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Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

Erstellt von Jinjok, 07.04.2005, 18:44 Uhr · 14 Antworten · 2.031 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Jinjok

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    Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

    Es fing eigentlich ganz harmlos an. Händler des Straßenmarktes von Bo Bae, der auf einer Brachfläches der staatlichen Eisenbahn SRT liegt, beschwerten sich über das Eintreiben von zusätzlichen Gebühren durch SRT-Beamte. Die Eisenbahn erhebt natürlich keine Gebühren und so muß jeder Händler eigentlich nur seine Konzession an die Stadtverwaltung von Bangkok BMA zahlen.

    Nun verstummten die Klagen aber nicht und vor einigen Tagen gelangte dann die Meldung in die Presse, daß ein Händler auf dem Markt von Einsenbahnleuten zusammengeschlagen wurde. Einige wenige Händler sprachen unter Zusicherung von Annonymität gegenüber der Polizei aber dann von mafiösen Banden, die jeden Monat Schutzgelder in Höhe von 300 bis 1000 THB von jedem Händler erpreßten und sich als Mitarbeiter der SRT ausgaben. Zahlungsunwillige wurden immer wieder demonstrativ vor den anderen Händlern bestraft, so daß fast alle zahlten.

    Durch die Aufmerksamkeit der Presse bekamen auch die Stadtoberen und sogar die Regierung Wind von den Zuständen auf dem Markt von Bo Bae. Aber die Polizei hatte wie üblich bei Schutzgelderpressungen Schwierigkeiten Zeugen unter Händler zu finden, die auch Aussagen vor Gericht machen wollen, da die Polizei an den Schutzgeldern beteiligt ist

    So machten man einen Aufruf, daß sich alle Händler die Probleme mit Schutzgeldforderungen haben, direkt an PM Shinawatra wenden können, da der Polizei nicht zugetraut würde daß sie das Problem lösen könne. Shinawatra erklärte öffentlich, wer die Händler bedrohe, der mißachte seine Autorität und damit ihn persönlich. Dagegen werde er mit allen Mitteln des Gesetzes vorgehen und nicht zuletzt ihnen ihren unrechtmäßig erworbenen Reichtum abzunehmen (hört hört!).

    Für gestern war dann ein Zentraler Ort in Bangkok eingerichtet worden, an dem die Händler des Bo Bae Marktes und anderer populärer Einkaufsorte ihre Klagen vorbringen konnten. Natürlich empfingen die Händler Drohungen ihrer Schutzgelderpresser, für den Fall daß sie aussagen würden.

    Dennoch strömten gestern mehr als 1000 Händler um ihre Klagen gegenüber den Regierungsbeamten vorzubringen zusammen. Dazu waren 50 Tische für die verschiedenen Distrikte Bangkoks besetzt worden. Einige Bo Bae Händler wollten aber angeblich wegen des Feiertages [Wan Chakri] und den zu erwartetenden guten Geschäften ihre Stände nicht verlassen und sagten nicht aus.

    Ein Händler, der annonym bleiben wolle sagte, daß die Polizei nur eine kleine Bande (im Zusammenhang mit dem Vorfall der alles ans Tageslicht brachte) festgenommen habe und er nach wie vor an die größte Bande Schutzgeld zahlen müsse, den den Markt seit Jahren dominiert.

    Zwei Schutzgelderpresser konnten im Regierungsgebäude festgenommen werden, als sie von sich registrierenden Händlern der Polizei gezeigt worden. Sie hatten beobachten wollen, welche ihrer Opfer sich an die Polizei wandten.

    Shinawatra sprach nach der Veranstaltung direkt mit einigen Händlern und versprach, daß die Regierung zusammen mit der Stadtverwaltung hart an der Verfolgung der Verbrecher arbeiten würde. Aber er forderte die Händler auch auf ihre Stände nur an den genehmigten Plätzen aufzustellen und so den Erpressern keine Handhabe zu geben.

    Da bekannt ist, daß Schutzgelderpressung oft unter den Augen korrupter Polizisten stattfindet und daher die berechtigten Zweifel der Händler am Erfolg der Aktion nicht so leicht auszuräumen waren, versprach der Governeur der Stadt Bangkok, die Polizisten alle zwei Jahre auf andere Reviere zu verstzen, damit sich keine festen Seilschaften zur Unterwelt bilden könnten.

    Bis Ende nächsten Monats will die Stadt die Probleme mit dem Straßenhandel gelöst haben. Die Banden sollen zur Strecke gebracht werden, die Standplätze sollen überarbeitet werden und alle Händler sollen eine Reinigungsabgabe von 100 THB im Monat entrichten. 15.000 aktuell aktive Starßenhändler sollen neue Lizenzen bekommen. das umfaßt Genehmigungen für 268 Zonen die bisher für Händler verboten waren und 466 Zonen in denen Händler ohne Genehmigung Stände stehen hatten.

    Damit will man den Erprsserbanden die Grundlage entziehen.
    Jinjok

    http://www.nationmultimedia.com/2005..._16973060.html

  2.  
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  3. #2
    Avatar von mohs

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    Re: Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

    Als kleine Ergänzungen zu deinem Post:
    vor einigen Tagen war im thailändischen Fernsehen live zu sehen, wie ein Händler dort von zwei Schlägern auf brutalste Art und Weise (regungslos am Boden liegend und trotzdem unzähligen Male in Richtungen Kopf getreten) nieder gemacht wurde.
    Ist vielleicht auch ein bisschen der Erfolg der Medien, die über die Problematik bereits seit längerem berichten, das jetzt hoffentlich wirklich etwas zu Besseren geschieht.
    Wenn das Rotationsverfahren, alle zwei Jahre wechseln der Dienststelle - für jeden Polizeibeamten - wirklich umgesetzt wird, könnte dies schon einer kleinen Revolution gleichkommen.

  4. #3
    Avatar von DisainaM

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    Re: Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

    Das Rotationsverfahren mußte auch bei dt. Behörden eingeführt werden,
    ob Baugenehmigungen, Aufenthaltsgenehmigungen oder vorangekündigte Rotlichtrazzien, immer bilden sich Seilschaften, wenn Beamte zulange an ihrem Posten sind,
    gerade Unverheiratete scheinen besonders einfach zu manipulierbar zu sein.

    In Thailand wohl nur eine Frage der Zeit,
    bis die Erpresserbanden, wie in Deutschland,
    mit der Uniform eines Wach- und Securitydienstes rumlaufen,
    während Unruhestifter, die kein Geld wollen, sondern nur Schäden anrichten,
    die Händler ohne Wachdienstvertrag trangsalieren.

    Auf der anderen Seite leitet Thaksin so das Ende der unkontrollierten Strassenhändler-ständen ein,
    die auch etwas mit Thailand zutun hatten.
    Manche mögen vielleicht große leere Füssgängerwege,
    doch mir waren diese Stände, die da dem Füßgänger nur einen Trampelpfad unter bespannten Zeltplanen freiliessen,

    nicht unlieb, besonders wenn es wieder mal schauerte.

  5. #4
    Avatar von Dieter1

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    Re: Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

    Zitat Zitat von mohs",p="233831
    Als kleine Ergänzungen zu deinem Post:
    vor einigen Tagen war im thailändischen Fernsehen live zu sehen, wie ein Händler dort von zwei Schlägern auf brutalste Art und Weise (regungslos am Boden liegend und trotzdem unzähligen Male in Richtungen Kopf getreten) nieder gemacht wurde.
    Ist vielleicht auch ein bisschen der Erfolg der Medien, die über die Problematik bereits seit längerem berichten, das jetzt hoffentlich wirklich etwas zu Besseren geschieht.
    Wenn das Rotationsverfahren, alle zwei Jahre wechseln der Dienststelle - für jeden Polizeibeamten - wirklich umgesetzt wird, könnte dies schon einer kleinen Revolution gleichkommen.
    Das käme keiner kleinen Revolution gleich sondern würde alles so umkrempeln, dass keiner mehr weis woran er ist und die polizeilichen Übergriffe, wie sie vor kurzem Rawai erlebt hat, würden zunehmen weil sich kein Beamter mehr auf die soziale Absicherung die ihm "sein" Distrikt bietet verlassen könnte.

  6. #5
    Avatar von Dieter1

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    Re: Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

    Oder einfacher Ausgedrueckt, wenn man mit einem Stoeckchen im Dreck ruehrt, dann verteilt man ihn anstatt ihn zu beseitigen. War bei Taksins Krieg gegen die Drogen schoen zu beobachten.

  7. #6
    Avatar von Jinjok

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    Re: Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

    Die Behörden haben gestern in Bangkok Geld und Wertegegenstände für über 30 Mio THB von einem Eherpaar konfisziert, welches als Kopf der Schutzgelderpressung auf dem Bo Bae Markt angesehen wird. Diese Aktion war die erste ihrer Art gegen Schutzgelderpresser kleiner Markthändler

    Das Paar sind Sompong Somsak, 48 ein ehemaliger Polizist und Wara.... Somsak, 47. Zwei andere vermutliche Schutzgeldkrimminelle haben sie am Mittwoch belastet, nachdem sie im Regierungsgebäude festgenommen worden während sie die Händler beobachteten.

    Die Händler waren zum Regierungsgebäude gekommen um Beschwerden über anhaltende Schzugelderpressungen abzugegen. Dabei sahen sie die beiden Erpresser und alarmierten die Polizei. Die beiden Verdächtigten beschuldigten im Gegenzug Sompong und Wara...., welche noch in der gleichen nacht verhaftet wurden.

    Sompong - auch bekannt als Pattarachai - sagte bei der Polizei aus, daß er niemals Geld von den Händlern gefordert habe. Die meisten haben ihm von sich aus 3.000 THB im Monaten gegeben, weil er den Abfall wegräumte, Stände aufbaute und sie nachts wieder wegräumte. Ich verkaufe ja auch Kleidung, sagte er. Die Polzei verleiß er schon vor 20 Jahren. Das Paar wird nun wegen Schutzgelderpressung angeklagt.

    Mit Durchsuchungsbefehlen bewaffnet durchsuchten Polzei mit Beamten der Gelwäschebehörde AMLO [Anti Money-Laundering Office] das zweistöckige Haus des Paares in einer Villa Siedlung in Bangkoks Saphan Sung Distrikt. Sie fanden zwei Revolver, Munition, einen Merzedes-Benz, einen BMW, einen Honda C-RV, einen Pick Up Truck, Landtitel über 110 Rai in Kanchanaburi, 20 verschieden Juwelen, zwei wertvolle Uhren und diverse Sparbücher. Alles zusammen im Wert von über 30 Moi THB. [nicht schlecht für einen Müllmann/ Markthändler!]

    Es fanden sich auch Aufzeichnungen über die Zahlung von 40.000 THB an eine Person in Uniform. Sompong behauptet, das Geld einem alten Freund gegeben zu haben, de ihm dafür eine Goldkette verpfändet hat.

    Der Kommisar der Metropolitan Police, Generalleutnant Pansiri Prapawat sagte, die AMLO wird untersuchen, wie das Paar zu diesem Reichtum gekommen sei

    Kamonthip Duang-uam, Supakorn Boonmee
    The Nation

    übersetzt Jinjok

  8. #7
    Avatar von Jinjok

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    Re: Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

    @ mohs
    Danke für Deine Ergänzungen.

    @ DisainaM
    Shinawatra wird mit den Straßenhändlern nicht aufräumen, also es wird sie nachher immer noch geben auf den Fußwegen, so wie wir sie kennen.

    Aber er beschränkt sie auf Stellplätze in über 700 verschiedene Zonen in Bangkok für die die Händler auch Konzessionen bekommen [und mit einer Konzession bekommt jeder auf Wunsch einen Kredit ;-D ] Die Zonen sind dort, wo auf den Fußwegen oder Plätzen die gelben oder weißen Winkel aufgemalt sind.

    Die Korruption der Polizei und die wilden Straßenhändler sind genau die zwei Komponenten, die zu den Schutzgelderpressungen der Polizei über Mittelsmänner führten. Ich bin gespannt ob die Hintermänner in Braun oder eher Weiß und Gold noch ans Licht kommen.
    Jinjok

  9. #8
    Avatar von Jinjok

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    Re: Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

    Der Polizeichef des Pom Prab Sattru PhaiDistriktes, in dem der Bo Bae markt liegt, und einer seine Untergebenen wurden auf inaktive Posten verschoben, nachdem beginnende Ernittlungen ihre Verstrickung in Schutzgelderpressungen auf dem Bo Bae Markt indizierten. Somsak Kaemkate und Wichit Phoophansri werden Ziel noch härterer Disziplinarmaßnahmen und polizeiliche Ermittlungen sein, wenn sich der Verdacht nach Prüfungen durch ein hochkarätiges Kommitee, einberufen durch den Gouverneur von Bangkok, bestätigt. Eine andere Ermittlung ergibt Verbindungen zu Schutzgelderpressungen von Bang Sue Distrikt Vorstand Charnchai Wamasiri. Aber auch die zeit, als er dem Pom Prab Sattru Phai Distrikt vorstand, wird separat zu untersuchen sein.

    Mittlerweile wies ein Abgeordneter der Stadtverordneten Versammlung der Demokraten Behauptungen von Händlern zurück, er wäre der Boss eines Schutzgeldsydikates. Es sei lediglich das Ziel einer politisch motivierten Schmierenkampagne. Ek Juenglertsiri sagte der Presse, er wisse auch wer die Händler zu diesen Behauptungen gezwungen hätte. Wieso hätten die Leute meines Wahlkreises mich gewählt wenn sie mich nicht liebten. Wie könnte eine Person wie ich überhaupt der Koppf einer Mafia sein? fragte der Abgeordnete vom Prab Sattru Phai Distrikt

    Gestern begann auch die Registrierung aller Straßenhändler, die auf Fußwegen und anderen öffentlichen Plätzen Bangkoks handelten. Bis nächsten Donnerstag werden Fingerabdrücke der Händler sowie persönliche Informationen gesammelt. Die Daten werden in eine Datenbank der Stadtverwaltung BMA [Bangkok Metropolitain Authority] eingehen und sollen dazu dienen, kriminelle Aktivitäten wie Schutzgelderpressung zu verfolgen.

    Gouverneur Apirak Kosayothin stand heute der Eröffnungsveranstaltung mit allen 50 Distriktchefs vor. Bangkok hat 15.289 Stände in 268 speziellen Zonen mit Duldung festgelegt durch die BMA and 10.792 Ständen in 466 Örtlichkeiten zugeteilt durch die Polizei. Apirak wird bald eine Kommission einrichten, welche neue Vorwürfe gegen die Verstrickung eines Distrikchefs und eines Polizisten in den Schutzgeldskandals auf dem Bo Bae Markt untersuchen soll.

    http://www.nationmultimedia.com/2005..._16986021.html

  10. #9
    Avatar von Dieter1

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    Re: Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

    Hi Jinjok,

    heftige Stories, aber fuer mich gibt es einen Riesenunterschied zwischen Bestechlichkeit und Schutzgelderpressung.

    Gruss Dieter

  11. #10
    Avatar von DisainaM

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    Re: Kampf gegen Schutzgeld und Mafia-Banden in Bangkok

    Heute wurde in den TV News davon berichtet, daß die Festgenommenden zu einem kleineren Syndikat gehören, die der Gruppe, die die Vormachtstellung besitzt,
    anmählich lästig geworden sei.

    es wird noch weiter gehen

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