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neue gesetzte für ausländische firmen

Erstellt von J-M-F, 09.01.2007, 10:32 Uhr · 29 Antworten · 1.530 Aufrufe

  1. #11
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: neue gesetzte für ausländische firmen

    Nachdem ich lange ueber die Situation nachgedacht habe mal eine voellig neue Perspektive zu "sie wissen nicht was sie tun" oder auch "this is Thailand":

    Im letzten Jahr begann eine Tendenz, dass der Baht immer staerker wurde. Als Grund hierfuer wurde genannt, dass massive auslaendische Investionen ins Land fliessen wuerden, wobei der Shinawatra-Verkauf nur eine Sache war.

    Investitionen, speziell auslaendische sind tatsaechlich nicht alles, denn hiermit kommen auch gewisse Gefahre. Die Regierung von Khun Thaksin hat aber stark hierauf gesetzt und hat angefangen auf Teufel komme raus auf wirtschaftliche Expansion gesetzt.

    Vor kurzem habe ich einen Satz in der Zeitung gelesen, der bei mir die Augenbrauen zucken liess: "Der US$ hat den tiefsten Stand zum Baht seit 9 Jahren(!!). 2006 minus 9 Jahre = 1997. War das nicht das Jahr der massiven Wirtschaftskrise?

    Wir befanden/befinden uns derzeit in einer heissen Phase der Investionen und Gebaeudekomplexe schiessen wie Pilze aus dem Boden. Dies laesst die Landpreise speziell in den Ballungsgebieten natuerlich hochschiessen und leicht kann dieses dann zu einer Situation wie einst in Japan fuehren, dass heisst eine extreme Ueberbewertung von Land und Boden erfolgt. In einer Grossstadt moegen 100m2 im Prinzip Millionen wert sein, aber sind sie dies im realen Markt wirklich. Was ist wenn kurzfristig Liquiditaet benoetigt wird, der einen Verkauf zum Papierwert erfordert, den aber niemand bereit ist zu bezahlen. Kredite aufgebaut auf Treibsand (= unrealistische Ueberbewertung) zerplatzen wie eine Seifenblase und koennen ein ganzen Land an den Rand der Pleite treiben.

    Durch den Verkauf der Shinawatra-Gruppe wurde weiterhin ein weiterer Gefahrenherd offensichtlich. Durch die laxe Handhabung im Umgang mit Nominees koennen auslaendische Investoren mit relativer Leichtigkeit absolute Dominanz bekommen. Dies ist aus folgenden Gruenden mit Vorsicht zu geniessen:

    1. Investoren haben in erster Linie immer eines im Sinn. Sie wollen Geld verdienen. Es wird Geld investiert, um es auf dem besten strategischen Wege am schnellsten meistmoeglich zu vermehren. Bei auslaendischen Investoren kommt dann im Regelfall dazu, dass keinerlei nationales Interesse am Investitionsobjekt besteht. Es wird ausgesaugt wie eine Zitrone und dann die trockene Schale einfach fallengelassen. Besonders kritisch ist dies bei den schnelllebigen Anlegern, den reinen Spekulanten.

    2. Eine Dominanz von strategisch wichtigen Industrien wie z. B. die Telekommunikation ist eine heikle Sache. Der auslaendische Investor will Geld verdienen, er will den Saft der Zitrone. Somit ist dann die entsprechende Geschaeftspolitik. Er taktiert in einer Weise, die gegebenenfalls ueberhaupt nicht im Interesse des Investionslandes liegt, doch welche Optionen hat es noch, wenn auf einmal die Karten aufgedeckt werden. Es ist erpresbar geworden und wird zur Marionette des Kapitals. Schwingen nicht auch in den hochentwickelten Industriestatten eigentlich die Grossindustrien und nicht die demokratisch gewaehlten Regierungen den Taktstock? Tanzt oder 100.000 Arbeitsplaetze und/oder Milliarden Steuergelder gehen floeten. Gewisse Skrupel moegen dann noch bestehen, wenn die am Druecker Staatsbuerger des Landes sind, aber existiert ein Funke "soziale Verantwortung" in einem auslaendischen (und gegebenenfalls dazu auch noch patriotischen) Investor?
    10.000 Arbeisplaetze auf der einen Seite und 10 Milliarden Euro auf der anderen. Wie wuerde der "klassische Kapitalist" entscheiden.

    Wurde nicht bereits schon versucht, im kleinsten Massstab die thailaendische Regierung unter Druck zu setzen? Handelt nach unserem Gusto oder wir kommen nicht mehr mit unseren Touristen-Dollars.

    Schauen wir einmal zurueck auf die letzten paar Monate Entwicklung in Thailand:

    - Erhebliche Anzeichen, dass sich wieder in die selbe Situtation der damaligen Krise zurueckbewegt werden koennte. Eine auf Sand gebaute zu rasche Wirtschaftsentwicklung.

    - Im Wirtschaftdickicht zeigt sich, dass strategisch wichtige Industriesegmente in einem weitaus staerkeren Einflussrahmen durch auslaendische Investoren befindet, als dieses auf dem Papier wahrnehmbar ist. Weiterer Treibsand in Richtung einer erneuten Wirtschaftskrise.

    Was passierte daraufhin:

    - Es gab einen Regierungswechsel durch einen Militaerpurtsch
    - Das Aufenthaltsgesetz wird reformiert oder besser besser gesagt bereits bestehende Gesetze kommen verstaerkt in Anwendung.
    - 30% Withdrawal Tax wird proklamiert (im wesentlichen um den nicht gerade beliebten Investoren "den reinen Spekulanten" Einhalt zu gebieten). Eigentlich ist eine kurzfristige Investition, die reine Spekulanz, keine richtige Investition. Der Markt ist einfach zu schnelllebig und Gelder koennen so schnell wieder abgezogen werden wie sie reingekommen sind. Wie kann somit mit diesem Geld geplant werden. Ist es somit verwunderlich, dass eine Bank auf ein Girokonto praktisch keinerlei Verzinsung gibt, aber je laenger eine Geldanlage ist, umso mehr "Belohnung" gibt es, denn DIESES Geld steht wirklich fuer Investition (Expansion, Entwicklung etc.) zur Verfuegung.
    - So, der SET hat einen erheblichen Einbruch erlitten und wie kann Thailand so unverantworlich handeln? Wirklich unverantwortlich oder sollen eventuell nicht gezielt auslaendisches Geld (speziell kurzfristiges) aus dem Land rausgehalten werden, um dem Staekekurs des Bahtes Einhalt zu gebieten.

    Es scheinen sehr unruhige Zeiten in Thailand zu herrschen und die Entscheidungstraeger scheinen absolut den Boden unter den Fuessen verloren zu haben. Wirklich?

    Weiterhin ungeklaert die Bombenattentate in der Sylvesternacht. 8 Anschlaege, die nach Profiarbeit aussehen, doch die Zahl der Opfer erstaunlich niedrig. Khun Thaksin bestreitet jegliche Involvierung, so auch die PULO. Leicht haetten 1.000ende von Menschen zu Schaden kommen koennen. Freundliche Attentaeter? Welchen Sinn ergibt dieses.

    Was ist weiterhin passiert? Seine Majestaet der Koenig erteilte den Rat oder auch die Ermahnung zum Self-Sufficiency Prinzip. Bescheidenheit statt Gier nach Wirtschaftswachstum auf Teufel komm raus, die richtige Arznei um einer sich anbahnenden Wirtschaftskrise entgegenzusteuern. Diesmal Selbsthilfe anstatt auf auslaendische Wirtschaftsweise und das "geliebte" auslaendisches Kapital zu setzen?

    Derzeit werden noch die neuen Regularien in Bezug auf Firmen mit erheblichem Macht- bzw. Finanzeinfluss formuliert. Der Pressesprecher hat verlautbaren lassen, dass es derzeit noch zu frueh sei die "Katze aus dem Sack" zu lassen, weil eine Kabinetabsegnung noch erfolgen muesse. "Die Investoren wuerden jedoch nicht enttaeuscht werden und verstehen. This is Thailand." Raetselhaft, hohle Worte oder tatsaechlich Loesung auf thailaendisch? Meine eigene Meinung und Erfahrung hierzu. Thailaendische Probleme sind nur tatsaechlich auf eine Art zu loesen, naemlich auf thailaendische.

    General Prem hatte vor kurzem eine private Unterredung mit General Chavalit.

    Wie kann dies nun alles jemals zusammenpassen? Einfach Chaos pur oder Da Vinci Code in Thai? Nach sehr langem Nachdenken setze ich persoenlich auf das letztere, aber dies ist aber natuerlich bedeutungslos, da ich ja bekanntlich durch eine rosafarbene Brille vorbelastet bin.

    Viele Gruesse,
    Richard

  2.  
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  3. #12
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: neue gesetzte für ausländische firmen

    Zitat Zitat von Auntarman2",p="434464
    Nur warum ziehen dann die Investoren massiv Geld aus Thailand ab, zu sehen am massiven Fall der Aktienkurse?

    Aktuell sieht es wohl eher so aus, dass sich weitere Hightechindustrie (wie schon die z.B. Festplattenhersteller wie Seagate) aus Thailand verabschieden. Das wird leider recht weitreichende Folgen für ein Schwellenland haben wenn dergleichen Industrien ihr Engagement überdenken und evtl. einschränken. Nur von Industrie und Agrar leben ist ja nun keine Alternative.
    Gunther,

    verdammte laehmende Investoren, da nichts anderes im Sinne als den schnellen Euro.

    Ach, waere doch, ach waere doch meine Firma frei von diesem Einfluss, denn welcher engagierte Geschaeftsfuehrer kann schon mit Betonfuessen schwimmen. ;-D

    Da sitzt er nun der hohe Herr auf den Boden meiner Huette mit den Taschen voller Geld. Die Klimaanlage ist nicht kalt genug, das Somtam ist zu scharf und eigentlich wuerde er auch viel lieber seinen eigenen schmucken Palast haben auf dem Grund meiner schaebigen Huette.

    Geld und nichts als Geld braucht das Schwellenland oder auch ein mittelstaendisches deutsches Unternehmen. Das weiss doch jeder Wirtschaftfachmann. Ist doch egal, ob ich in 'nem Mietshaus wohne. Sitze schliesslich im molligen Trocknen. Unter einem goldenen Dach und der "Landlord" ist doch sooo ein netter Mann und ist ja ganz eigennuetzig um mein Wohl besorgt.

    "Self-sufficiency" meinte vor kurzem Seine Majestaet.

    This is Thailand and Thailand is yellow because we appreciate the wisdom of our father.

    Viele Gruesse,
    Richard

  4. #13
    Auntarman2
    Avatar von Auntarman2

    Re: neue gesetzte für ausländische firmen

    Richard, ich denke mal das "güldene Dach" ist nicht das Thema sondern z.B. die erforderlichen Investitionen für eine neue Fabrik in Millionenhöhe (hier in D-Land wie in Thailand) die für das Wachstum notwendig sind. Und die woher nehmen? Banken oder Investoren? Pest oder Cholera? Banken fallen aus, also Cholera, mit allen Konsequenzen. Denke mal das ist nicht so unterschiedlich zwischen D-Land und Thailand.

    Alternative? Konkurrenz baut die Fabrik auf den Philippinen oder Malaysia oder China. So wie mit den Festplattenwerken geschehen. Aber hat dann Thailand etwas davon außer "Stolz"? Oder die Arbeiter deren Fabrik zugemacht wird (so ist es ja z.B. Ploy ergangen) oder der Unternehmer, der von Null in 10 Jahren eine Fabrik mit 5000 Mitarbeitern aufgebaut hat? Ich bin da skeptisch...

  5. #14
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: neue gesetzte für ausländische firmen

    Nun Gunther,

    jetzt stellt sich die Frage, WIE macht man fuer Investoren einen Standort wirklich attraktiv? Diese Frage stellt sich sicherlich zur Zeit mehr fuer Deutschland als fuer Thailand.

    Die Tendenz ist sicherlich zur Zeit wo ist es am billigsten bzw. wo bekomme ich das meiste fuer meine Investition. Millioneninvestitionen wollen ja nun auch wieder reingeholt werden und je eher der Break-Even umso besser. Derzeit blickt alles nach China. Noch, aber die Realitaet wird auch hier noch einholen. Schon jetzt hat China Probleme den immensen Rohstoffbedarf zu decken.

    In welche Richtung wird es gehen? Wer prostituiert sich am besten, um die Freier mit den dicken Geldkoffern ins Land zu holen? Wie stelle ich sicher, dass diese nicht wenig spaeter bereits nach neuen gruenen Wiesen suchen?

    Wachstum kommt nicht ohne Preis und die Frage wird somit sein, was muss ich letztendlich fuer diese Millionenfabrik tuen? Meine Seele verkaufen? Was wenn der Investor eines Tages eifach die Tore schliesst, wie in Ploys Fall, aus welchem Grund auch immer. Keine Fabrik mehr und auch keine Seele mehr. Was mache ich dann? Verkaufe mich einfach billiger als zuvor? Investitionsprostitution? Wohin soll das Wachstum/die Reise gehen. Thailand ein zweites Singapore, wo meines Wissens nach uebrigens niemand Privates bzw. auch nicht juristische Personen Landeigentuemer sein duerfen. Das Land auf dem die Fabrik errichtet wird, kann nur zeitbegrenzt von der Regierung gepachtet werden.

    Ich erinnere micht noch an Zeiten als die Welt vor dem Geld Japans Angst hatte. Japaner fingen praktisch an alles zu kaufen und haetten sicherlich auch das Brandenburger Tor und den Eifelturm eingeheimst, wenn man sie gelassen haette. Was ist Geld letztendlich tatsaechlich wert? Wuerdest Du Dir Dieter Bohlen oder irgendeine andere charismatische Persoenlichkeit als Untermieter bedingungslos ins Haus holen, wenn er Dir 5.000 Euro Miete bezahlt? Dafuer sitzt er dann morgens auf Deinem Platz am Fruehstueckstisch, weist Deine 3 Kurzen an sie sollen gefaelligst nicht so laut spielen und raet Ploy, sie solle sich doch besser mal die Haare gruen faerben.

    Dieter im Haus = Das verheissungsvolle Kapital
    Dieter und das verheissungsvolle Kapital nicht im Haus = Self-sufficiency

    Letztendlich wird es wohl mal wieder der Kompromiss sein. Dieter darf fuer 2.000 Euro die Dachgeschosswohnung und zwar nur diese nutzen.

    Nein, kein Versuch der Pholemik, sondern einfach nur Gedankengaenge dahingehend, dass eine Medaille zwei Seiten hat.

    Viele Gruesse,
    Richard

  6. #15
    Auntarman2
    Avatar von Auntarman2

    Re: neue gesetzte für ausländische firmen

    Hi Richard,

    in der heutigen Wirtschaftsmorgenlektüre (FAZ) steht auch ein Artikel zu dem Thema. Allerdings eines, was mich wirklich erschrocken macht. Und zwar werden Personen (Krirkkrai) zitiert mit der Aussage: "Das wird nur gemacht wegen einer Firma (Holding) vom Thaksin." DAS wäre dann aber das Schlimmste was ich mir vorstellen möchte, weil es von keiner Strategie zeugt (da kann man dann dafür oder dagegen sein, aber es ist eine Linie dahinter), sondern von einer Früchterepublik (dich kriegen wir und wenn wir die Gesetze ändern müssen ist es uns auch egal, welcher Schaden damit angerichtet wird.). Hoffe, es ist nicht der worst case...

    Gruß,

    Gunther

  7. #16
    Avatar von DisainaM

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    Re: neue gesetzte für ausländische firmen

    The law redefines "alien" to mean "foreigners and their Thai nominees," who must reduce combined ownership to less than 50 per cent, M.R. Pridiyathorn said.
    http://www.thaivisa.com/forum/index....ic=100502&st=0

    es werden nun Weichengestellt, und juristische Interpretationsspielräume eingeschränkt,
    mit dem man nun alle ausländische Vertretungen in Thailand überprüfen will, wenn die Anpassungsfrist abgelaufen ist.

  8. #17
    Avatar von x-pat

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    Re: neue gesetzte für ausländische firmen

    Hier ist was Marc Faber, einer der Finanzgurus der Region, vor wenigen Tagen auf Bloomberg über die Situation in Thailand sagte:

    Faber also advises investors stay away from shares in Thailand, where he and his family are based. The nation's SET Index has been the world's worst-performing benchmark in the past month, sliding 15 percent as currency controls introduced by the central bank and bombs in Bangkok spooked investors.

    ``Valuations in Thailand are very inexpensive but I wouldn't buy tomorrow,'' said Faber. `` We have some political problems in Thailand right now. I'd wait for a couple of months.''

    The SET is valued at 10 times estimated earnings, the lowest among 14 Asia-Pacific markets tracked by Bloomberg. MSCI's regional index is valued at 18 times.
    Cheers, X-Pat

  9. #18
    Avatar von x-pat

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    Re: neue gesetzte für ausländische firmen

    Tramaico: ...aber dies ist aber natuerlich bedeutungslos, da ich ja bekanntlich durch eine rosafarbene Brille vorbelastet bin.

    Richard, du machst normalerweise nicht den Eindruck eines rosaroten Brillenträgers. Deiner obige Analyse vermittelt allerdings den Eindruck, dass du die derzeitige Situation etwas zu idealistisch siehst. Du sprichst von sozialer Verantwortung, Bescheidenheit statt Gier, und von ausländischen Investoren, die angeblich die thailändische Wirtschaft wie ein Zitrone aussaugen. Damit hast du wissentlich oder unwissentlich die abgerückte Sprache und das leicht xenophobe Sentiment der thailändischen Protektionisten übernommen.

    Es ist in Thailand immer schon ein beliebtes politisches Mittel gewesen, ausländische Investoren und Spekulanten für die Missgeschicke der thailändischen Wirtschaft verantwortlich zu machen. Mit solchen Methoden spielen Politiker immer wieder mit uralten Ängsten vor einer ausländischen Kolonialisierung. Dieses Denken ist aber weder realistisch noch besonders förderlich für Thailand. Wenn wir uns die jüngste Geschichte Thailands anschauen wird klar, dass wirschaftliches Missmanagement, Korruption und Finanzskandale ausschließlich von der thailändischen Politik ausging.

    Sicherlich hast du Recht, wenn du sagst dass Investoren Profit machen möchten. Die trifft für alle Investoren zu, ob ausländisch oder nicht. Die allermeisten ausländischen Investoren, vom SMEs bis zu Großkonzernen, haben allerdings ein vitales Interesse an dem Wohlergehen der thailändischen Wirtschaft und des Landes, denn davon hängt letztendlich auch der Erfolg ihrer eigenen Mission ab. Der Investor baut nur dann eine Fabrik in Thailand, wenn er über Jahre mit einem stabilen Funktionieren derselben rechnen kann.

    Auslandsinvestitionen sind kein Nullsummenspiel, sondern eine Win-Win Strategie. Sie können nur dann funktionieren, wenn beide Seiten davon profitieren. Das gilt für den kleinsten Mom-n-Pop-Shop bis zum Großkonzern.

    Das Verhalten der jetzigen Regierung gegenüber ausländischen Investoren kann man nur mit den Worten "Elefant im Porzellanladen" beschreiben. Vermutlich geht es Pridiyathorn Devakula hauptsächlich um die paar Dutzend Firmen die nach dem Themasek Modell tief in "privilegierte" Wirtschaftssektoren eingedrungen sind, bzw. darum den Baht zu stabilisieren. Es wäre jedoch begrüßenswert, wenn der Mann endlich einmal seine makroökonomische Bankchef-Brille absetzen würde und sich anschauen würde welche politischen Signale er damit (beabsichtigt oder unbeabsichtigt) an die Business Community sendet.

    Es ist in Thailand seit vielen Jahrzehnten weitläufig üblich, dass ausländische Geschäfte über Thai Nominees operieren, da dies durch die Gesetzgebung so erzwungen wird. Dieses Arrangement ist der de-facto Standard in Thailand. Wenn die Übergangsregierung nun plötzlich an diesem etablierten Status-Quo herumdoktort, dann schrillen natürlich die Alarmglocken bei den Investoren. Das Wort "Enteignung" steht in der Luft. Wer möchte unter diesen Umständen überaupt noch in Thailand investieren.

    Man kann davon ausgehen, dass die thailändische Wirtschaft nach einem Ausbleiben von Auslandsinvestitionen zusammenklappen würde wie ein Pappkarton. Kein Finanzminister kann sich das leisten, auch nicht Herr Devakula. Wir dürfen also gespannt darauf sein, welche Rücknahmen, Ausnahmereglungen, und neue Grauzonen die Regierung für diese Eventualität schaffen wird.

    Cheers, X-Pat

  10. #19
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: neue gesetzte für ausländische firmen

    Nun Thomas,
    ja, es stimmt, meine Worte kommen als die eines konservativen Protektionisten rueber. Letztendlich sind sie jedoch lediglich dazu gedacht, als alternative Perspektive zum derzeitigen "Thailand hat nun voellig jeglichen Sinn fuer die Realitaet verloren" und es handele sich um absolute Goofies eines Schwellenlandes, die da am Hebel sitzen.

    Nein, ich identifiziere mich nicht vollends als Protektionist, aber auch nicht absolut dagegen. Eigentlich bin doch nur einer dieser labbrigen Liberalen, speziell wenn liberal als die Gangart des Mittelweges interpretiert wird

    Sicherlich erscheint das derzeitige Vorgehen sehr sehr unorthodox, radikal und voellig undurchdacht. Eine dieser Extremrundschlage, die ich in meinem Geschaeftsleben an den verschiedensten Stellen bereits erlebt habe. Es werden Marathonmeetings einberufen oder gar aussenstehende "Wirtschaft5experten" angeheuert fuer teures Geld, um dann mit einem Stahlbesen das Rad neu zu erfinden.

    Wissenschaftliche Formeln, Statistiken ala Verhaeltnis Umsatz zur Mitarbeiterzahl etc. werden herangezogen. Vergleichsmuster, die klar aufzeigen, welcher Missstand im Unternehmen herrscht und den Geschaeftsfuehrer die Schamesroete ins Gesicht treibt. Handeln, handeln um jeden Preis und selbst wenn es bedeutet, das Rad voellig neu zu erfinden. Solche Aktionen hat z. B. Deutschland seine Stellung in Sachen Qualitaetschampion gekostet, da es drastisch Einschnitte in Bezug auf Liefertreue und Qualitaetsstandards gab, weil im Radikalfastenmodus abgespeckt wurde.

    Naehert sich Thailand bereits den Verhaltensmustern der industralisierten Welt an? Reformieren, dass die Federn fliegen? Aenderungen gehen niemals ohne Spuren vorueber, es muss Opfer gebracht werden und manchmal fliessen Traenen. Thailand ist ein Schwellenland und es gibt viele, die es sogar lediglich als Entwicklungsland klassifizieren. Somit besteht unzweifelhaft ein Handlungsbedarf. Derzeit passiert tatsaechlich etwas, also der richtigere Weg, als einfach nur im Schatten der Bananenbaeume allem und alles seinen freien Lauf zu lassen. Aktion bringt natuerlich Gefahren mit sich, denn wer agiert, unterliegt auch immer dem Risiko Fehler zu machen.

    Ja, Investitionen und Fortschritt sind wuenschenswert! Die von Dir angeschnittene Langfristigkeit. Sich verankern, sich fest etablieren, sich identifizieren mit den Gegebenheiten. Djing djai, anstatt des fliegenden Haendlers auf der Suche nach dem schnellen Baht. Mit Investitionsnomaden, die lediglich im rasch errichteten Zelt von Land und Land ziehen ist niemanden gedient.

    Dies ist auch, was meiner Meinung derzeit von den thailaendischen Entscheidungstraegern angestrebt wird, bzw. hoffe ich, dass es tatsaechlich so ist. Warum eigentlich, was ist mein ureigenes Interesse an der ganzen Sache, von mir dem Farang? Es gibt doch sicherlich viel bessere "Blaetter", auf die man setzen koennte, denn Thailand ist im Vergleich zu vielen Laendern einfach zu imperfekt. Nun 1999 habe ich mich entschlossen Thailand zu meiner Heimat zu machen und in das Land nicht mit einem Zelt zu kommen sondern mit allem was ich habe. Physisch und psychisch, eine Einbahnstrasse. Ein absoluter Langzeitinvestor.

    Eine definitive Entscheidung und ein anscheinend undankbarer Weg noch dazu. Magenschlaege noch und noecher, Beulen bis hin zu temporaeren Niederschlaegen, doch trotzdem immer wieder aufgestanden und den Staub angeklopft. Ein Nationalist, der sein(?) Land liebt, das noch nicht mal sein eigenes ist. Teufel, was ist aus mir geworden und dies auch noch aus eigenen Stuecken? Ich wuerde Probleme lieben, hat man mir mehr als einmal nachgesagt und somit bin ich wohl genau an der richtigen Stelle. Vielleicht liegt der wahre Horror ja noch in der Zukunft, wer weiss was sie noch bringen wird. Gegebenenfalls kostet mich meine Entscheidung eines Tages noch Kopf und Kragen, doch ich bin bereit bzw. war es schon als ich das sichere Nest verlassen habe und hier hergekommen bin. Das Leben im Chaos, das Leben im Imperfekten, doch gemaess meinem eigenen freien Willen und Wunsch.

    Entscheidungstraeger machen Fehler, Regierungen machen Fehler, staendig und ueberall und manchmal mit nicht unerheblichen Konsequenzen fuer die Bevoelkerung. Ich bin Teil der thailaendischen Bevoelkerung und hoffe, dass unsere Fuehrung mit Weisheit gesegnet ist und immer weiss, was sie tut.

    Was bleibt uns, dem Volk auch anderes uebrig? Wir sind lediglich Spielball und manchmal gar Kanonenfutter. Das beste aus allem Machen, mit allem was in der eigenen Macht steht. Bereit sein, selbst fuer moegliches Ungemach und DANN angemessen reagieren, wenn dieses Ungemach tatsaechlich eintreten sollte. Sorgen machen hilft nicht, sondern hemmen lediglich das Konzentrationsvermoegen richtig zu agieren bzw. zu reagieren. Tamm djai ist essentiell, speziell wenn man Thailand als seine Heimat gewaehlt hat und hier sogar arbeitet. Eine Lektion, die ich im Laufe der Jahre zum Glueck gelernt habe.

    Thailand where are you actually heading? Wir werden sehen und koennen bestenfalls interpretieren und spekulieren.

    Viele Gruesse,
    Richard

  11. #20
    Avatar von x-pat

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    7.208

    Re: neue gesetzte für ausländische firmen

    Tramaico: Was bleibt uns, dem Volk auch anderes uebrig? Wir sind lediglich Spielball und manchmal gar Kanonenfutter.

    Tja, Richard, die Aussicht auf die Funktion eines Spielballs im Gewirr der thailändischen Politik wird wohl kaum einen ausländischen Investor begeistern. Damit bleibt dann alles beim alten: die Leute kommen für Sonne, Golf, und 5ex nach Thailand und nicht für Geschäfte. Natürlich wird in Thailand selten etwas so heiß gegessen wie es gekocht wird. Die schon im Land befindlichen Investoren werden jetzt einfach die Ohren anlegen und das Haupt bedeckt halten, bis die politischen Wirren ausgestanden sind. Ein jeder baut auf die zukünftige gewählte Regierung, die hoffentlich gegen Ende des Jahres einziehen wird.

    Meine persönliche Disposition ist etwas anders. Während meines Aufenthalts in Thailand sind bereits sechs Administrationen an mir vorbeigezogen. Ich baue daher nicht mehr auf künftige Regierungen oder Ankündigungen, sondern nur auf die vorliegenden Resultate und Fakten. Fakt ist das sich die Bedingungen für geschäftliche Unternehmungen in Thailand für Ausländer (das heisst für mich) in den letzten 15 Jahren verschlechtert haben. Das Thailand von 1992, in das ich damals voller Enthusiasmus ausgewandert bin, ist leider nicht mehr das Thailand von 2007. Heute sind Betriebs- und Lohnkosten höher, das Wachstum niedriger, die Konkurrenz größer, und die rechtliche Diskrimination von Ausländern ist verschärft.

    Das klingt jetzt vielleicht etwas wehleidig, aber das wäre vollkommen unbeabsichtigt. Ich kann micht nicht beklagen, denn ich habe in den 15 Jahren in Thailand ein angenehmes Leben geführt und viele wunderbare Erfahrungen gemacht. Nun stehe ich vor der wichtigen Entscheidung noch einmal nachzulegen und eine neue größere Investition zu machen damit es bei mir geschäftlich weitergeht. Angesichts der gegenwärtigen Lage und angesichts der Tatsache das sich auch anch nach 15 Jahren keine Verbesserungen für Ausländer abzeichnen, wird meine Entscheidung vermutlich gegen Thailand ausfallen.

    Im Prinzip ist das die logische Konsequenz eines Prozesses in dem ich meine geschäftlichen Aktivitäten während der letzten Jahre immer weiter aus Thailand abgezogen habe. Ich bin von einer Co. Ltd. mit 16 Angestellten und zahlreichen Thai Kunden auf eine One-Man-Show mit 0 Thai Kunden heruntergefahren und habe Thailand dabei nur noch als Wohnort/Platform benutzt, weil ich nun einmal gerne hier lebe. Dies ist allerdings nun geschäftlich zu einem Problem geworden, aufgrund der Distanz zu meinem Markt. Nunja, irgendwann werde ich mich entscheiden müssen.

    Vielleicht sollte ich Devakula & Co. dankbar sein für die klaren Signale. Dadurch die Entscheidung vielleicht einfacher. Für die thailändische Wirtschaft wäre es sicherlich kein großer Verlust.

    Cheers, X-Pat

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