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Königsvisite auf dem Weg ins Nirwana

Erstellt von Rene, 27.12.2006, 17:36 Uhr · 0 Antworten · 387 Aufrufe

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    Rene
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    Königsvisite auf dem Weg ins Nirwana

    Ganz im Norden Kambodschas, wo es keine Straßen mehr gibt und die letzte rotsandige Piste sich am Fuß des Dangkrek-Massivs verliert, dort haben die Khmer einen Tempel in den Himmel gebaut, so hoch und unerreichbar aus der Ebene, dass der Zugang heute in Thailand liegt. Preah Vihear ist das in Stein geschlagene Symbol für den langen Weg ins Nirwana. Besucher steigen durch eine Kaskade von Prunktoren, Höfen und Palästen. An keiner Stelle ihres Pilgerweges können sie einen Blick auf das Hauptheiligtum werfen - ein kilometerlanger Anstieg, schweißtreibend Stufe für Stufe.

    Die Thais haben alles getan, um die Tempelanlage auf ihrer Seite so gut wie möglich zu erschließen. Vom Provinzstädtchen Kantharalak führt eine neue, tiefschwarze Asphaltstraße in das Grenzgebiet, das seit kurzem einen Nationalpark bildet. Die Straße ist von weißen Außenlinien gesäumt, der Mittelstreifen gelb gestrichelt. Der Taxifahrer deutet auf die Fahnen am Straßenrand. „King“, sagt er, „King's visit“. Dann geht alles sehr schnell. Straßensperre, ein Polizist bedeutet unmissverständlich, den Wagen zu verlassen. Sicherheitskräfte verständigen sich per Walkie-Talkie, dann eilt ein Polizist mit erhobenem Schlagstock auf die neugierigen Besucher zu: „Down“, ruft er erschrocken, „sit down“. König Bhumibol ist die oberste Autorität in Thailand. Seinen Untertanen ist es verboten, ihm in die Augen zu sehen. Sie dürfen sich dem Monarchen, der seit 60 Jahren regiert, nur auf Knien rutschend nähern. Die Eskorte rauscht heran, die Polizisten gehen in die Hocke, und wir sehen aus den Augenwinkeln den König in einem weißen Mercedes vorübergleiten. „Thank you“, sagt der Polizist und gibt die Hand. Er will noch etwas hinzufügen, doch dafür reicht sein Englisch nicht. So lächelt er verlegen und macht eine Geste, als wolle er uns den Staub aus den Hosen klopfen, grüßt dann knapp und gibt die Straße wieder frei. [..]

    Quelle: Kölner Stadtanzeiger

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