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Fechter-Bund und "Willi" Kothny

Erstellt von Jinjok, 20.02.2002, 16:05 Uhr · 14 Antworten · 1.346 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Jinjok

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    Fechter-Bund und "Willi" Kothny

    Aus der Frankfurter Rundschau vom 20.02.2002

    Unfreundlicher Akt einer Urlaubsbekanntschaft

    Der Streit zwischen dem Fechter-Bund und "Willi" Kothny trägt Züge einer Seifenoper ohne Happyend

    Von Reinhard Sogl

    Es ist ja nicht das erste Mal gewesen, dass eine Urlaubsbekanntschaft das Leben gravierend verändert. Zumal es Zuneigung war auf den ersten Blick. Sagt zumindest Wiradech Kothny, wenn er sich seines Rendezvous´ in Thailand erinnert. Plötzlich letzten Sommer. Da habe ihn der Zufall in die Internationale Universität Bangkok geführt, "hier fühlte sich der geborene Thai auf Anhieb wohl". Berichtet jedenfalls dessen Adoptivvater in einem gestern in die FR-Redaktion geschickten Fax. Woraus schon ersichtlich ist, dass wegen des starken Empfindens von Wiradech Kothny fürs Land seiner leiblichen Väter nicht nur dessen Gefühls-Welt in Unordnung geraten ist. Denn der 22-Jährige, den alle nur "Willi" nennen, ist einer der weltbesten Säbelfechter. Oder war es bis zum Sonntag, ehe Kothny das Ende seiner Karriere in der deutschen Nationalmannschaft erklärte, ohne vom Deutschen Fechter-Bund (DFeB) die Freigabe für den thailändischen Verband zu erhalten. Drei Jahre Sperre aber bedeuteten das Ende aller sportlichen Tage.

    Der auf den ersten Blick anrührige Fall des gebürtigen Thai, der mit zwei Jahren nach Deutschland kam, dort eine prima sportliche und schulische Karriere absolvierte und nach zwei olympischen Bronzemedaillen und dem Abitur seinem plötzlichen Drang zurück zu den Wurzeln nachgegeben hat, erinnert mittlerweile an eine Seifenoper ohne Happyend. Denn der Deutsche Fechter-Bund (DFeB), der sich von Kothny vor die Wahl gestellt sah, entweder die für Weltcup-Turniere anfallenden Reisekosten in Höhe von rund 15 000 Euro pro Jahr zu übernehmen oder seinem Paradefechter aus Koblenz die Freigabe für Thailand zu erteilen, kann das eine mangels finanzieller Mittel nicht leisten und will das andere nicht. Der sportliche Aspekt, einen Fechter jahrelang gefördert zu haben, auf den man bei Wettkämpfen künftig nicht als Gegner treffen wolle, ist ein Grund.

    "Wir leben von der öffentlichen Förderung, und die hängt von der Leistung ab. Was haben wir davon, wenn er uns die Jacke vollhaut?", fragt DFeB-Sportdirektor Claus Janka. Es gehe nicht um "humanistische Gesichtspunkte". Und es klingt nach gekränkter Seele, wenn Janka als einen anderen Grund für die hartleibige Haltung des Verbandes angibt: "Mit der Anfrage des Nationalen Olympischen Komitees von Thailand auf Freigabe hat er uns den Stuhl vor die Tür gesetzt. Das war ein unfreundlicher Akt." Man müsse doch, bitteschön, bei der Bewertung des Streits, zwischen "Ursache und Wirkung" unterscheiden. Janka weiß, dass in der öffentlichen Diskussion die Rollen klar verteilt sind: "Hier der böse Verband, da der scheidende, liebenswerte Junge."

    Die Wahrheit liegt wohl auch hier in der Mitte, denn beide Seiten fochten wohl nicht mit offenem Visier. Das Hauen und Stechen fußt dabei ganz offensichtlich auf einer Mischung aus Missverständnissen und Emotionen. Jedenfalls will Erik Kothny den Vorwurf, vollendete Tatsachen geschaffen zu haben, nicht stehen lassen. Er habe anfangs lediglich "Auslotversuche" gemacht, wie sein Sohn trotz Wohnsitzes in Bangkok weiterhin den Säbel schwingen könne. "Dilettantisch" sei daraufhin das thailändische NOK mit einer Freigabeanfrage vorgeprescht, obwohl zu diesem Zeitpunkt ein Wechsel keinesfalls schon geplant gewesen sei, sondern die Möglichkeit der. immer noch im Raum gestanden habe.

    Die wird es nicht geben. Kothny senior sieht deshalb und wegen der unbeugsamen Haltung des Verbandes in Sachen Freigabe seinen Sohn aufs "Abstellgleis" geschoben. Die Hoffnung auf einen Kompromiss, den Janka für die fernere Zukunft nicht ausschließen will, hat der Mann immer noch. Er habe sowohl dem thailändischen Verbandspräsidenten als auch DFeB-Chef Gordon Rapp einen Brief geschrieben mit der Bitte, im persönlichen Kontakt eine Lösung zu suchen.

    . . . . . . . . . .

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Jinjok

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    Re: Fechter-Bund und "Willi" Kothny

    Aus der Neuen Ruhrzeitung vom 27.02.2002

    "Willy" will für Thailand starten und verärgert Fechter-Bund

    Dem Olympia-Dritten Wiradech Kothny droht bei Verbandswechsel dreijährige Sperre. Gebürtiger Thai plant Studium in Bangkok.

    FRANKFURT/MAIN. Verhärtete Fronten, ein drohendes Karriereende und jede Menge Verlierer: Im "Nationalitätenstreit" zwischen Säbelfechter Wiradech Kothny und dem Deutschen Fechter-Bund (DFeB) geht das Hauen und Stechen ohne Aussicht auf eine friedliche Lösung weiter.. "Ich sehe keinen Grund, von der üblichen dreijährigen Sperre bei einem Verbandswechsel abzurücken. Das ist keine Willkür von uns, sondern eine festgelegte Sache", bekräftigte Gordon Rapp im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst.

    Der DFeB-Präsident reagierte damit auf eine latente Forderung von Kothnys Vater Erik, der den Verband um eine Freigabe und Nachsicht gebeten hatte, "denn eine Pause von drei Jahren würde das Ende der Karriere für meinen Sohn bedeuten."

    Der Olympia-Dritte "Willi" Kothny, der als eigenwilliger Weltklassefechter gilt und in Koblenz sogar einen eigenen Klub gründete, hatte sich vor zehn Tagen endgültig für einen Wechsel zum thailändischen Verband ausgesprochen. Seine Entscheidung begründete der 22 Jahre alte gebürtige Thai mit dem Vorhaben, an der Internationalen Universität von Bangkok Kommunikationswissenschaft zu studieren.

    Der Weg zurück zu den Wurzeln könnte für den im Alter von drei Jahren als Adoptivkind nach Deutschland gekommenen Kothny aus sportlicher Sicht dornenreich sein. Da der DFeB nicht bereit gewesen sein soll, für Kothny die künftigen Reisekosten zu den Weltcup-Turnieren von rund 15.000 Euro pro Jahr zu übernehmen, entschied sich der Europameister von 1999, für sein Geburtsland an den Start gehen zu wollen.

    Doch den flugs vom thailändischen NOK an den Deutschen Fechter-Bund gesandten Freistellungsantrag empfand besonders DFeB-Sportdirektor Claus Janka als "unfreundlichen Akt". "Wenn ein Athlet mitten im Olympiazyklus ohne Abstimmung zu einem anderen Verband wechseln will, ist das nicht die feine Art. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt", polterte Janka - wohlwissend, dass auch Kothnys Vater und Manager Erik ("Das war dilettantisch") das Vorpreschen der Thailänder verurteilte.

    Ein Dorn im Auge ist den Funktionären vor allen Dingen die Vorstellung, ein jahrelang auch mit finanziellen Mittel des DFeB geförderter Kothny könnte den deutschen Athleten demnächst als Thailänder auf der Planche "die Jacke vollhauen" (Janka).

    Auch Präsident Rapp, vom "sprunghaften Verhalten" Kothnys enttäuscht, gesteht, "dass wir Willi nur ungern verlieren." Der Verbandsboss ist zwar zu einem Gespräch mit der Kothny-Partei bereit, sieht aber trotzdem wenig Chancen auf eine Einigung. Kothny senior indes hofft weiter auf einen Kompromiss und hadert mit der vom Weltverband FIE festgelegten dreijährigen Sperrfrist bei einem Verbandswechsel. "Diese Wechselstrafe steht in keinem Verhältnis zu anderen Sperren", meint Erik Kothny. (sid)

  4. #3
    Avatar von Jinjok

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    Re: Fechter-Bund und "Willi" Kothny

    Aus dem Darmstädter Echo vom 27.02.2002

    Fechterbund straft Thailand-Rückkehrer Kothny ab

    Im "Nationalitätenstreit" zwischen Säbelfechter Wiradech Kothny und dem Deutschen Fechter-Bund (DFeB) ist kein Kompromiss in Sicht, der dem "Heimkehrer" einen baldigen Start für den thailändischen Fechtverband in Aussicht stellt. "Ich sehe keinen Grund, von der üblichen dreijährigen Sperre bei einem Verbandswechsel abzurücken. Das ist keine Willkür von uns, sondern eine festgelegte Sache", bekräftigte Gordon Rapp im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid). Der DFeB-Präsident reagierte damit auf eine latente Forderung von Kothnys Vater Erik, der den Verband um eine Freigabe und Nachsicht gebeten hatte, "denn eine Pause von drei Jahren würde das Ende der Karriere für meinen Sohn bedeuten."

    Der Olympia-Dritte "Willi" Kothny hatte sich vor zehn Tagen endgültig für einen Wechsel zum thailändischen Verband ausgesprochen. Seine Entscheidung begründete der 22 Jahre alte gebürtige Thai, der im Alter von drei Jahren als Adoptivkind nach Deutschland gekommen war, mit dem Vorhaben, an der Internationalen Universität von Bangkok Kommunikationswissenschaft zu studieren. Da der DFeB nicht bereit gewesen sein soll, für Kothny die künftigen Reisekosten zu den Weltcup-Turnieren von rund 15.000 Euro pro Jahr zu übernehmen, entschied sich der Europameister von 1999, für sein Geburtsland an den Start gehen zu wollen.

    Doch den flugs vom thailändischen NOK an den Deutschen Fechter-Bund gesandten Freistellungsantrag empfand besonders DFeB-Sportdirektor Claus Janka als "unfreundlichen Akt". "Wenn ein Athlet mitten im Olympiazyklus ohne Abstimmung zu einem anderen Verband wechseln will, ist das nicht die feine Art. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt", polterte Janka - wohlwissend, dass auch Kothnys Vater und Manager Erik ("Das war dilettantisch") das Vorpreschen der Thailänder verurteilte. Ein Dorn im Auge ist den Funktionären vor allen Dingen. die Vorstellung, ein jahrelang auch mit finanziellen Mittel des DFeB geförderter Kothny könnte den deutschen Athleten demnächst als Thailänder auf der Planche "die Jacke vollhauen" (Janka). Auch Präsident Rapp, vom "sprunghaften Verhalten" Kothnys enttäuscht, gesteht, "dass wir Willi nur ungern verlieren." Der Verbandsboss ist zwar zu einem Gespräch mit der Kothny-Partei bereit, sieht aber trotzdem wenig Chancen auf eine Einigung.. © sid 26.02.2002 20:13:27

  5. #4
    Udo
    Avatar von Udo

    Re: Fechter-Bund und "Willi" Kothny

    Säbelfechter Kothny erhält Freigabe

    Aus dem Kölner Stadt-Anzeiger

    Koblenz - Säbelfechter Willi Kothny kann endgültig für Thailand starten. Nach Angaben seines Vaters und Managers Erik hat der Olympia-Dritte von Sydney die Freigabe des Internationalen Fecht-Verbandes (FIE) erhalten. Dies gehe aus einem Schreiben von FIE-Präsident Rene Roch an den thailändischen Verband hervor.
    Damit könnte der 22-jährige Koblenzer, der in Thailand geboren ist, auch bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen der asiatischen Mannschaft angehören. «Das war vielleicht der schwerste Kampf meines Lebens», sagte Willi Kothny. Zwischen ihm und dem Deutschen Fechter-Bund (DFeB) hatte es in den letzten Monaten erhebliche Differenzen gegeben. Der erfolgreichste deutsche Säbelfechter, der im Kindesalter von Erik Kothny und seiner Frau adoptiert worden war, begann nach dem Abitur ein Studium in Bangkok. Der DFeB sah sich nicht in der Lage, für Kothny die Reisekosten zu Weltcup-Turnieren zu übernehmen.

    Kothny wird nun um die bei einem Nationalitäten-Wechsel übliche dreijährige Sperre herumkommen. Der für seinen originellen Kampfstil bekannte Sportler beabsichtigt, seine thailändische Freundin zu heiraten und sieht sich damit im Einklang mit den internationalen Regeln. «Wer durch Heirat eine neue Nationalität erwirbt, kann ohne Sperre sofort für sein neues Land starten», heißt es in den FIE-Statuten. (dpa)

    Dann wird Thailand neben den Box Medaillen noch im Fechten zuschlagen oder besser gesagt zustechen.

    Meint

    Udo

  6. #5
    Avatar von Jinjok

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    Re: Fechter-Bund und "Willi" Kothny

    @Udo

    Eine schöne Wendung für diesen traurigen Thread. In Thailand gab es bisher wenige Sportarten die breitenwirksam für das Publikumsinteresse waren. Muay Thai ist klar und dann gabs da noch Fußball und Fußball ach ja und Fußball.
    Alles wird gut
    mfg jinjok

    Letzte Änderung: Jinjok am 15.05.02, 12:47

  7. #6
    Udo
    Avatar von Udo

    Re: Fechter-Bund und "Willi" Kothny

    Aus http://www.echo-online.de

    Kothny erlebt in Lissabon sein "Waterloo"

    Bei seinem ersten Start für Thailand bei einer Weltmeisterschaft hat der Olympia-Dritte Wiradech "Willi" Kothny ein Fiasko erlebt. Bei den 57. Titelkämpfen in Lissabon schied der ehemalige Vorzeigeschüler des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) nach einer desolaten Vorstellung am Sonntag mit 10:15 gegen Walbert Mendoza von den Philippinen aus.

    Der 22 Jahre alte Kothny hatte erst vor wenigen Monaten dem DFeB den Rücken gekehrt und startet seit dieser Saison für sein Heimatland Thailand.

    "Willi konzentriert sich nicht mehr so wie früher. Mit dieser Niederlage wird er seinem Verband wenig Freude bereiten. Vor der WM wurde er in der Presse hochgejubelt, jetzt wird man in Bangkok den Blick für die Realität schärfen müssen: Denn ein thailändischer Kothny ist noch lange kein deutscher Kothny", polterte Vater Erik Kothny, der in Lissabon gleichzeitig als Delegationsleiter des thailändischen Verbandes auftritt.

    Wer oder was raubt "Willi" in Thailand die Konzentration

    fragt sich

    Udo



  8. #7
    Avatar von Loso

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    Re: Fechter-Bund und "Willi" Kothny

    Quelle :
    Der ehemalige Koblenzer Wiradech Kothny, der seit 2002 für sein Heimatland Thailand startet, konnte derweil nicht an seine überragende Vorstellung von vor vier Jahren anknüpfen. Der Olympiadritte von Sydney unterlag in der Runde der letzten 16 mit 11:15 dem ukrainischen Weltmeister und Top-Favoriten Wladimir Lukaschenko, der schließlich auf Rang fünf landete.

  9. #8
    Chonburi's Michael
    Avatar von Chonburi's Michael

    Re: Fechter-Bund und "Willi" Kothny

    Zitat Zitat von Jinjok",p="32143
    In Thailand gab es bisher wenige Sportarten die breitenwirksam für das Publikumsinteresse waren. Muay Thai ist klar und dann gabs da noch Fußball und Fußball ach ja und Fußball.
    Alles wird gut
    mfg jinjok
    Tennis hat sich auch seit Paradon etabliert :-)

  10. #9
    Avatar von FarangLek

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    1.335

    Re: Fechter-Bund und "Willi" Kothny

    Ist Glücksspiel auch eine Sportart ? ;-D

  11. #10
    Avatar von khon jöhraman

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    Re: Fechter-Bund und "Willi" Kothny

    @FarangLek

    Du fragst: Ist Glücksspiel auch eine Sportart ?

    Wenn Sport Sanuk und Len bringt, dann für Thais auf jeden Fall.

    Wird das auch mal olympisch?

    Gruß
    K.J.

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