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Königliche Chemie

Erstellt von Rene, 21.03.2005, 18:01 Uhr · 18 Antworten · 1.130 Aufrufe

  1. #1
    Rene
    Avatar von Rene

    Königliche Chemie

    Wenn Thailand unter einer Dürre leidet, greifen die Regierungsmaβnahmen oft zu kurz. Weil die Politiker nur an sich denken, muss jetzt der König als Regenmacher einspringen.

    Wenn es ums Wetter geht, stehen die Thais den nörgelnden Deutschen in nichts nach: Im Sommer kann niemand den Dauerregen ausstehen, in den kühleren Wintermonaten wird über die Kälte gestöhnt, wenn die Nachttemperaturen unter 15 Grad fallen, und ab Anfang März es allen viel zu heiß. Von Oktober bis Mai fällt oft kein Regen, aber diese Trockenperioden sind kein Phänomen, nur der Normalzustand in Thailand, mit jährlicher Wiederholung.

    Doch dieses Jahr erlebt Thailand die schlimmste Dürre seit 30 Jahren. Auf den Zentralebenen ist seit September kein Tropfen Regen gefallen. Über 800.000 Hektar Ackerland braten zerstört in der Sonne, und sie haben die 2 Millionen Bauern in den betroffenen Gebieten bisher 150 Millionen Euro gekostet. Bauern pressen Wasser aus Bananenbaumstämmen. Viele verkaufen ihre Tiere. Provinzkrankenhäuser fürchten, dass sie bald keine Patienten mehr versorgen können. Kanäle werden von Soldaten bewacht: Die Versorgung der allgemeinen Bevölkerung geht vor, aber einige Bauern versuchen dennoch verzweifelt, Wasser zu stehlen. Hunderte von Familien graben Brunnen, aber nach 150 trockenen Metern geben die meisten auf.

    Kurzzeitdenken

    Die Regierung baut auf Krisenmanagement. Das Landwirtschaftsministerium bietet den Bauern althergebrachte Methoden für eine schnelle Abhilfe: kleine Stauteiche, artesische Brunnen und Wasserlaster in jedem Dorf. Selbstverständlich sind dies Notmaβnahmen, die nur kurzfristig greifen – bis zur nächsten Trockenzeit. Die Regierung zieht jetzt zwar rasch alte Pläne für neue Stauseen aus den Schubladen und veröffentlichte just einen Plan für ein landesweites Netzwerk von Wasserleitungen, Kostenpunkt: eine Milliarde Euro. Es scheint fast, als ob die Dürre den Politbürokraten die Chance verschafft, sich bei den Bürgern Thailands beliebt zu machen: Immerhin können sie so sagen, die Steuergelder flössen direkt wieder zurück in die Taschen der kleinen Leute. Doch die Regierung weigert sich zu erklären, womit die neuen Stauseen gefüllt werden. Wo es kein Wasser gibt, kann keins produziert werden. Das Problem der grassierenden Umweltzerstörung wird nicht berührt: Entwaldung und die Ausnutzung der natürlichen Wasservorräte des Landes – das sind keine Themen, mit denen sich ein Politiker Freunde in der Bevölkerung macht.

    Chemische Bomben anstatt Regentanz


    Doch Thailand kann sich glücklich schätzen: Der Vater des Landes, König Bhumipol, ist nicht nur ein gütiger Landesherr, in Notsituationen krempelt er die Hemdsärmel hoch und überimmt die Führung. In der Nähe seiner Sommerresidenz, im Badeort Hua Hin, hat er in der vergangenen Woche ein Zentrum für Regenproduktion errichtet, dessen Betreiben er persönlich beaufsichtigt; sie soll Thailand aus dem klimatischen Ausnahmezustand helfen. Von dieser Woche an werden Flugzeuge über dem ganzen Land Wolken säen, die den langersehnten Regen bringen sollen. Der König gilt als der Experte im Wolkensäen schlechthin: schlieβlich hält er seit drei Jahren ein Patent auf eine regenproduzierende Methode. Zurzeit arbeitet er an einer noch effektiveren Formel, und, bewaffnet mit seinen Forschungsergebnissen, steht er nun täglich seinen Feldherren im Regenmacherzentrum bei. Bis in die frühen Morgenstunden sorgt Seine Majestät dafür, dass die Piloten die chemischen Bomben auf den richtigen Höhen abwerfen. In seiner Residenz selbst hat der Landesvater einen Computer, der ihn direkt mit dem Zentrum verbindet. Bhumipol hat seine üblichen königlichen Pflichten beiseite gelegt und konzentriert sich darauf, seinen leidenden Untertanen zu helfen. Nun wird einem auch deutlich, wieso die Thais ihr Oberhaupt dermaβen verehren: König Bhumipol schwebt zwar in den Wolken, aber er hat auch den Finger am Puls der Zeit. Ganz anders dagegen Thaksin Shinawatra, der thailändische Premier, der diese Woche in Japan urlaubt – im Ausland anstatt im Süden Thailands, auf Phuket zum Beipiel, das gebeutelt von den Nachwirkungen des Tsunamis, von Touristen vergessen wird. Offizieller Grund: Er könne sich in Thailand nicht mehr erholen.

    Patrick Tippelt

    Quelle:

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Loso

    Registriert seit
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    6.974

    Re: Königliche Chemie

    Da hat der deutsche Journalist wohl teilweise bei seinem BBC-Kollegen abgeschrieben und mit antifeudalistischem Spott garniert.

  4. #3
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Königliche Chemie

    Das impfen von Wolken mit Silberjodid ist eine bewaehrte Methode um diese Wolken zum abregnen zu bringen.
    Rama der IX hat diese Methode optimiert.

    In der Hoffnung das Koenig Bhumipol Erfolg hat

    Lothar aus Lembeck

  5. #4
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Königliche Chemie

    BTW
    Ich bin kein Royalist sondern ein in der Wolle gefaerbter SOZI aber Hut ab vor diesem hemdsaermeligen Koenig.

    Gruss

    Lothar aus Lembeck

  6. #5
    Avatar von moselbert

    Registriert seit
    15.09.2003
    Beiträge
    2.627

    Re: Königliche Chemie

    Wer nun bei wem abgeschrieben hat, weiß ich nicht. Aber ein Wort von dem Reporter suggeriert etwas was nicht geht:
    Zitat Zitat von Rene",p="226600
    ... Von dieser Woche an werden Flugzeuge über dem ganzen Land Wolken säen, die den langersehnten Regen bringen sollen. Der König gilt als der Experte im Wolkensäen schlechthin ...
    Wolken säen hieße, da wo keine Wolken sind welche, erzeugen.

    Da hat der gute Mann entweder falsch abgeschrieben, falsch übersetzt oder nicht zugehört. Denn das geht nicht. Sonst hätten die reichen Scheichs in der Wüste schon mit gesäten Wolken und Regen blühende Landschaften erzeugt.

    So ist´s richtig:
    Zitat Zitat von big_cloud",p="226630
    Das impfen von Wolken mit Silberjodid ist eine bewaehrte Methode um diese Wolken zum abregnen zu bringen...
    Impft man sie mit dieser Chemikalie, so regt man die Wolke an, größere Tröpfchen oder Eiskristalle zu bilden. Was wiederum zu erhöhtem Niederschlag führen kann.

    Auch mir ist der König sympathisch, nicht nur weil er sich auch mit dem Wetter befasst. Vielleicht werde ich mal bei ihm um eine Audienz bitten. So von Kollege zu Kollege.


  7. #6
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Königliche Chemie

    @moselbert
    wenn man sich schon "Grosse Wolke" nennt sollte man sich auch mit dem Regenmachen auskennen

    Liebe Gruesse

    Lothar aus Lembeck

  8. #7
    Avatar von Samuianer

    Registriert seit
    04.09.2003
    Beiträge
    17.303

    Re: Königliche Chemie

    Ist schon fast ´ne Tradition in LOS.

    Ja, ja der King... immer dabei, waehrend die anderen noch reden, laesst er schon Teiche ausheben - hat den Swimmingpool in seinem Palast auch zum Fischteich umfunktionieren lassen, vorbildlich der Mann.

    Sirindhorn, die Prinzessin auch immer dabei...

    Es wurde hier im Sueden und ueber Samui auch mal so ein "Seeding" durchgefuehrt, gehen unheimliche Mengen von dem "Zeug´s" bei drauf... nach starken Regenfaellen "kippte" der Pool - ich meinte es war vom "Seeding"... Jemand Chemiker genug um sagen zu koennen ob Silberjodid den Ph Wert und den Chlorgehalt beeinflussen/aendern kann?



    Waere in dem Zusammenhang auch mal ganz interessant was das Regenwasser mit hohem Silberjodidgehalt so auf/mit dem Boden anrichtet.

    Nur so ein paar Gedanken zur Sache...

  9. #8
    Avatar von x-pat

    Registriert seit
    06.11.2003
    Beiträge
    7.208

    Re: Königliche Chemie

    Ich nehme an dass nicht viel Silberjodid (AgI) in einem einzelnen Pool landet, da sich das Pulver weit verteilt. Trotzdem würde ich lieber nicht darin schwimmen, aus folgendem Grund:

    Toxicology
    May cause argyria. May be harmful or act as an irritant - toxicology not fully investigated.

    Transport information
    Non-hazardous for air, sea and road freight.


    Quelle

    Ich frage mich aber ob sie wirklich Silberjodid verwenden, das sehr teuer ist, oder Trockeneis/Kohlendioxid.

    x-pat

  10. #9
    big_cloud
    Avatar von big_cloud

    Re: Königliche Chemie

    Kein Ding ist ohne Gift allein die Dosis machts dass ein Ding kein Gift ist!
    Theophrastus von Hohenheim gen. Paracelsus

  11. #10
    Avatar von Samuianer

    Registriert seit
    04.09.2003
    Beiträge
    17.303

    Re: Königliche Chemie

    Zitat Zitat von x-pat",p="226764
    Ich nehme an dass nicht viel Silberjodid (AgI) in einem einzelnen Pool landet.... Trockeneis/Kohlendioxid.
    Davon gehe ich mal auch nicht aus...kann mich nur daran erinnern das damals - ich glaube es stand in der Bkk Post - ungeheure Mengen in die Wolken ´geimpft´ wurden.

    Und das selbst die Pool-Wartung meinte das der Regen (sauer) den Pool zum kippen brachte.

    Vielen Dank die Hinweise!

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