Also, ich habe auch –vor ewigen Zeiten- von Thais im Privatunterricht Thai gelernt. Es war allerdings nicht meine erste Tonsprache, da ich vorher schon Chinesisch gelernt hatte.
Bevor ich Thai gelernt habe, habe ich mir meine Ziele formuliert. Ich wollte Thai fließend in Wort und Schrift lernen, nicht nur ein paar Sätze sprechen und verstehen lernen. Es war aber nicht mein Ziel, so zu sprechen, dass man –etwa am Telefon, wenn man mich nicht sieht- denken sollte, ich sei ein Thai.
Ich wusste, dass jeder seine eigene, zu ihm passende Methode finden muss, Thai zu lernen. Für mich war klar, dass ich eine Tonsprache nur lernen könnte, wenn ich einen Muttersprachler als Privatlehrer hatte, der das tat, was ich wollte. Nicht einen, der mich „beschult“, der sagt, was und wie ich zu lernen hätte. Ich habe mir z.B. überlegt, dass es für mich besser ist, ohne jede Transkription (also Wiedergabe der Thaiwörter durch unsere Buchstaben) zu arbeiten.
Damals lernte ich einen gebildeten Thai kennen, der nicht weit weg von mir wohnte. Er war in Thailand schon Staatsanwalt gewesen und nach Deutschland zu kommen, um seine Studien fortzusetzen und hier zu promovieren. Ich habe ihn besucht und gefragt, ob er mir Unterricht geben könne, wobei ich klarstellte, wie ich mir den Unterricht vorstellte. Er sagte sogleich zu und hat mich dann längere Zeit unterrichtet (übrigens lehnte er eine Bezahlung ab). Daraus hat sich eine bis heute andauernde enge Freundschaft gebildet. Nach ca. 2 Jahren ging er nach Thailand zurück, wo er ziemlich hoch aufstieg (seine Stellung würde man in Deutschland als Generalbundesanwalt bezeichnen, heute ist er pensioniert.). Danach hatte ich (gegen Bezahlung) wechselnde andere Lehrer und Lehrerinnen, alles Studenten der Uni Bonn. (manche wollten, dass ich sie im Austausch in Deutsch unterrichtete, das habe ich aber immer abgelehnt, aus Zeitgründen)
Ich habe niemals zugelassen, dass wir uns während des Unterrichtes auf Deutsch unterhielten. Wir haben vom ersten Augenblick an nur Thai gesprochen. Zunächst ganz einfache Sätze (ich heiße…, ich bin..Jahre alt oder so). Ich habe von meinen Lehrern verlangt, dass sie streng sind, auf genaue Aussprache achten und die kleinsten Fehler korrigieren. Und alle Wörter, die ich lernte, habe ich grundsätzlich sogleich nach Aussprache und Schreibweise gelernt. Das heißt, ich habe kein Wort gelernt, ohne auch gleichzeitig zu lernen, wie man es schreibt. Dazu habe ich mir selbst Vokabelhefte (immer ohne Transkription!) geschrieben und eine Art Grammatik…In der Nachbereitung der Stunden auftauchende Fragen wurden in der nächsten Stunde abgearbeitet. Ich hatte meist 3 Doppelstunden pro Woche….In meinen Semesterferien bin ich nach Thailand geflogen und habe dort weitergelernt. Es war harte Arbeit!
Dies war mein Weg, Thai zu lernen. Für mich der einzig richtige, aber wie gesagt, jeder muss seinen eigenen Weg finden, gemessen an dem, was er erreichen will.
Heute bin ich mit einer Thai verheiratet. Niemals hätte ich sie kennen gelernt, wenn ich kein Thai gekonnt hätte. Mein ältester Sohn spricht auch fließend Thai (er besuchte die Schweizer Schule in Minburi), mein jüngster Sohn spricht praktisch kein Thai…kein Interesse. Da kann man nichts machen...


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