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Peak Oil, wir haben ein Problem !

Erstellt von resci, 05.04.2008, 06:40 Uhr · 47 Antworten · 4.557 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von resci

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    Peak Oil, wir haben ein Problem !

    Je knapper desto teurer. Gewinne durch Verknappung.

    Kriege ums Öl, wird Benzin bald rationiert an den Tankstellen ausgegeben um Gewalt zu verhindern, der Peak (Höhepunkt, Gipfel) der Ölförderung schon längst überschritten, die Politiker als Beruhiger und Lügner die der Wahrheit aus dem Wege gehen, wer sind die Gewinner, wer die Verlierer, sind wir auf diese Situation überhaupt vorbereitet ?

    Ein interessanter Bericht aus N-TV.de über die "Peak Oil"-Theorie


    Peak Oil
    Wir haben ein Problem!

    "Ein Ende der verfügbaren Ölvorräte ist in absehbarer Zeit nicht in Sicht", schreibt der Mineralölwirtschaftsverband in seiner "Prognose 2025". Das klingt beruhigend. Nicht auszudenken, wenn wir eines Tages ohne Öl dastünden. Oder ohne billiges Öl.

    Ungefähr die Hälfte des weltweit förderbaren Öls haben wir bereits verfeuert. Das sagt die Peak-Oil-Theorie. Rund 160 Jahre hat die Menschheit dafür gebraucht. Stimmt die Theorie, dann reicht das Öl gewiss keine weiteren 160 Jahre. Denn die Nachfrage ist seit dem Beginn des Ölzeitalters gewaltig gestiegen.

    Es gibt ein weiteres Problem: Wenn der Peak - der Gipfel - erreicht ist, fällt die Förderkurve ab. Das gilt für ein Ölfeld genauso wie für die Erdölförderung einer Region, eines Landes oder der ganzen Welt. Die Produktion sinkt bei steigender Nachfrage.

    Die Peak-Oil-Theorie stellt alles infrage. Öl ist die Grundlage unserer Art zu wirtschaften, uns zu bewegen, zu leben. Es ist der mit Abstand wichtigste Energieträger. Der Verkehr weltweit basiert zu rund 96 Prozent auf Öl. Eine Welt ohne Erdöl ist für die meisten Menschen nicht vorstellbar. Alle blicken wie gebannt auf die Ölpreise. Kaum jemand glaubt, dass das Öl immer knapper wird.

    Deutschland muss fast seinen gesamt Ölverbrauch aus Importen decken - durch die Pipeline "Druschba" (Freundschaft) kommt Öl aus Russland.
    Vielleicht liegt es an der Theorie. Peak Oil gehört zu jenen Themen, bei denen der Laie auf Experten angewiesen ist. Experten gibt es viele. Vergleichen wir ihre Standpunkte. Zunächst Rainer Winzenried, Pressesprecher von Shell International. Er sagt: "Was Öl und Gas betrifft, so ist der limitierende Faktor weniger die Verfügbarkeit der Rohstoffe. Den Unternehmen sind Grenzen gesetzt beispielsweise durch die begrenzte Verfügbarkeit an qualifiziertem Personal, Bohranlagen und Dienstleistungen sowie durch Kapazitätsengpässe im Anlagenbau."

    "Wenn der Druck steigt"

    Winzenried wirft der Peak-Oil-Theorie vor, sie blende "unkonventionelle Ressourcen" aus. Gemeint sind Ölsande, Ölschiefer und Tiefseevorkommen, die drei Hauptargumente der Mineralölwirtschaft gegen Peak Oil. "Wenn der Druck steigt, werden Technologien entwickelt, diese Vorkommen zu erschließen", sagt Winzenried. So sei es auch beim Nordseeöl gewesen.

    Wolfgang Blendinger ist sicher, dass Shell es eigentlich besser weiß. Früher hat er selbst für Shell gearbeitet. Heute hat er Deutschlands einzigen Lehrstuhl für Erdölgeologie inne und ist Vorsitzender der deutschen ASPO-Sektion. Die ASPO, die Association for the Study of Peak Oil and Gas, hat Peak Oil für 2010 errechnet. Die unkonventionellen Ölsorten wurden dabei ausdrücklich nicht berücksichtigt, betont Blendinger. Denn das Versprechen neuer Technologien sei nur Augenwischerei. "Diese angeblichen technischen Fortschritte sind alle längst bekannt." Seine Botschaft: "Es gibt keine Option auf die Zukunft."

    Ölsande werden im Tagebau abgebaut. Die Umwandlung in Öl ist teuer und energieaufwändig.
    "Eine desaströse Bilanz"

    Aber die Ölsande, das Tiefseeöl? "Die Energieeffizienz von Teersanden liegt etwa bei 50 Prozent: Man investiert einen Liter Öl, um zwei Liter rauszukriegen", eine "desaströse Bilanz". Kaum besser sehe es bei den Tiefseebohrungen aus: "Diese Felder liegen in mehreren tausend Metern Wassertiefe und sind im Vergleich zu den großen konventionellen Feldern meist relativ klein." Wenn dort überhaupt je die Förderung aufgenommen werde, "dann vergehen bis dahin mindestens fünf bis zehn Jahre. In der Zwischenzeit sind so viele konventionelle Vorkommen eingebrochen, dass uns das überhaupt nichts nützt."

    Auch Hans-Josef Fell glaubt nicht an die Versprechen der Erdölindustrie. Fell sitzt für die Grünen im Bundestag, er ist der energiepolitische Sprecher seiner Fraktion, Peak Oil ist sein Thema. Er kennt die Einwände. "Beispielsweise das Argument, wenn der Ölpreis steigt, werde intensiver nach Erdöl gesucht und irgendwo auch genügend neues Erdöl gefunden. Nur: Der Ölpreis ist gestiegen, und dennoch hat man in den letzten Jahren immer weniger Erdöl gefunden. Seit über 30 Jahren gehen die Funde zurück - wir leben heute von den großen Funden, die in den dreißiger und vierziger Jahren gemacht wurden."

    Peak Oil als Verschwörung?

    Für manchen liegt es nahe, Peak Oil für eine Verschwörungstheorie von Öko-Ideologen zu halten. Wer das möchte, könnte auf Fell verweisen. "Die einzigen wirklichen Lösungen sind intensive Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeinsparungen. Anders wird man den Umbau nicht mehr in einer angemessenen Zeit hinbekommen." Den Klimawandel denkt Fell bei Peak Oil immer mit, Energiesicherheit und Klimaschutz sind für ihn zwei Seiten einer Medaille. "Mit erneuerbaren Energien gibt es keine Verknappung. Wenn wir die Techniken schnell entwickeln und ökonomisch ausbauen, bekommen wir den Klimaschutz gratis dazu." Es wäre jedoch zu einfach, beim Klimaschutz auf Peak Oil zu hoffen, sagt er. "Denn noch können wir bei der Kohle die Förderung etwas steigern, schätzungsweise noch bis 2015. Für das Klima wäre das verheerend."

    2007 stieg der Nettogewinn von Shell um 23 Prozent auf 31,3 Milliarden Dollar.
    Alles Ideologie? Wir fragen Hilmar Rempel, den stellvertretenden Leiter des Referats Energierohstoffe bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Die BGR ist eine nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, mithin höchst unverdächtig, ein Hort von Ideologen zu sein. Rempels dritter Satz im Interview: "Peak Oil kommt." Die Bundesanstalt erwartet das Fördermaximum für 2020.

    Gewinne durch Verknappung

    Die Peak-Oil-Theorie ist bereits mehrere Jahrzehnte alt. Ihren ersten Test bestand sie 1970, als die USA als erstes Öl-Land weltweit ihren Peak erreichten. Marion King Hubbert, ein Geologe aus der Forschungsabteilung der Shell, hatte dies 1956 vorausberechnet. Die Wege von Hubbert und Shell trennten sich später - bis heute hat das Unternehmen sich mit Peak Oil nicht anfreunden können.

    Kein Wunder, die Geschäfte mit dem Öl laufen gut. Der Shell-Sprecher sagt zwar, "am Ende des Tages bleibt bei den Energiefirmen gar nicht so viel hängen". Doch Mitleid wird man nicht haben müssen. 2007 stieg der Nettogewinn von Shell um 23 Prozent auf 31,3 Milliarden Dollar. "In der Verknappungsphase macht man die großen Gewinne", kommentiert Hans-Josef Fell lakonisch. "Später, wenn das Geschäft mit dem Öl nicht mehr möglich ist, kann man mit diesen Gewinnen ja in andere Unternehmenstätigkeiten einsteigen."

    Historisches Versäumnis: Peak Oil war für die deutsche EU-Präsidentschaft kein Thema.
    Der Gipfel der Ignoranz

    Was gut sein mag für Shell und Co., wird für den Rest der Welt zum Problem. Energiesicherheit ist für die Politik weltweit zwar ein großes Thema. Fast immer ist jedoch die Sicherung des Zugangs zu den Ressourcen gemeint, nicht die Vorbereitung auf die Verknappung. Bei Wolfgang Blendinger klingt ein ordentliches Maß an Fassungslosigkeit durch, wenn er sagt: "Je weniger Öl ein Land hat, umso lauter beteuert seine Regierung, dass es keine Schwierigkeiten gebe." Das gelte auch für die Bundesregierung: "Das sind ganz hartgesottene Brüder."

    Hans-Josef Fell bestätigt diese Einschätzung. "Ich habe mit vielen Regierungen über das Problem gesprochen, auch mit der deutschen. Es gibt dort überhaupt kein offenes Ohr." Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe muss sich solche Äußerungen möglicherweise verkneifen. "Ich komme gerade aus Berlin", erzählt Hilmar Rempel, "wir haben im Wirtschaftsministerium unsere jüngste Studie zum Thema vorgestellt. Zumindest ist kein großer Widerspruch gegen unsere Einschätzung erhoben worden." Euphorisch klingt das nicht.

    Was sind die Folgen? Hans-Josef Fell schätzt, man bräuchte "vielleicht zehn Jahre", um sich auf Peak Oil vorzubereiten. So optimistisch war Robert Hirsch nicht. Für das Energieministerium der USA schrieb Hirsch 2005 einen Bericht über die Folgen von Peak Oil. Darin entwarf er drei Szenarien: Die Verringerung der Abhängigkeit vom Öl beginnt zum Zeitpunkt des Peak, zehn Jahre vorher oder zwanzig Jahre vorher. Im ersten Fall hätte die Welt mehr als zwei Jahrzehnte "mit einem erheblichen Mangel an flüssigen Brennstoffen" zu kämpfen. Ein halbwegs sanfter Übergang wäre nur im dritten Fall möglich.

    Mit anderen Worten: Wir haben ein Problem.

    Egal, wie hoch die Spritpreise steigen - die Straßen bleiben voll.
    Mit Vollgas in den Peak

    Fell befürchtet "drastischen Wohlstandsverlust". Ein wenig hoffnungsvoll stimmt ihn immerhin, dass die Finanzwelt das Investment in erneuerbare Energien entdeckt hat. "Überall merkt man, dass es mit Kohle, Erdgas und Erdöl zur Neige geht und dass die Preise rasant steigen. Dadurch gerät die Ökonomie der Windkraft, der Solartechnik, der Biogasanlagen, der Wasserkraftwerke in den Fokus."

    Solchen Hoffnungen gibt Wolfgang Blendinger sich nicht hin. "Die Leute fahren 200 Meter bis zum Bäcker mit dem Auto, auf den Autobahnen wird gerast wie eh und je. Es gibt keinerlei Bewusstsein für die Schwierigkeiten, in denen wir stecken." Gerade beim Verkehr laufe jede Alternative zum Erdöl auf eine Einschränkung hinaus. Dazu sei die Gesellschaft nicht bereit. "Das Tempolimit beispielsweise ist völlig tabu. Bevor sich etwas ändert, müssten erst einmal Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einsehen, dass hier etwas schief läuft, das mit den üblichen Instrumentarien ´des Marktes´ nicht verhindert werden kann."

    Blendinger rechnet damit, dass Benzin und Heizöl früher oder später rationiert werden - schon um Ausschreitungen an den Tankstellen zu verhindern. Nur wenn es gelinge, das "Wachstumsdogma" zu überwinden, werde die Zukunft "gar nicht so schlecht" aussehen.

    Genau diesem Dogma ewigen Wachstums folgt die offizielle Position von Shell. "Es gibt noch jede Menge Kohlenwasserstoffe", sagt Rainer Winzenried, "so dass die Öl- und Gasproduktion insgesamt, also aus konventionellen und unkonventionellen Vorkommen, noch wachsen kann." Es gibt ein Zitat, das dem englischen Literaturnobelpreisträger Harold Pinter zugeschrieben wird und das hier ganz gut passt. "Die Zukunft ist die Ausrede all jener, die in der Gegenwart nichts tun wollen."


    resci

  2.  
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  3. #2
    Avatar von JT29

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    Re: Peak Oil, wir haben ein Problem !

    Zitat Zitat von resci",p="578859
    Egal, wie hoch die Spritpreise steigen - die Straßen bleiben voll.
    Das lernte ich in der ersten Vorlesungsstunde zhu Thema Volkswirtschaft: Der Benzinreis ist nicht elastisch.

    Und tatsächlich, bei 2 DM fahre nicht mehr, konnte man seinerzeit in der BILD lesen, gestern hab ich für 1.22 EUR in Frankreich drüben Diesel eingekauft .... die Autos fahren alle noch.

  4. #3
    Avatar von Samuianer

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    Re: Peak Oil, wir haben ein Problem !

    ... und darueber freut sich die Sprit Mafia ganz besonders, egal wie hoch des Menschleins beliebtestes Spielzeug... ich ab erst gar keins mehr, wuerde mir auch NIE mehr eins anschaffen, nur fuer geschaeftliche Zwecke...!

    Oel gibts es noch mindestesn bis 2050 reichlich, wenn dann auf "erneuerbare" Energie umgestellt wird, wird das dann etwa billiger?

    Die Preise werden mit der Nachfrage GENAUSO Steigen wie bisher!

    "Wachstum" heist das Zauberwort des Kapitals im 21. Jahrhundert weiterhin!

    Lasst euch nicht veraeppeln und fuer bloed verkaufen!

    Trinkwasser wird noch ein viel ergebnisreicheres Ding... faengt derzeit bei Nahrungsmittelns an, kann mit ALLEM an den Boersen 24Std. am Tag, rumgezockt werden, Zucker, Kaffee, Getreide, Nahrungsmittel-und Rohstoffe, die noch garnicht erzeugt wurden, koennen dort schon gekauft werden und somit die Preise manipuliert werden!

    Alles Gezocke!

    Mal sehen in einigen Laendern wird es unruhig, wenn das mal auf der Strasse, in den Slums der dritten Welt richtig verstanden wird, das die Reichen nicht einfach reich sind, sondern sie so arm dran sind weil.... dann kann es zumindest in den aermsten Gebieten der Welt ganz schnell mal rundgehen... auch hier..

    Schaut euch den Unicef Skandal an... Tiere im weissen Kragen!

    Ekelhaft dieser Raubtierkapitalismus!

  5. #4
    Avatar von soulshine22

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    Re: Peak Oil, wir haben ein Problem !

    Die Expertenmeinungen zum Thema "Peakoil" sind stark geteilt. Aber auch die Optimisten gehen davon aus dass in vielleicht 25 Jahren spätestens der Punkt erreicht ist.

    Ja Samuianer, gezockt wird wahrlich. Raubtierkapitalismus wie du es gesagt hast, so ist es. Noch dazu kann Öl nur aufgebraucht, nicht aber wie Weizen oder Zucker hergestellt. Noch ein Faktor der alles sehr unberechnbar werden lässt.

    Und die Teurungen betreffen nicht nur Benzinpreise. Klar auch die Flugpreise. Nicht nur die, sondern allgemein alle Konsumgüter, die irgendwann im Produktionsprozess auf Erdöl angewiesen sind. Das betrifft eine weite Palette.

    Noch problematischer wird es, dass mit den steigenden Energie(Rohöl)kosten auch das Wirtschaftswachstum sinken wird. Und man sollte auch nicht die Krisen und Konflikte vergessen die es dank dem absehbaren Ende dieses Rohstoffes bereits heute existieren und Millionen Menschen Not bringen oder gar das Leben kosten.

    Aber wenn man mit Leuten über Peakoil und diese Dinge spricht, kommt mir vor die Meinung "es gibt noch mehr als genug Öl und das wird schon nicht so schlimm" ist weit verbreitet.

    Was wird übrigens passieren wenn es kein Öl mehr gibt bzw. es einfach viel zu teuer ist (1000 Dollar pro Barrel oder so)? Würde man Zuckerrohr, Hanf oder andere alternative Möglichkeiten in betracht ziehen, kann wieder weniger Nahrung angebaut werden und es bringt weiteren Hunger für die Welt. Bin gespannt auf diese Welt in 40 Jahren

  6. #5
    Avatar von resci

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    Re: Peak Oil, wir haben ein Problem !

    Neues von Peak Oil,
    bei 135$ je Barrel schrillen immer noch keine Alarmglocken, bin mal gespannt, wann das Thema eigentlich ernstgenommen wird. Der Rohölpreis hat sich ein ein paar wenigen Jahren verzwölffacht und keinen juckts anscheinend so richtig. Beste Vorraussetzungen also das Schiff weiter aus Kollisionskurs zum Eisberg zu halten, der Schock allerdings wird dann umso gewaltiger sein.

    aus n-tv.de


    Energie-Experten warnen
    Die große Öl-Krise

    Von Martin Morcinek

    In einem überfüllten Nebenraum im Haus der Bundespressekonferenz skizzieren Energie-Experten ein Horrorszenario für Politik, Wirtschaft und Verbraucher. Draußen rauscht der Berliner Stadtverkehr. Drinnen spricht Werner Zittel, promovierter Physiker und Mitglied einer Gruppe unabhängiger Energie-Experten, vom Ende des Ölzeitalters: Die Hauptursache für die rekordhohen Ölpreise liege weder in lokalen Unruhen oder im Handeln undurchsichtiger Spekulanten, sondern schlichtweg darin, dass der Menschheit das Öl ausgeht: Die Weltwirtschaft habe die maximale Fördermenge für Rohöl bereits überschritten.

    Das ist zumindest das Ergebnis einer aktuellen Studie zur "Zukunft der weltweiten Erdölversorgung" der Energy Watch Group (EWG), einer unabhängigen Expertengruppe der Ludwig-Bölkow-Stiftung, die sich ökonomischen und technologischen Aspekten der Verfügbarkeit fossiler und erneuerbarer Energieträger widmet. Dr. Zittel tritt als Co-Autor der Studie auf. Zur Vorstellung der Studie nach Berlin kamen neben Zittel auch Volkswirt Josef Auer aus dem Research der Deutschen Bank, Aribert Peters als Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher und Axel Graf Bülow für den Bundesverband der freien Tankstellen. Mit auf dem Podium sitzt Hans-Josef Fell, Bundestagsabgeordneter der Grünen und Mitbegründer der Energy Watch Group. Fell war unter anderem maßgeblich am Erneuerbare-Energien-Gesetz beteiligt.

    Die Kernaussage der EWG-Studie, die Rohölförderung habe ihr historisches Maximum überschritten, birgt nicht wenig Brisanz. Öl ist der wichtigste Energieträger. Von seiner Verfügbarkeit hängt ab, zu welchen Preisen die Volkswirtschaften der Welt transportieren, heizen und produzieren können. Doch die Frage, wie viel Erdöl der Menschheit tatsächlich noch zur Verfügung steht, findet gegenwärtig noch unterschiedliche Antworten, die - je nach Interessenlage - weit auseinander liegen.

    Halbe Ölmenge bis 2030?

    Vor diesem Hintergrund haben die EWG-Autoren eine Studie erarbeitet, die sich der Frage der Ölversorgung über einen Zeithorizont bis ins Jahr 2030 widmet. Alarmierendes Ergebnis: Das weltweite Rohöl-Angebot wird künftig um einige Prozentpunkte jährlich zurückgehen. Bis zum Jahr 2020 ist demnach ein dramatischer Rückgang der weltweiten Ölförderung zu erwarten, bis 2030 könnte die weltweite Ölförderung bis auf die Hälfte sinken.

    Die Erfahrung der letzten Jahre habe gezeigt, so die EWG-Experten, dass in Ölregionen, die ihr Fördermaximum bereits überschritten haben, die Fördermenge dauerhaft sinke. Dies gelte selbst dann, wenn durch "nachträgliche Höherbewertungen" die Reserveangaben stiegen.

    Damit seien strukturelle Gründe für den Anstieg der Ölpreise verantwortlich. Hoffnungen auf ein "Platzen der Spekulationsblase" seien aussichtslos.

    Gelassenheit war gestern

    Mit den Ergebnissen ihrer Studie stellen sich die EWG-Experten bewusst gegen die Prognosen der Internationalen Energie Agentur (IEA): Nach den Hochrechungen der IEA steigt die weltweite Ölförderung bis 2020 von derzeit 81 Mio. Barrel (159 Liter) pro Tag auf 105 Mio. Barrel. Der Welt-Jahresverbrauch liegt derzeit bei rund 30 Mrd. Barrel. Auf Basis der Menge der bisher entdeckten Vorkommen und den Angaben zur bislang geförderten Ölmenge kommen die EWG-Experten in ihrer Studie dagegen auf einen Rückgang der Fördermengen auf 58 Mio. Barrel bis zum Jahr 2020.

    Bei den Angaben für das Jahr 2030 gehen die Prognosen von IEA und EWG sogar noch weiter auseinander: Während die IEA einen Anstieg der Fördermenge auf 116 Mio. Barrel pro Tag für möglich hält, rechnen die Autoren der Studie mit einem Rückgang auf 39 Mio. Barrel - mit den entsprechenden Folgen für Preis und Verfügbarkeit. Denn wenn in Förderländern wie Russland, China oder Brasilien der Eigenverbrauch zunehme, werde sich das Angebot auf dem Weltmarkt zusätzlich verknappen. Für die deutsche Wirtschaft könnte das bedeuten, dass Deutschland bereits im Jahr 2030 kein Öl mehr importieren kann.

    Gipfel der Förderung

    Um die Frage nach dem "Peak Oil" - dem historischen Maximum in der weltweiten Ölförderung - tobt seit mehreren Jahren ein erbitterter Streit. Ernstzunehmende Experten diskutieren dabei lediglich über den Zeitpunkt: Dass Erdöl eine endliche Ressource darstellt, die früher oder später verknappen wird, ist schließlich kaum zu bestreiten. Die Frage ist nur, wann dieser Zeitpunkt eintritt. Nach allen gängigen Markttheorien gilt als sicher, dass spätestens dann, wenn das Angebot mit der stetig wachsenden Nachfrage nicht mehr Schritt halten kann, der Ölpreis rapide ansteigt. Nach Einschätzung der EWG-Experten hat die Welt den Peak-Oil-Punkt 2006 überschritten.

    Mit dieser Einschätzung verlegen die Energieexperten den kritischen Zeitpunkt deutlich weiter nach vorne als bisher selbst öl-kritische Beobachter vorhersagen mochten. Ihren Pessimismus begründen die Autoren der Studie dabei mit einer "größeren Skepsis bezüglich der künftig möglichen Steigerung der Ölförderrate".

    Besonders die Angaben einiger Förderländer zu den Vorkommen vor den Küsten betrachten sie mit großen Zweifeln. Und auch bei der Kontinentalschelf- und Tiefseeförderung habe sich die angekündigte Erschließung neuer Felder bislang deutlich verzögert.

    Das Saugen an leeren Schläuchen

    Zudem deuten die historischen Daten der gemeldeten Ölfunde und des geförderten Volumens - aufgeschlüsselt nach Förderländern und Regionen - darauf hin, dass viele der großen Ölvorkommen bereits weitgehend erschöpft sind. Und weil die Ölbranche stets zuerst die großen, leicht erschließbaren Ölfelder anzapft, müssten nun vermehrt kleine oder schwerer zugängliche Vorkommen erschlossen werden. Doch je mehr kleine und oft auch schlechter zugängliche Felder angebohrt werden, desto teurer wird das geförderte Öl. Insgesamt steigt der Studie zufolge damit nicht nur der Kostendruck, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der die Fördermenge eines Landes oder einer Region zurückgeht.

    Zu den Fördergebieten, die ihr Maximum in den vergangenen zehn Jahren vermutlich überschritten haben, zählt die Studie Großbritannien (1999), Oman (2001), Norwegen (2001), Mexiko (2004), Nigeria (2005), Saudi-Arabien (2005), Kuwait (2006), die Vereinigten Arabischen Emirate (2006) und Russland (2007). Deutschland erreichte den Peak bereits 1967.

    Fatale Signale

    Damit fügt sich ein bislang offensichtlich weitgehend verdrängtes Argument ins Bild der ständigen Rekordmeldungen von den Ölmärkten. Nach Meinung der Energy Watch Group reichen die oft kolportierten Erklärungsansätze - Hinweise auf lokale Unruhen, Streiks oder kurzfristigen Spekulationen - für den derzeitigen Ölpreisanstieg längst nicht mehr aus. Das einzig tragfähige Argument ist für Hans-Josef Fell die schlichte "Endlichkeit der Ressource Öl".

    Die nun vorliegende Studie bezeichnet Fell als "eine exzellente wissenschaftliche Erklärung für den stark steigenden Erdölpreis". Unter anderem habe die Internationale Energieagentur "über Jahre und Jahrzehnte die ebenso falsche wie fatale Botschaft ausgesendet, es gebe auf lange Sicht genügend Öl und die Preise blieben niedrig". Dies habe sich mittlerweile als falsch erwiesen.

    "Ein verdrängtes Problem"

    Mit der Aussage "Peak Oil ist jetzt" steht die EWG-Studie im Widerspruch zu der vorherrschenden Meinung der großen Forschungsinstitute, die bis auf weiteres keinen Mangel auf den Ölmärkten erwarten. Zu Recht betonen die EWG-Experten, dass keine der bisher verfügbaren Prognosen die aktuelle Preisentwicklung auch nur annähernd vorhergesagt hat.

    Während in Berlin die Studie der Energy Watch Group vorgestellt wird, überspringt der US-Ölpreis erstmals die Marke von 130 US-Dollar. Der Energiemarkt-Analyst der Deutschen Bank, Josef Auer, meint dazu, dieser Preis sei "nicht das Ende einer Entwicklung, sondern eher der Anfang vom Ende". Auf die Prognosen der etablierten Institute könne man sich nicht verlassen.

    Fell wirft der Bundesregierung vor, für sie sei die Endlichkeit der Ölreserven ein "verdrängtes Problem". Der Verweis auf Spekulanten sei ein hilfloser Erklärungsversuch für die Verzehnfachung des Rohölpreises seit 1998.

    Von dem Anstieg des Ölpreises sind laut Fell vor allem die ärmeren Länder und die ärmsten Bevölkerungsschichten betroffen. Erdöl und Erdölexperte würden zu Luxusgütern. Dadurch gerieten die privaten Haushalte ebenso wie die Staatshaushalte der Öl-Importländer zunehmend unter Druck.

    Den einzigen Ausweg aus der Misere einer weltweiten Ölknappheit sieht Fell im sofortigen Handeln in Richtung eines Öl-Ausstiegs. Die Erneuerbaren Energien hätten in den letzten Jahren immense Fortschritte bei Technik und in der Frage der Kostensenkung gemacht.

    In diese Kerbe schlägt auch Energieanalyst Auer: "Das Gebot der Stunde heißt, alle verfügbaren Hebel zu nutzen: Diversifikation der Energieträger und Technologien sowie Mobilisierung aller Strategien zur Einsparung und Effizienzsteigerung."

    Das Fazit der Studie liegt auf der Hand: Wenn die Ölförderung künftig jährlich zurückgeht, kann das Angebot selbst bei einem gleichbleibenden Weltölverbrauch nicht ausgeweitet werden. Dramatische Probleme bei der Ölversorgung in den kommenden zwei Jahrzehnten sind jetzt schon absehbar. In ihrer Studie warnen die Experten vor einer "Versorgungslücke", die "kaum durch die wachsenden Beiträge anderer fossiler, nuklearer oder alternativer Energiequellen geschlossen werden" könne.

    Im Klartext: Wenn die Schlussfolgerungen der Studie zutreffen, dann steuert die Welt in eine beispiellose Energiekrise. Es ist eine Frage der Zeit.

    resci

  7. #6
    Avatar von siajai

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    Re: Peak Oil, wir haben ein Problem !

    Oel gibts es noch mindestesn bis 2050 reichlich
    Schon, nur die Technik reicht nicht aus, um es zu fördern.

    Ölpreis: American Airlines kürzt Inlandsflüge
    Fort Worth (Texas) - Angesichts immer neuer Ölpreis-Rekorde streicht die weltgrößte Fluggesellschaft American Airlines ihre Flüge in den USA massiv zusammen. Bis zu zwölf Prozent der Verbindungen im Inland sollen zum vierten Quartal wegfallen.

    http://magazine.web.de/de/themen/fin...-Inlandsfluege

    Ölpreis gefärdet Deutsche Konjunktur

    http://www.rp-online.de/public/artic...onjunktur.html

    US-Lagerbestände überraschend zurückgegangen
    In der grössten Volkswirtschaft der Welt sind die Vorräte an Rohöl nach Angaben des US-Energieministeriums um 5,4 Millionen Barrel auf 320,4 Millionen Barrel gesunken.

    http://moneycab.presscab.com/de/templates/?a=48677&z=2

    Die Merkel war doch u.a. in Venezuela, dieses Land belieferte doch noch vor kurzen die USA und machte dann plötzlich die Pipelines dicht.
    Irgendwas tut sich da und es wäre wünschenswert, wenn die Regierung noch die Kurve, mit zB Energien aus Sonne Wasserkraft und Wind, kriegt.

    ...............

  8. #7
    Avatar von J-M-F

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    Re: Peak Oil, wir haben ein Problem !

    schon mal drüber nachgedacht das dieser ölpreis politisch gewollt ist?

    um die schwellenländer runterzudrücken

  9. #8
    Avatar von Dieter1

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    Re: Peak Oil, wir haben ein Problem !

    Zitat Zitat von J-M-F",p="592190
    schon mal drüber nachgedacht das dieser ölpreis politisch gewollt ist?

    um die schwellenländer runterzudrücken
    Ich halte die ganze Diskussion fuer wenig geistreich, weil ich nicht an irgendwelche Untergangsverschwoerungstheorien glaube und weil die Produktion von Benzin etc. schon seit 60 Jahren auch auf synthetischem Weg moeglich ist.

    Die Theorie von JMF halte ich allerdings fuer in sich unlogisch. Welcher Kaufmann unterdrueckt denn seine Absatzmaerkte?

  10. #9
    Avatar von Samuianer

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    Re: Peak Oil, wir haben ein Problem !

    Vor allem "Schwellenlaneder", Irak, Iran, die VAE, Saudi Arabien... etc. machen den Mega Deal und Kohle ohne Ende!

    Z.Zt. melden ich Emirate die bis vor wenigen Jahren noch im Wuestensand versunken waren mit Reise-und Investitionswerbung!

    Die Einnahmen der Produktionslaender haben sich fuer die gleiche Ware in schwindleerregende Hoehen gespult.

    Die waeren ja bescheuert die Preise zu senken, solange die bezahlt werden!

    4 Autofreie Sonntage/Wochenenden im Monat, Karre an den Feiertagen stehen lassen, soviel und so oft wie moeglich das Fahrrad benutzen und die Preise werden purzeln!

    Mich wundern nur die Flugpreise, die haben sich reell, seit 30 Jahren eigentlich verguenstigt oder nicht bedeutend bewegt!

  11. #10
    Avatar von Shuai_ran

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    Re: Peak Oil, wir haben ein Problem !

    IMHO ist der Peak-Oil zumindest teilweise eine Panikmache durch die Medien/Politiker. Das ist nichts neues - die Russen sind nicht gekommen und der Wald ist nicht gestorben. Wenn das Klima sich nicht wandelt, dann wird wohl eine weitere interessante Story aufgegriffen.

    Fakt ist: Die Nachfrage nach Benzin/Öl ist zur Zeit im unelastischen Bereich. Ich bezweifle aber, dass die ganze Nachfragekurve unelastisch ist - irgendwann ist die Schmerzgrenze erreicht und dann wird die Nachfrage deutlicher nachlassen.
    Hinzu kommt, dass die grossen Ölfirmen und Ölexporteure selber daran interessiert sind, Alternativen zum Erdöl zu finden - ich glaube nicht, dass sie einfach darauf warten, bis die Konkurrenz eine Alternative zu Erdöl entwickelt und sie plötzlich mit leeren Händen dastehen.
    Langfristig wird das Erdöl durch neue Produkte/Technologien substituiert.
    Eine ähnliche Situation gab es schon im 19 Jh. in Grossbritanien: Der britische Ökonom und Philosoph William Stanley Jevons warnte davor, dass die britische Wirtschaft durch die Verknappung von Kohle (für Dampfmaschinen) durch eine Energiekrise bedroht werde. Dies ist nicht eingetreten - und IMHO stehen die Chancen gut, dass auch die "Erdölkrise" von Markt (durch technische Innovationen) gelöst werden wird. Die Scheichs bauen jetzt schon u.a. eine Tourismusindustrie auf, um nicht nur von Öl abhängig zu sein - da die Touristen auch transportiert werden müssen, wird wohl der eine oder andere Öldollar in die Entwicklung neuer Technologien zur Energiegewinnung fliessen. Auch Norwegen gibt die Einnahmen der Ölförderung nicht einfach aus, als ob das Öl ewig fliessen würde, sondern legt das Geld an. Und die grossen Erdölfirmen wissen, dass bei massiven Preissteigerungen die Nachfrage sinken wird bzw. Alternativen (bzw.deren Entwicklung) attraktiver werden.
    Noch ist der Ölpreis nicht hoch genug, dass genug Geld und Energie in die Entwicklung von Alternativen fliesst. Aber IMHO kann man sich da durchaus auf die Kraft des Marktes verlassen, wenn der Ölpreis hocgh genug ist.

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    Letzter Beitrag: 04.08.05, 13:48
  5. SIE HABEN IHN !!!!
    Von kraph phom im Forum Sonstiges
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    Letzter Beitrag: 18.03.05, 02:26