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Thailand kennt nur noch eine Farbe

Erstellt von Rene, 08.06.2006, 13:47 Uhr · 24 Antworten · 1.491 Aufrufe

  1. #1
    Rene
    Avatar von Rene

    Thailand kennt nur noch eine Farbe

    ein Bericht von Moritz Kleine-Brockhoff

    An Bangkoks Impact-Messezentrum schieben sich jede Stunde 40 000 Thais im Pulk durch die Türen der gefragtesten Ausstellung der Welt: auf der Fläche von 23 Fußballfeldern wird das bisherige Lebenswerk seiner Majestät Bhumibol Adulyadej gewürdigt. Er ist König von Thailand, Retter bei Staatskrisen, Entwicklungshelfer, Musiker, Fotograf und vieles mehr.

    "Wir lieben ihn so sehr", sagt eine Frau. Sie starrt auf ein altes Foto, das einen Buben in kurzer Hose zeigt. "Das ist unser König", sagt die Frau stolz. Sie hat ein gelbes Polohemd an, mit königlichem Jubiläumsemblem auf der linken Brust. Millionen Thais tragen dieses Polohemd. Oder das gelbe T-Shirt mit dem Aufdruck: "Lang lebe unser geliebter König". Oder sie tragen das gelbe Plastikarmband, auf dem dasselbe steht.

    Gärtner pflanzen neun Millionen "goldene Regenbäume"

    Gelb ist in Thailand die Farbe des Montags. Weil Bhumibol am Montag, dem 5. Dezember 1927 geboren wurde, ist Gelb auch die Farbe des Königs. König Bhumibol Adulyadej sitzt seit 60 Jahren auf dem Thron, weltweit ist niemand so lange Monarch. Um das Jubiläum zu ehren, wurden neun Millionen "goldene Regenbäume" gepflanzt. Ihr Blühten sehen aus wie gelber Flieder. Der älteste der königlichen Elefanten bekam ein neues Gewand. Mit sechs Kilo Gold.

    Am Montag steht der Höhepunkt der Festivitäten an: alle 28 Monarchen der Welt sind nach Bangkok eingeladen, wo 52 prächtige Barkassen den Chao Phraya Fluss herabgleiten werden, vorbei am königlichen Palastkomplex. Die Gebäude sehen aus wie buddhistische Tempel. Der Hausherr ist laut Verfassung kein Gott, die Thais vergöttern König Bhumibol trotzdem. Weltweit genießt er Respekt, 14 Staatsoberhäupter werden kommen: der Kaiser von Japan, die Könige von Jordanien, Kambodscha, Lesotho, Malaysia, Nepal, Schweden und Swasiland, dazu der Sultan von Brunei, die obersten Scheiche Katars und Kuwaits, die Prinzen von Monaco und Liechtenstein sowie der Großherzog von Luxemburg. Zwölf Monarchen schicken Vertreter, Prinz Andrew reist aus England an, Königin Sofia aus Spanien.

    Bei der Ausstellung laufen Kinder mit Fotoapparaten und Notizblöcken umher. Beides hatte der König auch immer dabei, als er durchs Land reiste und über Stege von Reisfeldern stapfte. Als er Hühnerfarmen und Bewässerungssysteme begutachtete und Anweisungen gab - dem Volk nah, und durch Kult doch fern. Ein Foto zeigt einen Mann auf Knien, der ein Geschenk reicht und dabei den Kopf senkt. Er traut sich wohl nicht, seinen König anzuschauen.

    "Seine Majestät hat unendlich viel für uns getan", meint eine Frau im Rollstuhl. Weil es voll ist, sieht sie nicht viel von der Ausstellung. "Ich bin gerne hier, es fühlt sich wunderbar an, so, als sei der König bei uns."

    Über den Jubilanten ist nur Gutes zu hören. Weil fast allen Thais nur Gutes einfällt. Weil in Ehrfurcht das Wort Furcht steckt. Weil Kritik Majestätsbeleidigung ist. Und weil diese mit Gefängnis bestraft werden kann.

    Bangkoks Hofstaat, berühmt für steifstes Zeremoniell, ist streng. Der König selbst nimmt sich anscheinend etwas weniger wichtig. Jüngst gab er zu verstehen, er sei menschlich und wünsche Kritik: "Der König ist fehlbar. Wenn ich etwas tue, möchte ich wissen, ob die Menschen zustimmen oder es ablehnen." Die Worte zeigten bislang keine Wirkung. So schnell können Menschen nicht umdenken, die ihr Leben lang morgens und abends stillstehen, wenn im ganzen Land die Hymne des Königreiches erschallt.

    Auf dem Chao Phraya Fluss wird eine festliche Prozession geprobt

    Das Ufer des Chao Phraya Flusses wird gelb. Tausende kommen in gelben Polohemden oder T-Shirts zur Probe der Barkassenprozession: Familien, Geschäftsleute, Obdachlose und Liebespaare. "Auch eine Probe ist etwas Besonderes", sagt ein Mann, der ein Baby trägt. Als die festlichen Barkassen den Fluss hinabgleiten, schweigt er. Und alle anderen Zuschauer schweigen auch. Ergriffen starren sie auf die langen königlichen Boote. Sie sehen aus wie schwimmende goldene Schlangen. An beiden Enden erheben sie sich stolz aus dem Wasser. Es ist eigentlich eine hellbraune Brühe. Doch jetzt, die Sonne steht tief, scheint sogar der Fluss die königliche Farbe anzunehmen: gelb.

    Quelle: fr-online

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Dieter1

    Registriert seit
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    32.018

    Re: Thailand kennt nur noch eine Farbe

    Am Donnerstag nächste Woche bin ich dann auch Besitzer so eines gelben Polo Shirts. Die Kleine bringt eins mit, hat sie heute erzählt.

    Viel gerner würde ich mir den ganzen Zinnober natürlich vor Ort anschauen, aber man kann ja nicht überall sein :-).

  4. #3
    Rene
    Avatar von Rene

    Re: Thailand kennt nur noch eine Farbe

    Ein weiterer Bericht von Willi Germund

    Vergoldet sind die Mikrofone, vergoldet sind auch die Lautsprecher. König Bhumibol Adulyadej ist dennoch kaum zu verstehen, als er in der Thronhalle einen Forscher auszeichnet. "Stärke des Landes mit unvergleichlicher Macht" - so lautet übersetzt der Name des König von Thailand. Doch Bhumibol wirkt gebrechlich, er spricht leise. Mühsam, gewissermaßen auf Trippelschritten kämpft sich das Staatsoberhaupt, das von heute an bis zum 12. Juni sein 60-jähriges Thronjubiläum feiert, durch das steife Hofzeremoniell.

    Kein anderer Monarch der Welt amtiert so lange wie Thailands König. Und es werden weder Kosten noch Aufwand gescheut, um den Jahrestag zu feiern. Thailands Steuerzahler müssen umgerechnet rund 800 000 Euro für den neuen Goldschmuck zahlen, den der 60 Jahre alte weiße Elefant Pjra Sawet Adulyadej Phahon auf Wunsch des Königs zum Jubiläum erhält. Der weiße Dickhäuter steht im königlichen Stall und hat wegen seiner außergewöhnlichen Farbe den Rang eines Prinzen.

    Vergoldete Boote

    Seit Monaten üben 2 082 Ruderer den Umgang mit 52 vergoldeten und mit kunstvollen Schnitzereien verzierten Booten, damit sie bei der geplanten Prozession auf Bangkoks Fluss Chao Praya am 12. Juni nicht aus dem Takt kommen. Viele Thailänder tragen seit Montag schon gelbe Hemden, denn Gelb ist die Farbe des Königs. Und acht Millionen Menschen besuchten bereits eine Ausstellung, die das Leben und Wirken des Königs zeigt.

    Seit Thailand sich in eine konstitutionelle Monarchie verwandelte, gilt der Monarch zwar nicht mehr als lebender Buddha. Wenn der 1927 in Massachusetts geborene König aber mit leiser Stimme flüstert, dann besitzt sein Wort immer noch die Kraft des Allmächtigen. Kaum hatte sich Bhumibol vor einigen Jahren gegen den Raubbau an Thailands Wäldern ausgesprochen, stoppte die Holzindustrie weitgehend ihre Aktivitäten innerhalb der Landesgrenzen und wandte sich den Wäldern in den Nachbarstaaten zu. Vor jedem Kinofilm stehen die Besucher auf und schweigen, während zu den Klängen der Nationalhymne der König in Gummistiefeln bei der Besichtigung von Bewässerungsprojekten oder bei der Inspektion von Schulen gezeigt wird.

    "Der König", so sagt Michael H. Nelson, deutscher Gastdozent an der Chulangkorn-Universität in Bangkok, "zählt in Thailand neben Buddha und der Flagge als nationales Symbol." Die Militärs, die das Königreich lange regierten, und die Politiker nutzen bis heute ein Gesetz gegen Majestätsbeleidigung, um Kritiker einzuschüchtern. Dabei erklärte Bhumibol im vergangenen Jahr: "Der König kann auch Fehler begehen." Die Thailänder haben den Satz mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Die Courage zur Kritik fand bislang jedoch kaum jemand.

    Es stand alles andere als gut um Thailands Monarchie, als Bhumibol im Jahr 1946 als Nachfolger seines älteren Bruders von seiner Schule in der Schweiz auf den Thron von Bangkok gerufen wurde. Der damalige König war an den Folgen einer Schussverletzung gestorben, die manche einem japanischen Spion zuschrieben, andere aber auf schlicht als Unfall werteten. Jedenfalls wurden drei Palastbeamte als Sündenböcke hingerichtet. Bhumibols heutiger Status, die Hochachtung, die er in Thailand und auch im Ausland genießt, seien vor allem das Produkt einer sagenhaft erfolgreichen PR-Kampagne, sagen Beobachter in Bangkok. Zusammen mit einer attraktiven Frau eroberte Bhumibol die Herzen seiner Untertanen: Er heiratete bald nach seiner Krönung Sirikit, eine mandeläugige Schönheit, deren Fotos über Jahrzehnte die bunten Gazetten füllten.

    Sirikit, Mutter von vier Kindern, ist längst eine stattliche Großmutter. Und der König mit dem Spitznamen Lek, was "kleiner Bruder" bedeutet, ist seit Beginn der 90er Jahre zu einem Garanten für Stabilität geworden. "Er hat sich als positiver Faktor für die Demokratie erwiesen", sagt der Politologe Nelson. Erst neulich wies ein Machtwort des Königs einen Ausweg aus der politischen Krise, die Thailand seit Wochen lähmte.

    Anlässlich des Jubiläums legten alle Parteien den Fehdehandschuh erst einmal zu den Akten. Verdrängt wird angesichts der angeschlagenen Gesundheit des 78 Jahre alten Bhumibol auch die Nachfolgefrage. Die 1955 geborene Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn ist am beliebtesten, in der Thronfolge freilich nur die Nummer Zwei. Der 54-jährige Kronprinz Vajiralongkorn macht derweil mit allerlei Kapriolen von sich reden - und nimmt seinen weißen Pudel zu jedem Anlass mit. Das durften auch die Ehrengäste eines Treffens ehemaliger Cambridge- und Oxford-Studenten in Bangkok erleben. Der Hund durfte auf ihrem Tisch herumspazieren - und machte sich prompt über den gefüllten Teller des US-Botschafters her.

    Quelle: Berliner Zeitung

  5. #4
    guenny
    Avatar von guenny

    Re: Thailand kennt nur noch eine Farbe

    @all danke für die Berichte,

    Die 1955 geborene Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn ist am beliebtesten, in der Thronfolge freilich nur die Nummer Zwei. Der 54-jährige Kronprinz Vajiralongkorn macht derweil mit allerlei Kapriolen von sich reden -
    Genau das ist das Problem für die- hoffentlich noch fernere - Zukunft.
    Die Prinzessin hätte im Volk (jaja ich weiss, dem Landvolk, bei den Städtern kann ich's nicht beurteilen) einen erheblichen Vertrauensvorschuss, sie ist beliebt und wird akzeptiert. Vom Sohn hält kaum einer was, das macht man durch Andeutungen und Gestik auch deutlich.

  6. #5
    KraphPhom
    Avatar von KraphPhom

    Re: Thailand kennt nur noch eine Farbe

    Morgen wird hier den ganzen Tag gefeiert. Hat jemand Interesse zu erfahren, wie dies auf dem Land abgeht ? ...Wenn ja, nehme ich Kamera mit und berichte anschliessend hier.

  7. #6
    Rene
    Avatar von Rene

    Re: Thailand kennt nur noch eine Farbe

    Aber immer. Akkus aufladen nicht vergessen :-)

    René

  8. #7
    Avatar von Dieter1

    Registriert seit
    10.08.2004
    Beiträge
    32.018

    Re: Thailand kennt nur noch eine Farbe

    Unbedingt Phommel, mach ne schöne Fotostorie

  9. #8
    KraphPhom
    Avatar von KraphPhom

    Re: Thailand kennt nur noch eine Farbe

    Okay, Akku ist schon in der Ladestation. Nun, kann ich nur noch hoffen, dass ich morgen auch interessante Dinge vor die Linse bekomme und nicht bloss vom Alkohol Gezeichnete

  10. #9
    Rene
    Avatar von Rene

    Re: Thailand kennt nur noch eine Farbe

    Gelbe T-Shirts mit "Beulen" ....

    René

  11. #10
    KraphPhom
    Avatar von KraphPhom

    Re: Thailand kennt nur noch eine Farbe

    Zitat Zitat von Rene",p="354761
    Gelbe T-Shirts mit "Beulen" ....

    René
    Na na na. Solche Gedanken gehören sich nicht bei einem Feiertag des Königs


    ...zudem sind weisse T-shirts während Songkran viel effektiver.

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