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Kampfsport

Erstellt von FarangLek, 15.06.2004, 17:26 Uhr · 44 Antworten · 2.419 Aufrufe

  1. #31
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Kampfsport

    @Kleiner Farang
    Weißt du ein bisschen über die Geschichte von Teakwando?
    Vielleicht hilft dir diese kleine Abhandlung weiter, die ich vor einigen Jahren verfasst habe:

    Taekwon-do ist eine Budosportart, die aus Korea stammt.
    Nach der ursprünglichen Definition von "Budo" zählen eigentlich lediglich die (Kampf)künste, deren Ursprung in Japan liegt, zu den Budotechniken. Zwischenzeitlich wird der Begriff Budo jedoch weiter ausgelegt und alle Kampfsportarten aus Ostasien gehören zu den Budosportarten; also auch Taekwon-do.

    Taekwon-do ist koreanisch.

    "Tae" heißt: Treten oder Schlagen mit dem Fuß.
    "Kwon" heißt: Schlagen oder Stoßen mit der Hand.
    "Do" heißt: Der Weg.

    "Taekwon-do" bedeutet demnach: "Der Weg, mit Füßen und Händen zu schlagen und zu stoßen", also:
    Die Kunst des Fuß- und Handkampfes.

    Die Ursprünge des Taekwon-Do lassen sich in Korea bis in das 1. Jahrhundert vor Christus zurückverfolgen. Schon während der drei Königreiche "Silla", "Koguryo" und "Baek-je" gab es verschiedene Formen des Faustkampfes (Soo-bak-gi) und des Fußkampfes (Taek-kyon). Während der Silla-Dynastie (668-935 n. Chr.) gelangten diese Kampfkünste durch die militärische Elitetruppe "Hwa-rang-do" zu sehr hohem Ansehen.
    Im Laufe der Zeit gerieten diese Kampfkünste jedoch mehr und mehr in Vergessenheit.
    Während der Zeit der japanischen Besatzung Koreas (1909 - 1945) war die Ausübung dieser Techniken sogar verboten.
    Als dann im Jahre 1946 die koreanische Armee neu gegründet wurde, begann ein junger damaliger Oberstleutnant namens "Choi-hong-hi" damit, aus den ihm bekannten Kampfkünsten "Taek-kyon", "Soo-bak-gi" und dem japanischen "Karate", ein neues Kampfsystem zu schaffen.


    General Choi-hong-hi

    Choi-hong-hi, der am 09. November 1918 in Hwa-dae in Korea geboren wurde, war als Kind körperlich recht schwach, zeichnete sich jedoch durch eine große Willenskraft aus.
    Er studierte Kalligraphie bei einen der damals bekanntesten Lehrer, Han-ii-don. Dieser Han-ii-don war nicht nur Kalligraph, sondern auch ein guter Taek-kyon Kämpfer. Er sorgte sich um die schwache Konstitution seines Schülers (Choi-hong-hi) und begann daher, ihn auch in dieser Kampfkunst zu unterrichten.
    1937 traf Choi-hong-hi in Kyoto (Japan) mit dem Karate-Meister Kim zusammen. Dieser unterrichte Choi-hong-hi im Karate und nach nur zwei Jahren erreichte Choi-hong-hi den 1. Dan-Grad in dieser Sportart.
    Während des 2. Weltkrieges wurde Choi-hong-hi inhaftiert. Während dieser Haftzeit begann er ein neues Kampfsystem zu entwickeln, welches Techniken des "Taek-kyon", "Soo-bak-gi" und dem japanischen "Karate" beinhaltete. Seine Zellengenossen und auch einige Wärter wurden zu seinen Schülern.
    Nach seiner Befreiung (1945) ging Choi-hong-hi nach Seoul, wo er ein Jahr später in die neu gegründete koreanische Armee eintrat. In seiner Zeit in der Armee entwickelte Choi-hong-hi seine Kampfkunst weiter und begann auch seine Soldaten hierin zu unterrichten.
    Viele der alten unbrauchbaren Techniken wurden abgeschafft. Neue Techniken wurden entwickelt. Die Entwicklung dieser neuen Kampfkunst dauerte 9 Jahre und sie wurde schließlich 1955 unter dem Namen
    "Taekwon-do"
    der Öffentlichkeit vorgestellt und endgültig in das Ausbildungsprogramm der koreanischen Armee aufgenommen.
    Zwei Schulen für dieses Kampfsystem wurden gegründet; der "Oh-do-kwan" (Übungshalle meines Weges) für die militärische Ausbildung und der "Chong-do-kwan" (Übungshalle der blauen Welle) für die Zivilbevölkerung.
    "Taekwon-do" verbreitete sich sehr schnell in Korea.
    Im Jahre 1959 bereiste Choi-hong-hi mit einigen seiner Schüler verschiedene Länder des Fernen Osten, um die neue Kampfkunst auch außerhalb Koreas bekannt zu machen. Der Erfolg war überwältigend. Neue Teams wurden zusammengestellt und Choi-hong-hi stellte mit ihnen seine Kampfkunst auch in Amerika, Europa und im Nahen Osten vor.
    Ein solches Demonstrationsteam zeigte erstmals im Oktober 1965 Taekwon-do in Deutschland.
    Danach ging es Schlag auf Schlag:

    Oktober 1965: Erste Vorführung von Taekwon-do in Deutschland.
    1966 wurden in Deutschland die ersten Taekwon-do Vereine und der erste deutsche Taekwon-do Verband gegründet (heute: ITF-Deutschland e.V.).
    Am 22. März 1966 wurde in Seoul die "International Taekwon-do Federation (ITF)" gegründet, der bis heute etwa 150 Landesverbände angehören.
    Im Jahre 1967 wurde die erste Deutsche Meisterschaft durchgeführt.
    1972 verlegte Choi-hong-hi das Hauptquartier der ITF nach Toronto (Kanada)
    Am 20.6.1981 wurde die Deutsche Taekwondo Union (DTU) in Frankfurt gegründet.
    1985 zieht die ITF um nach Wien (Österreich).

  2.  
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  3. #32
    Avatar von UweFFM

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    Re: Kampfsport

    Zitat Zitat von Mang-gon-Jai",p="143236
    @Micha-Dom
    Bei den mir näher bekannten Kampfsportarten (Judo, Ju-jutsu, Karate, Aikido, Kendo und Taekwon-do) weiß ich es mit Sicherheit!
    Mang-gon Jai
    @Mang-Gon-Jai
    du bist ja ganz schön fleißig. Hast du ne feuchte Wohnung?
    Oh Gott und ich mache beim Kendo alles verkehrt. Ich habe gar keinen Gürtel um, dafür aber einen bunten Do. Zählt das auch?
    Hach was waren das früher noch für einfache Zeiten bei Miyamoto Musashi: Die Kontrahenten konnten ohne jegliche Kennzeichnung gegeneinander antreten, einer blieb am Leben und war somit der unbestrittene Sieger.
    @Kleiner-Farang
    du hast mit Judo aufgehört weils zu sehr anstrengt?
    Bad news: Ausnahmslos alle Kampfsportarten, die ich kenne strengen an, haben anfangs oft monotone Bewegungsabläufe und machen eher wenig Spaß. Der kommt erst nach einer ganzen Weile.
    Karate - langweilige Grundschule mit ungewohnt tiefem Stand
    Judo - Fallschule, macht auch erst Spaß beim Randori
    Kendo - oje das besteht für einen Schüler aus 3 Grundtechniken (Schlag zum Kopf, Handgelenk, Brust), die durch ständige Wiederholungen automatisiert werden sollen. Thats all für die ersten Jahre, dann kommt noch ein Stich zum Hals dazu.
    Muay Thai - endlich etwas Thailandbezug, Schlag -und Tritttechniken werden recht zügig am Sandsack ausgeführt nach einigen Trockenübungen.
    Tja, vielleicht ist Mikado doch eher geeignet? ;-D Gruß Uwe

  4. #33
    Avatar von Nokgeo

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    Re: Kampfsport

    Hab mir nur die 1ste Seite angeschaut...

    Das K1 aus dem Eurosportkanal nehm ich ...wenn ichs nicht vergesse
    regelmässig auf VCD auf...mein Schwiegervater in spe ( ca.78 J. alt)
    in TH. ,freut sich immer, wenn er das gucken kann. smile.

  5. #34
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Kampfsport

    Hach was waren das früher noch für einfache Zeiten bei Miyamoto Musashi: Die Kontrahenten konnten ohne jegliche Kennzeichnung gegeneinander antreten, einer blieb am Leben und war somit der unbestrittene Sieger.
    Nein, gerade zur Zeit von Miyamoto Musashi, also unmittelbar nach der Schlacht von Sekigahara, wurden die farbigen Gürtel (allerdings nur 3 Farben) für das Training eingeführt. Die hohen Verluste auf beiden Seiten wurden nämlich auf falsche Übungskonzepte zurückgeführt und die Daimios waren durchaus daran interessiert, nicht zu viele Leute (schon während der Übungskämpfe) zu verlieren.
    In echten Schlachten gab es ebenfalls farbige Gürtel, denn nicht alle Kämpfer trugen Rüstungen. Diese Gürtel hatten allerdings einen anderen Sinn. Sie zeigten die Zugehörigkeit zu verschiedenen Regimentern an.

    Gruß

    Mang-gon Jai

  6. #35
    Avatar von UweFFM

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    Re: Kampfsport

    @Mang-Gon-Jai
    mir sind beim Kendo-Training noch keine bunten Gürtel aufgefallen, um die Graduierung zu erkennen.
    Naja ich bin kein Experte, bei uns tragen manche ja noch nichtmal Unterhosen unter dem Hakama. ;-D
    Du bist nicht allein, es gibt noch mehr [s:932b6f6c8d]Verrückte[/s:932b6f6c8d] Interessierte, die sich für so olle Schlachten interessieren.
    Samowars - da ist die erwähnte Schlacht mit dabei, der Werner meint das ernst.
    Ich frag mich nur was eure Mias davon halten, ob die glauben, das Männer mal erwachsen werden? Gruß Uwe

  7. #36
    Avatar von Azrael

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    Re: Kampfsport

    Micha-Dom

    Also erstmal vorweg, ich vermische hier überhaupt nichts selbst. Nur weil man etwas nicht kennt oder in der Lage ist es zu erfassen (mangels Praktik), bedeutet dies nicht zwangsläufig dass es nicht existiert.

    „die Freiheit des Ganzen und absoluter Gehorsam in der Family und Staat.“

    Simpel zu erklären, das eine bezieht sich auf die Technik, das andere auf das Unterrichtsverhältniss.

    „Im „Boxeraufstand“ vor über 100 Jahren wurden viele „Unbesiegbare Meister“ einfach niedergeschossen.“

    Ja, weist du, auch Kampfkunst macht einen nicht kugelsicher.

    „Ich lehne farbige Gürtel ab.“

    Bei uns gibt es so etwas erst garnicht.

    Ein paar Hintergrundinfos:

    "Wing Tsun ist eine chinesische Kampfkunst. Genauer gesagt handelt es sich um einen weichen Kung-Fu-Stil. Weich heißt nun nicht, daß es sich beim Wing Tsun, im folgenden kurz WT genannt, um einen Stil für Weichlinge oder Moorhuhnschützer handelt. Weich heißt nur, daß ich nicht versuche mit Kraft gegen Kraft zu arbeiten(z.B. bei einer Blocktechnik), sondern versuche der Kraft des Gegners auszuweichen und die Kraft für mich auszunutzen. Man braucht also keine Kraft um sich erfolggreich zu verteidigen, obwohl es natürlich auch nicht schaden kann, wenn man Kraft hat, sofern es die richtige Kraft ist. Außerdem gibt es im WT keine artistischen Einlagen wie zum Beispiel Sprungtritte und ist deshalb für jede Altersklasse geeignet. WT ist kein Sport sondern reine Selbstverteidigung. Es gibt also keine Regeln und keine Einschränkungen der Art, daß bestimmte Schläge oder Tritte verboten sind oder daß man auf Angriff X mit Technik Y reagieren muß/soll. Im WT ist das nur am Anfang so, da man ein bestimmtes und solides Grundgerüst benötigt. Ansonsten läuft das Training darauf hinaus zu fühlen, was der Gegner vorhat und dann entsprechend zu reagieren. Mit "fühlen" ist nun nichts esoterisches im Sinne von Telepathie oder so gemeint, sondern etwas rein physisches. Wird man angegriffen, so stellt der/die WT-Kämpfer/in zunächst Kontakt zu dem Angreifer her und fühlt in welche Richtung der Angreifer zum Beispiel mit seinem Fauststoß drückt, um dann in angemessener Weise zu reagieren. Das heißt der Angreifer selbst teilt uns mit was wir als Verteidiger zu tun haben. Zur Charakteristik des Stils kann allgemein gesagt werden, dass alle Techniken auf ihre Wirkung hin maximiert worden sind. Die Bewegungen sind meist gradlinig und kurz. Der Einsatz von Kraft ist differenziert zu anderen Kung Fu-Stilen zu sehen: es wird in der Regel keine reine Muskelkraft verwendet, sondern eine Mischung aus Gewichtsverlagerung (Schrittechniken), spontaner Gelenksbewegung (so genannter Peitschenkraft) und einem kleinen Anteil von Muskelkraft. Die Kraft des Gegners wird durch die Anwendung von Winkel- und Drehprinzipien neutralisiert und gegen ihn verwendet (Gleichzeitigkeit von Angriff und Abwehr). Der Stil ist auch durch seine Trittarbeit charakterisiert, die nur sehr wenige Grundtritte umfasst und mit der im Allgemeinen nur niedrige Ziele (bis Hüfthöhe) angegriffen werden.
    Die Schreibweise Wing Chun wird international als übergreifende Bezeichnung aller auf Grossmeister Yip Man zurückgehenden Stile benutzt. Als 1972 Yip Man im Alter von 77 Jahren starb ohne einen Nachfolger zu definieren, begann der Streit um sein Erbe. Ein Zeichen davon ist, dass es heute mehrere verschiedene Schreibarten des Stiles gibt, wobei sich jeder sicher ist, die einzige "richtige" Schreibweise und das einzige "wahre" Wing Chun zu trainieren.

    · Wing Chun - diese Bezeichnung wird von den beiden Söhnen Yip Man's, Yip Ching, Yip Chun und von Lo Man Kam, der Neffe und langjährige Schüler Yip Mans verwendet. (Die meisten Schulen und Verbände verwenden diesen Namen.)

    · Ving Tsun oder auch VT - wird von einigen Schulen/Stilen benutzt, bezeichnet aber hauptsächlich die Schule von Wong Shun Leung.

    · Wing Tsun oder auch WT - bezeichnet die Schule von Leung Ting.


    Die Geschichte:

    Wie alles anfing:
    Während der Kanghsi-Regierung der Qing-Dynastie (1662-1722) waren die Anhänger des Shaolin-Kung-Fu Stiles wegen ihrer Kampfkunst so berühmt, dass die Qing-Regierung sich Sorgen machte und beschloss, die Mönche zu töten und das Kloster am Sung-Berg der Honan-Provinz in Zentral-China zu vernichten. So wurden Soldaten mit dem Befehl ausgesandt, das Kloster zu zerstören und die Religionsgemeinschaft auszulöschen. Aber die Mönche des Shaolin-Klosters leisteten so starken Widerstand, dass selbst nach langem und hartem Kampf das Kloster noch immer unversehrt war. Chan Man Wai, der bei der Beamtenprüfung als Bester des Jahres abgeschnitten hatte, wollte sich bei der Regierung einen Namen verschaffen, und trug ihr seinen Plan vor. Um den Plan durchzuführen, verschwor er sich mit einigen Mönchen des Shaolin-Klosters. Der wichtigste von ihnen hieß Ma Ning Yee, der sich überreden ließ, seine eigenen Kameraden zu verraten, indem er hinter ihrem Rücken das Kloster in Brand steckte. Auf diese Weise gelang es schließlich doch, das Shaolin-Kloster abzubrennen. Die meisten Mönche und Laien, die sich auf die Kampfkunst verstanden, kamen ums Leben. Dennoch gelang es manchen Kämpfern zu entkommen. Zu diesen gehörten die Fünf Älteren, die Führer der fünf Shaolin-Stile, die buddhistische Meisterin und Ng Mui, Meister Chi Shin, Meister Pak Mei, Meister Fung To Tak, und Meister Miu Hin und ihre Schüler, besonders Hung Hay Kwun, Fong Sai Yuk und Luk Ah Choy. Einer der fünf Älteren, der Meister Chi Shin, der auch Abt war und vor dem Brand die meisten Schüler besaß, Nach der Zerstörung des Shaolin-Klosters trennten sich die Überlebenden, um den Nachstellungen der Manchu-Regierung leichter zu entkommen. Meister Chi Shin nahm zum Beispiel eine Tarnidentität als Koch auf einer "Roten Dschunke" an. (als "Rote Dschunke" wurden die Transportschiffe einer Operntruppe bezeichnet, die üblicherweise mit roter Farbe gestrichen und bunten Fahnen geschmückt waren). Die Nonne Ng Mui ließ sich im Weißen Kranich Tempel am Tai Leung-Berg nieder. Dort konnte sie sich ungestört der Kampfkunst und dem Zen widmen.

    Die Entwicklung des Wing Chun

    Um sich gegen ihre Verfolger zu verteidigen beschloss Ng Mui das Shaolin-Kung-Fu zu verbessern. Lange Zeit überlegte Ng Mui, wie sie eine neue Kampfkunst entwickeln könnte, die auch einen schwächeren Menschen (sie selbst war schließlich auch nicht mehr die jüngste) befähigen würde, einen in klassischen Kampfkünsten Trainierten zu besiegen. Die Legende sagt, dass sie die entscheidende Inspiration hatte, als sie einen Kampf zwischen einem Kranich und einem Fuchs beobachten konnte. Der Fuchs lief um den Kranich herum, in der Hoffnung, einen tödlichen Angriff gegen dessen ungeschützte Flanke anbringen zu können. Der Kranich drehte sich stets so, dass seine Brustseite unverwandt dem Fuchs zugewandt war. Jedesmal, wenn der Fuchs dem Kranich zu nahe kam und ihn etwa mit einer Pfote angreifen wollte, wehrte der Kranich mit einem Flügel ab und führte gleichzeitig einen Gegenangriff mit seinem Schnabel. Während der Kranich also mit den Schwingen abwehrte und mit dem Schnabel konterte, verließ sich der listige Fuchs auf die Schnelligkeit seiner Beine und auf Überraschungsangriffe. Wie dieser Kampf endete war nicht von Bedeutung. Ng Mui aber entwickelte aus den daraus gewonnenen Ideen ein neues Kampfkunstsystem. Die vornehmlichsten Unterscheidungsmerkmale des neuen Systems von Ng Mui zum Shaolin-Kung Fu waren die einfacheren und anpassungsfähigeren Bewegungen, die Praxisbezogenheit und der ökonomischere Krafteinsatz. Ng Muis System zielte darauf ab den Gegner mit Methode statt mit Kraft zu besiegen.

    Die Shaolin-Nonne und ihre Schülerin Yim Wing Chun

    Am Tai-Leung-Berg machte Ng Mui die Bekanntschaft mit einem gewissen Yim Lee und dessen Tochter Wing Chun, was so viel bedeutet wie "schöner Frühling". Diesem jungen Mädchen hat das System der Nonne Ng Mui angeblich auch seinen wohlklingenden Namen zu verdanken. Zu jener Zeit lebte Ng Mui im Weißen Kranich-Tempel am Tai Leung-Berg. Dort pflegte sie mehrere Male im Monat den Marktplatz des nahen Dorfes zu besuchen, um einzukaufen. An einem Stand verkaufte das junge Mädchen Yim Wing Chun mit ihrem Vater Tofu. Die beiden waren aus ihrer Heimat in der Kwantung-Provinz geflüchtet, da ihr Vater unglücklicherweise in eine Gerichtssache verwickelt war(man sagt unschuldig), die ihm das Leben hätte kosten können. Als Schüler des Shaolin-Klosters hatte er, Yim Lee, einige Kampftechniken erlernt und sorgte in seiner Gegend für Gerechtigkeit, wenn es sich als nötig erwies. Dadurch geriet er in Schwierigkeiten, die ihn zwangen seine Heimat zu verlassen und an die Grenze der Provinzen Szechwan und Yunnan zu fliehen und sich am besagten Tai Leung-Berg niederzulassen. Yim Wing Chun enwickelte sich zu einem aufgeweckten und hübschen Mädchen. Ihre Schönheit und ihr freundliches Wesen sollten aber auch die Ursache für ein schlimmes Problem werden. Im Ort gab es einen notorischen Schläger namens Wong, der ständig Streit suchte. Aber die Dorfbewohner konnten ihm nichts anhaben, da er ein Kung Fu-Experte war und einer Geheimgesellschaft angehörte. Angezogen von der Schönheit Yim Wing Chun hielt er um ihre Hand an. Doch Wing Chun war schon als kleines Kind dem Jüngling Leung Bok Chau, einem Salzkaufmann aus Fukien versprochen. Wong schickte ihr daraufhin einen Boten, setzte ihr eine Frist und drohte Gewalt anzuwenden, falls sie sich ihm verweigerte. Vater und Tochter lebten also in großer Sorge um ihre Zukunft. Ng Mui war im Laufe der Zeit zur regelmäßigen Kundin von Yim Lee und seiner Tochter geworden und unterhielt sich oft mit den beiden. Eines Tages erkannte sie, dass die beiden von großen Sorgen gequält wurden. Auf ihre Fragen erzählte ihr Yim Lee von Wong. Da Ng Mui einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hatte, beschloss sie Wing Chun zu helfen. Aber sie wollte den Bösewicht nicht selbst bestrafen, da sie einerseits nicht ihre Tarnidentität aufgeben wollte, andererseits wäre ein Kampf zwischen ihr, der berühmten Meisterin aus dem Shaolin-Kloster und einem unbekannten Dorfschläger unfair und ruhmlos gewesen. Deshalb wollte sie Yim Wing Chun helfen, indem sie ihr die Kunst des Kämpfens mit ihrem neuen Kampfsystem beibrachte. Nach nur drei Jahren Privatunterricht hatte sie die ihr gezeigte Methode gemeistert. Ng Mui schickte sie nach der Ausbildung im Weißen Kranich-Tempel wieder zurück zu ihrem Vater. Kaum kehrte Wing Chun ins Dorf zurück, wurde sie wieder von dem Schläger Wong bedrängt. Doch dieses Mal lief sie nicht vor ihm davon, sondern forderte ihn zum Kampf auf. Der Rowdy war sich seines Sieges sicher und freute sich darauf, das schöne Mädchen endlich zu erringen. Aber er sollte sich getäuscht haben, denn Wing Chun schlug ihn zu Boden, wo er hilflos liegen blieb. Nachdem Wing Chun den Schläger ohne Probleme besiegt hatte, setzte sie ihre Kampfübungen fort. Als Ng Mui beschloss, wieder weiterzureisen ermahnte sie Wing Chun, einen würdigen Nachfolger zu finden und nur die richtigen Schüler zu unterweisen. Diese Mahnung wurde auch von den folgenden Generationen befolgt. Das Mädchen heiratete Leung Bok Chau, der ein Anhänger der Kampfkünste war und sich selbst auch auf das Kämpfen verstand. Als Ihm seine Frau eines Tages eröffnete, das auch sie etwas vom Kämpfen verstand glaubte er ihr zunächst nicht. Daraufhin forderte sie ihn auf sie anzugreifen. Als sie seine Angriffe wieder und wieder erfolgreich abwehrte sah er ein, das seine Frau ihm mit ihrem Kampfsystem überlegen war. Leung Bok Chau erlernte das System seiner Frau und gab ihm ihren Namen: Wing Chun

    Leung Bok Chauunterrichtete dann Leung Lan Kwai, aber dieser wollte sein Wissen über das WingTsun nicht weitergeben. Schließlich konnte ihn Wong Wah Bo doch noch überzeugen ihn zu unterrichten. Wong Wah Bo tauschte seine Kenntnisse im WingTsun gegen die Langstockkenntnisse von Leung Qee Tei. Als Leung Qee Tei schon ein alter Mann war unterrichtete er Leung Jan, einen zu seiner Zeit berühmten Arzt aus Fatshan. Leung Jan bestritt zahlreiche Kämpfe und wurde als unbesiegbarer Kämpfer berühmt. Dazu muß man sagen, daß die Kung Fu Kämpfe in China ohne Regeln und ohne Schutzausrüstung ausgetragen wurden. Todesfälle waren quasi an der Tagesordnung! Auf diese Weise überlebten nur die besten Kämpfer. Die schlechten starben und mit ihnen ihre Kampfsysteme.

    (Anmerkung von mir: Das gleiche gilt für Escrima, ebenfalls "Schlachtfelderprobt" Unfähige Stümper lebten in der Regel nicht lange genug um unfähige Techniken weiterzugeben).

    Leung Jan unterrichtete neben seinen Söhnen nur wenige Schüler. Wah der Geldwechsler wurde von ihm als Schüler abgelehnt. Deshalb beobachtete Wah der Geldwechsler, der eigentlich Chan Wah Shun hieß, das Training heimlich und trainierte für sich selbst. Wah der Holzman erwischte den Geldwechsler eines tages und brachte ihn zum Training mit als Leung Jan nicht anwesend war. Wah der Geldwechler besiegte Leung Tsun, einen Sohn Leung Jans. Als Leung Jan davon erfuhr nahm er schließlich auch Wah den Geldwechler als Schüler an.

    Als einfacher Mann war Wah der Geldwechsler häufiger in Prügeleien verwickelt und konnte so seine Kenntnisse überprüfen und weiterentwickeln. Als bester Kämpfer übernahm er nach dem Tode Leung Jans die Leitung der Schule und unterrichtete in 36 Jahre nur 16 Schüler. Als letzten Schüler nahm der inzwischen schon über siebzigjährige Chan Wah Shun den 13-jährigen Yip Man an.

    In Hong Kong wo Yip Man studierte gewann er viele Kämpfe und lernte dort auch Leung Bik einen Sohn von Leung Jan kennen, der ihn in einem Kampf besiegte. Yip Man lernte von Leung Bik viele Jahre auch die letzten Geheimnisse des WingTsun, die Leung Jan nur seinen Söhnen, nicht aber Chan Wah Chun beigebracht hatte. Yip Man kehrte im Alter von 24 Jahren als echter Meister des WingTsun nach Fatshan zurück. Entsprechend der chinesischen Mentalität, die Hierarchien mehr schätzt als tatsächliches Können und Kenntnisse, galt er in der Schule in Fatshan aber nicht als Meister, obwohl besser war als alle anderen. Auch in Fatshan gewann Yip Man viele Kämpfe, wollte aber nicht unterrichten. Auch dies hat mit der chinesischen Mentalität zu tun. Yip Man stammte aus einer reichen Familie und es galt als unschicklich für Leute seines Standes sich körperlich zu betätigen. Außerdem war er finanziell nicht darauf angewiesen durch unterrichten seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

    Dies änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf der Flucht vor der kommunistischen Revolution verlor seine Familie ihren Reichtum und Yip Man gab zunächst für die Mitglieder der Restauranarbeitergewerkschaft Kung Fu Unterricht. Nach einer Weile gründete er eine eigene Schule. Durch die ihm eigene Bescheidenheit dauerte es einige Zeit bis man erkannte wie gut er selbst und das von ihm unterrichtete WingTsun waren. Dann aber nahm die Zahl der Schüler zu und viele von ihnen eröffneten selbst Schulen in Hong Kong. Yip Man machte Leung Ting zu seinem Nachfolger.

    Leung Ting hatte zunächst bei einem Schüler Yip Mans WingTsun gelernt. Yip Man nahm ihn als letzten Schüler an und weihte ihn in die letzten Geheimnisse des WingTsun ein. Leung Ting wurde von den anderen Schülern Yip Mans nicht als dessen Nachfolger akzeptiert, da sie vor ihm bei Yip Man gelernt hatten und somit nach chinesischem Verständnis einer ältern und höheren Generation angehörten. Yip Man war der letzte der von allen WingTsun Aktiven als Großmeister anerkannt wurde. Nach seinem Tod machten sich viele seiner Schüler selbst zum Sifu und behaupteten nur sie hätten das komplette System von Yip Man erlernt. Bis zu dieser Zeit wurde das Wort WingTsun nur in chinesischen Schriftzeichen geschrieben. Zum Zwecke der bessern Unterscheidung führte Leung Ting die Schreibweise WingTsun ein und ließ diese für sich schützen. Außer dieser Schreibweise gibt es noch weitere. Bruce Lee, der wohl berühmteste Schüler Yip Mans, zum Beispiel schrieb wing chun. Außerdem gibt es in Europa noch Ving Tsun, Wing Chun und Ving Chun."

    Wobei die Bezeichnung „Nonne“ nicht wirklich korrekt ist, aber egal. Ist auch a bisser´l zusammen gestückelt und ich erhebe auch keinen Anspruch darauf dass es 100%ige historisch korrekt ist.

  8. #37
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Kampfsport

    @Azrael
    Ein schöner Beitrag. Es scheint, du hast Ahnung. :bravo:


    Gruß

    Mang-gon Jai

  9. #38
    Avatar von Azrael

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    Re: Kampfsport

    Ach wo, ich hab eigentlich nie Ahnung von was ich rede. ;-D

  10. #39
    Avatar von FarangLek

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    Re: Kampfsport

    @Azrael

    Genau die Infos habe ich gesucht!

    Danke :bravo:

  11. #40
    Avatar von Micha-Dom

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    Re: Kampfsport

    also geht doch... Beitrag aus der Sicht eines Sachkundigen.

    Ein Überblick über das große asiatische Kampfkünste dient das Buch: Kempo, die Kunst des Kampfes.

    Leider ist der Thaiheirat auch die Zeit und Muse zurückgeblieben, sich in chin. Kampfphilosophie weiter einzuleben, also: back to the roots. Das heißt, traditionelles China: Qi Gong bis Tai Chi, Yin Yang (Dualitäten), Laotse, Zun Zi (Die Kunst des Krieges) und bis zum gelben Kaiser.
    Neu dazugekommen ist halt thailändische Geschichte, traditioneller Buddhismus, und Carlos Castaneda (Anden Schamanismus). Gerade der Buddhismus ist unglaublich umfangreich und vielschichtig komplex, da stauen sich Verständnis Probleme an.


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