatland eine weitergehende Karriere machen zu können,
    ist der Doktortitel von entscheidener Bedeutung.
    Um jedoch den Doktor in Deutschland machen zu können, muß ein neues Stipendium erlangt werden, was jedoch meistens scheitert,
    weil der DAAD für Doktorenstipendien nur einen sehr kleinen Bewilligungsprozentsatz hat, gemessen an den Bewerbungen.

    So werden viele asiatische Studenten bereits während ihres Studiums in Deutschland überhaupt nicht darauf hingewiesen, daß ihre Chancen für ein später bewilligtes DAAD-Doktorantenstipendium entscheident davon abhängen, schon vor Studiumabschluss Veröffentlichungen zu einem Thema zu haben, indem man später promoviert.

    In der Regel haben die Absolventen des Grundstudiums wenig Chancen, ein DAAD-Doktorstipendium zu bekommen, weshalb sie Deutschland verlassen müssen, da das Ausländeramt von ihnen verlangt, entweder ein DAAD Stipendium, oder ein privates Stipendium oder Sponsering von minimum 1.200 Euro im Monat.

    Warum waren die ausländischen Studenten für Deutschland in der Vergangenheit so wichtig ?

    Weil sie, wenn sie zu Hause in hohe Positionen gelangten, gleichzeitig zu einem 'Botschafter für deutsche Wirtschaftsinteressen' wurden, denn die deut. Industrie konnte durch sie viel wirksamer ihre vorgeschlagenen Auslandsprojekte in den jeweiligen Ländern transparent machen, und es den dortigen Regierungen vermitteln, als es je angestellte Firmenmitarbeiter hätten schaffen können.

    So ist diese wichtige Investition in die Zukunft ebenso Bestandteil des Wettbewerbes, egal ob die Frage Welches Tzunamifrühwarnsystem?, oder anders heißt,
    ohne 'Sonderbotschafter' der eigenen Leistungskraft, kämen unsere Konzerne kaum zum Zuge.

  4. #3
    Avatar von x-pat

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    7.208

    Re: Zwischen Bayern und Bangkok

    Sehr guter Beitrag DisainaM! Genau dort liegen die Probleme. Man könnte machmal fast den Eindruck gewinnen, die deutschen Universitäten wollten sich die ausländischen Studenten vom Halse halten. :-(

    X-Pat

  5. #4
    Avatar von Pacifica

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    114

    Re: Zwischen Bayern und Bangkok

    Hallo,

    Ich glaube nicht, dass die Aussichten auf einen Doktortitel auschlaggebend sind, ob man als thailaendischer Student nach Deutschland kommt oder nicht.
    Ausschlaggebend ist der Ruf der Hochschule und die Internationalitaet der Studenten, der Hochschulgemeinde und des Wohnortes.
    Und deswegen sind die US-Universitaeten ganz vorne. Gefragt ist aber auch Australien oder GB.
    Nebenbei ist aber auch der Ruf des Gastlandes nicht ganz so unwichtig. Deutschland hat 60 Jahre nach dem WWII immer noch einen ziemlich schlechten Ruf als Gastland bzw. als auslaenderfeindliches Land. Dies habe ich mir nicht einfach ueberlegt, sondern von Thai- und Philippino-Freunden gesagt bekommen. Traurig, aber wahr.

    So long, Mike

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