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Gestorben wird zunehmend allein und unbemerkt

Erstellt von Bajok Tower, 12.08.2010, 20:17 Uhr · 28 Antworten · 2.259 Aufrufe

  1. #1
    Bajok Tower
    Avatar von Bajok Tower

    Unhappy Gestorben wird zunehmend allein und unbemerkt

    Vermutlich werden nicht nur in Japan immer mehr Menschen mehr oder weniger lange nach ihrem einsamen Tod in ihrer Wohnung gefunden:

    TP: Kodokushi: Gestorben wird zunehmend allein und unbemerkt

    Mitten in den Städten und in der Nähe von Nachbarn werden immer wieder mal die Leichname von Menschen gefunden, die schon Monate oder gar Jahre zuvor gestorben sind. Niemand hat das Fehlen bemerkt, zufällig werden die verwesten oder mumifizierten Leichen entdeckt.

    So wurde beispielsweise letztes Jahr ein 57-Jähriger vier Monate nach seinem Tod in seinem Appartement in einem Braunschweiger Hochhaus vor dem laufenden Fernseher gefunden. Post erhielt er praktisch nicht, seine Miete wurde weiter vom Konto abgebucht, sonst hätte es wohl anders ausgehen. Oder in Wolfsburg wurde die Leiche einer 56-jährigen Frau im Juni 2010 gefunden, die vermutlich im Januar gestorben war. Den Nachbar war nichts aufgefallen, hier führte schließlich die ausbleibende Miete zu einer Räumungsklage, im Zuge dieser entdeckte das Ordnungsamt die Tote. Mitunter kann es schon mal mehr als ein Jahr dauern.

    Es handelt sich um einsam und zurück gezogen lebende Menschen, nicht unbedingt alt, die still und unbemerkt verschwinden. Das sind vielleicht noch Einzelfälle, in Japan wird allerdings gewarnt, dass ein solches Abtreten aus dem Leben, das niemandem auffällt, von Menschen, die niemand vermisst, mit der alternden Gesellschaft anschwellen könnte und jetzt schon immer häufiger geworden sei. Ursache sei Isolation, eine fehlende Familie, mangelhafte soziale Systeme.

    In Japan wird auch schon lange von den Hikikomori oder "Shut-Ins" gesprochen, also von den meist jungen Menschen, die sich einfach aus dem sozialen Leben für mindestens sechs Monate zurückziehen und sich einschließen, soweit es möglich ist, abgesehen davon, dass sie einmal kurz das Notwendigste einkaufen. Japanische Behörden schätzen, dass es 230.000 Menschen gibt, die sich fast konstant aus der Öffentlichkeit verabschiedet haben. Wenn man diejenigen dazu nimmt, die auch mal aus der Wohnung oder dem Haus gehen, um einem Hobby nachzugehen, dann würde die Zahl auf 700.000 ansteigen. Dazu kämen noch 1,5 Millionen potenzielle Hikikomori, die sich am liebsten zurückziehen wollten. Meist sind sie abhängig von den Eltern und männlich, die Hälfte ist so um die 30 Jahre alt, man nimmt an, dass sie Schwierigkeiten in der Schule oder im Studium gehabt haben oder damit ins Arbeitsleben zu finden oder aus ihm herausgefallen sind, und dass psychische und familiäre Probleme im Hintergrund stehen.

    Mit dem in den 80er Jahren eingeführten und im Rahmen des Erdbebens von Kobe thematisierten Begriff der "Kodokushi" (einsamer Tod) werden diejenigen bezeichnet, die alleine und unbemerkt von Anderen gestorben sind. Verlässliche Zahlen gibt es hier auch nicht. Japan Times berichtet, dass es nach Angaben des Gerichtsmedizinischen Instituts von Tokyo 2008 in der Stadt 2.211 Menschen über 65 Jahre gegeben habe, die in ihrer Wohnung alleine gestorben sind, Selbstmordfälle allerdings eingeschlossen. 2002 seien es erst 1.364 gewesen. Die Zahl ist nicht hoch, allerdings können Menschen, siehe die Beispiele zu Beginn, auch schon jünger sterben. Ob es nur ein Großstadtphänomen ist?

    Die Zeitung zitiert Katsuhiko Fujimori vom Mizuho Information and Research Institute, der das Phänomen auch darauf zurückführt, dass während des Wirtschaftsbooms viele Menschen in die großen Städte gezogen seien, um freier zu leben und den kleinen Dorfgemeinschaften zu entfliehen: "Jetzt sind sie alt, sie können nicht mehr alleine leben, besonders wenn sie pflegebedürftig sind." Bislang habe man das sich mit der Vergreisung der Gesellschaft verschärfende Phänomen in Japan nicht wirklich beachtet und sei im Gegensatz zu den nordeuropäischen Ländern, in denen es umfassende soziale Sicherungssysteme gebe, davon ausgegangen, dass sich um die Alten und Sterbenden schon die Familien kümmern werden. Aber Armut, Isolation und fehlende Pflege nehmen zu, auch die Singles unter den jungen Menschen werden mehr, von den Hikikomori einmal ganz abgesehen.

    Die Zahl der als Single lebenden Senioren nimmt in Japan besonders schnell zu, auch in den anderen Industriegesellschaften. Obgleich mehr ältere Frauen alleine leben, weil sie schlicht länger leben, sind die Männer eher einsamer, nehmen nicht am sozialen Leben teil und sterben alleine. In Japan, wo die Bindung an die Arbeitgeber besonders stark ist und in der Arbeit viel Zeit verbracht wird, haben offenbar viele kaum zu anderen Menschen außerhalb der Familie Kontakt – wenn überhaupt. 2000 wurde zwar eine Pflegeversicherung eingeführt, die aber wenig in Anspruch genommen werde. Daher komme es schon einmal vor, dass überforderte Familienmitglieder ihre pflegebedürftigen Angehörigen schon einmal umbringen.

    Insgesamt seien, so wird mit dem Blick auf Europa gesagt, die Ausgaben für die sozialen Sicherheitssysteme zu gering. In Japan liegen sie aber nur bei 22 Prozent des BIP, in Schweden hingegen bei 30 oder in Deutschland bei 27 Prozent. Dazu würde, so verklärt Fujimore die europäische Wirklichkeit, in Europa die "informelle Pflege" durch Familien, Freunde und Nachbarn vorhanden sein, was es in Japan praktisch nicht gebe.

    Und es wird alles schlimmer werden. Ein Viertel der 50-60-jährigen japanischen Männer wird als Single leben, sie werden zudem ärmer sein und überdies im Alter von über 60 Jahren arbeitslos. Daher kriegen sie keine Rente, aber auch keine soziale Unterstützung. Es werden also vermutlich noch mehr Menschen alleine und unbemerkt sterben.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Micha

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    Deutschland hat zusammen mit Japan die älteste Bevölkerung der Welt. Thailand wirkt trotzdem dass das Bevölkerungswachstum dort schon eine Weile geradezu eingebrochen ist, gegen diese beiden Länder immer noch wie der reinste Jungbrunnen.

  4. #3
    antibes
    Avatar von antibes
    Noch schlimmer. Hier in Sachsen werde ein neugeborenes Kind nach über einem Jahr auf dem Dachboden tot aufgefunden.

  5. #4
    Avatar von Uns Uwe

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    Wer früher stirbt, ist länger Tot.

  6. #5
    Avatar von gespag

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    Ich kann dazu nur ein Statement abgeben.
    "Wenn man mit südostasiatischer Frau verheiratet ist, wird man aufgrund der Riesenfamilie kaum alleine und in Ruhe sterben können!"

  7. #6
    Avatar von Yogi

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    Zitat Zitat von gespag Beitrag anzeigen
    Ich kann dazu nur ein Statement abgeben.
    "Wenn man mit südostasiatischer Frau verheiratet ist, wird man aufgrund der Riesenfamilie kaum alleine und in Ruhe sterben können!"
    Na ja, wenn die Zitrone ausgelutscht ist, dann schon.

  8. #7
    Avatar von franky_23

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    Zitat Zitat von gespag Beitrag anzeigen
    Ich kann dazu nur ein Statement abgeben.
    "Wenn man mit südostasiatischer Frau verheiratet ist, wird man aufgrund der Riesenfamilie kaum alleine und in Ruhe sterben können!"
    Meine deutsche Familie ist größer als die meiner thailändischen Frau.

  9. #8
    Avatar von gespag

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    Zitat Zitat von franky_23 Beitrag anzeigen
    Meine deutsche Familie ist größer als die meiner thailändischen Frau.
    Meine kleiner. Und ich bin nicht der einzige, denn ich in derselben Situation kenne und auch in Asien kennengelernt habe.
    Ich habe noch meine beiden Eltern, Gottseidank. Und meine Frau.
    Und vielen geht es genauso wie mir, wenn die Eltern weg sind, ist es alle hier in Europa mit Familie.
    Als traurigen Beigeschmack gibt es noch eine kleinere Summe zum erben.

  10. #9
    Bajok Tower
    Avatar von Bajok Tower
    Zitat Zitat von gespag Beitrag anzeigen
    Ich kann dazu nur ein Statement abgeben.
    "Wenn man mit südostasiatischer Frau verheiratet ist, wird man aufgrund der Riesenfamilie kaum alleine und in Ruhe sterben können!"
    Ja, das ist ein Vorteil, gut erkannt!

  11. #10
    Avatar von gespag

    Registriert seit
    09.09.2010
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    Zitat Zitat von Bajok Tower Beitrag anzeigen
    Ja, das ist ein Vorteil, gut erkannt!
    Meine das nicht negativ. Wir haben keine Verpflichtungen gegenüber der family. Und wenn wir alt sind, werden sie trotzdem kommen und auf unser Geld angewiesen sein. Also im Stich lassen wird uns keiner von denen, wenn wir auch jetzt noch so knausrig sind.
    Denke nur an den alten Mann im Kfc in Manila. Er sass gemütlich dort und verzehrte genüsslich sein Hähnchen. Daneben sass die family und schaute im dabei zu. Wenn er auf die Emanzen und Negativschreiber hören würde, würde er alleine im Gemeindebau sitzen und auf den Tod warten. Lieber in den Abgasen einer Megastadt in Südostasien, wenn nicht anders möglich. Als im Gemeindebau alleine zu sterben.

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