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Königliche Regenmacher

Erstellt von Rene, 07.12.2004, 15:34 Uhr · 0 Antworten · 369 Aufrufe

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    Rene
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    Königliche Regenmacher

    Als noch niemand vom Klimawandel redete, begann Thailand seine Folgen zu bekämpfen

    Thailand hat nicht auf die globalen Klimakonferenzen gewartet – die jüngste läuft seit gestern in Buenos Aires –, um gegen die Trockenheit anzukämpfen: «Königliche Regenmacher» sind seit 50 Jahren erfolgreich im Einsatz.

    Daniel Kestenholz, Bangkok

    Thailand, eines der fruchtbarsten Länder des Erdballs, leidet an Trockenheit. Während des Monsuns im Sommer 2004 war weniger Regen als üblich gefallen, und die gegenwärtige Trockenzeit, die hier als «kühle Saison» gilt, ist ungewöhnlich heiss. Die Folge: 25 000 Quadratkilometer Ackerland – mehr als die Hälfte der Fläche der Schweiz – sind von der Dürre in Mitleidenschaft gezogen.

    Von Thailands 76 Provinzen leiden derzeit 52 an Wassermangel. Die Bauern müssen immer tiefere Brunnen graben. In der Provinz Tak prügelten sich Bauern jüngst um Heu und Gras, dermassen knapp ist auch das Viehfutter geworden. Fischzüchter mussten Teiche ablassen und die Bestände vorzeitig verkaufen. Die Behörden warnen vorsorglich, wilde Elefanten könnten auf der Suche nach Wasser die Dschungel verlassen und Plantagen zerstören.

    König sah Durst voraus

    Warum weniger Regen falle, wisse man nicht genau, sagt Warawut Khantiyanan von Thailands Landwirtschaftsministerium. Warawut leitet dort das Bureau of Royal Rainmaking, das Büro für königliches Regenmachen, das König Bhumibol Adulyadej 1955 ins Leben gerufen hat. Der Monarch sah schon damals, dass das rapide Wachstum der Bevölkerung und die Ausweitung der Siedlungsgebiete die Frischwasserzufuhr gefährden könnten.

    Das Regenmacherbüro hält derzeit 33 Flugzeuge in neun Zentralen im Einsatz. Von morgens früh bis abends spät kreisen die Propellermaschinen für Sprühflüge über trockenen Provinzen, um Wolken zu ballen und zum Regnen zu bringen – vorausgesetzt, es ist genügend hohe Luftfeuchtigkeit vorhanden.

    Erwärmung festgestellt

    Die Wissenschaft liefere Hinweise, dass sich die Erdatmosphäre infolge Abholzung, Verbrennen von Biomasse und wuchernder Ballungsgebiete erwärmt habe, sagt Warawut. Ausserdem habe er beobachtet, dass die Wolkendecke heute höher als früher liege, «weil die Temperaturen auf Bodenhöhe gestiegen sind. Daher gelangt weniger Regen auf den Boden, weil er schneller wieder verdampft». Nur schon ein sachte wärmeres Klima, meint Warawut, könne verheerende Folgen für den Agrarstaat Thailand haben.

    Präzise Wissenschaft

    Warawuts Abteilung der Regenmacher verfeinert die Wissenschaft, je nach meteorologischen Bedingungen die richtige Menge Chemikalien in der korrekten Höhe und Windrichtung in die Luft abzuwerfen. Nur so wird Luftfeuchtigkeit zu Wolken verdichtet, damit es über dem vorgegebenen Gebiet regnet.

    Vorbild für Nachbarn

    Die Erfolgsquote der Regenmacher ist beeindruckend. An 92 der letzten 100 Einsatztage fiel Regen. Thailand hat seine Technik des Regenmachens nahezu perfektioniert für die hiesigen Tropen. Es konnte nicht einfach die Technik der USA übernommen werden, wo Regen mittels Silberjodid aus kalten Wolkenmassen gelöst wird. In Thailands warmen Luftmassen, erklärt Warawut, müsse man wasseranziehende Stoffe wie Meersalz anwenden. In den nächsten zwei Schritten werden Kalziumchlorid und Kalziumoxid sowie Harnstoff und Trockeneis abgeworfen. Diese Regentechnik zieht Forscher aus den USA und Japan an; die Nachbarstaaten Indonesien, Malaysia und Philippinen folgen bei ihren Bemühungen um Kunstregen Thailands Beispiel.

    Heftigere Ausschläge

    Thailands fruchtbares Zentralbecken bleibt von Wassermangel weitgehend verschont. Die Reiskammer des Königreichs ist von einer Myriade an Kanälen, Flüssen und Dämmen durchzogen, wo bis drei Reissaaten im Jahr geerntet werden. Knapp geworden ist Wasser dagegen in nördlichen und östlichen Provinzen.

    Das hat laut Regenmacher Warawut im Landwirtschaftsministerium Alarmrufe ausgelöst. Man sei an der Ausarbeitung von Modellen, wie sich das Wettermuster entwickeln werde. Es sei beispielsweise erwiesen, dass Wetterwechsel neuerdings heftiger und die Maximaltemperaturen höher seien als früher. Die Durchschnittstemperaturen dagegen seien praktisch konstant geblieben.

    Regenzeit endete zu früh

    Stauseen und Wasserbecken in den betroffenen Gebieten sind nach Behördenangaben bloss zur Hälfte gefüllt, obwohl die Regenzeit eben erst zu Ende ging. Sie kam dieses Jahr in kurzen, heftigen Schüben, weshalb die Behörden vorsorglich Staubecken geleert hatten, um keine Überschwemmungen zu riskieren. Man dachte, noch genügend Zeit zu haben, die Wasserreservoirs wieder zu füllen.

    Stattdessen versiegten die Regengüsse im September, obwohl sie üblicherweise bis Mitte November andauern können. Auch in der Hauptstadt Bangkok regnet es gewöhnlich bis Anfang November. Seit September bleiben die Regenfälle aus, während sich in der Metropole allenthalben dicke Staub- und Russschichten absetzen, die erst wieder mit dem Regen im März oder April weggespült werden – falls er kommt.


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