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Buddhismus als Nationalreligion

Erstellt von x-pat, 12.04.2007, 05:34 Uhr · 15 Antworten · 1.262 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von x-pat

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    Buddhismus als Nationalreligion

    In Thailand wird zur Zeit mal wieder an einer neuen Verfassung gearbeitet. Dies bringt selbstverständliche eine Reihe von heißdiskutierten Themen auf, auch wenn die Einbeziehung der Öffentlichkeit und die Transparenz des Prozesses dieses Mal einiges zu wünschen übrig lässt. Eins der Themen ist die Verankerung des Buddhismus als Nationalreligion in der Verfassung. Hier ein Bericht aus thailändischer Perspektive:

    Bangkok, Thailand -- Whether Buddhism should be declared the national religion and enshrined in the new Constitution is likely to become a matter of widespread public debate in coming weeks, as the complete draft of the charter is about to be made public, tentatively on April 19. The Constitution Drafting Committee is divided on the issue, with CDC chairman Prasong Soonsiri taking a neutral stand due to the sensitivity of the issue.

    A group of Buddhist nationalists has been collecting signatures from the public to push for the inclusion of a clause in the new charter to "nationalise" Buddhism; they warn that their supporters might vote against the charter in a national referendum tentatively set for September, if such a clause is not included. Posters in support of the campaign have been put up in several temples in Bangkok, while booklets and anonymous leaflets have been circulated in Buddhist communities to solicit backing for the nationalists' move.

    The sudden resurrection of Buddhist nationalism among many monks and their followers coincides with the surge of violence in the deep South allegedly perpetrated by Islamic extremists, who have been trying to portray their terror campaign as a religious conflict between the marginalised Muslim minority and the oppressive Buddhist majority.

    Fortunately though, the extremists have not been successful in their attempt to fool the world about their dirty war against mostly innocent civilians. Although as many Muslims as Buddhists have been killed in the deep South, the fact that Buddhists, including monks, have been discriminately targeted for elimination and monks have to be escorted by security forces on their alms-receiving rounds has struck fear within the Buddhist clergy that Buddhism is under serious threat and that it may not survive in the restive region.

    Such fear is not baseless, but whether it justifies the enshrining of Buddhism in the Constitution remains a big question mark. In addition, several other reasons have been cited for the need to make Buddhism the national religion.

    Like several other religious faiths, Buddhism is vulnerable; many young Thais have increasingly turned their backs on temples and many monks have embraced the lure of materialism. It requires more than just a few sentences in the Constitution to rekindle faith in Buddhism among the Thai youth. It is also questionable whether enshrining Buddhism in the charter would make Buddhists or their fellow Muslims in the deep South feel any safer from the murderous insurgents.

    Buddhism is already the de facto national religion of Thailand. Moreover, every charter ever written has made it mandatory for the King to be a Buddhist and the upholder and protector of all religions. This is testimony enough that Buddhism is a recognised national religion and is protected by the state, without the need for an additional clause in the charter to declare Buddhism the national religion.

    There is no doubting the good intentions and concern of Buddhist nationalists for the future prospects of Buddhism in this country. But they should also take into serious consideration the sensitivity of the issue and the feelings of adherents of other religious faiths, Muslims in particular. Especially in light of the seemingly endless violence in the deep South, where the gap of mistrust between Muslims and Buddhists remains as wide as ever, and any move to nationalise Buddhism could easily be exploited by the Islamic extremists to further widen the divide. Muslim moderates elsewhere who are as patriotic and share the same aspirations as their fellow Thais may feel alienated too by such legislation and may question whether they are still Thai citizens.

    Buddhism is a religion of peace and compassion. Which explains why Buddhism and other religious faiths have, for centuries, co-existed in peace and harmony in Thailand. To mix Buddhism with nationalism is a dangerous gamble which does not bode well for multi-religious harmony in the long term.
    Quelle: Bangkok Post via Buddhist Channel
    http://www.buddhistchannel.tv/index....2,3923,0,0,1,0

    Cheers, X-Pat

  2.  
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  3. #2
    Avatar von DisainaM

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    Re: Buddhismus als Nationalreligion

    der Vorteil eines nationalisierten Thai-Buddhismus liegt auf der Hand,
    endlich werden die asiatischen Eckpfeiler der Wertegemeinschaft festgeschrieben,
    und jede andere Religion, die in Thailand präsent sein möchte,
    muß fortan beweisen, ob sie tatsächlich integrationswillig ist, oder ob der thailändischen Gemeinschaft ein weiteres Verweilen nicht zugemutet werden kann.

    Dies nimmt den thailändischen Islam an die Kandarre,
    weil man eben keinen Teheran-Islam in dem Land dulden will,
    aber es nimmt auch manche US Kirchensekte an den Hacken, die sich zukünftig stärker auf eine Kontrolle ihrer Inhalte einstellen darf.

    Auch so manches Hilfsprojekt in Rayong wird dann untersucht werden, ob Hilfe von einer aktiven christlichen Teilnahme abhängig ist, und ob es zu einer Ausnutzung von Notsituationen von Buddhisten kommen könnte.

    Am Ende wird neben dem Buddhismus nur Bestand haben,
    was ein Buddhistischer-Thai-Islam ist, und was ein
    Buddhistisches-Thai-Christentum ist.

    (wie auch wir in Deutschland ja festschreiben, welchen Islam wir billigen, und welcher Islam kriminalisiert wird)

    Der Clash der Zivilisationen fordert seinen Preis,
    überall.

  4. #3
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Buddhismus als Nationalreligion

    Zitat Zitat von DisainaM",p="470150
    aber es nimmt auch manche US Kirchensekte an den Hacken, die sich zukünftig stärker auf eine Kontrolle ihrer Inhalte einstellen darf.

    Auch so manches Hilfsprojekt in Rayong wird dann untersucht werden, ob Hilfe von einer aktiven christlichen Teilnahme abhängig ist, und ob es zu einer Ausnutzung von Notsituationen von Buddhisten kommen könnte.
    Was ja an der Basis gar nicht so schlecht ist, - denkt man in diesem Zusammenhang auch einmal an die Missionierung der Hilltribes. Und ich frage mich dann auch insgeheheim was mit all den CIA Agenten wird, die sich unter der Flagge von Kirchensekten in den Nordprovinzen herumtreiben!? Hallo Guys!

    Zitat Zitat von DisainaM",p="470150
    Am Ende wird neben dem Buddhismus nur Bestand haben,
    was ein Buddhistischer-Thai-Islam ist, und was ein
    Buddhistisches-Thai-Christentum ist.
    Das wiederum ist abzuwarten, bzw. weiß ich nicht genau ob deine Definitionen von dem was Bestand haben soll oder wird auch von den Urhebern des Buddhismus als Nationalreligion geteilt wird. Ich hoffe deine Formulierung von dem was "nur Bestand haben wird" ist eventuell letzten endes doch stereotypischer als der Gebrauch.

    Zitat Zitat von DisainaM",p="470150
    (wie auch wir in Deutschland ja festschreiben, welchen Islam wir billigen, und welcher Islam kriminalisiert wird)
    Leider kann man in Deutschland auch nur auf Sterotypen zurückgreifen um das zu definieren was gebilligt wird und was nicht. Aber auch hier gibt es Gründe weshalb die Räder, unter die dabei so Manches und Nancher kommen kann, so breit sind.

  5. #4
    Avatar von x-pat

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    Re: Buddhismus als Nationalreligion

    DisainaM: der Vorteil eines nationalisierten Thai-Buddhismus liegt auf der Hand, endlich werden die asiatischen Eckpfeiler der Wertegemeinschaft festgeschrieben

    Das sehe ich leider ganz anders. Ich denke Thailand hat bisher sehr weise gehandelt. Obwohl die überwältigende Mehrheit (95%) der Bevölkerung buddhistisch ist, hatte Thailand bisher aus gutem Grund keine festgeschriebene Nationalreligion. Die gefährliche Vermischung von Politik und Religion wurde somit bisher vermieden.

    Thailand würde sicherlich gut daran tun, auch in Zukunft an einem sekulären Staat festzuhalten. Die Verankerung des Buddhismus als Nationalreligion bringt dem Land nicht einen einzigen Vorteil, sondern ausschließlich Nachteile. Es schafft Uneinigkeit, Zwietracht, und gibt den Muslimen weitere Gründe sich vom thailändischen Staat abzuspalten.

    Die Ausrufung eines buddhistischen Staates zum jetzigen Zeitpunkt wäre in der Tat Öl auf das Feuer. Leider gibt es einflussreiche Mitglieder des Klerus, die die Bewegung aktiv unterstützen. Man muss vermuten, dass dies aus Eigennutz geschieht. Damit überschreiten die Mönche jedoch klar ihre Kompetenzen.

    Die gleiche Frage wurde schon einmal in den 90er Jahren in Thailand diskutiert. Man kann eigentlich nur hoffen, dass am Ende die Vernunft siegt und das Thailand am sekulären Staat festhalten wird.

    Cheers, X-Pat

  6. #5
    woody
    Avatar von woody

    Re: Buddhismus als Nationalreligion

    Von der Verschmelzung von Staat und Relgion halte auch ich rein "garnichts". Die Gruende die dagegen sprechen hat x-pat schon benannt.

    Wenn ein Staat seine Religionen kontrollieren will, dann ist ein Religionsministerium vollkommen ausreichend.

  7. #6
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Buddhismus als Nationalreligion

    Ich habe den Artikel jetzt nochmal gelesen und denke man solle nicht verfrüht auf die Gefahr von der klasssischen Vermischung von Politik und Religion antizipieren. Es handelt sich hier jedenfalls nicht um den Machtdurst den wir von anderen Religionen oder einem "Kirchenstaat" kennen. Die Leute haben tatsächlich Angst um ihr Leben - und es handelt sich hier doch viel eher um einen verzweifelten Versuch der tatsächlichen Bedrohung mit absurden Vorstellungen entgegenzuwirken. Mit der Betonung auf Angst vor der Bedrohung der islamischen Extremisten, wohlverstanden. Wenn es mehr Angst vor der Bedrohung als sonst etwas ist, kann man auch nicht von der Überschreitung von Kompetenzen reden. Und, ich kann mir auch nicht vorstellen dass es reine Provakation ist - denn in dem Fall wäre es noch absurder, dann hätte es tatsächlich nichts mehr mit Buddhismus zu tun.

    Natürlich wäre eine Konkretisierung der Forderungen zur Zeit ebenso irregeleitet und hätte viel eher eine gegenteilige Wirkung; und würde den "Islamisten" tatsächlich nur noch mehr "reason" geben. Allerdings ist aber auch so wie DisainaM zu verstehen gibt, dass die tragischen Ereignisse irgendwann ihren Tribut fordern. Und dann stellt sich die Frage was man mit dem Tribut machen soll, wenn man ihn nicht auf die geforderte Weise zollen will und kann!

    Eine Verankerung des Budddhismus als Staatsreligion an sich, wäre (ganz abgesehen vom denkbar schlechten Zeitpunkt und den zu erwartenden Folgen) generell gesehen nicht das Problem. Die Frage wäre viel eher in welcher Form und mit welchen Befugnissen, Sicherheiten, - und mit welcher Macht (Ämtern und Funktionen) die Vertreter des Buddhismus konstitutionell verankert würden. Erst ab da finge es an "spannend" zu werden. Da sollte man doch zumindest einmal abwarten was sich diese Leute so vorstellen, wenn's um die Farbe des Kleingedruckten geht...

  8. #7
    Avatar von simon

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    Re: Buddhismus als Nationalreligion

    Ich sehe die Sache ähnlich kritisch wie der Verfasser des Artikels, inwiefern soll ein staatlich verankerter Buddhismus zu mehr Religiosität der Jugend oder zu mehr Schutz für buddh. Minderheiten (Süden) führen ? Und vergessen darf man wirklich nicht dass, auch wenn enthauptete Mönche mehr Publizität erfahren, die meisten Opfer im Süden Muslime waren. Wieso man gerade jetzt nicht den religiös motivierten Separatisten Luft aus der Bewegung nimmt, indem man den Schutz der Minderheiten und Minderheitsreligionen verfasslich verankert, sondern Öl ins Feuer giesst und die Angst vor weiteren Diskriminierungen noch schürt, ist mir absolut unerklärlich.
    Und wieso gewisse Head Monks sich in der Politik und der Verfassungsgebung beteiligen sollen, während die demokratisch partizipierende Bevölkerung kein Mitspracherecht hat noch viel weniger...

  9. #8
    Avatar von x-pat

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    Re: Buddhismus als Nationalreligion

    Luk: Mit der Betonung auf Angst vor der Bedrohung der islamischen Extremisten, wohlverstanden.

    Angst war noch nie ein guter Berater - schon gar nicht für politisches Handeln. Die führenden Köpfe der Sangha, die jetzt politisches Kapital aus der Angst zu schlagen scheinen, sitzen außerdem in Bangkok, und nicht auf irgendeinem Pulverfass im Süden.

    Cheers, X-Pat

  10. #9
    Avatar von DisainaM

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    Re: Buddhismus als Nationalreligion

    ein verankerter Wertekanon gibt langfristig auch der Zensurbehörde ihre Rechtfertigung.
    Es geht über die Abspaltungsproblematik im Süden weit darüber hinaus.

    Doch vorher heißt es abwarten, wie MrLuk sagte,
    in welcher Form die Konkretisierung denn gewünscht ist.

  11. #10
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Buddhismus als Nationalreligion

    Zitat Zitat von x-pat",p="470501
    Luk: Mit der Betonung auf Angst vor der Bedrohung der islamischen Extremisten, wohlverstanden.

    Angst war noch nie ein guter Berater - schon gar nicht für politisches Handeln.
    Nein, natürlich nicht, - wobei die Realität aber doch so aussieht, dass Angst stets der "Hauptberater" für derartiges politisches Handeln war- und IST! Realpolitik (im Besonderen Sicherheitspolitik) und Vernunft sind bekanntlich nur entfernte Verwandte...

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