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Beistand für den Todeskandidaten

Erstellt von wedelich, 12.03.2007, 06:40 Uhr · 99 Antworten · 5.370 Aufrufe

  1. #81
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: Beistand für den Todeskandidaten

    Zitat Zitat von x-pat",p="464505
    Falls es sich um eine persönliche Frage handelt, würde ich sagen, dass Recht zur Kritik ergibt sich einfach aus einer generellen Sympathie für Artgenossen. Ich sehe nun mal nicht gerne Menschen misshandelt, weder in meiner Geburtsheimat noch in meiner Wahlheimat. Hier in Thailand sind die Probleme etwas extremer und davor sollte man nicht die Augen verschließen.
    Cheers, X-Pat
    Thomas, kann Deine Denkweise absolut nachvollziehen, obwohl wir beide wahrscheinlich niemals geistige Zwilligen werden.

    Menschenliebe und Sympathie fuer Artgenossen sollte, so hart (inhuman) es auch klingen mag, nicht Absolut ueberhand nehmen, so dass diese Liebe blind macht.

    Der Mittelweg waere sicherlich wieder die Loesung. Der Strafvollzug ist meiner Meinung in grossen Teilen der westlichen Welt zu liberal, waehrend in anderen Laendern, was auch Thailand und das asiatische Musterkind Singapur einschliesst, wiederum oft unverhaeltnis hart ist.

    Wenn der Ordnungshueter staendig Gefahr laeuft vom Gesetzesbrecher verklagt zu werden, dann verliert jegliche Strafgesetzgebung auch schnell saemtlichen Biss, wobei die Entwicklung dann in der Gesellschaft schnell vorhersehbar ist.

    Der Wind wird schaerfer. Auch in Deutschland und Fritz der nette Schupo von nebenan muss sich sicherlich darauf einstellen. Wann wird die deutsche Polizei darauf umstellen, ihre Waffe in einem offenen Holster zu tragen anstatt wie derzeit gut verpackt und eingeoelt um braven Buegern durch den blossen Anblick nicht eine Gaensehaut zu verpassen.

    Oeffnung Europas = Oeffnung fuer dunkle Elemente und deren Praktiken, die man schwerlich mit lediglich drohendem Zeigefinger beeindrucken kann.

    @Kali
    Na, schon die Kuschelkissen fuer Deine Zoeglinge aufgeschlagen und die Batterien in den Fernbedienungen ausgewechselt, nicht dass Du noch wegen Pflichtverletzung einen auf den Deckel bekommst.

    Trotz der Bissigkeit bitte nicht zu eng sehen oder gar persoenlich nehmen. Wollte die Diskussion um ein ernstes Thema nur ein wenig auflockern und deshalb auch die unzweifelhaft ueberspitzen Formulierungen.

    Viele Gruesse,
    Richard

  2.  
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  3. #82
    Gilalei
    Avatar von Gilalei

    Re: Beistand für den Todeskandidaten

    Zitat Zitat von Tramaico",p="464693
    Menschenliebe und Sympathie fuer Artgenossen sollte, so hart (inhuman) es auch klingen mag, nicht Absolut ueberhand nehmen, so dass diese Liebe blind macht.
    Auch auf die Gefahr hin hier anzuecken; ich streite dem überführten und rechtskräftig verurteilten Täter das Recht ab, sich über inhumane oder unmenschliche Haftbedingungen zu beschweren, denn wenn es nach den Wünschen dieser Täter ginge wäre die Verbüßung der Strafe in einem Luxushotel gerade noch zu akzeptieren. Mich würde interessieren, ob all die Befürworter der Resozialisierung durch Correction ihren Standpunkt beibehalten würden, wenn sie selbst oder ein Verwandter/Bekannter von einer solchen Straftat betroffen wären. Hier ist immer nur von den armen und resozialisierungsbedürftigen Tätern die Rede; warum fragt man nicht einmal die Opfer, was diese von den Luxusaufenthalten in den Gefängnissen der sogenannten ersten Welt halten. Sicher ist ein Gefängnisaufenthalt in Thailand nicht mit einem Badeurlaub auf Phuket zu vergleichen; ich bleibe aber dennoch dabei, dass die potentiellen Täter ZUVOR wissen oder es zumindest wissen müssten, was sie erwartet, wenn sie ein Straftat begehen und erwischt und überführt werden.

    Walter

    Eine Bitte noch an chak3. Lasse doch bitte die verbalen unterschwelligen Angriffe gegen mich in Deinen post. Ich bin anderer Meinung hinsichtlich des Strafvollzuges. Ich bin aber nicht bereit, darüber, über meine Meinung, zu diskutieren oder sie, nur weil es einige Leute gerne so möchten, zu revidieren.

  4. #83
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Beistand für den Todeskandidaten

    @x-pat
    Zitat Zitat von x-pat",p="464505
    Luk: "Korrigieren" klingt leider nur gut, viel mehr hat es mit Korrektur aber wohl nicht zu tun.

    Luk, das ist ein Mißverständnis dem auch Tramaico auferlegen ist. Zum Glück lässt sich das leicht klären.
    Ich habe im Grunde nicht gesagt was man unter Korrektur versteht, sondern was ich davon halte - und somit bin ich auch keinem Missverständnis unterlaufen.

    Zitat Zitat von x-pat",p="464505
    Der juristische Begriff von "Korrektur" bzw. "Corrections" bezieht sich nicht auf die Korrektur des Verhaltens von Einzelnen (obwohl auch das möglich ist), sondern auf die Korrektur des Verhaltens von Gruppen bzw. der Gesamtgesellschaft.
    Das ist jetzt argumentive Verdrehung vom Feinsten. Entweder der Begriff Korrektur bezieht sich nicht auf die Korrektur (des Verhaltens) von Einzelnen oder doch, - oder sowohl als auch. Du kannst mir nicht unrecht geben indem du den Satz mit einer Negation anfängst, um dann nachträglich zu deinen Gunsten zu relativieren und somit zu berichtigen. Das wäre zu schön! Paraderhetorik, aber zu transparent!

    Zitat Zitat von x-pat",p="464505
    Die Existenz des Strafrechts bezieht seine Berechtigung gerade aus dem Gedanken des "Berichtigens" von unerwünschtem Verhalten durch Kriminalisierung desselben. Insofern ist der Gedanke der Prävention von Straftaten größer und wichtiger als die nachträgliche Korrektur.
    Und hier sprichst du wieder (wie bereits bemerkt) wie ein treuer Staatsdiener, der eine rein autoritäre Perspektive in der Frage von Kriminalität und "Korrektur" der Selbigen einimmt und vertritt.

    Diese Perspektive wünscht, und setzt eine klare gesellschaftliche Abtrennung durch. Auch wenn es die einfachere und sichere Lösung ist, eine logische ist es keineswegs. Eine solche rational-autoritäre "Korrektur" ist nur Symptombekämpfung, und wird der Ursache und somit der wahren Problematik von Kriminalität nie näher kommen. Denn Kriminalität passiert letztendlich innerhalb der Gesellschaft, teilweise sogar wegen verschiedenen geselschaftlichen Normen und Vorstellungen - und eben nicht ausserhalb der Gruppe oder Gesellschaft. Kriminalität ist keine seltene Krankheit die von einem anderen Planeten eingeflogen wurde und die man isolieren kann. Sie ist eindeutig ein Produkt der Gesellschaft (von was wohl sonst?) Es ist darüberhinaus bekannt, dass sie innerhalb der Gesellschaft gesehen-, gesucht- und korrigiert werden wüsste. Die manchmal komplizierte und meist unbequeme Verbingung mit Allem und Jedem besteht immer, - man muss sie aber erst einmal sehen wollen. Das Grundprinzip ist einfach: durch alle möglichen Formen von Trennung (zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Natur) entsteht Wut, durch Wut wird die Trennung (bzw. das Gefühl der Trennung) gesteigert. Unterdrückte Wut richtet sich entweder gegen sich selbst oder drückt sich in Trotzhandlungen aller Art aus, - bis hin zu kriminellen Handlungen aller Couleur.

    Eine "Korrektur" durch "technische" Trennung wie etwa Einsperren oder Hinrichten ist somit die letzte Konsequenz, zu der die Ignoranz über die Ursachen und Entstehung von Kriminalität führen muss. Vom Verständnis der Ursachen und einer effektiven Korrektur der Problematik ist diese Prozedur aber so weit entfernt wie es nur irgend geht!

    Ich denke nicht dass ich da einem Missverständnis unterlegen war, - ganz im Gegenteil!

  5. #84
    Avatar von wedelich

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    Re: Beistand für den Todeskandidaten

    Hallo Gilalei,

    ich denke, dass potentielle Taeter mit dem was sie an kriminellen Handlungen tun psychologisch kein Unrechtsbewusstsein empfinden. Deshalb sind ihnen die Folgen gar nicht bewusst. Eine Aussnahme sind Menschen die im Affekt eine Straftat begehen, was natuerlich keine Strafmilderung rechtfertigen sollte.

    Mit den Luxusaufenthalten in westlichen Gefaengnissen und dass Taeterschutz noch immer vor Opferschutz steht bin ich vollkommen deiner Meinung. Krimminelle Energie laesst sich nicht immer wegtherapieren.

    @ member

    Danke fuer die rege Diskussion. Das zeigt doch, dass an dem Fall Koschwitz einiges aufzuarbeiten ist. Kann mir jemand mitteilen in welchem Gefaengnis Gordon Koschwitz einsitzt. Ich beabsichtige bei meinem naechsten Aufenthalt in Bangkok mir ein eigenes Bild ueber diesen Fall zu verschaffen. Frei nach dem Motto meiner Signatur . . .

    Klaus Wedelich :-)

  6. #85
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Beistand für den Todeskandidaten

    @wedelich
    Zitat Zitat von wedelich",p="464699
    ich denke, dass potentielle Taeter mit dem was sie an kriminellen Handlungen tun psychologisch kein Unrechtsbewusstsein empfinden. Deshalb sind ihnen die Folgen gar nicht bewusst. Eine Aussnahme sind Menschen die im Affekt eine Straftat begehen, was natuerlich keine Strafmilderung rechtfertigen sollte.
    Ist es nicht eher umgekehrt, - bei Affekttaten wird das Unrechtbewusstsein quasi vom Affekt überspielt, bzw. ausgeschaltet. Und die meisten Täter, mit Ausnahme von geistig umnachteten (zeitweise unzurechnungsfähigen) und psychisch kranken Tätern, haben sehr wohl, bzw. in den meisten Fällen ein recht klares Unrechtsbewusstsein. Allerdings tauschen sie oft ein Unrechtsbewusstsein gegen ein anders Unrechtsbewusstsein aus. Sie entschuldigen ihre Motive und Taten, z.B. mit dem Unrechtsbewusstsein das sie selbst empfinden, bzw. was ihnen widerfahren ist.

    Und hier muss man ganz klar zwischen dem Unrechtsbewusstsein des Täters und dem tatsächlichen Unrecht das einem Täter möglicherweise (vorher) widerfahren ist, unterscheiden. Beide sind nicht unbedingt identisch - und können eben nicht gegeneinader ausgespielt werden. Das eigene, mitunter verzerrte Unrechtsbewusstsein eines Täters mag keineswegs als Rechtfertigungen für das Verbrechen herhalten - aber es schliesst trotzdem nicht aus, dass das (gesamte) Unrecht das ihm vorher widerfahren ist, eindeutig existiert!

    Und an dieser Stelle wird ja dann oft mit der Umkehrung der Rollen argumentiert, und gemeint dass man aus dem Täter ein Opfer machen will. Das ist aber zu einfach, bzw. täuscht dies nie und nimmer über die Tatsache hinweg das der Täter trotzdem auch ein Opfer sein kann.

    Beides lässt sich nicht austauschen oder ausspielen, ein Täter kann sehr wohl beides, Täter und auch Opfer sein. Wenn Jemandes persönliches Rechts- und -Unrechtsbewusstsein, sowie sein Bedürfnis zum unbedingten Schwarz-weissdenken (entweder Täter oder Opfer) das nicht gut unter einen Hut bekommt, dann ist das einzig und allein sein Problem!

  7. #86
    Avatar von wedelich

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    Re: Beistand für den Todeskandidaten

    @ Mr_Luk,

    ich hoffe du hast mich nicht missverstanden. Ich persoenlich sehe den Taeter nicht als Opfer, egal wie und was er psychisch empfindet. Es sei denn er ist durch einen Jusstizirrtum in die Situation geraten. Was ja auch schon vorgekommen ist.
    Ich klage an, dass den Taetern oft mehr Aufmerksamkeit und Fuersorge erteilt wird als dem Opfer bzw. dem Geschaedigten. Zumindest in der westlichen Welt.

    Die Wut und mein Stolz

    Gruss Klaus :-)

  8. #87
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Beistand für den Todeskandidaten

    Zitat Zitat von wedelich",p="464703
    @ Mr_Luk,
    ich hoffe du hast mich nicht missverstanden. Ich persoenlich sehe den Taeter nicht als Opfer, egal wie und was er psychisch empfindet. Es sei denn er ist durch einen Jusstizirrtum in die Situation geraten. Was ja auch schon vorgekommen ist.
    In meiner 'Darlegung' ist der Justitzirrtum weniger relevant, bzw. noch ein anderes Thema. Es bleibt dir überlassen ob du einen Täter als Opfer siehst oder nicht.

    Zitat Zitat von wedelich",p="464703
    Ich klage an, dass den Taetern oft mehr Aufmerksamkeit und Fuersorge erteilt wird als dem Opfer bzw. dem Geschaedigten. Zumindest in der westlichen Welt.
    Das ist ein Argument das ich nicht verstehen kann, denn der Grund dafür dass man den Tätern immer mehr "Aufmerksamkeit schenkt" liegt daran dass man nunmehr versucht die Ursachen für kriminelles Verhalten besser zu verstehen. Nur so kann man entsprechende Präventivmassnahmen, die über simple Abschreckung hinausgehen, überhaupt ins Auge fassen.

    Ausserdem wird sich deswegen nicht weniger um die Opfer gekümmert - es ist viel eher im Interessse der Opfer. Wie ich schon sagte, ist kriminelles Verhalten stets in eine Kette von Ereignissen sowie in die Wechselwirkung von Ablehnung, Abgrenzung und Wut eingebunden. Die Juristen und die Sozialwissenschaftler sind da glaube ich einen Schritt weiter als die allgemeine "öffentliche Meinung" die in dieser Frage derart unbedacht argumentiert.

    Je mehr Probleme es bei der Wahrheitsfindung und Rechtssprechung gibt, umso evoluierter und toleranter ist eine Gesellschaft. Denn wir wissen ja wer bzw. welche Leute bei der Rechtssprechung und beim Aburteilen nicht lange fackeln und nicht besonders an Details und Hintergründen interessiert sind, oder?

  9. #88
    Avatar von x-pat

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    Re: Beistand für den Todeskandidaten

    Tramaico: Thomas, kann Deine Denkweise absolut nachvollziehen, obwohl wir beide wahrscheinlich niemals geistige Zwilligen werden.

    Das macht nichts, Richard, "geistige Vettern" würde mir schon reichen. Ich kann deinen Standpunkt ebenfalls nachvollziehen, wenn ich ihn auch nicht ganz teile. Es lebe der Pluralismus.

    Galilei: Ich bin aber nicht bereit, darüber, über meine Meinung, zu diskutieren...

    Das erstaunt mich jetzt. :O Wenn du nicht bereit bist über deine Meinung zu diskutieren, wofür waren denn die letzten 5 Galilei Posts in diesem Thread gedacht? Nur eine Laune der Galilei Natur? :-) Es wäre natürlich toll, wenn du ab und zu ein paar Argumente in die Verkündung deiner unabänderlichen Meinung einstreust, denn sonst läuft sich der Dialog schnell tot...

    Luk: ...und somit bin ich auch keinem Missverständnis unterlaufen.

    Soll recht sein, Luk. Die Möglichkeit, dass du etwas missverstanden hast, ist natürlich vollkommen bizarr, abwegig, ausgeschlossen, und apokryphisch. Ich habe ja auch nur versucht anzudeuten, dass man dem Begriff "Korrektur/Corrections" mehr Sinn abgewinnen kann, wenn man ihn kollektiv interpretiert, statt auf den Einzelnen bezogen.

    Luk: Das ist jetzt argumentive Verdrehung vom Feinsten.

    Ja, das hat schon mal jemand behauptet.

    Luk: Und hier sprichst du wieder (wie bereits bemerkt) wie ein treuer Staatsdiener, der eine rein autoritäre Perspektive in der Frage von Kriminalität und "Korrektur" der Selbigen einimmt und vertritt.

    Hier machst du den berühmten "argumentum ad personam" Fehlschluss. Die Tatsache, dass ich die rechtsphilosophische Rechtfertigung des modernen Strafgesetzes zitiere, heisst nicht dass ich automatisch mit ihr übereinstimme.

    Ohne die psychologischen Umstände von kriminellen Handlungen erörtern zu wollen -wie du es bereits getan hast- stimme ich dir vollkommen zu, dass die beste Form von "Korrektur" vor der Straftat erfolgt und nicht nachher. Das heisst die beste Form ist natürlich eine Verhütung, und zwar durch Bekämpfung der Ursachen von Kriminalität, über die ja einiges bekannt ist.

    Dies nützt jetzt aber alles dem Gordon Koschwitz nichts, um den es hier eigentlich geht. Um das noch mal in Erinnerung zu rufen: es handelt sich um einen mysteriösen Mord, eine etwas unklare Beweislage, ein Unschuldsplädoyer, und ein Todesurteil. Das sind die Komponenten. Zumindest zwei davon, nämlich die Beweisführung und die Todesstrafe halte ich dabei für sehr bedenklich, unabhängig davon ob G.K. nun schuldig ist oder nicht.

    Cheers, X-Pat

  10. #89
    Doc-Bryce
    Avatar von Doc-Bryce

    Re: Beistand für den Todeskandidaten

    Beistand für den Todeskandidaten

    Großenbrode/Bangkok / sh:z - Als das Todesurteil gegen Gordon Koschwitz gefällt wurde, reagierte Peter Harry Carstensen "mit tiefer Sorge" und appellierte an die thailändischen Behörden, nach rechtsstaatlichen Grundsätzen zu verfahren. Das Urteil sei mit seinen Wertvorstellungen "absolut unvereinbar". Mehr sagte der Ministerpräsident nicht - ein Thema auf oberster politischer Bühne wurde der Fall nicht.

    Unsichtbar blieb bislang das Engagement von Jürgen Koppelin. Dass der FDP-Landeschef und bekennende Thailand-Fan sich seit anderthalb Jahren für Koschwitz einsetzt, wussten nur wenige. "Wir müssen die Todesstrafe abwenden, indem das Revisionsverfahren beschleunigt wird. Ich bin von seiner Unschuld überzeugt", sagte der 61-jährige Politiker aus Bad Bramstedt gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag. "Die Prozessakten sprechen eindeutig für Koschwitz, das hat mir mittlerweile auch die Deutsche Botschaft in Thailand signalisiert." Der Ostholsteiner könne den Mord nicht begangen haben.
    Mehrfach hat der Bundestagsabgeordnete Koschwitz im Gefängnis besucht, zuletzt im November. Koppelin, Hauptberichterstatter im Haushaltsausschuss für das Auswärtige Amt, beschreibt die Lage in Thailand nach dem Militärputsch als "sehr kompliziert". Es gebe derzeit keine verlässlichen Ansprechpartner. "Die, die wir heute treffen, werden morgen nicht mehr da sein."

    Der haushaltspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion will seine Initiative für den einzigen zum Tode verurteilten Schleswig-Holsteiner nicht an die große Glocke hängen, "um das Ergebnis nicht zu gefährden".

    Sigrid Koschwitz (66), die Mutter des Häftlings, reagiert erleichtert auf das Engagement. "Endlich kümmert sich ein Politiker konkret um den Fall", sagt die Physiotherapeutin aus Großenbrode in Ostholstein. "Ich würde mir wünschen, dass auch die Bundesregierung endlich öffentlich Position bezieht."

    Jeder weitere Monat, in dem die Berufung gegen das dramatische Urteil im Nebel des thailändischen Rechtssystems verschwindet, nagt an den Nerven. Die Bedingungen, unter denen ihr Sohn im Gefängnis "Bangkwang" untergebracht ist, sind erbärmlich. Mit acht Männern teilt er sich eine kleine, düstere Zelle. Duschen und Betten gibt es nicht, rund um die Uhr brennt Neonlicht, ein Loch im Boden dient als Toilette. Koschwitz trägt drei Kilogramm schwere Fesseln, die ihm um die Knöchel geschweißt wurden.

    Zudem sind die Haftbedingungen nach dem Putsch weiter verschärft worden. Anders als noch vor einem Jahr dürfen die Gefangenen keinen Sport mehr treiben. Für Koschwitz, der selbst in Ketten Fußball gespielt und sich mit Hanteltraining in Form gehalten hatte, eine große Einschränkung. Wenigstens geistig dürfe ihr Sohn sich fithalten, berichtet Sigrid Koschwitz. "Er liest sehr viel und lernt Thailändisch."

    Der Ostholsteiner bestreitet vehement, vor fast zweieinhalb Jahren den Mord begangen zu haben. Gegenüber dieser Zeitung sagte er, der Prozess gegen ihn sei eine Farce gewesen, eine abgemachte Sache: "Es gibt keine Beweise gegen mich. Ich könnte die Sache widerlegen, wi-der-leee-gen! - verstehen Sie?"

    Wie der Todeskandidat an diesem Montag seinen 36. Geburtstag verbringen wird, weiß nicht einmal seine Mutter. Sigrid Koschwitz will sich heute in Großenbrode mit Freunden treffen, eine Kerze anzünden und für Gordon beten.

    frank höfer

    quelle: http://www.shz.de/index.php?MID=30&T...8&LIVETICKER=1

  11. #90
    Avatar von Mr_Luk

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    3.114

    Re: Beistand für den Todeskandidaten

    Zitat Zitat von x-pat",p="464790
    Luk: Und hier sprichst du wieder (wie bereits bemerkt) wie ein treuer Staatsdiener, der eine rein autoritäre Perspektive in der Frage von Kriminalität und "Korrektur" der Selbigen einimmt und vertritt.

    Hier machst du den berühmten "argumentum ad personam" Fehlschluss. Die Tatsache, dass ich die rechtsphilosophische Rechtfertigung des modernen Strafgesetzes zitiere, heisst nicht dass ich automatisch mit ihr übereinstimme.
    Nein, wieso Fehlschluss, wenn du das moderne Strafgesetz zitierst ohne es entsprechend persönlich zu kommentieren, und ohne deine gegenteilige Meinung expilzit dazu zu schreiben, ist doch daraus nichts anderes zu schliessen als dass du damit übereinstimmst, oder? Du Unterliegst vielleicht dem Fehlschluss, dass du dich wiederholt Wörterbuchdefinitionen und kommentarlos dem "Appell an die Autorität" bedienst, und dich wunderst wenn man deine Person damit in Verbindung bringt.

    Ein "argumentum ad personam" Fehlschluss setzt voraus dass man auch unsachgemässe oder unlautere Schlüsse aus den Aussagen (oder Hintrgründen) einer Person zieht. Eine Person die aber beispielsweise wiederholt Marx zitiert (und sich zusätzlich darauf beruft) darf sich wiederum nicht darüber beklagen wenn sie für einen Marxisten gehalten wird, oder?

    Zitat Zitat von x-pat",p="464790
    Dies nützt jetzt aber alles dem Gordon Koschwitz nichts, um den es hier eigentlich geht. Um das noch mal in Erinnerung zu rufen: es handelt sich um einen mysteriösen Mord, eine etwas unklare Beweislage, ein Unschuldsplädoyer, und ein Todesurteil. Das sind die Komponenten. Zumindest zwei davon, nämlich die Beweisführung und die Todesstrafe halte ich dabei für sehr bedenklich, unabhängig davon ob G.K. nun schuldig ist oder nicht.
    Das ist sicherlich richtig, - auch ich halte die Umstände in diesem Fall für mehr als Bedenklich. Aber eine Diskussion über den Fall selbst sowie die Bedenklichkeit der Anwendung der Todesstafe in seinem Fall (bzw. in Thailand), nützt ihm in etwa genausowenig

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