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OECD Studie - Deutschland zwingt sich zum Einwanderungsland

Erstellt von DisainaM, 18.09.2007, 16:04 Uhr · 1 Antwort · 816 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von DisainaM

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    OECD Studie - Deutschland zwingt sich zum Einwanderungsland

    Die neue OECD Studie belegt, dass in Deutschland nur noch 22% der 25 bis 32 jährigen Menschen ein Hochschulstudium abschließen.

    Einfacher gesagt: Deutschland steht vor einem enormen Fachkräftemangel, da die Nachfrage steigt und das Angebot knapper wird. Auf 100 an Fachhochschulen und Hochschulen ausgebildete Ingenieure, die heute 55 bis 64 Jahre alt sind, kommen nur 90 junge Absolventen. In den 19 OECD-Ländern liegt der Schnitt dagegen bei 190 jungen Ingenieuren. Die schlechte Position Deutschlands im internationalen Vergleich sieht auch im Schnitt aller Studienrichtungen nichtbesser aus: Liegt das Verhältnis im Mittel bei 100 zu 230, kommen in Deutschland gerade mal 120 Absolventen auf 100 ältere Akademiker, die demnächst in Rente gehen werden. Und das, obwohl immer mehr Hochqualifizierte gebraucht werden.
    Aufgrund dieses Versagens in der Fachkräfteausbildung zwingt sich Deutschland in die Position, die Fachkräftenachfrage durch Einwanderungsangebote zu lösen.

    Da aber es bereits einen weltweiten Wettbewerb um Einwanderungsangebote für Fachkräfte gibt,
    ist zu befürchten, dass immer mehr deutsche Betriebe gezwungen werden, die nicht zu befriedigende Nachfrage auf dem Inlandsmarkt,
    durch Betriebsstandortverlagerungen ins Ausland zu lösen.
    (kommen die ausländischen Fachkräfte nicht nach Deutschland,
    müssen deutsche Firmen in die Heimatländer der Fachkräfte gehen.)

    Das Problem bei diesem Aderlass,
    der Job eines Facharbeiters schafft die Basis, für 4 Jobs von normal-qualifizierte Arbeiter.
    Geht also eine Firma ins Ausland, werden im Ausland überproportional viele Jobs im normal-qualifizierten Bereich geschaffen,
    während in Deutschland die freigesetzten normal-qulifizierten den Arbeitsmarkt belasten.

    In der momentanen gesellschaftlichen unsicheren Lage, ist es für viele Jugendliche wichtiger, schnell zu einem Beamtenjob, oder einer schnellen Lehre mit Geldverdienst zu kommen,
    als viele Jahre mit ungewissem Ausgang zu studieren.

    Demgegenüber steht die deutsche Wirtschaft, die immer weniger Jugendliche ausbildet,
    aber dafür immer stärker die Politik unter Druck setzt,
    entweder sich im internationalen Abwerbungswettbewerb richtig zu positionieren, oder mit den Folgen der Betriebsabwanderung zu rechnen.

    Da die Politik schon lange nicht mehr die Wirtschaft bestimmt, indem sie durch gesetzliche Rahmengestaltungen eine Entwicklung fördern kann,
    sondern dazu verdammt ist, zu reagieren, weil im internationalen Wettbewerb die Spirale immer schneller dreht,
    kommt die Warnung der OECD zur rechten Zeit.

    Es macht keinen Sinn, eine Haushaltskonsolidierungspolitik als das oberste politische Ziel zu realisieren,
    doch durch dieses todsparen auf dem Bildungssektor zu riskieren,
    das sich die ohnehin schon schwindende jugendliche Bevölkerung, durch mangelnde Qualifizierung, zu einem Heer von Billigarbeitskräften und Hilfeempfängern transformiert.

    Akademiker als Wirtschaftsfaktor

    „Eine leistungsfähige tertiäre Ausbildung ist ein strategischer Faktor für wirtschaftliches Wachstum und sozialen Fortschritt. In diesem Bereich gibt die internationale Position Deutschlands einigen Anlass zur Sorge“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Präsentation der Studie.
    Die Gründe für die schlechte Studierendenquote in Deutschland sehen die OECD-Wissenschaftler zum einen in der demografischen Entwicklung, die in Deutschland die Erwerbsbevölkerung schneller schrumpfen lasse als in anderen OECD-Ländern. Zum anderen hängt in Deutschland auch die Hochschulbildung vom Elternhaus ab: Der Anteil von Akademikerkindern unter den Studierenden ist in Deutschland 2,2-mal so hoch, wie es ihrem Bevölkerungsanteil entsprechen würde. In Irland hat es nahezu keine Bedeutung, ob die Eltern studiert haben. Die Lösung des Problems liegt nach Meinung der Bildungsforscher, wie schon in der Pisa-Studie immer wieder gefordert, in einem Umbau des Schulsystems: „Kinder werden hierzulande bereits mit zehn Jahren auf unterschiedliche Bildungswege verteilt. Wer aus einer benachteiligten Familie kommt, wird dabei eher auf einen Bildungsweg geleitet, der eine geringere Leistung erwarten lässt. Dies spiegelt sich auch im vergleichsweise schlechten Abschneiden von Schülern mit Migrationshintergrund wider“, sagte OECD-Generalsekretär Gurría.

    Mehr Geld, weniger Angst vor Arbeitslosigkeit

    Ein Studienabschluss wird in Deutschland immer mehr zum Erfolgsrezept: Akademiker verdienen nicht nur deutlich besser (56 Prozent), sondern haben auch ein wesentlich geringeres Risiko, arbeitslos zu werden. Für Geringqualifizierte hat sich zwischen 1991 und 2005 die Arbeitslosenquote fast verdreifacht, von 7,4 auf 20,2 Prozent. Gerade ältere Arbeitnehmer trifft dieser Trend zunehmend.

    Leichte Entspannung erhoffen sich die OECD-Wissenschaftler in den kommenden Jahren von der Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge, denn diese versprechen zumindest eine höhere Abschlussquote. 92 Prozent derjenigen, die ein solches Studium aufnehmen, machen auch einen Abschluss. Bei den klassischen Diplom-, Magister- und Staat5examensstudiengängen sind es nur 65 Prozent.
    In dem Zusammenhang interessant,
    hätte Deutschland sein hohes Universitätsniveau schneller abgesenkt,
    und dadurch mehr Studierende einen Abschluss verschafft,
    stände es besser dar.

    Da das bekannte deutsche Hochschulsystem eine hohe Allgemeinkompentenz von Wissen aus einem Fachgebiet vermittelt,
    haben sich andere europäische Universitäten aufgrund eines Wettbewerbes längst umgestellt.
    Durch eine frühe Spezialisierung wurde dem Studierenden nur der Stoff eines begrenzten Fachgebietes vermittelt,
    und durch ein kurzes Studium mit hoher Abschlußquote kamen so von den anderen Universitäten Absolventen mit 23 Jahren auf den europäischen Arbeitsmarkt.
    Während ein deuscher Absolvent mit seinen 28 Jahren ein hohes Allgemeinwissen in seinem Studium erlernen mußte,
    (Beispiel, er wußte nicht, welches von 12 Fachgebieten bei der Prüfung dran kommt, also mußte er alle lernen,
    - sind seine europäischen Kollegen mit dem Vorteil, das sie sich nur auf dieses eine Fachgebiet vorbereiten mußten,
    in die Prüfung gegangen)

    Nun also produziert unser fachlich fundiertes Studiumsystem einfach zuwenig Absolventen,
    und zwingt unsere Wirtschaft, um an ausländische Fachkräfte heranzukommen.

    http://www.focus.de/wissen/campus/oe...id_133140.html

    ps.

    Das Ausbildungsproblem spielt sich jedoch auch im Handwerk ab.
    Dort haben die Handwerkerinnungen in ihren Regionen alle möglichen beschränkungsauflagen durchsetzen können,
    um ihre Konkurenz zu beschränken,
    doch die Folge, dadurch gibt es auch weniger Stellen, wo potentiel ausgebildet werden kann.

    So haben wir die skurille Situation, das Jugendliche, ohne Lehrstelle, aber mit Leistungsbereitschaft,
    mehr geholfen ist,
    wenn sie von europäischen Ausbildungsprogrammen im Schnelldurchlauf profitieren,
    um dann nach einem 6 monatigen Schnellkurs mit einem polnischen Diplom zur Frisöse zurückzukommen, welches aufgrund der EU Gesetze ebenfalls in Deutschland anerkannt werden muß.
    Dies passt bestimmt nicht dem örtlichen Handwerk,
    doch sind die Folgen dieser jahrzehntelangen Interessenpolitik der jeweiligen Handwerkerverbände einfach unverantwortlich gegenüber einer Jugend, die ohne Lehrstelle zur Hartz4-Armee geschickt wird.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Leipziger

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    Re: OECD Studie - Deutschland zwingt sich zum Einwanderungsl

    Hallo DisainaM

    Das Problem bei diesem Aderlass,
    der Job eines Facharbeiters schafft die Basis, für 4 Jobs von normal-qualifizierte Arbeiter.
    Genau so ist es , z.B. um nur einen kleinen Handwerksbetrieb erfolgreich zu führen ist ein IQ von 105 oder höher nötig..............die Angestellten können etwas darunter liegen , ist nicht ganz so schlimm .

    Darum wird auch mit zunehmender vergreisung/verblödung der Gesellschaft die Zahl der Beschäftigungslosen trotz immer kleiner wertenden Jahrgänge nicht abnehmen sondern eher noch steigen....................


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