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Schuften für Hungerlöhne

Erstellt von Sammy33, 27.02.2007, 09:35 Uhr · 1.463 Antworten · 80.261 Aufrufe

  1. #331
    Chak3
    Avatar von Chak3

    Re: Schuften für Hungerlöhne

    Zitat Zitat von wingman",p="472026
    Das ist alles gut gesagt mit 700,- Euro netto.
    Eine Rechenfrage, 400,- Euro Warmmiete, 50,- Euro Stromkosten,
    Benzinkosten für den PKW oder Kosten für Bus/Bahn, 45 Euro Telefon/Internet. Steuern, Versicherung PKW ..............

    Hier höre ich nun auf, mit 700,- Euro netto klappt nicht. Mit 400,- Euro Warmmiete liege ich bei uns schon recht günstig, zudem mein Vermieter mit Holz die Heizung betreibt und es keine Endabrechnung auf die Heizung gibt.
    Ich müsste dort noch Geld mitbringen.
    Somit sind wir wieder beim Hungerlohn angelangt, davon müsste ich dann wirklich Hungern.
    Eventuell gibt es auch noch ergänzendes ALG II.

  2.  
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  3. #332
    Monta
    Avatar von Monta

    Re: Schuften für Hungerlöhne

    Zitat Zitat von Chak3",p="472102
    Eventuell gibt es auch noch ergänzendes ALG II.
    Was aber kaum Sinn der Sache sein kann.
    Das dies von den AG in großem Stil ausgenützt würde/wird, liegt für mich auf der Hand.

  4. #333
    Monta
    Avatar von Monta

    Re: Schuften für Hungerlöhne

    Es wurde hierauf schon in diesem Fred berichtet, den nachstehenden Artikel fand ich bemerkenswert und habe ihn deshalb auch eimnal ganz eingestellt.

    Zitat:
    "Der Hungertod heißt Hartz IV

    Ein psychisch kranker Hartz IV-Empfänger ist in Speyer verhungert. Er hatte nicht auf die Behördenbriefe reagiert und so den erbarmungslosen Mechanismus bis zur Leisttungsstreichung in Gang gesetzt. Bitter: Mit Sozialhilfe hätte er wohl überlebt.

    Man kann es sehr hart ausdrücken: Das Gesetz, das als Hartz-IV bekannt ist, trägt nicht nur den Namen eines rechtskräftig verurteilen Straftäters, sondern kann auch zum Tode führen. Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen, lautet die Quintessenz dieser von der Schröder-Regierung eingeführten sozialpolitischen Umbau-Maßnahme. In Speyer konnte Hartz-IV auf grausige Weise seine finale Logik beweisen: Ein 20jähriger Arbeitsloser wurde am Sonntag, 15. April, verhungert in der Wohnung seiner Mutter aufgefunden. Die 48-jährige Frau selbst wurde mit Mangelerscheinungen in eine Klinik eingeliefert. Der stark abgemagerte arbeitslose Sohn hatte offensichtlich seit Monaten keine ausreichende Nahrung zu sich genommen, als Todesursache wurde Herz-Kreislaufversagen festgestellt. Beiden war von der zuständigen "Gesellschaft für Arbeitsmarktintegration" (GfA) vor vier Monaten das Arbeitslosengeld II gestrichen worden. Die Mutter hatte angegeben, sie hätten nicht mehr genug Geld gehabt, um Lebensmittel zu kaufen.

    Das gab´s zuletzt bei der Weltwirtschaftskrise
    Dass in Deutschland Arbeitslose an Hunger zugrunde gehen, hat es zuletzt in den Jahren der Weltwirtschaftskrise um 1930 und vielleicht in der unmittelbaren Nachkriegszeit gegeben. Warum der Sonderschüler in der Domstadt verhungerte, ist allerdings wohl auf eine Kombination von Arbeitslosigkeit und psychischer Eintrübung zurückzuführen. Laut Polizeibericht beschreibt die Mutter ihren Sohn als depressiv und phlegmatisch, er habe seit 2006 den Wunsch geäußert, zu sterben. Der lernbehinderte junge Mann war bis zur Einführung von Hartz IV in einer Reha-Maßnahme vom Sozialamt betreut worden.

    Nach einer Presseinformation der Stadt Speyer habe die zuständige Behörde, die GFA, sich um beide Personen - die im amtsdeutsch eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft bildeten - sehr bemüht. Dies betreffe sowohl die Vermittlung eines Ein-Euro-Jobs für die Mutter als auch entsprechende Angebote von Praktikumsplätzen an den Sohn. Dieser habe allerdings die Angebote nicht angenommen und auch nicht auf die Aufforderung reagiert, beim zuständigen "Fallmanager" vorzusprechen. Auch auf eine Vorladung zur Erstellung eines psychologischen Gutachtens reagierte er nicht. Damit trat eine gnadenlose Gesetzeslogik in Kraft, nach der zuerst die Bezüge für Langzeitarbeitslose um 10 Prozent, danach um 30 Prozent gekürzt wurden. Ende des Jahres wurden die Zahlungen schließlich vollständig eingestellt.

    Sozialhilfeempfänger wurden tatsächlich betreut
    Der Skandal, der in dem Tod des arbeitslosen Sonderschülers liegt, wird freilich erst deutlich, wenn man sich die staatlichen "Bemühungen" vor Augen führt: Es waren Schriftstücke, die die Behörde abgesandt hat. Und der Skandal wird überdeutlich, wenn man Hartz-IV mit der Sozialhilfe vergleicht. Denn das Todesopfer bezog bis zum 31. Dezember 2004 Sozialhilfe. Das wiederum bedeutete, dass die zuständigen Sozialarbeiter ihre Klientel zu Hause besuchten, sich ein Bild von den Hilfebedürftigen machten und mitbekamen, wie sie lebten.

    Darüber hinaus verpflichtete das Sozialhilfegesetz die Behörde, auch dann tätig zu werden, wenn ihr ein Tatbestand der Hilfebedürftigkeit - wie auch immer - bekannt wurde: "Die Sozialhilfe setzt ein, sobald dem Träger der Sozialhilfe oder den von ihm beauftragten Stellen bekannt wird, daß die Voraussetzungen für die Gewährung vorliegen", heißt es im Gesetzestext. Die Sozialhilfe verkörperte also die Pflicht des Trägers zur öffentlichen Fürsorge, zur Hilfeleistung - auch wenn niemand einen Antrag gestellt hatte.

    Bei Hartz IV wird vom Schreibtisch aus beurteilt
    Dies gilt nicht mehr seit Hartz IV, jedenfalls für diejenigen Hilfsbedürftigen, die drei Stunden am Tag arbeiten können. Ohne Antrag - der alle sechs Monate zu stellen ist - kein Hilfeleistungen. Statt dem direkten Kontakt mit einem Sozialarbeiter, der die Verhältnisse vor Ort kannte und einzuschätzen wusste, urteilt nun ein Sachbearbeiter vom Schreibtisch aus und seine "Bemühungen" haben die Form von amtlichen Bescheiden. Statt Betreuung durch den allgemeinen Sozialdienst steht bei Hartz IV höchstens der Besuch durch den "Sozialdedektiv", der dem "Sozialbetrug" auf der Spur ist. Statt Kontakt mit Menschen gibt es bei Hartz IV Kontakt mit einer überforderten Behörde - die anonyme Automatenstimme, die einem bei einem Telefonanruf dort entgegenschallt, ist Symbol dafür.

    Außer bei Verdacht auf Sozialbetrug "haben wir keine Möglichkeit, Wohnungen aufzusuchen", so Hans Grohe, Bereichsleiter der Arbeitsgemeinschaft. Man werde tätig und informiere den Sozialdienst, wenn Hinweise zum Beispiel auf Verwahrlosung vorlägen, aber in diesem Fall habe es keine Hinweise gegeben. Nach Ansicht des Sozialdezernenten von Speyer, Hanspeter Brohm, brachte Hartz IV dann eine "totale Änderung", eine Betreuung wie bei der Sozialhilfe sei nun nicht mehr gegeben.

    Keiner kümmert sich mehr
    Hartz IV hat das Prinzip der Fürsorge durch das Prinzip der bürokratischen Verwaltung ersetzt. Wer sich nicht um sich selbst kümmert, um den kümmert sich amtlich keiner mehr. Der Sozialhilfebezug hätte für das 20-jährige Todesopfer aus Speyer vielleicht die Chance einer Hilfestellung durch den zuständigen Sozialarbeiter bedeutet. Hartz IV aber bedeutete für ihn nur eine Serie von papierenen Bescheiden - bis zum Tod."

    Quelle: Artikel von Rudolf Stumber, Speyer
    "stern.de" http://www.stern.de/politik/panorama...IV/587395.html

  5. #334
    Chak3
    Avatar von Chak3

    Re: Schuften für Hungerlöhne

    Zitat Zitat von Monta",p="472108
    Zitat Zitat von Chak3",p="472102
    Eventuell gibt es auch noch ergänzendes ALG II.
    Was aber kaum Sinn der Sache sein kann.
    Das dies von den AG in großem Stil ausgenützt würde/wird, liegt für mich auf der Hand.
    Sicher, so wie jeder Arbeitgeber auch ein geringes Lohnniveau ausnutzt. Was ist denn dein Alternativvorschlag?

  6. #335
    Monta
    Avatar von Monta

    Re: Schuften für Hungerlöhne

    Zitat Zitat von Chak3",p="472400
    ...Was ist denn dein Alternativvorschlag?
    Minilöhne in der Kategorie 3,50 Euro, oder ähnlich, die dann mit ALG II aufgestockt werden müssen, bringen m.E, mittel- und langfristig nur den Effekt, daß sie im großen Stil mißbraucht werden. Hieraus ergibt sich viel eher eine Zementierung dieser nichtausreichenden Löhne, mit der Tendenz, daß es immer mehr werden.
    Auf die "Schaffung" solcher Beschäftigungsverhältnisse sollte verzichtet werden, und ein Mindestlohn eingeführt werden, wodurch eine Aufstockung des Staates nicht nötig wäre und auch um einiges mehr in die Sozialkassen käme.
    Die Beschäftigungsverhältnisse im 3 Euro fuffzig-Bereich, die dann wegfallen würden (und ich denke das es eh ein Märchen ist, daß dadurch Jobs geschaffen werden), sollten, da es nur eine temporäre Erscheinung ist, ganz alimentiert werden.

  7. #336
    Avatar von wingman

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    14.074

    Re: Schuften für Hungerlöhne

    Die wirkliche Dunkelziffer von menschlichen Schicksalen, ausgelöst von ALG II und stupiden Sachbearbeitern der ARGE weis niemand.
    Erst Verwahrlosung, später Vernachlässigung von Kindern bis hin zur Tötung von Kindern aus Verzweifelung, Ratlosigkeit.
    In diesem Fall in Speyer hätte auch der Tod des jungen Mannes sicher vermieden werden können, wenn in den Behörden nicht der Automatismus Einzug gehalten hätte.
    Es interessiert bei Bezug von Hartz IV keine Sau ob du überlebst oder nicht, weder finanziell noch anderweitig.
    Nur im Kürzen, Sperren, Bestrafen sind sie sehr schnell.
    Hartz IV ist die letzte Stufe vor dem Abgrund, das man davon Überleben kann ist möglich, Leben kann man davon nicht. Ein einziger Fehler des Betroffen kann ihn in den Abgrund werfen.
    Es wird nicht nachgefragt warum, weshalb. Es wird sofort gesperrt und viele freuen sich darüber wieder einmal arbeitsscheues Gesocks bestraft zu haben...........

  8. #337
    Avatar von Claude

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    2.292

    Re: Schuften für Hungerlöhne

    Ich glaube nicht, dass man Hartz IV auch noch für die schleichende Verwahrlosung von Menschen verantwortlich machen sollte. Diese bedauerlichen Schicksale, die in der Presse zu lesen waren, betreffen Menschen, die seit Jahren am Rande der Gesellschaft leben. Ich kenne etliche Fälle in meinem deutschen Bekanntenkreis, die diesen Karriereweg über viele Jahre beschritten haben und nun am Rande zur Verwahrlosung stehen. Eine hilfreiche Betreuung gab es immer nur dann, wenn Kinder im Spiel waren. Auch da treten natürlich Fälle auf, bei denen ein Jugendamt seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, siehe Fall Kevin in Bremen.

  9. #338
    Avatar von songthaeo

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    1.965

    Re: Schuften für Hungerlöhne

    Zitat Zitat von Claude",p="472884
    Ich glaube nicht, dass man Hartz IV auch noch für die schleichende Verwahrlosung von Menschen verantwortlich machen sollte. Diese bedauerlichen Schicksale, die in der Presse zu lesen waren, betreffen Menschen, die seit Jahren am Rande der Gesellschaft leben. Ich kenne etliche Fälle in meinem deutschen Bekanntenkreis, die diesen Karriereweg über viele Jahre beschritten haben und nun am Rande zur Verwahrlosung stehen. Eine hilfreiche Betreuung gab es immer nur dann, wenn Kinder im Spiel waren. Auch da treten natürlich Fälle auf, bei denen ein Jugendamt seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, siehe Fall Kevin in Bremen.
    @ Claude
    zur Erinnerung:"Ein psychisch kranker Hartz IV-Empfänger ist in Speyer verhungert. Er hatte nicht auf die Behördenbriefe reagiert und so den erbarmungslosen Mechanismus bis zur Leisttungsstreichung in Gang gesetzt. Bitter: Mit Sozialhilfe hätte er wohl überlebt..."

    Seit wann ist Depression eine schleichende Verwahrloung?Davon war im Originalartikel die Rede.
    Deinerer Argumentation vermag ich absolut nicht zu folgen.
    Eher schon der, dass, der Staat es dadurch geschafft hat, sich der Staatshaftung zu entledigen.
    Hat natuerlich auch 2 und mehrere Seiten...

  10. #339
    Auntarman2
    Avatar von Auntarman2

    Re: Schuften für Hungerlöhne

    Zitat Zitat von songthaeo",p="472887

    Eher schon der, dass, der Staat es dadurch geschafft hat, sich der Staatshaftung zu entledigen.
    Hat natuerlich auch 2 und mehrere Seiten...
    So bedauerlich der Fall auch ist.

    Nur wo hat der Staat eine Haftung für das Individuum?

    Und wie sollte der Staat so etwas verhindern? Durch eine Video-Wohnraumüberwachung?

    Also bitte. Die Gesellschaft kann und soll in Notfällen helfen. Sie ist aber (leider) keine Institution, die jedes einzelne Schicksal beobachten kann. Dafür Gesetze wie HarzIV verantwortlich machen zu wollen, ist (schlechte) Demagogie...

  11. #340
    Avatar von andydendy

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    Re: Schuften für Hungerlöhne

    @ Auntarman2

    Warst Du eigentlich schon bei der Arge, wenn nicht
    solltes Du mal den 30 April eintragen, so um 8.30Uhr