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"Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution

Erstellt von DisainaM, 26.03.2004, 14:33 Uhr · 7 Antworten · 1.023 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von DisainaM

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    "Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution

    Das Problem aus buddhistischer Sicht ist nur im Zusammenhang mit der buddhistischen Ethik zu verstehen. Und die buddhistische Ethik ist - zumindest im frühen Buddhismus - asketische Mönchsethik, d.h. nur für den Orden relevant. Daraus resultierten wenig moralische Ableitungen für die Laien, und wenn, dann waren sie wegweisend, aber nie diskriminierender Natur. Gerade die Bezugnahme auf hinduistische Glaubensvorstellungen konnten im Umfeld des Buddhismus bestehen: "Der Koitus bildete die Metapher für die mythische Vereinigung mit der Gottheit, ja, ist vielleicht gar als ein Archetyp für jene Erfahrung zu erklären, die der Mensch in seinem Inneren mit Gott erlebt: nämlich als das Aufhören der Gegensätze, die monistische Einheit von Subjekt und Objekt, die Verschmelzung des Endlichen mit dem Unendlichen, die Unio Mystica."


    In der Linie des Tantrischen-Buddhismus hat man sich auf diese Metapher wieder besonnen und ihre Darstellung in vieler Gestalt aufgegriffen. Man scheute sich nicht, das Geistige aus dem 5exuellen und das Heilige aus dem Obszönen abzuleiten sowie Verbindung zwischen 5exueller Energie und geistigem Wachstum zu sehen. Es verwundert nicht: Der moralische wie transzendentale Stellenwert der 5exualität im Buddhismus hat sich im Laufe der zweieinhalbtausend Jahre mehrmals erheblich gewandelt. Konstant blieb: Dem Laien (alle nicht Mönche) wurde seitens der Sangha (Mönchsorden) seit jeher ohne moralischen Druck nur Verhaltensgrundsätze, z.B. das "Abstehen von unreinem Lebenswandel", mitgegeben. Der Buddhismus kennt keine imperativen Verhaltensvorschriften und damit auch keine Norm setzende Instanz. Das hat ein natürliches Körper-Bewusstsein wie eine unverklemmte Erlebensfähigkeit erhalten. Der Freiraum des 5exes war das Private. Was man tut oder lässt folgt eigener Einsicht und Freiwilligkeit.


    Alles ist möglich solange keiner Schaden nimmt und kein Dritter oder Vierter ungehörig konfrontiert wird. Das ist die Ambivalenz des "Greng-djai"-Prinzips. Deshalb sind offensive Begriffe wie "5exworker" für die traditionelle Thai-Gesellschaft völlig inopportun. Aber auch weil die merkantile Kommerzialisierung - allem Empörern des ersten Augenschein zum Trotz - 5exueller Kontakte in Thailand nicht das war, was die westliche Welt sehen wollte. Am Verkaufserfolg orientierte Begriffe wie "short-time" haben erst in den letzten Jahren Einzug gehalten. Denn: alle Tradition ist im Wandel. Der knapp bemessene Platz verlangt ein Schlusswort: Die Hoffnung bleibt, dass mit der anstehenden, offiziellen Einführung der Prostitution in Thailand der parasitären Kriminalität besser das Handwerk gelegt werden kann.

    Zitat aus Michael Steinmetz, Südostasien-Wissenschaftler, beantwortet
    Ist Prostitution in Thailand verboten?
    http://www.farang.de/Magazin/STEINMETZ/STEINMETZ.HTML

  2.  
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  3. #2
    Johann43
    Avatar von Johann43

    Re: "Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution

    DisainaM,

    setze doch einmal bitte einen Link von Ehe/familie - Körperliche Liebe/5exualität.... zu Deinem Post, finde das passt auch gut dort hinzu. Ich kann das nicht, sonst hätte ich es gemacht.

    Danke Johann

  4. #3
    Avatar von DisainaM

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    Re: "Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution


  5. #4
    Dieter Kandler
    Avatar von Dieter Kandler

    Re: "Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution

    Hallo.

    Nun will ich nicht polemisch werden, aber die Frage sei gestattet, was fange ich mit der Information an?

    Und was bedeutet ´greng djai´ auf deutsch? Auf englisch geht´s: to impose.

    Aber was ist das ´greng djai´- Prinzip?

    Ruecksichtnahme?
    Toleranz ist nicht Akzeptanz?
    Farang ist nicht gleich Thai?

    Chuai duai!

    MfG
    Dieter Kandler

  6. #5
    Avatar von phimax

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    Re: "Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution

    Zitat Zitat von Dieter Kandler",p="121800
    Und was bedeutet ´greng djai´ auf deutsch? Auf englisch geht´s: to impose.
    impose [Im´peuz]
    I v/t 1. (on) etwas auferlegen, aufbürden (dat); Strafe verhängen (gegen). 2. (on) a) etwas aufdrängen, aufzwingen (dat): impose oneself (od. one´s presence) on someone sich jemandem aufdrängen; impose one´s will on someone jemandem seinen Willen aufzwingen, b) etwas (mit Gewalt) einführen od. durchsetzen (bei).
    II v/i 3. ausnutzen, b.s. a. mißbrauchen (on acc). 4. (on dat) sich aufdrängen; zur Last fallen.
    (c) Langenscheidt.

    เกรงใจ / greng djai,
    nach ClickThai Rücksicht nehmen, Achtung zollen, respektieren bedeutet.

    gre:ng- djai- kann man zwar übersetzen, bring aber nix, wenn man es nicht fühlen kann;
    die meisten Deutschen können es nicht.

    Michael

  7. #6
    Dieter Kandler
    Avatar von Dieter Kandler

    Re: "Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution

    Hallo.

    Na, prima.

    Soll ich jetzt mitteilen, was unter ´to impose´ im ´Webster´ steht, oder im ´Oxford - advanced learners´?

    Wollen wir ´Semantik´ diskutieren?

    greng- djai- kann man zwar übersetzen, bring aber nix, wenn man es nicht fühlen kann;
    Versuche es doch ganz einfach mal. Da stelle ich eine Frage, und die Antwort ist, als Deutscher kann ich es nicht fuehlen. Was denn?

    Vielleicht bin ich gar kein Deutscher
    Seit ein paar Jahren bin ich naemlich Europaeer!

    Und wenn ich - was ich natuerlich nicht mache - zu einer Prostituierten gehe, muss ich dann sagen, verdammt, ich fuehle mein ´greng- djai´ nicht, oder so?

    MfG
    Dieter Kandler

  8. #7
    Avatar von phimax

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    Re: "Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution

    Dieter,

    habe den Sinn des Zitats nicht verstanden und bezog mich auch nicht darauf. Nur ist mir (der kein Thai sprechen kann) aufgefallen, das ich oft benutzte Thai-Floskeln zwar übersetzten kann, deren tieferer Sinn mir aber verborgen bleibt.

    Zitat Zitat von Dieter Kandler",p="121819
    greng- djai- kann man zwar übersetzen, bring aber nix, wenn man es nicht fühlen kann;
    Versuche es doch ganz einfach mal. Da stelle ich eine Frage, und die Antwort ist, als Deutscher kann ich es nicht fuehlen.
    Habe es oft versucht und mußte (für mich) erkennen, das ich es nicht kann, weil ich das dahinterstehende Wertegerüst nicht verinnerlicht (sozialisiert) habe. Ähnlich geht es mir bei mai bpen rai/mai mii panhaa/pra ni-pra nom etc.

    Und wenn du es kannst

    Michael

  9. #8
    Avatar von DisainaM

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    Re: "Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution

    Wir hatten vor ca. 2 Jahren einen Sprachthread von Kali,

    der die verschiedenen Begriffe von jai Herz zusammenstellte.

    Den hiesigen Begriff des Respekt zollen, / Gesicht geben

    unterstützt durch die richtige Körperhaltung, dem richtigen Blick und der richtigen Sprache, ist eine Einheit.

    Doch neben kreng jai gibt es natürlich noch Hai Kiat, wo nun der Übersetzer das gleiche auswirft.

    Das ist dann der Punkt, den Michael unter anderem meint,
    das zum einen unsere deutsche Sprache nun nur diese Ausdrucksform kennt, und daher sprachlich nicht die "256 Graustufen an unterschiedlichen Arten des Respekt gebens" in unsere Begriffswelt übertragen kann.

    Macht ein Kleinkind einen Fehler, bekommt es als Antwort einen Blick.
    Bei einem anderen Fehler erntet es einen anderen Blick.
    Langsam wächst das Kind nun heran, im Erinnerungsvermögen die unterschiedlichen Blicke, bei unterschiedlichen Fehlern.

    Eine Kultur, die nicht primär auf Sprache, als Kommunikationsform aufgebaut ist, formt die Menschen in diese besondere Sozialisationsform.
    Man macht keinen Fehler, man empfindet ihn.

    [hr:5514b486d1]

    In dem Zusammenhang des Textes;

    Alles ist möglich solange keiner Schaden nimmt und kein Dritter oder Vierter ungehörig konfrontiert wird. Das ist die Ambivalenz des "Greng-djai"-Prinzips.
    würde ich es auf ´normal-Deutsch´ übersetzen, als
    ---jede Erwartung des Partners wird erfüllt (durch nichts läßt man die Harmonie gefährden) ein nicht-erfüllter 5exualwunsch bedeutet, dass man dem anderen den Respekt versagt---

    (((hier wird der Unterschied zwischen ´der Versorgung von Farangs´, die sowieso nicht verstehen, wie ihnen geschiet, und der ´Versorgung von Thais´ offensichtlich, doch was soll man nun Farangs klar machen, was sie verpassen, weil sie sowieso als Elefant im Porzellanladen nur Bruch hinterlassen)))

    In der westlichen weiblichen Welt, wurde der thailändische Liebesdienst fälschlicherweise als Unterwürfigkeit bezeichnet,
    weil das Zusammenspiel des Respekt gebens + Respekt erwartens nicht verstanden wurde.

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