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Robert Enke

Erstellt von resci, 10.11.2009, 20:39 Uhr · 281 Antworten · 15.406 Aufrufe

  1. #211
    Avatar von aalreuse

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    Re: Robert Enke

    Zitat Zitat von Tramaico",p="795892
    Zitat Zitat von aalreuse",p="795875
    Worum geht es in diesem Thread eigentlich? Um Herrn Enke, dessen Freitod, dessen Ursachen (die auch in unserer Gesellschaft zu suchen sind) und welche Folgerungen man daraus ziehen sollte oder um eure Befindlichkeiten?
    Wieder sind es die anderen, die Gesellschaft, schuld? Es geht hier nicht um den Freitod eines durch physische Ueberlastung gescheiterten Jugendlichen sondern den, eines erwachsenen, muendigen 32 Jahren alten Mannes.
    Ich sehe keinen Unterschied darin ob ein 16 Jähriger Jugendlicher oder ein 32-Jähriger Erwachsener am Leistungs- und Erwartungsdruck unserer verrohten, entmenschlichten und egomanischen Gesellschaft zu Grunde geht. Deine Aussage impliziert genau das worüber die ganze Zeit diskutiert wird. Für einen 32 Jährigen ist es angeblich ein Zeichen von Schwäche, die sich keiner in unserer Gesellschaft mehr leisten kann, wenn er auf Grund des gesellschaftliche Erwartungsdruckes Angstzustände bekommt und diese nicht bewältigen kann. An diesem Erwartungsdruck, der von uns allen nicht nur in der Öffentlichkeit des Spitzensport (aber da besonders) sondern in unserem aller Alltag in der Arbeitswelt auch auf uns ausgeübt wird, ist natürlich nur das Gesellschaftsystem und wir selbst als Teil dieses System schuld.

    Wenn dann noch persönliche Schicksalsschläge hinzukommen kann man ganz schnell labil werden.....

    Das ganze Gehype um den prominenten Freitod von Robert Enke ist im Grunde ein gewisser Eulenspiegeleffekt. Er hält uns und unserer Gesellschaft den Spiegel der grausamen Wahrheit vor und die Art "Staatsbegräbnis" mit großer öffentlicher Trauerfeier ist im Grunde nichts anderes als ein Zeichen unseres schlechten Gewissens und ein Zeichen dafür, dass wir im Grunde alle wissen wie Krank unsere Gesellschaft in vielen Dingen ist....

    ... das wirklich grausame daran ist, dass schon in kürze ein anderes Ereignis die Schlagzeilen bestimmen und sich nichts ändern wird. Die Hinterbliebenen von Hern Enke werden bald genauso einsam, verlassen, vergessen und sich selbst überlassen sein, wie die vielen anderen Menschen in unserer Gesellschaft die einfach abgehängt werden....

  2.  
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  3. #212
    Avatar von kcwknarf

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    Re: Robert Enke

    Wie Paddy hier schon richtig feststellte:
    Eine Depression ist eine Krankheit. Allgemeine Niedergeschlagenheit ist etwas anderes.
    Wo bleibt denn die Verantwortung einer Person, die gerade an einem Herzinfarkt gestorben ist.
    Hat er nicht an seine Familie gedacht?

    Was die Woche vor allem gebracht hat, ist die Tatsache, dass die Gesellschaft nun Depression als Krankheit wie Krebs oder Herzinfarkt akzeptiert.

    Bei mir ist es jedenfalls angekommen. Ich war auch immer einer derjenigen, die etwas müde über Depressionskranke gelacht haben. Ich dachte auch immer, die sollen sich einfach mal zusammenreissen und Verantwortung zeigen.

    Jetzt weiß ich, dass das nicht möglich ist.
    Das einzige, was man von ihnen verlangen kann, ist es, etwas gegen die Krankheit zu machen, z.B. Medizin nehmen oder andersweitig dagegen anzukämpfen.

    Gerade eben hatte ich ein Gespräch mit einer Depressionskranken aus meiner Verwandtschaft, die ich darauf hinwies, zum Arzt zu gehen. Sie wollte nicht, weil sie bislang im Auge des Arztes und der Sprechstundenhilfe(!) als starke Frau und als eine Art Vorbild galt. Wie sehe das denn aus, wenn sie sich nun "Outen" würde?

    Ich habe ihr gesagt, die Chance sei noch nie so groß wie heute. Denn bis auf ein paar Ausnahmen hier im Forum hat die Welt doch nun dank Enke begriffen, dass 20% aller Deutschen diese Krankheit haben und es kein Tabu mehr ist.

    Depression kommt nicht wegen eines Anlasses. Insofern ist der Vergleich mit dem Ende des 2.Weltkrieges ohnehin falsch. Vielleicht ist es eine neue Krankheit wie die Schweinegrippe, die sich die Natur ausgedacht hat, um die Menschheit einzudämmen. Aber sie ist bestimmt mnicht aus Sopaß entstanden, weil Menschen zu schwach sind.

    Ich weine öfters und das ist auch gut so!
    Und zwar nicht wegen meiner Situation, sondern weil mich Bilder wie Beerdigungen, wenn sich zwei Menschen nach langer Zeit wiedersehen oder auch Lassies Rückkehr sehr bewegen. Trotzdem ghalte ich mich nicht für schwach - sondern im Gegenteil. Ich bin nicht angepasst und mir ist es schnuppe, was andere über mich denken.

  4. #213
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: Robert Enke

    Zitat Zitat von Paddy",p="795920
    Zitat Zitat von Tramaico",p="795918

    Meine These: Depressionen sind ein Wohlstandssyntom.
    Es handelt sich nicht um ein Symptom, sondern um chemische Prozesse im Gehirn.

    Es hat auch nichts mit Wohlstand zu tun. Einem Depressiven ist auch Wohlstand völlig schnuruz. Lediglich der Einfluss sogenannter Zivilisation (wie man diese Barbarei wohl nennt)spielt dabei eine Rolle.

    Einem Depressivem vorzuhalten, er solle sich nicht so hängen lassen bzw. Verantwortung übernehmen, ist gleich dämlich, wie einem geschwächten Krebskranken zu sagen, er müse sich nur sportlich betätigen.
    Quelle?

    Du hast mich ausserdem nicht bezueglich des Begriffes Wohlstandssyntom verstanden. Ich meinte, den Leuten geht es heute so gut, dass sie sich Probleme einfach selber schaffen koennen. Denn das nackte Ueberleben ist ja Dank Sozialstaat zum Klack geworden. Gicht ist auch eine Wohlstandskrankheit und auch haeufig Herzanfaelle, Schlaganfall etc.

    Diejenigen, fuer die eine Schale Reis ueberlebenswichtig ist, haben einfach gar nicht die Resourcen bezueglich einer barbarischen Zivilisation depressiv zu werden. Der Arme verhungert, der Reiche und Beruehmte zerbricht an seiner Psyche. Letztendlich sind beide tot, wobei um den ersten aber keinerlei Hahn kraeht.

    Wusstest Du, dass ein gesundes Immunsystem mit jeglicher Attacke zurechtkommt? Erkrankungen treten durch ein geschwaechtes Immunsystem aus. Grund hierfuer, dass speziell auch Kinder und alte Leute sehr anfaellig fuer Viren sind.

    Was tust DU fuer DEIN Immunsystem? Empfehle Dir, Dich einmal eingehend mit der Thematik Selbstheilung zu beschaeftigen. Ich bin sicher, DU wuerdest davon profitieren koennen.

    Weisst Du, was der Unterschied zwischen einer depressiven Beruehmtheit und einem einbeinigen, mittellosen Bettler in Indien ist? Der Erstgenannte hat Optionen, der zweite nicht. Welche der beiden Rollen wuerdest Du vorziehen? Einen Vorteil hat der Bettler, er wird sicherlich nicht an Depressionen zugrunde gehen.

  5. #214
    Avatar von Conrad

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    Re: Robert Enke

    Zitat Zitat von aalreuse",p="795927
    am Leistungs- und Erwartungsdruck unserer verrohten, [highlight=yellow:c25d9b0d6e]entmenschlichten und egomanischen Gesellschaft[/highlight:c25d9b0d6e] zu Grunde geht. Deine Aussage impliziert genau das worüber die ganze Zeit diskutiert wird. Für einen 32 Jährigen ist es angeblich ein Zeichen von Schwäche, die sich keiner in unserer Gesellschaft mehr leisten kann, wenn er auf Grund des gesellschaftliche Erwartungsdruckes Angstzustände bekommt und diese nicht bewältigen kann. An diesem Erwartungsdruck, der von uns allen nicht nur in der Öffentlichkeit des Spitzensport (aber da besonders) sondern in unserem aller Alltag in der Arbeitswelt auch auf uns ausgeübt wird, ist natürlich nur das Gesellschaftsystem und wir selbst als Teil dieses System schuld.
    Daran ist nicht irgendein "System" oder eine verrohte, entmenschlichte u. egomanische Gesellschaft schuld, sondern der Mensch selbst, denn alles was läuft u. wie es läuft liegt in der menschlichen Psyche u. ist dort seit Menschwerdung vor tausenden von Jahren so "verdrahtet und einprogrammiert". Ohne diese Merkmale wie unbedingter Überlebenswille, der Wille der Sieger zu sein, lieber Jäger als Gejagter zu sein, Fortpflanzungstrieb, liegt so in der menschlichen Psyche und hat seinen Sinn.

    Starke Menschen und Schwache hat es seit Anbeginn der Menschheit gegeben und gibts auch in der Tierwelt, das ist alles völlig normal, nur machen die Medien um jeden Pups ein enormes Bohei.



    Zitat Zitat von aalreuse",p="795927

    ... das wirklich grausame daran ist, dass schon in kürze ein anderes Ereignis die Schlagzeilen bestimmen und sich nichts ändern wird. Die Hinterbliebenen von Hern Enke werden bald genauso einsam, verlassen, vergessen und sich selbst überlassen sein, wie die vielen anderen Menschen in unserer Gesellschaft die einfach abgehängt werden....
    Immerhin hinterlässt der Selbstmörder einige Millionen Euro.

  6. #215
    Avatar von messma2008

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    Re: Robert Enke

    Zitat Zitat von Conrad_reloaded",p="795931
    nur machen die Medien um jeden Pups ein enormes Bohei.
    Genau das ist das Problem, die Medien schüren diese Anteilnahmehysterie bis hin zum Unerträglichen. Das grenzt schon an Leichenfledderei, und Tausende medial manipulierte Leutchen laufen Traueramok.
    Man ich kann den Namen Enke im TV schon nicht mehr hören, was sicher nicht an ihm, seiner Familie oder an seinem Tod liegt, sonder an der sensationsgeilen Berichterstattung in den deutschen Medien.

  7. #216
    Paddy
    Avatar von Paddy

    Re: Robert Enke

    Zitat Zitat von Tramaico",p="795930
    Welche der beiden Rollen wuerdest Du vorziehen? Einen Vorteil hat der Bettler, er wird sicherlich nicht an Depressionen zugrunde gehen.
    Drum würde ich auch seine Rolle wählen wollen, müsste ich mich zwischen beiden entscheiden.

    Einer Deiner vielen Denkfehler ist jedoch, der Depressive hat keine Option (genau das ist nämlich Merkmal einer schweren Depression).

  8. #217
    Godefroi
    Avatar von Godefroi

    Re: Robert Enke

    Auch wenn niemand bis jetzt alle Ursachen für eine echte Depression kennt, bietet doch beispielsweise dieser Artikel einen Anhaltspunkt dafür, wie schwierig es für einen Betroffenen sein kann, sich daraus zu befreien. Flapsig gesagt, ein "sieh´ mal selber zu wie du die Methylgruppen wieder von deinen Genen runter kriegst" führt sich wohl für jeden intelligenten Menschen von selbst ad Absurdum.

    Depression ist sicher nicht nur eine Wohlstandskrankheit, sondern eine ernst zu nehmende Erkrankung aus der sich zu befreien für den Betroffenen bei aller Entschlossenheit und kämpferischen Einstellung unmöglich sein kann.

    Was die Depression letztendlich ausbrechen lässt unterscheidet sich sicher von Fall zu Fall, aber es nützt auch nichts, den Betroffenen zu erklären, es sei ihr eigenes Unvermögen, mit einer Situation umzugehen, auch wenn das tatkräftige Mittun des Kranken sicher unentbehrlich wichtig ist.

    Fakt ist aber, offensichtlich sind manche Menschen aufgrund verschiedener Umstände (siehe auch oben zitierter Artikel) eher für den Ausbruch einer Depression prädisponiert als andere, und das liegt nicht unbedingt in ihrer eigenen Verantwortung, genauso wenig wie es im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten liegt, sich ohne Hilfe aus der Depression zu befreien.

    So sehr ich Richard´s Denkansatz der Eigenverantwortlichkeit unterstütze, muss man ihn auch eingrenzen und kann ihn nicht in vollem Umfang im praktischen Alltag auf alle Situationen anwenden.

    Manche Leute brauchen auch erstmal ´Hilfe zur Selbsthilfe´, und solange unsere Gesellschaft in der Lage ist, diese Anschubhilfe zu geben, sollte sie das tun, aus humanitären Gesichtspunkten, aber auch ganz nüchtern deshalb, weil die betroffenen Menschen sehr wertvolle Mitglieder der Gesellschaft oder ihres unmittelbaren Umfeldes sein können.

  9. #218
    Avatar von aalreuse

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    Re: Robert Enke

    Conrad macht sich das wie viele zu einfach. Der Mensch ist immer ein Produkt seiner Umgebung. Herr Enke stand unter Beobachtung und Leistunsgerwartung der gesamten deutschen Öffentlichkeit, also auch von uns.... eine Mitschuld an dessen Freitod liegt daher schon am "System"


    Zitat Zitat von Conrad_reloaded",p="795931
    Immerhin hinterlässt der Selbstmörder einige Millionen Euro.
    Also ist sie doch eine gute Partie für dich .... los bagger sie an......


    Geld ist bekanntlich nicht alles und so mancher Millionär ist schon tief gefallen (siehe diverse ehemalige Lottomillionäre).

    Herr Enke liefert da das beste Beispiel. Reich, erfolgreich aber unglücklich...Selbstmord ... kann man tiefer fallen?

  10. #219
    Paddy
    Avatar von Paddy

    Re: Robert Enke

    Zitat Zitat von messma2008",p="795933
    Man ich kann den Namen Enke im TV schon nicht mehr hören...
    Und dann muss man sich auch noch in einen Thread einbringen, der sich mit seinem Tod und den Hintergründen befasst.

    Man(n) hat's schon schwer.

  11. #220
    Doc-Bryce
    Avatar von Doc-Bryce

    Re: Robert Enke

    wenn ich hier einige beiträge lese habe ich das gefühl ich wäre bei einem hobbypsychologen.
    nein danke.

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