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RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

Erstellt von DisainaM, 17.09.2008, 07:11 Uhr · 12 Antworten · 1.069 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von DisainaM

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    RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

    klar muss man sich fragen, wenn wir heute einen Film in Deutschland mit Fördergeldern entstehen lassen,

    welche Inhalte lassen wir zu ?

    - die tatsächliche Geschichte ?

    - die geschönte Geschichte ?

    - die überzeichnete Geschichte ?

    natürlich die geschönte Geschichte, wo sich alle in der Heuchelei der selbstgeschaffenden altersgerechtigkeit üben.

    Wo liegt die Wahrheit, die Eichinger mit seinem RAF Film nicht zeigen durfte ?

    Alleine die Berichterstattung über den aktuellen Kriegsverbrecherprozess in München, die zur Zeit über die Nachrichten verbreitet wird, zeugt von der Staatsmoral.

    Angeblich findet der Prozess gegen den 90 Jährigen erst deshalb heute statt, weil die Staatsanwaltschaft München erst jetzt, durch das italienische Urteil, von dem Vorgang erfahren hat.
    Warum wurden diese Verfahren über 63 Jahre verschleppt ?
    Welche Machtszirkel haben die Karrieren von aufrechten Staatsanwälten in den 80 Jahren brutal beendet, wenn sie sich Weisungen aus dem Justizministerium wiedersetzten ?

    Hier hätte eine aktuelle Annäherung an die RAF ansetzen können,
    aber der Mut fehlt Karriereproduzenten selbst heute.

    Eichinger bietet fast ein Loblied auf die Polizei,
    die Erschiessung von Benno Ohnesorg wird wie ein menschlich nachvollziehbarer Irrtum dargestellt, ein Schuss hatte sich gelösst.

    Wovor hat Eichinger Angst ?

    Die Wahrheit ist, dass die Polizei, wie sie junge Menschen heute erleben, das Ergebnis einer langen Entwicklung ist.

    Die polizeilichen Sonderkommandos wurden nach dem Fiasko von München Riem 1972 gegründet, weil der ganzen Welt vorgeführt wurde, dass die Beamten ein disziplinloser Haufen war, wo jeder glaubte, durch Eigeninitiative Karriere machen zu können, dies lässt sich bis in die späten 80 Jahre via Gladbeck verfolgen.

    Ebenfalls bis in die späten 80 Jahre konnte man verfolgen, dass in vielen Teilen Deutschlands, der überwiegende Teil der Polizisten aus DVU Wählern bestand.

    Eine Polizei die rechtsaussen stand,

    ein Hass auf Langhaarige,
    (Änderung brachte die Serie Der Kommisar mit Erik Ode, die den Mitarbeiter (Harry) Fritz Wepper, als längerhaarigen Polizisten zeigte) in Realität begann diese Entwicklung erst 5 Jahre später in den Grossstädten,

    eine Pressepolitik, die bis Mitte der 80 Jahre es zuliess, dass in den Nachrichten der öffentlich-rechtlichen gezeigt werden durfte, wie Polizisten Unschuldige niederknüppelten,
    da man dachte, soll der Bürger sehen, wenn er sich in der Nähe von Demos aufhält, wirds gefährlich für ihn,

    die regionalen Reibereien zwischen den Polizeigruppen, wenn Bayern z.B. seine Kommandos zur Demobekämpfung nach Berlin schickte, da wollten viele Beamte die linke Hauptstadt zusammenknüppeln, es waren die Vielzahl der Benno Ohnesorg Erlebnisse, sie starben zwar nicht, aber führten dem Bürger eine Polizeibrutalität vor Augen, die unvorstellbar war.
    ((kann mich selber noch an diverse Tagesschauberichte erinnern, sie reichten bis Startbahn West, Gorleben, wo man sah, wie Omas mit blutendem Schädel vor laufenden Kameras zusammengeknüppelt wurden, doch verschwanden diese Berichterstattungen lange vor Rodney King, bereits Ende der 80 Jahren aus den bundesdeutschen Nachrichtensendungen))
    Klar entstand daraus auch die Gegenbewegung, die Trophäenfotos, ich trampel einen Polizisten zusammen, wie sich einige an die Fischerfotos (Aussenminister) erinnern können.

    Erst in den 90 Jahren fand auch bei der Polizei das grosse Reinemachen statt, wo Chorgeist immer durchlässiger wurden, und Scheinhinrichtungen der hamburger Polizei überhaupt bekannt wurden.

    Doch all dieser Entwicklungsweg in der Polizeigeschichte,
    passt heute nicht mehr ins Bild, Eichinger will eben keine Polizei der 60 und 70 ger Jahre zeigen,
    sondern eine Geschichtsklitterungsvorlage für die junge Generation liefern, die ihr Bildungswissen durch Filme bezieht, und die Erinnerung der heutigen Polizeirentner nicht unnötig aufwühlen,

    kurz um,

    ein Film zur Förderung der Auswanderungsquote

    Mit dem RAF-Film, der heute in München Premiere hat, beschäftigt sich auch Sven Felix Kellerhoff: Er hat ein zum Film gehöriges Buch gelesen, in dem sich Schauspieler des Films mit eklatantem Biedersinn über ihre Rollen äußern.
    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...578413,00.html

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Conrad

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    Re: RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

    Aus heutiger Sicht sieht alles anders aus. Ich wundere mich heute noch, dass ich damals auch ein bisschen mit denen sympathisiert habe. Aber das war damals angesagt, in den Kreisen, in denen man so verkehrt hat.

    Ich werd mir den Film in Kino nicht ansehen, vielleicht wenn es ihn auf DVD gibt. Aber mit dem Thema RAF bin ich eigentlich durch.

    Wenn man sich fragt, was denn heute besser ist, als damals, kann man sagen: Nichts.

    Heute haben wir es nur noch mit überwiegend geldgierigen verblödeten Hirnies zu tun, 18-jährige Milchgesichter, die mit ner Halbliter-Flasche Bier durch die Gegend rennen u. es toll finden, sich in aller Öffentlichkeit zu besaufen und dann dumm rumzugrölen. Und meinen, es verstößt gegen die Menschenrechte, wenn man in Innenstädten alkoholfreie Zonen einrichten. :-(

  4. #3
    Avatar von Samuianer

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    Re: RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

    Die hat es ganz schoen hingeRAFft...Deutschlands groesstes Geheimniss seiner juengsten politischen Vergangenheit!

    Benno Ohnesorg, Dutschke und die RAF gaben damals dem Staat (ungewollt) das was der 9/11 weltweit den Staaten juengst an Macht, Kontrolle und "Rechten uber den Buerger" brachte!

  5. #4
    antibes
    Avatar von antibes

    Re: RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

    Mir ging`s ähnlich. Damals hatte ich gewisse Symphatien für die RAF, auch für die ETA und die IRA. :-(
    Es war die Zeit, in der alles was gegen das Establishment gerichtet war, den Zeitgeist darstellte. Diese Einstellung zog sich bis in die intimsten Bereiche.

    Mit dem zeitlichen Abstand betrachtet man diese Zeit differenzierter.

  6. #5
    Avatar von

    Re: RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

    Der Film bekam ja ueberwiegend sehr positive Kritiken.
    Auch Stefan Aust auf dessen Standardwerk zur RAF der Film ja basiert hatte nur Lob.
    Ausserdem ist es Deutschlands Beitrag fuer die Oskarnominierung.
    Duerfte sich also in jedem Fall lohnen den anzusehen.

    Die Gefahr der RAF wurde damals halt genauso maslos dramatisiert wie es heute mit der Quaida gemacht wird.

    Beides sind nuetzliche Alibis um voellig ueberzogene Gesetze zu verkaufen und den Rechtsstaat in den Abgrund zu reisen.

  7. #6
    Avatar von Maenamstefan

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    Re: RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

    Zitat Zitat von Extranjero",p="632817
    ...Ausserdem ist es Deutschlands Beitrag fuer die Oskarnominierung...
    Na ja, ganz soweit ist es noch nicht. Es kommen mehrere Filme in die VOR-Auswahl (u. a. auch "Wolke 9"), einer geht dann zur Oscar-Nominierung.


  8. #7
    Avatar von DisainaM

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    Re: RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

    die RAF war wohl die radikalste Anwort auf den Lobbiistenstaat.

    was passierte mit all den Demonstranten, die damals für diesen Staat ihre Knochen hinhielten, und zum Dank kriminalisiert wurden ?

    Ob sie gegen das Endlager Asse demonstrierten, weil sie fest davon überzeugt waren, dass diese Lösung nicht sicher war,
    heute wissen wir,
    http://www.jungewelt.de/2008/09-06/057.php
    als man Demonstranten kriminalisierte,
    war den Betreibern bereits klar,
    dass diese im Recht waren.

    Im nachhinein haben die Idealisten ihr Leben und ihre Karriere verpfuscht,
    und die Mitläufer und Profiteure ein schönes Leben gehabt.

  9. #8
    antibes
    Avatar von antibes

    Re: RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

    Zitat Zitat von DisainaM",p="632826
    Im nachhinein haben die Idealisten ihr Leben und ihre Karriere verpfuscht,
    und die Mitläufer und Profiteure ein schönes Leben gehabt.
    Richtig. In dieser Zeit haben einige Idealisten ihre Karriere und weitere Lebensziele verpfuscht.

  10. #9
    Avatar von DisainaM

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    Re: RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

    Fischer und Co waren deshalb die Ausnahmen,
    sie durften sich an den Diäten nähren,
    und hatten in der Zeit der Strassenkämpfe das Glück,
    ohne Vorstrafe da rauszugehen.

  11. #10
    Avatar von Conrad

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    Re: RAF, Eichingers gefälliges Historienspiel

    Zitat Zitat von DisainaM",p="632848
    Fischer und Co waren deshalb die Ausnahmen,
    sie durften sich an den Diäten nähren,
    und auch sonst jede Menge Mist als Vizekanzler und Aussenminister fabrizieren, obwohl er ja nur das ausführende Organ des Kanzlers Schröder war, welcher später zum Korrumpel Gazprom-Gerd wurde.

    In dieser Zeit wurden die Grundmauern für den neuen Überwachungsstaat gelegt, die Argumente dafür lieferte die RAF und Strassenkämpfer Joschka, der nachher lustigerweise zum Vizekanzler in Schlips und Kragen mutierte (White Collar Criminal) und kräftig mithalf, den Überwachungsstaat in die Tat umzusetzen. Gewollt hat er das natürlich nie, sagt er.... ;-D ...aber was soll er auch sonst sagen...

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