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Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etwas g

Erstellt von Clemens, 10.05.2005, 14:54 Uhr · 52 Antworten · 2.111 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Clemens

    Registriert seit
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    Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etwas g

    Hallo,
    man kann ja über den neuen Papst verschiedener
    Meinung sein (inhaltlich), aber eines muß man
    ihm ja lassen: In Latein ist der ja irrsinnig fit!!

    Jetzt gibt’s ja unter Euch auch einige, die das in
    der Schule auch hatten (einschließlich mir)!

    Die große Frage stellt sich dann natürlich nach-
    träglich: Was hat’s gebracht? Da gibt’s dann
    natürlich die verschiedenen Sichtweisen, die
    von mehreren Faktoren abhängig sind:
    - was einer damals darin für Zensuren hatte
    - was einer beruflich, oder hobbymäßig macht
    - wie er sonst dazu steht

    Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass einer
    der darin mal gut war, es als unnütz abstempeln
    wird (ganz ehrlich: würd’ ich auch nicht)

    Beruflich: wer braucht wirklich systematische
    Lateinkenntnisse? Ein Theologe- ich bin keiner
    (Gott- sei- Dank) und die Mehrzahl von Euch
    wird’s auch nicht sein! Ein Altphilologe (die-
    jenigen von Euch, die Latein als unnütz er-
    achten, werden folglicherweise das Gleiche
    mit Altphilologen tun- für alle anderen- könnte
    man meinen- tun es auch „termini technici“

    Hätte ich bis vor ein paar Jahren auch gedacht!
    Dazu kam bei mir noch ein starker, nicht über-
    wundener Stolz, der einem Lateinlehrer nicht
    recht geben konnte, selbst wenn er es gehabt
    hätte! Abgesehen davon, dass bei mir zu meiner
    Schulzeit die Freund- Feind- Rollen recht ein-
    deutig verteilt waren, waren da auch objektiv
    einige grobe Ungerechtigkeiten seitens der
    Lehrer mir gegenüber im Spiel, so dass wenn
    man mich vor ein paar Jahren noch gefragt
    hätte, ob man heutigen Schülern Latein bei-
    bringen sollte eindeutig mit NEIN geantwor-
    tet hätte!

    Ausgerechnet die ภาษาไทย hat mich umgestimmt,
    obwohl Verwandtschaften da erst allenfalls auf
    den dritten oder vierten Blick erkennbar sind und
    das auch nur mit Hilfe von Sprachwissenschaft-
    lern (selber wär’ ich da nicht draufgekommen)
    Zumindest von der Grammatik her ist da nicht
    viel gemeinsam- vom Wortschatz auch nicht
    viel (auf den ersten Blick)- also was bringt’s??
    Das immer wieder vorgebracht Argument, „dass
    man logisches Denken lernt“, kann man dadurch
    entkräften, dass man das (was zweifelsohne wichtig
    ist) auch anderweitig (z.B. durch Mathematik) lernen
    kann!

    Ich kann nur für mich sprechen- ich kann es seit
    einiger Zeit gedanklich zumindest verwenden-
    nämlich als Grammatikalischen Gegenentwurf
    zum Thailändischen- also etwas auch dadurch
    verstehen, dass man sich auch sein Gegenteil
    vor Augen führt! So hat es mir (nachträglich ge-
    sehen) doch noch etwas gerbacht (obwohl ich
    das meinem alten Lateinlehrer, wenn ich ihn
    heute zufällig treffen würde nach wie vor nicht
    zugeben würde)!!

    Wie geht’s Euch dabei??

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Dieter1

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    Re: Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etw

    Ich hatte nur 2 Jahre Latein, danach bin ich vom Gymnasium geflogen.

    Was es sonst noch gebracht hat? Ich würd mal sagen, mit Grundkenntnissen in Latein tut man sich beim erlernen romanischer Sprachen leichter.

  4. #3
    Avatar von lacher

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    213

    Re: Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etw

    3 Jahre Latein,

    1mal wiederhohlt, dann geflogen!!!

    Hat nix auser Ärger gebracht! Wäre ich auf ein Naturwissentschaftlichers Gymnasium gegangen wäre besser gewesen.

    Servus
    Lacher

  5. #4
    Avatar von JT29

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    Re: Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etw

    Well,

    in meinem Zeugnis steht "Kleines Latinum" und unsere damals alkohlkranke Lehrerin hat mir auch noch in ihrem Suff den Gnadenpunkt zum "Großen Latinum" versagt

    Anyway, ich war in Latein allerdings auch der Looser schlechthin und habe dies anstatt Französisch gewählt. Heute würde ich sagen, vielleicht die falsche Wahl, obwohl mir das Latein noch heute erstaunlicherweise vieles bringt.

    Ich habe mal ein paar Jahre Spanisch gebüffelt - oh welch Parallelen in Grammatik und Satzbau.

    Eine italienische Zeitung zu studieren ist relativ easy, ich verstehe oft zumindest noch den Sinn des Artkels.

    ABER brauchen tue ich es eigentlich nicht und von daher wäre Französisch aufgrund der Grenznähe (ich spucke fast rüber ) angebrachter gewesen, aber dort sprechen sie noch Elsässisch, das unserem Alemannisch doch sehr verwandt ist -> auch kein Problem ;-D

    Juergen

  6. #5
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etw

    4 Jahre Latein - hat mir in der Folgezeit sehr beim Verständnis der Fremdworte geholfen

  7. #6
    Avatar von Clemens

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    Re: Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etw

    ...in der Frage der Parallelen zu anderen romanischen Sprachen
    empfielt sich allerdings vor der Benutzung im Aktivwortschatz eine
    Nachprüfung!
    Hab' mich da zu Schulzeiten im Französischunterricht mal in die
    Nesseln gesetzt:
    Im Lateinischen gibt's das Wort "violare" (verletzen)und ich dachte
    zu vorschnell,daß das im Französischen "violer" heißen müßte

  8. #7
    Avatar von Clemens

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    Re: Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etw

    ...was man natürlich immer machen kann:
    Witze,die schon beinahe automatisch den Geruch des Niveauvollen
    haben,obwohl sie´s nicht zwangsläufig sein müssen

    z.B. beim Betreten eines bestimmten Lebensmittelladens:
    "Et introibo ad altaré aldi-ad aldum qui laetificat iuventutem meam
    ;-D ;-D ;-D

  9. #8
    Avatar von JT29

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    Re: Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etw

    Richtig, hies bei uns immer Jägerlatein

    "Vena laus amoris, pax drux bistodis"

    Wenn eine Laus am Ohr ist, pack [sie], drück [sie] bis sie tot ist .....

    ODER

    Caesar ora classis romana = Caesar k[K]üste eine f[F]lotte Römerin



    Juergen

  10. #9
    bernd60
    Avatar von bernd60

    Re: Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etw

    Ob nun Latein, Französisch, oder andere Fremdsprachen, mir hat es viel gebracht. Ich kann mich auch ausserhalb unserer Landesgrenzen ausreichend verständlich machen. Perfekt muss es dazu nicht sein, denn schliesslich ist man mit dem grossen Latinum nicht einmal in Italien perfekt, aber die Unterschiede(Latein-Italienisch)kennen die hiesigen Latein-Schüler wohl selbst. Diejenigen, die sich für Esperanto interessieren, werden aber auch schnell erkennen, welche Vorteile sie aus ihren Latein Kenntnissen ziehen können, da vieles ähnlich ist.

  11. #10
    Avatar von Bakwahn

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    Beiträge
    76

    Re: Hat Euch- nachträglich gesehen- Latein in der Schule etw

    I. Die Wirkungsmächtigkeit der lateinischen Sprache

    Die großen westeuropäischen Sprachen wie die germanischen (das Deutsche und Englische) und die romanischen Sprachen (wie das Italienische, das Spanische und das Französische) sind letztlich nichts anderes als Dialekte des Lateinischen!
    Im Deutschen und Englischen ist der Wortschatz zu ca. einem Drittel lateinischer Herkunft! In den romanischen Sprachen liegt er noch höher; bei ca. 40%.
    Auch die jeweilige Grammatik und Syntax ist tief von der lateinischen Sprache geprägt. Die Stellung der Satzteile in einem Satz, die Deklination der Nomen und Adjektive, die Konjugation der Verben und die Zeitenbildung folgen dem großen Vorbild der lateinischen Sprache.
    Außerdem sind das Lateinische zusammen mit dem Altgriechischen die Begriffsgeber für die Wissenschaften! Lest den Beipackzettel Eurer Medikamente; da wird es offensichtlich. Sämtliche Fachtermini sind lateinischer oder altgriechischer Herkunft.

    II. ein aktuelles Beispiel:
    Die wichtigste und modernste Fachsprache, die sich in den letzten 40 Jahre entwickelt hat, die Fachsprache der EDV, der Computerei, gibt sich anglo-amerikanisch, ist in Wirklichkeit aber reinstes Latein! Es beginnt mit dem Wort „Computer“. Hört sich ja so schön englisch an, ist aber Latein:
    1. Computer = computare
    Der Namensgeber für diese moderne Maschine ist das lateinische Verb „computare“, was soviel wie „rechnen“ bedeutet. In der Tat, der Computer ist ein Rechner, weil er intern mit Zahlen umgeht, mit dualen oder hexadezimalen Zahlenkolonnen.

    2. Prozessor = procedere
    Das wichtigste Bauteil im Computer ist der Prozessor:
    procedere = vorwärtsgehen, vorrücken

    3. Hard-Disk, Floppy-Disk
    die wörtliche deutsche Übersetzung von Hard-Disk ist die Festplatte.
    Discus = die Scheibe, die Platte

    4. weitere Beispiele:
    Port, RAM (random access memory), USB (universal serial bus), XL (extra large), Audio, Video, digital, TV, High End Definition, Internet, Telefonie, Mega, Giga etc… alles Begriffe und Bezeichnungen lateinischer Herkunft, und was nicht Latein ist kommt aus dem Altgriechischen. Da ist nichts authentisch Englisches!

    Was lernen wir daraus? Das Lateinische ist keine alte tote Sprache, sondern höchst quicklebendig und überall präsent:
    1. es ist nicht nur via Wortschatz implizit in allen europäischen Sprachen enthalten, sondern es hat die westeuropäischen Sprachen bis in ihre inneren Strukturen hinein geprägt.
    2. Es dient heute international und intersprachlich als Fach- und Wissenschaftssprache.

    III. die historischen Grundlagen Deutschlands und Europas. Eine grobe Skizze
    Die Geschichte Europas ist über 3000 Jahre alt.
    Unsere Fundamente, die gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche Verfasstheit unseres Staates - wie die aller anderen (west)europäischen Staaten in ähnlicher Weise - verdanken sich Jerusalem, Athen und Rom. Aus dem Judentum haben wir den durch Jesus Christus „verbesserten“ jüdischen Monotheismus, eben das Christentum übernommen, mit seinen (damals vor 2000 Jahren) fundamentalen und radikalen Neuerungen wie Liebe, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Vergebung, Erlösung. Aus Athen stammt die Idee der Demokratie (Volksherrschaft) und der modernen Wissenschaft (Aristotelesrezeption in der Renaissance). Aus Rom haben wir die lateinische Sprache und die Idee eines umfassend kodifizierten Rechts übernommen. Über 1000 Jahre lang war in Mitteleuropa Latein die Verkehrs-, Schrift- und Herrschaftssprache.
    Außerdem ist uns über das Griechische und Lateinische ein unendlich großer Schatz an philosophischen, wissenschaftlichen und vor allen Dingen auch literarischen Texten von fulminanter Sinnfülle gegeben, dessen stetige Wiederbelebung eine unserer vornehmsten Aufgaben sein sollte.
    Daher dürfen wir das Altgriechische und Lateinische nicht „vergessen“, und diese Sprachen an unseren Universitäten nicht kaputtsparen und sie personell und materiell austrocknen. Über die historisch-hermeneutischen Wissenschaften - und die Altphilologien sind ein wichtiges, weil unentbehrliches Mitglied dieser Wissenschaftsfamilie - verschaffen wir uns Zugang zu fremd Gewordenem, aber Zugehörigem; ja zu etwas, was unser Heutiges mitgeprägt und mitverursacht hat. Aufgabe der Altphilologien ist es, die lateinischen (und altgriechischen) Texte in ihrer geschichtlichen Situiertheit und ihrem jeweils spezifischen historischen Horizont dem Horizont der eigenen zeitgenössischen Erfahrungen einzuorndnen, um sie damit verstehbar werden zu lassen. Sie machen uns klar, daß das wirkungsgeschichtliche Bewußtsein (also unser heutiges, aktuelles Bewusstsein) ein Bewusstsein des Bewirktseins ist, bewirkt durch Tradition und Überlieferung. Und es wird klar dabei, dass „vollendete Erfahrung nicht die Vollendung des Wissens ist, sondern vollendete Offenheit für neue Erfahrung.“ (H-G. Gadamer, in „Wahrheit und Methode“) D.h. der Prozess des Verstehens ist grundsätzlich unabgeschlossen.
    In den verstehenden Geisteswissenschaften geht es darum, Historisches, das ja meist in alten Texten vorliegt, möglichst genau zu erfassen, zu verstehen und gerecht einzuordnen, um auf diese Weise der jeweiligen Gegenwart Kenntnisse über sich selbst zu vermitteln, sie aufzuklären über ihr historisches Gewordensein, ihr ihre eigene historische Bedingtheit durchschauen zu helfen. Es geht um die stetige Wiederbelebung von Sinn, der uns durch die Überlieferung zugesprochen wird. Aus dieser Arbeit des Verstehens gewinnen wir Aufklärung und Orientierungen für die heutige Situation.

    Verachtet mir die alten Sprachen nicht.

    Bakwahn

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