Augsburger Insolvenzverwalter pfändet Kronprinzen-Boeing
Erfahrung mit Pfändung von Flugzeugen
So flog er meist von München aus nach Dresden, Saarbrücken, Nürnberg und Berlin-Tegel. Offensichtlich will der 58-jährige einzige Sohn des Thailändischen Königs seine Pilotenausbildung auf dem 16-Jahre alten Flugzeug - das seit zehn Jahren nicht mehr gebaut wird - vertiefen. Nebenbei macht er eine Deutschland-Sightseeing-Tour. So steuerte er jüngst das Flugzeug nach Dresden und besuchte mit seiner 40-köpfigen Gefolgschaft eine Porzellanmanufaktur.
Ob der aktuelle Marktwert der Boeing die 30-Mio.-Euro-Forderung abdeckt, war zunächst nicht bekannt. Einige Details des Flugzeugs, wie die Innenausstattung, sind nicht öffentlich.
Der studierte Betriebswirt, Wirtschaftsprüfer und Insolvenzverwalter Schneider hat Erfahrung in der Pfändung von Flugzeugen. Im Herbst 2008 ließ er ein Flugzeug der libanesischen Regierung auf dem Flughafen von Istanbul pfänden, um eine Forderung von gut sieben Millionen Dollar für die Walter Bau-Gläubiger einzutreiben.
Die Pfändung der staatlichen Thai-Boeing ist auch ein Beleg für die umfangreichen Aufräumarbeiten nach einer Großpleite. Der Insolvenzverwalter treibt seit Jahren die Forderungen des ehemals drittgrößten deutschen Bau-Konzerns ein, der im Februar 2005 Insolvenz anmelden musste.
Von den damals knapp 10.000 Beschäftigten konnten mehr als 5700 - vor allem durch einen Verkauf des Baugeschäftes an den Strabag-Konzern - gerettet werden. Der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass noch Jahre bis zu einem endgültigen Abschluss vergehen; auch weil Forderungen im Ausland eingetrieben werden müssen. Über 25 Mitarbeiter sind sechs Jahre nach der Pleite noch mit der Eintreibung der Forderungen beschäftigt.
Dass Flugzeuge zur Deckung von Forderungen gepfändet werden, kommt hin und wieder vor. Viele Zugriffe werden nur nicht öffentlich. 2001 wollte die Schweizer Firma Noga auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget russische Kampfjets beschlagnahmen lassen. Durch einen Blitzstart der Piloten entgingen sie dem Zugriff. 2006 soll es auf der Berliner Luftfahrtmesse ILA zu einem vorzeitigen Abflug von russischen Tupolew-Flugzeugen gekommen sein, weil ein bayerischer Unternehmer angeblich die Flugzeuge pfänden wollte.