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Sind Texte in Transkription für Thai eigentlich überhaupt verständlich?

Erstellt von Robert1111, 31.01.2012, 14:01 Uhr · 12 Antworten · 2.370 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Robert1111

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    Sind Texte in Transkription für Thai eigentlich überhaupt verständlich?

    Mal eine vielleicht etwas 'dumme' Frage:

    wenn ich einem Thai SMS oder Mails auf 'Thailändisch', aber in der Transkription, schreibe, der Englisch kann, müßte er diese Worte doch theoretisch lesen und verstehen können?

    Also Sätze wie: Kun sabai di, mai? Kun tam araai? usw. Oder ist so etwas für Thai eher völlig unverständlich?

  2. #2
    Avatar von waanjai_2

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    Rein theoretisch ja, aber praktisch kaum.
    1. Weil die Transkriptionen unterschiedlich sind für muttersprachlich Deutsche oder muttersprachlich Engländer. Am besten an den Vokalen sich klar zu machen.
    2. Es ist einfach ungewohnt für den Kommunikationspartner. Meine Frau hat ein Woerterbuch Deutsch für Thais von Veuskens. Darin findet sie z.B. eine thailändische Transkription, wie man deutsche Woerter aussprechen muß. Würde sie diese thail. Transkription einem anderen Thai schriftlich mitteilen, würde dieser kaum verstehen, was da geschrieben steht, weil es etwas beschreibt, wie es gesprochen wird und nicht gelesen wird.

  3. #3
    Avatar von Chak

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    Zitat Zitat von waanjai_2 Beitrag anzeigen
    2. Es ist einfach ungewohnt für den Kommunikationspartner.
    Ist es nicht. Da es für moderne Thailänder selbstverständlich ist moderne Kommunikationsmittel zu benutzen, die nicht immer die Möglichkeit haben die thailändischen Schriftzeichen darzustellen, benutzt man durchaus selbst auch mal hilfsweise eine Lautschrift.

  4. #4
    Avatar von waanjai_2

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    Zitat Zitat von Robert1111 Beitrag anzeigen
    .....Also Sätze wie: Kun sabai di, mai? Kun tam araai? usw.
    Sollte er bedingt durch seine English-Kenntnisse mit einer Transkription unter Verwendung des lat. Alphabets vertraut sein, dann würde er die folgenden Transkriptionen erwarten:
    k-hoon sabaai dee, mai? und: k-hoon thum arai?
    Diese sind deutlich anders, als was Du geschrieben hast. Quelle: Giovanoli für Angelsachsen.

    P.S. @chak: Die im Lehrbuch Deutsch für Thailänder verwandte Transkription deutscher Woerter geschieht natürlich mit thailändischen Schriftzeichen. Ergibt sich ja schon aus der Definition von "Lautschrift", die etwas "schreibt, wie es auszusprechen ist". Natürlich im eigenen sprachlichen Bezugssystem.

  5. #5
    Avatar von Chak

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    Zitat Zitat von waanjai_2 Beitrag anzeigen
    Sollte er bedingt durch seine English-Kenntnisse mit einer Transkription unter Verwendung des lat. Alphabets vertraut sein, dann würde er die folgenden Transkriptionen erwarten:
    k-hoon sabaai dee, mai? und: k-hoon thum arai?
    Diese sind deutlich anders, als was Du geschrieben hast. Quelle: Giovanoli für Angelsachsen.

    P.S. @chak: Die im Lehrbuch Deutsch für Thailänder verwandte Transkription deutscher Woerter geschieht natürlich mit thailändischen Schriftzeichen. Ergibt sich ja schon aus der Definition von "Lautschrift", die etwas "schreibt, wie es auszusprechen ist". Natürlich im eigenen sprachlichen Bezugssystem.
    Würde er eben nicht erwarten, denn Thailänder richten sich nicht nach dem Giovanoli. Dein Hinweis auf das Lejrbuch Deutsch für Thailänder geht im übrigen vollkommen am Thema vorbei, denn es geht ja um Thailändisch in einer englischen Lautschrift. Da schreibt keiner "K-hoon", sondern "khun".

    Es steht eben vieles nicht in deinen Lehrbüchern.

  6. #6
    Avatar von waanjai_2

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    Vielleicht interessiert es ja einige: Dies ist das Lehrbuch von Giovanoli, welches sich an die muttersprachlich Angelsachsen richtet. Dort wird dann eine Lautschrift für Englisch-sprachige Studierende geboten. So wie im Giovanoli Buch für den deutschen Markt und mit Transkription für die muttersprachlich Deutschsprechenden.


  7. #7
    Avatar von Robert1111

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    @ waanjai_2: danke für die Hinweise.

    Du hast selbstverständlich Recht, dass man dann eigentlich 'dee' statt 'dii', 'thum' statt 'tam' schreiben müßte. Aber ich hatte die Transliteration aus den Büchern von Frau Becker benutzt, die dort als 'phonetic system used in Paiboon Publishing books' bezeichnet wird. Dort ist zb. im Thai-English/English-Thai-Dictionary (2002) für 'good' die Transkription 'dii' angegeben (S.160), für 'make' steht dort 'tam' (S.204).

    Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, warum es diese Unterschiede der englischen phonetischen Systeme gibt. International gesehen, ist der Vokal beim thailändischen Wort 'machen' ganz einfach ein 'a'. Nur im Englischen wäre 'tam' ein 'täm', so dass man dort 'thum' wählt.

    Bei englischen Transkriptionen wird ja sogar oft ein 'r' eingefügt, dass überhaupt nicht im Wort steht, wie bei 'Som....', da ein langes O für Engländer sonst nicht schreibbar wäre: 'oo' würde dort ja zu 'u' wie bei 'goose'. Aber Deutsche, die in kreuzweise übersetzten Lexika 'tarn arharn' für 'essen' finden, sind ja auch nicht glücklich.

    Ich lese dann lieber selber die Thai-Schrift, die ja viel konsequenter als die englische Sprache ist. Man kann sie aber leider nicht immer per Mail oder SMS schreiben!

  8. #8
    Avatar von waanjai_2

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    Zitat Zitat von Robert1111 Beitrag anzeigen
    ...Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, warum es diese Unterschiede der englischen phonetischen Systeme gibt. International gesehen, ist der Vokal beim thailändischen Wort 'machen' ganz einfach ein 'a'. Nur im Englischen wäre 'tam' ein 'täm', so dass man dort 'thum' wählt.
    ......Bei englischen Transkriptionen wird ja sogar oft ein 'r' eingefügt, dass überhaupt nicht im Wort steht, wie bei 'Som....', da ein langes O für Engländer sonst nicht schreibbar wäre: 'oo' würde dort ja zu 'u' wie bei 'goose'.
    Fürwahr, Du hast das Dilemma gut erkannt. Es betrifft hauptsächlich die Vokale.

    Was der Deutsche beim thail. Namen Ampaipong ganz klar auch als A aussprechen würde (Übrigens der Thai bei einer gemäß dem zuständigen koeniglichen Instituts bei der fachgerechten Romanisierung des thailändischen Skriptzeichens für A ebenfalls) spricht der Angelsachse zunächst als Ä aus. Was falsch klingen würde. Also benutzt man für die Angelsachsen die Lautschrift Umpaipong. Weil die halt das U wie ein A aussprechen. Auch der Usus, nur für die Angelsachsen ein zusätzliches "r" hinter Vokalen einzusetzen, ist weit verbreitet. Die bekannte Sängerin Pan Thanapon heißt deshalb falsch romanisiert: Parn Thana..... Um zu vermeiden, dass man sie wie eine Bratpfanne ausspricht.

    Warum? Analysieren wir dies am Namen Udon. Denn in Udon haben wir sehr viele alte Behoerden, die ihrem Namen Udorn schreiben. Denken wir daran, wie die Angelsachsen London aussprechen. Für uns eher wie "Landen". Einmal wird das o wie a und ein anderes Mal wird das o wie ein e ausgesprochen. Keiner wollte aber, dass die Amis zu Zeiten des Vietnamkrieges Udon wie Uden ausprechen würden. Also kam es zu dem Kunstgriff, die Angelsachsen mit dem eingefügten "r" das O wieder wie ein O aussprechen zu lassen.

    Wir muttersprachlich Deutschsprechenden kennen doch die Probleme mit dem e und dem i noch von der Zeit, wo wir Englisch lernten und ploetzlich dafür "ie" bzw. "ei" sprechen sollten. Meine jüngste Stieftochter heißt Pawina. Als die ihren ersten Reisepaß bekam, romanisierte das thail. Außenministerium das glasklare "i" zu einem "ee", weil halt für die Angelsachsen dies wie ein "i" ausgesprochen wird. Entgegen den Regeln des koeniglichen Instituts. Mit der Kopie der relevanten Seite bewaffnet, schickte mich dann der Kiesow zurück zum Außenministerium, die nach der ursprünglichen Erroetung die Korrektur sofort vornahmen.

    Fassen wir deshalb zusammen: Selbst oberste Behoerden in Thailand weichen bei der Romanisierung des Thai-Skripts von den offiziellen Regeln ab, sondern romanisieren die thail. Worte so wie sie ein uninformierter aber englisch-sprechender Soldat romanisieren und dann auch ausprechen würde. Wir müssen diese systemwidrigen Abweichungen in der Romanisierung des ursprünglichen Thais als Zeichen der Unterwürfigkeit bzw. Hoeflichkeit der Thais gegenüber den Angelsachsen sehen. Den Engländern, die schon seit den Zeiten von Victoria einen großen Einfluß in der Region hatten und den Amerikanern, die dies seit den Indochina-Kriegen ebenfalls haben.

    Alles dauert seine Zeit. Aber die neueren Behoerdenschilder in Udon schreiben Udon Thani und nicht mehr Udorn Thani. So wie es nach den Regeln des koeniglichen Instituts zu geschehen hat. Diesem System gehoert die Zukunft. Und es werden die Angelsachsen sein, die dies zukünftig bei ihrem Erlernen der thail. Sprache berücksichtigen müssen. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg. Denn die wurden ja in diese Welt geboren mit der Überzeugung sie würden eine Weltsprache sprechen. Warum dann noch eine andere Sprache lernen?

  9. #9
    Avatar von Robert1111

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    Lieber Waanjai_2! Vielen Dank für die ausführliche Erklärung! Was für ein Wissen! Das ist sehr beeindruckend, auch Deine Hinweise auf die thailändische Geschichte! Und die Hinweise auf das königliche Institut, auf die neuere Transkription/Romanisierung bei Ortsnamen wie Udon Thani, die sich noch durchsetzen muß. Hoffentlich kommen wir Schritt für Schritt zu international gültigen Transkriptionen, weil es ansonsten wie in einem Irrgarten bleibt.

  10. #10
    Avatar von phimax

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    Wenn schon ausführlich darüber geschrieben wird, sollte ein Link nicht fehlen:
    Royal Thai General System of Transcription (Thailändisches Umschriftsystem)

    Leider werden ja Links oft nur halb gelesen...

    Thai Romanization - Programm um Thai nach RTGS zu romanisieren.

    Alles ISO 11940 oder was?

    Last but not least die Methode, wie die meisten Thai wohl lernen wie man romanisiert


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