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Die dunkle Region Thailands

Erstellt von Rene, 13.12.2005, 23:08 Uhr · 5 Antworten · 851 Aufrufe

  1. #1
    Rene
    Avatar von Rene

    Die dunkle Region Thailands

    Der Isaan ist Thailands Kernland, doch dessen Bewohner sind oft Witzfiguren für Bangkoks Schnösel. Während das Königreich ein langsames Aussterben der Isaaner fürchtet, entdeckt eine Ausstellung die Region wieder.


    Im Emporium ist Gefälschtes ausgeschlossen. Gleich beim Eingang kann man Buntes von Versace betrachten. Im ersten Stock Gucci und Prada. Eine Etage höher Cerruti und Lacoste. Die High Society Bangkoks lässt sich hier in offenen Restaurants gern beim Schmausen beobachten. Das exklusive Einkaufszentrum ist die eine Welt Thailands.


    Kernland des Königreichs


    Eine andere fängt rund 250 Kilometer nordöstlich Bangkoks an und zieht sich bis an den Mekong, an die Grenze zu Laos. Felder strecken sich in Unendlichkeiten. Alle paar Stunden eine Stadt, dazwischen nur Dörfer. Hier ist Thailand weit enfernt von tropischen Inseln. Das ist der Isaan, Thailands ärmste, rückständigste Region, zugleich aber das Kernland des Königreichs.

    Die Isaaner haben ihre eigene Küche, Kultur und Sprache – sie unterscheidet sich zu sehr von Bangkoks Thailändisch, um sie einen Dialekt zu nennen. Der Isaan ist Thailands traditionelle Quelle für billige Arbeitskräfte. Die Isaaner sind Bangkoks Taxifahrer, Straβenfeger, Fabrikarbeiter, Prostituierte und Kellnerinnen. Sie verrichten die Arbeit, die sich kein Bangkoker antun würde.

    Dies mag daran liegen, dass die Isaaner oft als hartarbeitend angesehen werden. Aber der Grund liegt natürlich in der Armut des Nordostens. Isaans vielköpfige Familien verkauften immer schon viele ihrer Töchter, um an Geld zu kommen.


    Immer weniger Nachkommen


    Doch dem Isaan geht der Nachwuchs verloren. Die Ein-Kind-Familie etabliert sich langsam. Noch vor einer Generation waren sechs bis zehn Kinder die Norm. Weil der Nachwuchs, der in Bangkok – in den Augen der Isaaner – gutes Geld verdient und brav an die Familie zuhause schickt, braucht keine Familie so viele Nachkommen mehr. Auch die immer mehr akzeptierte Verhütungspille spielt da eine Rolle.

    Und Thailand sorgt sich. Denn die Jungen kommen nicht mehr in den Isaan zurück, um Felder zu bestellen. Viele Stelzenhäuser sind unbewohnt. Einigen Arbeitgebern fehlt es an willigen Packeseln. Auf den Baustellen Bangkoks schuften immer mehr Kambodschaner und Burmesen.


    Isaan-Retrospektive


    Da kommt vielleicht die Ausstellung im just eröffneten kreativen Designzentrum Thailands – im schon erwähnten Emporium – rechtzeitig. Die schön betitelte "Isaan-Retrospektive" zeigt schnöseligen Bangkokern ihre Landsleute. Batteriebetriebene, glückbringende Maneki Neko-Katzen, die mit ihrem Pfötchen winken; plad khik, okkulte Phallussymbole; mobile Küchen mit regionalen Spezialitäten; selbst traditionelle Transportmittel – die Ausstellung bringt eine ganze Region unter ein Dach. Festivitäten und Bräuche werden (v)erklärt. Auf einem Bildschirm kann man die Ängste der Isaaner lesen – die sich nicht arg von denen der Bangkoker unterscheiden.


    Wunsch nach Verständnis


    Und das ist wahrscheinlich die Intention der Ausstellung. Sie will Empathie auslösen. Den Hauptstädtern zeigen, dass die Isaaner auch Thais sind, Bangkokern ähnlich. Denn zu oft schauen die verächtlich auf die Nordossis herab. Sie sind die Dummen in Witzen, in Filmen, in Liedern. Von der tieferen Hautfarbe über die scharfe Küche bis hin zu Freude an 5ex werden viele Vorurteile offen gezeigt.



    Das Ausstellen von traditionellen, aber immer noch vorherrschenden Lebensweisen provoziert den Besucher zum Nachdenken über seine eigenen Vorurteile. Auf viele konzeptionelle Stolpersteine tritt der gediegene Bangkoker, der daran erinnert wird, wie er die Isaaner behandelt. Wie zum Beispiel durch den Eingangsbereich, dessen Boden mit lächelnden Isaan-Gesichtern bepflastert ist. Der Kopf ist für Thais der heiligste Körperteil; die Füβe sind das Gegenteil. Jeder Besucher tritt den Isaanern aufs Gesicht. Vielleicht versteht so mancher die wichtige Botschaft dahinter.


    Ein Bericht von Patrick Tippelt, Bangkok gelesen auf dw-world

    Also schreiben kann der schon

    René

  2.  
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  3. #2
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: Die dunkle Region Thailands

    Blumige Schreibweise schon aber doch bestenfalls alles Oberflaeche.

    Grundsaetzlich ist es ueberall so, dass die Staedter immer mit einer gewissen Arroganz auf die Provinzler niederschauen, was auch haeufig im Fall der Bangkoker in Bezug auf den Isaan zum tragen kommt. Ja, es ist richtig, dass manche Isaaner nicht als "lao" erkannt werden wollen, doch andere pflege auch ihre Herkunft in der grossen Stadt.

    Die meisten im Big Mango arbeitenden Isaaner freuen sich auf ein besonderes Ereignis im Jahr, naemlich wenn sie zu Neujahr nach Hause (= Isaan) die Familie auf dem Land besuchen. Anschliessend haben dann oft Arbeitgeber das Problem, dass ihre Arbeiten entweder nicht puenktlich oder gar nicht zur Arbeit zurueckkehren, denn zu stark ist die Anziehungskraft des Dorflebens. Die ueberwiegende Mehrheit der Isaaner verlassen das Dorf nur um eben in der Stadt zu arbeiten, doch im Herzen bleiben sie immer "lao" und bedauern im Prinzip die Staedter staendig im Mief und im Stress leben zu muessen. Fuer sie ist immer klar, dass sie wieder in die "karge" Provinz zurueckkehren werden, entweder wenn sie genug Geld verdient haben um dort ein Haus zu bauen oder eben in den Ruhestand zu treten, versorgt von der Familie, fuer die sie selbst vorher mit ihrer Arbeit in der grossen Stadt gesorgt haben. Es ist der thailaendische Generationenvertrag.

    Lebensfreude und das breiteste Laecheln findet man meist nicht bei den "gebildeten" Staedtern, sondern bei den vermeidliches "kwais" des Landes.

    Neben unserem Haus ist eine temporaere Unterkunft von Bauarbeitern mit ihrer Familie. Ca. 15 Personen in provisorischen Sperrholzhuetten mit Wellblechdach und nun ja, dort ist immer Stimmung. Lachen, Musik, gemeinsames morgenliches Waschen am Trog, dann gemeinsames Fruehstueck auf einer Plane sitzend, schlichtweg ein karges aber anscheinend glueckliches Leben.

    Wundere mich, ob der Autor viele Isaaner kennt bzw. mit ihnen selbst gesprochen oder auch laengere Zeit in einem Dorf gelebt hat. Es erscheint als legt er einfach nur moderne und sterile moderne Denkweisen an und bedauert moeglicherweise Menschen, die unsagbar erstaunt waeren, wenn sie wuesten, dass sie bedauert werden.

    Wir selbst, haben immer viel Spass in der grossen Stadt, wenn wir Leute von zu Hause (= Isaan Provinz Roi Et) treffen. Es tut gut ueber zu Hause zu spreche, wenn man in der grossen Stadt leben und arbeiten muss. Haeufig ist es noch nicht mal notwendig die Herkunft preiszugeben, sondern die Art zu sprechen und selbst im dicksten Bangkoker Verkehr als Taxifahrer "tschai yen" zu bewahren, sind haeufig die Merkmale des Isaaners.

    Der Schreiber sollte mal zur Neujahrszeit nach Bangkok kommen und dann beiwohnen, wenn Isaaner den Bus zur Fahrt in die "Trostlosigkeit" besteigen. Mein lieber Schwan, da geht wirklich die Lucy ab.

    Das einzige wahre an Klischees ist, dass sie Klischees sind.

    Viele Gruesse,
    Richard

  4. #3
    Avatar von x-pat

    Registriert seit
    06.11.2003
    Beiträge
    7.208

    Re: Die dunkle Region Thailands

    ) Also ich muss doch sehr bitten... Wenn man im Emporium "schmaust" ist man noch lange kein "Schnösel". Ich habe dort nämlich lange genug selbst geschnöselt, äh ich meine geschmaust, einfach weil es recht nahe an meiner Wohnung lag. Ich habe aber auch keine Probleme mit dem Schmausen von gai yaang khao niau an der Straßenecke. In der Vielfalt und in den Kontrasten liegt doch gerade der Reiz von Bangkok.

    Die Behauptung, dass Isaans vielköpfige Familien immer schon viele ihrer Töchter verkauften, zeugt auch nicht gerade von Sensibilität. Das ist eigentlich schon eine schwere Beleidigung an rechtschaffende Isaan Familien.

    Der Schreiber sollte vielleicht mal seine schwarz-weiss Brille putzen, damit die Graustufen dieser Welt zum Vorschein kommen.

    X-Pat

  5. #4
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: Die dunkle Region Thailands

    Hm, sollte man vielleicht als Buchung fuer den Jahreswechsel ins Auge fasses:

    "Schnoesliges Mahl im Auberge de Decadence und anschliessend dann einen abenteuerlichen Trip zum Isaaner Toechtermarkt. Im Preis inklusive ist ein mythischer Holzphallus der Aka Hilltribe Preople und zwei Isaaner Reisfarmer, die die Golftasche hinterhertragen." Unseen Thailand so unseen, dass es mir bis dato entgangen ist.

    X-Pat, da du jetzt in Chiang Mai lebst musst du dir keine Sorgen mehr um Deine Reputation machen. Trotz deiner frueheren Ausschweifungen bist du durch deinen Standort rehabilitiert.

    Viele Gruesse,
    BKK-Schnoesel

  6. #5
    Avatar von x-pat

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    Re: Die dunkle Region Thailands

    Tramaico: X-Pat, da du jetzt in Chiang Mai lebst musst du dir keine Sorgen mehr um Deine Reputation machen. Trotz deiner frueheren Ausschweifungen bist du durch deinen Standort rehabilitiert.

    Da bin ich aber beruhigt. Hier in CNX sind der Schnöselei ja auch natürliche Grenzen gesetzt. Unser schnöseliger Benz ist zum Beispiel gleich in der ersten Woche Chiang Mai auf der Strecke geblieben, nachdem er Bekanntschaft mit der holprigen Einfahrt unseres Country Style Homes gmacht hat. Das hat ihm gleich den Auspuff herausgebrochen. Jetzt überlegen wir auf einen Turbo Trecker umzusteigen.

    Nächste Woche geht es zurück nach Bangkok, um für ein paar Tage mal wieder dieselangereicherte Stadtluft zu schnuppern.

    X-Pat

  7. #6
    Avatar von Samuianer

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    Re: Die dunkle Region Thailands

    Ganz klar ein Klischee behafteter Artikel - ist ja auch fuer den deutschen Leser (DW) bestimmt und nicht fuer die "Thai Rath".

    Ich erlaube mir die Wette einzugehen das jede/r "Isaaner/in", die lange genug, die hypothetische "Golftasche" geschleppt, in den Touriezentren massiert, Klamotten verkauft, Taxi gefahren, oder sonstwelche Dienste fuer geld angeboten hat, sich auch ins Emporium zum Schmausen, mit Freund oder Freundin setzen wuerde! Jede Wette!

    Ich war ja auch schon drin - warum auch nicht?

    Oder gibt es irgendwo eine Verpflichtung - nur an Suppenkuechen essen zu duerfen, wenn Mensch nicht muss oder will?

    Darum geht es doch, ackern was das Zeuchs haelt um nach "oben" zu kommen, d.h sich irgendwann mal 'ne Gucci Tasche, Schuhe, Brille, vielleicht sogar was von LV, Prada, Cerrutti, Cartier, Armani.. Statussymbole eben, 'leisten' zu koennen, oder?

    Wenn ich da nur an die gestrige Eroeffnung des Siam Paragon denke - was'n Karneval!

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