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Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

Erstellt von juthamat, 03.08.2008, 19:29 Uhr · 63 Antworten · 2.929 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von waanjai_2

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    Re: Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

    Soll jetzt nun über Ethik in der Gesundheitspolitik oder über die sog. x-Klassengesellschaft diskutiert werden?

    Man bekommt nicht mehr alle denkbar möglichen Leistungen. Es müßten deshalb Prioritäten gesetzt werden. Gab es schon immer. Nannte sich während der beiden Weltkriege "Triage", das "knappe Durchscannen der Verletzten" um festzustellen, bei wem sich ein Eingriff denn überhaupt noch "lohne". Denn man hatte nicht genügend Personal. Punkt um. Nur in den Kriegsfilmen kommt - wenn der Schauspieler lange genug "Sani - Sani - Sani" ruft - dann in letzter Minute ein Feldarzt. In der Realität sind die meisten "verreckt".

    Heute gibt es sie wieder, die Prioritäten. Kommen gar vornehm als Wartelisten daher. Z.B. Wartelisten für lebensnotwendige Organe, die transplantiert werden müssen. Wer da ziemlich hinten steht, der kann es eigentlich vergessen. Aber es gibt halt zu wenig Spender. Und Beschaffungskriminalität will man auch nicht. Internationaler Organhandel - arme Länder nach reiche Länder? Ideale Ergänzung zum 5extourismus?

    Braucht nicht immer tödlich sein, so ein falscher Platz auf der Warteliste. Kann auch wehtun, wenn die teuren Diagnose- und Therapie-Systeme nur begrenzt verfügbar sind. Dann muß man nämlich warten.

    Natürlich könnte man alles Geld in einem Land nur für das gern so genannte "höchste Gut des Menschen - seine Gesundheit" ausgeben. Und die Ärzte würden es uns danken. Nur dann hätten wir keine Schulen mehr, keine Bundeswehr mehr, keine Berufsausbildung mehr. Alles würde für die Gesundheit ausgegeben.

    Je wohlhabender die Gesellschaften, desto mehr Geld wird in diesen Gesellschaften für das Wohlbefinden ausgegeben. Inkl. med. Versorgung. Gesundheitsleistungen lassen sich auch unendlich ausdehnen. Schließlich ist ja bekannt, dass man nur solange gesund ist, wie man noch nicht grundlich genug untersucht wurde. Gesundheit ist ein gehobenes Gut in unseren heutigen Bedürfniss-Skalen geworden. Früher war es ja nur: Leben, Nicht-Verhungern, Nicht-Verdursten.
    Irgendwann stößt man dann auf Deckel. Im Neu-Deutsch Budgets genannt. Darunter muß und kann nur noch verteilt und zugeteilt werden.

    Es sei denn, man ist bereit, es aus eigener Tasche zu zahlen. So war es immer, ist es heute noch und wird es auch morgen sein.
    Was passiert also: Man muß wieder mehr Selbstverantwortung übernehmen. Hatte man viele Jahre ja wie einen Hut abgesetzt, wenn man Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung wurde. Ging ja teilweise so weit, als würden Leute hier sagen, dass eine thail. Frau für sie medizinsch notwendig wäre, anders könnten sie nicht (über)leben.

    So kann dann eine Ethik-Diskussion plötzlich zur Rückbesinnung auf frühere Werte führen. Und diese Diskussion ist so alt wie die soziale Krankenversicherung. Und die stammt bekanntlich noch vom alten Bismarck. :-)

  2.  
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  3. #12
    Avatar von Micha

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    Re: Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

    Zitat Zitat von waanjai_2",p="616244
    Ging ja teilweise so weit, als würden Leute hier sagen, dass eine thail. Frau für sie medizinsch notwendig wäre, anders könnten sie nicht (über)leben.
    Na ja, lt. Statistik beisst Mann tatsächlch früher ins Gras, wenn man keine hat...

  4. #13
    Avatar von Micha

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    Re: Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

    Zitat Zitat von waanjai_2",p="616244
    Internationaler Organhandel - arme Länder nach reiche Länder? Ideale Ergänzung zum 5extourismus?
    Du lässt aber auch keine Gelegenheit aus, den von Dir offenbar verhassten "5extourismus" mit den übelsten Dingen in Verbindung zu bringen.

  5. #14
    Avatar von juthamat

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    Re: Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

    Wenn man in der Lage ist aus eigener Tasche zu bezahlen.
    Angenommen ,2Nachbarn,beide 45 Jahre eingezahlt,hart gearbeitet,
    Der eine gut verdient,privat versichert oder die Moglichkeit gehabt gut zu sparen.
    Der Andere eine schwere Korperliche schwere Arbeit verrichtet die ihn gesundheitlich ruiniert hat er aber keine grossen Ersparnisse anhäufen konnte.
    Sicher haben die zwei nicht die gleichen Chancen das alles getan wird um ihnen zu helfen.
    Hat der Wenigverdiener selbst Schuld an seiner Benachteiligung?
    Bitte jetzt nicht von Vergünstigungen für "Leistungsträgern" schreiben.

  6. #15
    Avatar von Thaimax

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    Re: Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

    Zitat Zitat von juthamat",p="616253
    Hat der Wenigverdiener selbst Schuld an seiner Benachteiligung?
    Bitte jetzt nicht von Vergünstigungen für "Leistungsträgern" schreiben.
    In einem sozial gerechten Staat, in dem mit den Beiträgen der arbeitenden Bevölkerung verantwortungsbewusst umgegangen wird kann Jeder, egal welcher Verdienstgruppe er angehört, eine erstklassige medizinische Versorgung erhalten.

    Das gilt natürlich irgendwann nichtmehr, wenn man mit Geschenken aus den von der Bevölkerung im guten Glauben eingezahlten Sozialbeiträge der Weltöffentlichkeit beweisen möchte, dass die Geschehnisse der Vergangenheit auch wirklich Vergangenheit sind.

  7. #16
    Avatar von waanjai_2

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    Re: Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

    Zitat Zitat von juthamat",p="616253
    Hat der Wenigverdiener selbst Schuld an seiner Benachteiligung?
    Warum willst Du 2 Menschen vergleichen, die nicht im selben System versichert waren? Der eine - der PKV-Versicherte - hat immer nur für sich selbst gezahlt und bekommt auch nur für sich selbst was heraus.
    Der andere - der GKV-Versicherte - hat hingegen in eine Solidargemeinschaft eingezahlt. Wo die Gesunden für die Kranken mit einzahlen. Wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich die Kosten teilen müssen (allerdings mit abnehmender Tendenz). Wenn nun Leute in der GKV schwer krank werden, dann werden die auch weiterhin alles bekommen, was für die Linderung bzw. Heilung erforderlich ist. Das setzt aber geradezu voraus, dass man die verfügbaren Gelder auf die wirklich bedeutsamen Krankheitsbilder konzentriert und die Bagetellen wieder zum privaten Risiko werden läßt. Ist nicht einfach. Ich mache jetzt mal paar Vorschläge: Ab morgen zahlen die Krankenkassen für die Behandlung von Fußpilz nichts mehr. Ab übermorgen zahlen die Krankenkassen keine Behandlungskosten für Venenerkrankungen der 5extouristen mehr (ich schaffe es doch immer wieder ). Ist halt eine Gefahr-geneigte Tätigkeit. Ab nächster Woche werden keine Behandlungskosten für Erkältungskrankheiten mehr übernommen.

    Die Brillen, die Schönheitsoperationen, jede Menge Medikamente sind schon entweder zuzahlungspflichtig oder ganz raus aus dem Katalog. Beim Zahnersatz gibt es wieder nur Zuschüsse - sogar verhaltensabhängig. Selbst verschuldete Unfälle bei Bunghi-Springern und Bergsteigern werden nicht mehr aus dem Solidar-Topf bezahlt. Alles schon fast alte Zöpfe. Man kann dort aber weiter machen. Ist allerdings für die Beteiligten unangenehm. Denn jeder will Solidarität einfordern, aber keine leisten.

    Durch die Konzentration der Mittel auf die wirklich bedeutsamen Krankheitsbilder einer ständig älter werdenden Gesellschaft schafft man es, keine 2-Klassen-Medizin mehr als nötig entstehen zu lassen. Nur so. Aber die Leute müssen schon weit im Vorfeld mit dieser Konzentrierung der Mittel auf die wirklich wichtigen Dinge einverstanden sein.

    In diesem Forum gibt es - wie so oft auch anderswo - jede Menge Leute, die wollen sich von der Allgemeinheit nicht das Recht auf Lungenkrebs wegnehmen lassen. Wenn sie dann aber durchs Rauchen soweit sind, sind sie die ersten, die nach den Krankenkassen rufen. Paßt das?

  8. #17
    Avatar von maphrao

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    Re: Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

    Zitat Zitat von waanjai_2",p="616266
    In diesem Forum gibt es - wie so oft auch anderswo - jede Menge Leute, die wollen sich von der Allgemeinheit nicht das Recht auf Lungenkrebs wegnehmen lassen. Wenn sie dann aber durchs Rauchen soweit sind, sind sie die ersten, die nach den Krankenkassen rufen. Paßt das?
    Naja, die zahlen auch ordentlich Steuern für die Sargnägel.

  9. #18
    Avatar von Thaimax

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    Re: Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

    Zitat Zitat von maphrao",p="616267
    Naja, die zahlen auch ordentlich Steuern für die Sargnägel.
    Sterben statistisch gesehen wesentlich früher und belasten somit die Rentenkassen nicht mehr.
    Die auf Zigaretten erhobenen Steuern sollten zweckgebunden dem Gesundheitssystemen zugeführt werden, dann gäbe es die leidige Diskussion nicht mehr.

    Gerne wird von den Verfechtern der Theorie, dass Raucher die Staatskassen unverhältnismässig hoch belasten das Argument gebracht, dass ein Raucher nie soviel Steuern über die Zigaretten bezahlt wie ein Lungenkrebspatient kostet. - Dabei wird aber auch sehr gerne vergessen zu erwähnen, dass nicht jeder Raucher so ein Patient wird....

    Ob jetzt Raucher oder nicht, man muss da Niemanden diskriminieren, man könnte Dicke, Trinker, Sportmuffel, hart Arbeitende,... genauso Vorwürfe machen das Gesundheitssystem unverhältnismässig hoch zu belasten.

  10. #19
    Avatar von waanjai_2

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    Re: Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

    Zitat Zitat von maphrao",p="616267
    Naja, die zahlen auch ordentlich Steuern für die Sargnägel.
    Klar, Steuern sind aber keine Beiträge zu den Krankenkassen, sondern Staatseinnahmen. Alle Steuern sind Einnahmen zur Deckung aller Ausgaben. Hier gilt halt das Non-Affektations-Prinzip. "Politische Begründungen" sind halt nur Schall und Rauch. Gut so.

  11. #20
    Avatar von joachimroehl

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    Re: Gesundheitspolitik -Zweiklassengesellschaft

    "Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen." (Originaltext des Gesetzes für Kassenversicherte im SGB V §12 - das sogenannte Wirtschaftlichkeitsgebot)

    Und was AUSREICHEND bedeutet wissen wir alle noch aus der Schule.

    Unbekannt und kaum beworben wird von den Kassen allerdings die Möglichkeit seit kurzem auf die sogenannte Kostenerstattung umzustellen und damit auch als Kassenmitglied bei jedem Arzt hierzulande und auch in Thailand Privatpatient zu sein. Kleiner Haken - man braucht für die dann immer höheren Privatrechnungen eine gute Zusatzversicherung und die kostet je nach Ausstattung (nur Arzt und oder Zahnarzt http://www.kostenerstattung.com plus vielleicht auch Krankenhaus) dann von 20€ bis 150€ pro Monat. Ist eine Stange Geld, aber es gibt eben wie Börne mal sagte 100 Krankheiten und nur eine Gesundheit und die hat inzwischen ihren Preis. Dabei sind wir hier immer noch durchaus hochversorgt, denn wer in die absehbare Zukunft des deutschen Gesundheitswesens blicken möchte, studiere nicht gerade eine staatliche Klinik in Khon Khaen oder Banglamung sondern einfach die gängigen Verhältnisse in den USA oder England.

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