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Geschichte des Iraks.

Erstellt von odysseus, 29.03.2003, 12:22 Uhr · 2 Antworten · 579 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von odysseus

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    Geschichte des Iraks.

    Servus
    Gelesen im Universal Lexikon von unilex
    Teil 1
    Irak
    ----------------------------------------------------------------------------------------
    1.Daten
    Staatsname: Irakische Republik
    Fläche: 438 117 km²
    Amtssprache: Arabisch
    Hauptstadt: Bagdad
    Bevölkerung: 21 400 000
    Nationalfeiertag: 14. Juli (Tag der Revolution 1968)
    Zeitverschiebung: 2 Stunden
    Int. Kennzeichen: IRQ
    Währung: 1 Irak-Dinar (ID) = 1000 Fils

    2.Bevölkerung
    In Irak leben 21 400 000 Menschen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 49 Menschen pro Quadratkilometer und das Bevölkerungswachstum beträgt 2,9 % im Jahr. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen beträgt 66 Jahre, die der Männer 63 Jahre. 40 % der Bevölkerung sind Analphabeten.
    Die wichtigsten ethnischen Gruppen der Bevölkerung sind: Araber 77 %, Kurden 19 %, Sonstige 4 %. Es gibt folgende Religionsgruppen: Moslems 95 %, Christen 4 %, Sonstige 1 %.

    3.Wirtschaft
    1999 betrug das Pro-Kopf-Einkommen 845 US$. Die Wirtschaft teilt sich auf: Dienstleistung 50 %, Industrie 30 %, Landwirtschaft 20 %. Die wichtigsten Exportgüter des Landes sind: Erdöl, Datteln, Baumwolle. Importiert werden vor allem: Nahrungsmittel, Maschinen, Investitionsgüter.

    4.Politisches System
    Irak ist seit 1968 eine volksdemokratische Republik mit Präsidialregime. Die 1970 in Kraft getretene provisorische Verfassung wurde 1995 zum letzten Mal geändert.

    5.Natur und Klima
    Die fruchtbare Ebene zwischen Euphrat und Tigris, im Altertum Mesopotamien - Zwischenstromland - genannt, wird im Osten vom Zagros-Gebirge, im Norden vom Kurdischen Hochland begrenzt; im Westen und Süden geht die Ebene in Steppen und Wüsten über, die zwei Drittel des Iraks bedecken. Im gemeinsamen Mündungsgebiet der beiden Hauptflüsse, die sich nördlich von Basra zum Schatt al-Arab vereinigen, breitet sich Sumpfland aus. Es herrscht subtropisches, trockenes Klima mit heißem Sommer und kühlem Winter; im Norden fällt ausreichend, im Süden geringer Niederschlag. Das Kurdische Hochland hat Gebirgsklima. Das Gebiet am Persischen Golf zählt zu den heißesten der Erde.

    Geografische Lage: 39º O - 48º O / 29º N - 37º N

    Höchste Erhebung: 3609 m

  2.  
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  3. #2
    Avatar von odysseus

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    Re: Geschichte des Iraks.

    Servus
    Gelesen bei universal Lixikon von unilex
    Von der Einwanderung semitischer und sumerischer Volksstämme bis zum Ende der Osmanischen Herrschaft

    Ab 3500 v.Chr.
    In das bereits seit dem 8. Jahrtausend dünn besiedelte Gebiet zwischen Euphrat und Tigris (Mesopotamien; heute Irak) wandern, von Osten kommend die möglicherweise ursprünglich in Indien beheimateten Sumerer, sowie von der Arabischen Halbinsel bzw. von Nordwestafrika kommend in aufeinanderfolgenden Wellen semitische Volksstämme ein (gemäß dem Alten Testament Nachfahren von Sem, dem ältesten Sohn Noahs).
    Ab 3000 v.Chr.
    Die Sumerer errichten im Süden Mesopotamiens zahlreiche Stadtstaaten (z.B. Lagash, Kish, Uruk, Ur, Nippur) mit einer bereits hochentwickelten Land- und Bewässerungswirtschaft und erfinden die Keilschrift. (Die Hochkultur der Sumerer ist die früheste der Welt.)
    Ab 2350 v.Chr.
    Der Semit Sargon, König von Akkad (Stadt am Euphrat), unterwirft die sumerischen Stadtstaaten und macht sich nach weiteren Eroberungszügen zum König eines ersten Großreiches in Vorderasien, das sich im Westen bis zum Mittelmeer erstreckt, und das seine Nachfolger bis zum Persischen Golf im Osten ausdehnen können.
    Ab 2000 v.Chr.
    Nach dem Niedergang des Akkaderreiches entstehen im Gebiet des heutigen Irak zwei neue Machtzentren: Im Süden das Babylonische Reich mit der Hauptstadt Babylon am Unterlauf des Euphrat (nahe der heutigen Stadt Al Hillah südwestlich von Bagdad) und im Norden das Reich der Assyrer mit der Hauptstadt Assur am mittleren Tigris (später Nimrud und Ninive bei der heutigen Stadt Al Mawslil.)
    1595 v.Chr.
    Babylon wird von den Hethitern (Hauptstadt des Hethitergroßreiches ist Hattuša, etwa 150 Kilometer nordöstlich der heutigen türkischen Hauptstadt Ankara), die derzeit Herren über weite Gebiete Syriens sind, zerstört, jedoch bald wieder aufgebaut.
    Ab 1200 v.Chr.
    Unter Salmanassar I. und Tukulti-Ninurti I. steigt Assyrien zur beherrschenden Macht in Mesopotamien auf (1240 Eroberung Babyloniens).
    689 v.Chr.
    Nach jahrhundertelangen erbitterten Machtkämpfen zwischen Assyrern, Babyloniern und den aus Westen in Mesopotamien einfallenden Aramäern werden die inzwischen bis zum Mittelmeer vorgedrungenen Assyrer durch die erneute Einnahme Babyloniens wieder zur führenden Macht im vorderasiatischen Raum. (Sie unterwerfen von 669 bis 663 sogar Ägypten.)
    612 v.Chr.
    Die im Westen des heutigen Iran ansässigen Meder unterwerfen (mit Hilfe der wiedererstarkten Babylonier) das inzwischen wieder auf das nördliche Mesopotamien geschrumpfte Reich der Assyrer.
    Ab 605 v.Chr.
    Unter Nebukadnezar II. (bis 562) erreicht das Babylonische Reich seinen wirtschaftlichen und kulturellen Höhepunkt. Er erobert nicht nur das kurz zuvor an Ägypten verlorene Syrien zurück, sondern 586 auch Jerusalem, die Hauptstadt des Königreichs Judäa, und verschleppt die gesamte jüdische Oberschicht (rund 40 000) nach Babylon (Babylonische Gefangenschaft - bis 539).
    550 v.Chr.
    Der persische Achämenidenkönig Kyros II. (bis 528) erobert das Reich der Meder (und wenig später auch das Reich der Lyder in Anatolien [Türkei]).
    539 v.Chr.
    Kyros II. unterwirft Babylonien, Syrien und Palästina und macht die Gebiete zu persischen Satrapien (Provinzen). Die Juden entlässt er aus ihrer babylonischen Gefangenschaft, erlaubt ihnen die Rückkehr nach Palästina und gibt ihnen die einst aus dem Tempel zu Jerusalem geraubten Gold- und Silberschätze zurück. Sein gestecktes Ziel, die Unterwerfung Ägyptens, kann Kyros II. vor seinem Tod im Jahre 528 allerdings nicht mehr verwirklichen. (Dies gelingt erst seinem Nachfolger, Kambyses II., im Jahre 525 v.Chr.)
    Ab 336 v.Chr.
    Der Makedonier Alexander der Große erobert bis 323 fast das gesamte Achämenidenreich (Mesopotamien 331).
    Ab 323 v.Chr.
    Nach dem plötzlichen Tod Alexanders des Großen (er stirbt im Alter von erst 33 Jahren am 13. Juni in Babylon am Fleckfieber) werden die von ihm eroberten Gebiete zum Streitobjekt zwischen seinen Feldherren, den "Diadochen" (griechisch "Nachfolger"). Die bedeutendsten von ihnen sind Ptolemaios und Seleukos, die sich (zeitweise) verbünden und so die übrigen "Kandidaten" nach und nach ausschalten. Während Ptolemaios die Verwaltung Ägyptens, Palästinas und des südlichen Syrien übernimmt, sich im Jahre 305 als Ptolemaios I. Soter (griechisch "Retter") zum König von Ägypten macht und sein Reich u.a. 294 um die Insel Zypern erweitert, übernimmt Seleukos die Macht in Mesopotamien, von wo aus er zusammen mit seinem Sohn Antiochos zunächst die persischen Ostgebiete und schließlich das restliche Vorderasien einschließlich Anatolien und der Kaukasusregion unter seine Kontrolle bringt. Er gründet insgesamt über 70 Städte, u.a. im Jahre 301 v.Chr. in Nordwestsyrien als Seleukos I. Nikator!
    (griechisch "Sieger") die Stadt Antiochia (heute Antakya in der Türkei), die von seinen Nachfolgern zur Hauptstadt des mächtigen Seleukidenreiches gemacht wird.
    Um 200 v.Chr.
    Nachdem der zum Nomadenvolk der Skythen gehörende Arsakes um 250 in Parthien (im Nordosten des heutigen Iran) die griechisch-orientierte Arsakidendynastie gegründet hat, können seine Nachfolger ihre Macht nun bis zum Indus im Osten bzw. zum Euphrat im Westen ausdehnen und übernehmen vor allem die Kontrolle über die wichtigen Ost-West-Handelswege (Seidenstraße).
    Ab 130 v.Chr.
    Die Parther liefern sich mit den von Anatolien vorrückenden Römern blutige Kriege. 92 v.Chr. einigen sie sich auf den Euphrat als Reichsgrenze. Doch bis Anfang des 3. Jahrhunderts unternehmen die Parther immer wieder Eroberungszüge in die römischen Provinzen im Westen und Nordwesten und dringen dabei sogar bis nach Jerusalem und West-Anatolien vor.
    Ab 226 n.Chr.
    Während das Gebiet des heutigen West-Irak weiterhin unter der Vorherrschaft der Römer steht, wird das Gebiet des heutigen Ost-Irak Teil des Sassanidenreiches (zweites persisches Großreich), dessen Hauptstadt das von den Parthern gegründete Ktesiphon ist (heute Ruinenstätte südwestlich von Bagdad).
    Ab 634
    Nachdem die islamischen Araber unter Abu Bakr (nach dem Tode des Propheten Mohammed im Jahre 632 zu dessen Nachfolger [Chalifa] bestimmt) bereits erste Feldzüge gegen die Sassaniden und das oströmische (byzantinische) Reich unternommen haben, erobern sie nun in ihrem "Djihad" ("Heiliger Krieg") unter dem zweiten Kalifen Omar I. (Umar ibn Abd al-Chattab) bis zu dessen Tod im Jahre 644 nicht nur die byzantinischen Gebiete Ägypten, Syrien, Palästina und das Gebiet des heutigen West-Irak, sondern auch Mesopotamien sowie nahezu das gesamte restliche Perserreich. Politische Hauptstadt des Araberreiches ist Medina (heute Saudi-Arabien) bzw. ab 661 (unter der Dynastie der Omaijaden, die bis nach Nordwestafrika und von dort aus nach Spanien vordringen) Damaskus (Syrien).
    762
    Das 750 von den Abbasiden (sie haben inzwischen die Dynastie der Omajiaden gestürzt) gegründete Bagdad, die heutige Hauptstadt des Irak, löst Damaskus als politisches Zentrum des islamischen Araberreiches ab und entwickelt sich zu einer der glanzvollsten Städte des Orients.
    (Der Islam ist inzwischen in drei Konfessionen gespalten; es gibt Charidjiten, Schiiten und Sunniten, die wiederum bereits in mehrere Sekten unterteilt sind. Der absolute Monotheismus - Verehrung eines einzigen Gottes [Allah] in bildlosem Kult auf der Grundlage des Koran [arabisch "Lesung"], dem in 114 Kapitel [Suren] unterteilten heiligen Buches, das die Offenbarungen des Propheten Mohammed enthält - ist jedoch allen Glaubensrichtungen des Islam gemein; Mekka, der Geburtsort des Propheten Mohammed, mit der siebentürmigen Großen Moschee und der schwarzverhängten Kaaba mit dem in der Südostecke eingemeißelten Hadjar, dem heiligen Schwarzen Stein, ist für alle Muslime [= Unterwürfige] auch heute noch der Hauptwallfahrtsort bzw. das Hauptheiligtum; jeder Gläubige ist verpflichtet, wenigstens einmal im Leben eine Pilgerreise [Hadj] nach Mekka [und Medina] zu machen, sofern er körperlich und finanziell dazu in der Lage ist.)
    Ab 1055
    Die ursprünglich aus Zentralasien kommenden (sunnitisch-)islamischen (turksprachigen) Seldschuken erobern das Gebiet des heutigen Irak und übernehmen für zwei Jahrhunderte die Vorherrschaft über weite Teile Klein- und Vorderasiens.
    1258
    Die Mongolen erobern unter Möngkä und Hülagü (Enkel Dschingis-Khans) nahezu ganz Zentral- und Vorderasien und gründen das (bis 1335 bestehende) Reich der Ilkhane, unter deren Herrschaft im Gebiet des heutigen Irak der Zerfall der alten Kulturlandschaft einsetzt und das seit Jahrtausenden bewährte Bewässerungssystem vernachlässigt wird. Besonders im Osten des Landes versteppen dadurch ganze Landstriche.
    Ab 1335
    Nach dem Niedergang des Ilkhaniden-Reiches entstehen im Gebiet des heutigen Irak zahlreiche Einzeldynastien, die sich untereinander bekriegen.
    1401
    Der Mongole Timur-Leng, der inzwischen Persien ein weiteres Mal unterworfen hat, verwüstet Bagdad.
    Ab 1514
    Die (sunnitisch-)islamischen Osmanen (Türken), inzwischen Herren in Kleinasien, erobern unter Sultan Selim I. bis 1517 nicht nur Syrien, Palästina und Ägypten, sondern auch das Gebiet des heutigen Irak, das bis zum endgültigen Untergang des Osmanischen Reiches im Jahre 1918 unter der Vorherrschaft der Türken steht. Allerdings sind diese Jahrhunderte geprägt von zahlreichen Revolten im Inneren und Eroberungsversuchen von außen, vor allem der schiitisch-persischen Safawiden.

  4. #3
    Avatar von odysseus

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    Re: Geschichte des Iraks.

    Servus
    Gelesen bei universal Lexikon von unilex
    Vom Einmarsch britischer Truppen 1917 bis heute

    1917
    Während des Ersten Weltkriegs marschieren britische Einheiten in das Gebiet des heutigen Irak ein und besiegen nach schweren, für beide Seiten verlustreichen, Kämpfen die türkischen und deutschen Truppen.
    Mitte 1920
    Großbritannien erhält das Völkerbundmandat über das Gebiet des heutigen Irak. Es kommt zum heftigen Widerstand der Bevölkerung gegen die Vorherrschaft der Briten
    23. August 1921
    Großbritannien macht nach einer Volksabstimmung Faisal Ibn Hussein aus der Haschemiten-Dynastie des Hedjas (Gebiet im Nordwesten des heutigen Saudi-Arabien) zum König des Irak (parlamentarische Erbmonarchie). Die eigentliche Macht bleibt nach Abschluss eines "Bündnisvertrags" mit der neuen Regierung jedoch weiterhin in den Händen der Briten. Auch die Festlegung der Staatsgrenzen ist größtenteils den Briten überlassen, wodurch es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen mit den Nachbarländern kommt.
    (Faisal Ibn Hussein hatte während des Ersten Weltkriegs den Aufstand der Araber gegen die mit Deutschland verbündeten Osmanen [zusammen mit dem britischen Archäologen und Agenten Lawrence] angeführt und sich 1920 zum König von Großsyrien ausgerufen; allerdings setzten ihn die Franzosen, die Syrien als Mandatsgebiet erhalten hatten und gegen die Errichtung eines gesamtarabischen Staates plädierten, kurz darauf mit Waffengewalt wieder ab.)
    Juni 1926
    Das bisher von den Briten kontrollierte (und von der Türkei beanspruchte) erdölreiche Kurdengebiet um Mosul wird, nachdem die anatolischen Teile Kurdistans bereits 1923 zu türkischem Staatsgebiet erklärt wurden, endgültig dem Königreich Irak angegliedert.
    (Über die Herkunft des nicht-arabischen Bauern- und Hirtenvolks der Kurden mit einer dem Persischen verwandten Sprache ist wenig bekannt. Wahrscheinlich ist es indogermanischen Ursprungs und ab dem 5. Jahrhundert n.Chr. in die Gebirgslandschaft zwischen dem Armenischen Hochland und dem nördlichen Mesopotamien eingewandert. Von Anfang an standen die in Stammesverbänden lebenden Kurden unter der Oberhoheit der Perser [Achämeniden- bzw. Safaniden-Dynastie] und ab Anfang des 16. Jahrhunderts der Osmanen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde den überwiegend sunnitisch-islamischen Kurden von den alliierten Siegermächten zunächst ein eigener Staat in Aussicht gestellt, doch letztendlich wurde ihr als "Kurdistan" bezeichnetes Siedlungsgebiet auf die Territorien der Türkei, Syriens, Armeniens, des Iran und des Irak aufgeteilt, wo man sie zwar als ethnische Minderheit anerkannte [außer in der Türkei, wo man sie als "Bergtürken" bezeichnete und zudem ihre kurdische Sprache verbot], ihnen jedoch kaum politische Rechte zugestand. Heute leben von den insgesamt 20 bis 22 Millionen Kurden [geschätzt; Volkszählungen hat es nie gegeben] rund 40-50% im Südosten der Türkei [teilweise nach Zwangsumsiedlung auch im Westen und Norden], 20-25% im Nordirak [auch hier hat es Deportationen in den Süden des Landes gegeben], rund 20% im Nordwestiran, 3-4% in Syrien und 1-2% in Armenien. Seither versuchen die Kurden [mit Gewalt] Autonomierechte zu erlangen. Doch, abgesehen von einer kurzlebigen Kurdenrepublik 1945/46 im seinerzeit von russischen Truppen besetzten Nordwestiran und einer teilweisen Selbstverwaltung bzw. Beteiligung an der Zentralregierung im Irak 1970-74, sind die Bemühungen, die unzählige Tote gefordert haben [geschätzt: mindestens 100 000], bis heute ohne Erfolg geblieben, nicht zuletzt dadurch, dass sich die zahlreichen Stämme [rund 100] auch immer wieder untereinander bekriegen.)
    1927
    Die Iraq Petroleum Company (Briten, US-Amerikaner, Franzosen) erwirbt die Konzessionen für die Ölsuche und -förderung.
    3. Oktober 1932
    Mit dem formellen Ende des Völkerbundmandats erreicht das Königreich Irak seine Souveränität und wird Vollmitglied der UNO. Der britische Einfluss bleibt jedoch weiterhin bestehen.
    Ab 1933
    Nach dem Tode von König Faisal I. (8.September) wird sein Sohn Ghasi I. König des Irak. Seine Reformbemühungen (Ausbau der Infrastruktur, Modernisierung der Landwirtschaft, Forcierung der Ölgewinnung, Aufbau eines modernen Verwaltungsapparates usw.) werden von den sozialen Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten bzw. zwischen Muslimen und Christen (Assyrer), Unabhängigkeitsforderungen der Kurden sowie Auseinandersetzungen zwischen nationalistischen und probritischen Parlamentariern stark behindert.
    April 1941
    Während der Wirren des Zweiten Weltkriegs reißt der mit dem Deutschen Reich sympathisierende Führer der nationalistischen arabischen Bewegung, Raschid Al-Gai, die Macht im Irak an sich. Daraufhin marschieren die Briten im Irak ein, vertreiben Al-Gai und setzen Abd Al Ilah wieder als Regenten ein.
    14. Mai 1948
    Am Tag der Ausrufung des Staates Israel dringen Truppen Syriens, des Libanon, Jordaniens, des Irak und Ägyptens in Israel ein, um den jungen Staat im Keim zu ersticken. Obwohl die Israelis nur über ein sehr kleines Waffenarsenal verfügen und hohe Verluste erleiden, können sie die Invasion abwehren und sogar zusätzliche Gebiete erobern (ganz Galiläa, einen Teil der Sinai-Halbinsel und West-Jerusalem). Allein aus dem Irak fliehen rund 300.000 Juden nach Israel, während über 1 Million Araber aus Israel bzw. aus den von Israel kontrollierten Gebieten in die Nachbarstaaten fliehen (und jahrelang in hastig errichteten Auffanglagern ihr Dasein fristen). (Der "Palästinakrieg" endet im Juli 1949 mit einem von den Vereinten Nationen herbeigeführten Waffenstillstandsvertrag.)
    14. Februar 1958
    Nach dem Zusammenschluss von Ägpyten und Syrien (1.Februar) zur "Vereinigten Arabischen Republik" (VAR), vereinigen sich Jordanien und der Irak zur "Arabischen Föderation".
    14. Juli 1958
    Das Militär putscht unter den Generälen Abd Al Karim Quasim und Abd As-Salim Aref. Dabei werden König Faisal II. und seine Familie sowie Ministerpräsident Nuri As-Said ermordet. Noch am selben Tag erklärt Quasim sowohl die Vereinigung mit Jordanien als auch die Monarchie für beendet und ruft die Republik Irak aus.
    März 1961
    Nachdem jahrelange Verhandlungen mit Bagdad über eine Selbstverwaltung zu keinem Ergebnis geführt haben, erheben sich die Kurden unter der Führung von Mustafa Barsani (er hatte im Dezember 1945 im derzeit von russischen Truppen besetzten Nordwestiran eine sozialistische Kurdenrepublik ausgerufen, war nach deren Zerschlagung im Mai 1946 in die Sowjetunion geflohen und hatte nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1958 im Irak die "Demokratische Partei Kurdistans" gegründet) und proklamieren einen unabhängigen Kurdenstaat. Dies führt letztendlich zum offenen Krieg mit Bagdad.
    Ende Juni 1961
    Die Regierung in Bagdad erhebt Anspruch auf das kurz zuvor von Großbritannien endgültig in die Unabhängigkeit entlassene ölreiche Emirat Kuwait.
    5. Juni 1967
    Der Irak und andere arabische Staaten unterstützen Ägypten beim Versuch, die Sinai-Halbinsel von den Israeli zurückzuerobern. Der "Sechs-Tage-Krieg" endet mit dem Sieg Israels.
    März 1970
    Die im Irak regierende Baath-Partei unterzeichnet mit den Kurden einen neuen Waffenstillstandsvertrag, der den Kurden u.a. beschränkte Selbstverwaltung sowie Beteiligung an der gesamtirakischen Regierung gewährt.
    Anfang 1972
    Aufgrund der sehr schleppenden Durchführung der Autonomie-Vereinbarungen von 1970 kommt es in den Kurdengebieten wieder zu blutigen Unruhen, wobei die Aufständischen vom Iran unterstützt werden.
    Juni 1972
    Staatsoberhaupt Ahmed Hasan Al-Bakr verstaatlicht die IPC (Iraq Petroleum Company) und wenig später auch die übrigen ausländischen Erdölgesellschaften. Die Gewinne aus dem Ölexport nutzt er u.a. zum Aufbau der unterentwickelten Industrie, zum Bau von Staustufen an Euphrat und Tigris sowie modernen Bewässerungsanlagen und zu umfangreichen Rüstungskäufen.
    März 1974
    Der Kurdenkrieg bricht erneut aus. Da Syrien die Kurden unterstützt, verschlechtern sich die ohnehin seit langem gespannten Beziehungen zwischen den beiden Staaten weiter.
    Anfang März 1975
    Ein neues Grenzabkommen zwischen dem Iran und dem Irak verbessert das seit langem gespannte Verhältnis zwischen den beiden Staaten. Hauptstreitpunkt war die Grenzziehung im Schatt al-Arab (Unterlauf und Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris). Bei dem Vertrag erklärt sich der Irak mit den iranischen Forderungen einverstanden (u.a. erhält der Iran drei weitere Inseln im Persischen Golf), und der Iran gibt im Gegenzug die Unterstützung der Kurden im Nordirak auf.
    13. März 1975
    Der neue Vorsitzende der "Demokratischen Partei Kurdistans" (KDP), Masud Barsani (Sohn von Mustafa Barsani, der ins Exil in die USA ging), und der Führer der kurz zuvor "Patriotischen Union Kurdistans" (PUK), Jalal Talabani, akzeptieren einen neuen Waffenstillstandsvertrag mit Bagdad.
    Ende 1978
    Aufgrund der gemeinsamen Ablehnung des ägyptisch-israelischen Friedensabkommens kommt es zu einer Annäherung zwischen Irak und Syrien, und man beginnt mit Verhandlungen über eine mögliche Vereinigung beider Länder, die jedoch schon nach wenigen Monaten ergebnislos abgebrochen werden.
    15. Juli 1979
    Der 65jährige Ahmed Hasan Al-Bakr tritt zurück. Sein bisheriger Stellvertreter, der 42jährige Saddam Hussein (al Takriti), gelangt damit an die Spitze des höchsten Staatsorgans, dem "Kommandorat der Revolution", und ist somit Staatspräsident, Regierungs- und Parteichef sowie Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person.
    22. September 1980
    Mit der Invasion irakischer Truppen in der iranischen Provinz Khuzistan (Südwestiran am Persischen Golf; überwiegend arabische Bevölkerung) beginnt der iranisch-irakische Krieg, den Saddam Hussein mit alten Grenzstreitigkeiten begründet (das Abkommen von 1975 erklärt er, da noch zu "Schahzeiten" abgeschlossen, für ungültig). Der neue geistliche und politische Führer des Iran, Ayatolla Khomeini, startet sofort eine Gegenoffensive und erklärt den Krieg zum "Heiligen Krieg" gegen das sunnitische Regime im Irak (er hegt auch persönliche Rachegefühle gegen Hussein, da dieser als Vizepräsident 1970 sein Asyl im Irak nicht mehr verlängerte und er sich gezwungen sah, nach Paris überzuwechseln). Im Grunde geht es jedoch beiden Seiten vorrangig um wirtschaftliche (Öl-)Interessen.
    1982
    Aufgrund der massiven Gegenoffensiven des Iran fordert der Irak einen Waffenstillstand. Teheran lehnt jedoch jegliche Verhandlungen entschieden ab.
    Ab 1983
    Die USA verstärken im Persischen Golf zum Schutz der kuwaitischen Öltanker ihre Marinepräsenz. Kuwait, Saudi-Arabien wie auch die übrigen arabischen Golfstaaten unterstützen den Irak finanziell und militärisch im Krieg gegen den Iran, seit dieser mehrfach kuwaitische Tanker bombardiert hat. (Kuwait hatte 1970 nach der Ausweisung Ayatollah Khomeinis aus dem Irak seinen Asylantrag abgelehnt.)
    1987
    Der Iran erleidet im Golfkrieg schwere Rückschläge (Bagdad operiert u.a. mit Giftgas) und ist nun zu Waffenstillstandsverhandlungen bereit.
    20. August 1988
    Der seit 1980 andauernde irakisch-iranische Krieg, der insgesamt mindestens 500.000 Tote gefordert hat (weder Bagdad noch Teheran nennen Zahlen) wird durch einen von UN-Truppen überwachten Waffenstillstand beendet.
    September 1988
    Saddam Hussein startet einen Rachefeldzug gegen die Kurden im Nordirak, die im irakisch-iranischen Krieg zum Teil den Iran unterstützt hatten. Er bombardiert zahlreiche Kurdensiedlungen und setzt dabei auch Giftgas ein. Tausende Kurden verlieren ihr Leben, mindestens 100.000 fliehen in die Türkei bzw. in den Iran.
    2. August 1990
    Irakische Truppen besetzen das Emirat Kuwait, und Saddam Hussein erklärt es zur 19. irakischen Provinz. Die Vereinten Nationen stellen Saddam Hussein ein Rückzug-Ultimatum bis zum 15. Januar 1991.
    15. Januar 1991
    Nachdem weder ein internationales Wirtschaftsembargo gegen den Irak noch der Aufmarsch einer multinationalen Streitmacht in Saudi-Arabien Saddam Hussein zum Abzug aus dem Emirat Kuwait bewegen konnten, befreien 24 westliche und arabische Staaten unter der Führung der USA bis 27. Februar 1991 im "Zweiten Golfkrieg" Kuwait von der irakischen Besetzung.
    März 1991
    Im Südirak kommt es zu Aufständen der schiitischen Opposition gegen das Regime von Saddam Hussein, und auch in den Kurdengebieten kommt es zu neuen Unruhen, die vom irakischen Militär mit brutaler Gewalt niedergeschlagen werden. Hunderttausende Kurden fliehen in die Grenzgebiete zu Iran bzw. zur Türkei. Daraufhin verschärft der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen das Handelsembargo gegen den Irak und erklärt das irakische Gebiet südlich des 32. Breitengrades zur Schiiten-Schutzzone sowie die Region nördlich des 36. Breitengrades zur Kurden-Schutzzone (Flugverbot für irakische Flugzeuge). Gleichzeitig wird der Irak zur Zerstörung aller Raketen mit einer Reichweite von über 150 km sowie sämtlicher atomarer, biologischer und chemischer Waffen und deren Produktionsstätten verpflichtet. Saddam Hussein, der trotz seiner Niederlage im Golfkrieg seine Vormachtstellung im Irak erhalten konnte, sieht sich gezwungen, ein UN-Team zur Überwachung der Abrüstung ins Land zu lassen. Trotzdem setzt er die Verfolgung der Kurden und Schiiten durch Bodentruppen unvermindert fort und verhängt über die Kurdengebiete eine totale Wirtschaftsblockade, wodurch die rund vier Millionen dort lebenden Kurden (und rund 500.000 ethnischen oder religiösen Minderheiten wie z.B. sunnitische Turkmenen oder christliche Assyrer) völlig von Hilfslieferungen der Vereinten Nationen abhängig werden. Auch die Schiiten im Südirak versucht er auszuhungern, indem er ihnen durch den Bau von neuen Staustufen an Euphrat und Tigris und der damit verbundenen langsamen Austrocknung der Sumpfgebiete z.B. den Anbau von Reis unmöglich macht. (Bis 1995 wandern rund 150.000 Schiiten aus dem Südirak in den Iran ab.)
    April 1991
    Irakische Kampfflugzeuge, die in die Flugverbotszone nördlich des 36. Breitengrades eindringen und Kurden-Siedlungen bombardieren, werden von der US-amerikanischen Luftwaffe abgeschossen.
    Oktober 1991
    Der Weltsicherheitsrat beschließt, die irakische Rüstungsindustrie einer ständigen internationalen Aufsicht zu unterstellen und die Atomforschung auf irakischem Boden gänzlich zu verbieten. Kurz zuvor hatten die UN-Inspektoren trotz erheblicher Behinderung ihrer Arbeit durch die irakischen Behörden Unterlagen entdeckt, aus denen hervorgeht, dass der Irak weiterhin einen geheimen unterirdischen Kernreaktor betreibt und fieberhaft an der Entwicklung einer Atombombe arbeitet.
    Ende 1991
    Saddam Hussein ernennt Muhammad Hamza Al-Zubaydi zum Regierungschef und kündigt eine weitere Demokratisierung des Irak an. U.a. verspricht er die Einführung des Mehrparteiensystems sowie die Durchführung freier Wahlen. (Bis heute hat Saddam Hussein keines seiner Reformversprechen in die Tat umgesetzt.)
    Anfang 1992
    Das seit 1990 bestehende UN-Handelsembargo führt im Irak zu erheblichen Versorgungsengpässen. Trotzdem lehnt Saddam Hussein das Angebot des Weltsicherheitsrats, für den Import von Lebensmitteln und Medikamenten unter strengen Auflagen den Export von Erdöl im Wert von 1,6 Milliarden Dollar zu genehmigen, entschieden ab und fordert hingegen die Aufhebung des Embargos, da er sämtliche Abrüstungs-Forderungen der Vereinten Nationen "gewissenhaft" erfüllt habe.
    Anfang Oktober 1992
    Das kurdische Parlament in Erbil beschließt einstimmig die Proklamation eines kurdischen Teilstaats innerhalb eines föderativen Irak. Gleichzeitig einigt man sich darauf, die Anhänger der türkischen PKK (Kurdische Arbeiterpartei) in ihrem größtenteils vom Nordirak aus geführten Kampf gegen die türkische Regierung in Ankara nicht mehr zu unterstützen bzw. sie zum Abzug aus dem Nordirak zu zwingen.
    Ende Oktober 1992
    In Salaheddin (nördlich des 32. Breitengrades) beschließen mehrere Hundert Vertreter fast aller irakischen Oppositionsgruppen (Kurden, Schiiten und andere Minderheiten), dass nach einem Sturz von Saddam Hussein der Irak als föderativer demokratischer Staat erhalten werden soll und wählen eine Gegenregierung, bestehend aus einem 26köpfigen Exekutivrat und einem dreiköpfigen Präsidialrat.
    Der Weltsicherheitsrat beschließt, mit einem Teil des seit Ende 1990 gesperrten irakischen Auslandsguthabens die Kurdenhilfslieferungen zu finanzieren.
    November 1992
    Türkisches Militär dringt rund 25 Kilometer in den Nordirak vor und tötet (nach eigenen Angaben) rund 1.000 Guerillas der von dort aus gegen türkische Einrichtungen operierenden PKK. Saddam Hussein fordert die türkische Regierung zur sofortigen Beendigung der Aktion auf, da damit die Souveränität des Irak verletzt würde.
    Dezember 1992
    Irakische Kampfflugzeuge, die in die Flugverbotszone südlich des 32. Breitengrades eindringen, werden von US-amerikanischen Jagdbombern abgeschossen.
    Januar 1993
    Die Irakis bringen sowohl in der nördlichen als auch in der südlichen Schutzzone Raketen in Stellung. Gleichzeitig kommt es erneut zu irakischen Übergriffen auf kuwaitisches Gebiet. Die Golfkriegs-Alliierten reagieren mit Bombardements auf irakische Militärstützpunkte und Munitionsfabriken.
    27. Juni 1993
    Ohne Genehmigung des Weltsicherheitsrats schießen die USA über zwanzig Raketen auf die Zentrale des irakischen Geheimdienstes in Bagdad ab. Einige Raketen verfehlen ihr Ziel und schlagen in einem Wohnviertel ein. Dabei kommen mehrere Zivilisten ums Leben. Der Angriff, den US-Präsident Bill Clinton als Vergeltung für ein geplantes Attentat der irakischen Regierung auf seinen Vorgänger George Bush rechtfertigt, wird vor allem von den Mitgliedstaaten der Arabischen Liga scharf kritisiert. Der Weltsicherheitsrat verzichtet jedoch auf Strafmaßnahmen gegen die USA.
    Mai 1994
    Saddam Hussein setzt Ahmed Hussein Al-Khodair als Regierungschef ab und übernimmt das Amt wieder selbst.
    Juni 1994
    In der Kurdenschutzzone nördlich des 36. Breitengrades kommt es immer häufiger zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Milizen der PUK und der DPK. Gründe dafür sind der seit langem schwelende Machtkampf zwischen den Führern Masud Barsani und Jalal Talabani um die Vorherrschaft im Kurdengebiet sowie historisch begründeten Stammesfehden. Verständlicherweise begrüßt der irakische Staatschef Saddam Hussein diese Entwicklung sehr, da sich die innerirakische Allianz gegen ihn auf diese Art gegenseitig schwächt.
    Oktober 1994
    Saddam Hussein, der weiterhin am irakischen Anspruch auf Kuwait festhält, lässt seine Einheiten entlang der kuwaitischen Grenze wieder verstärken. Erst nach Androhung eines massiven Luftangriffs von seiten der Golfkriegsalliierten zieht er die Truppen wieder ab.
    November 1994
    Der Irak erkennt (nach russischer Vermittlung) die Souveränität Kuwaits und auch den 1991 von den Vereinten Nationen festgelegten neuen Grenzverlauf endlich an.
    Anfang 1995
    Internationale Hilfsorganisationen fordern vom Weltsicherheitsrat die Aufhebung oder zumindest eine Lockerung des seit Ende 1990 verhängten und inzwischen mehrmals verlängerten Handelsembargos gegen den Irak, da dort inzwischen mindestens 3,5 Millionen Menschen, vor allem Kinder, an lebensbedrohenden Mangelerscheinungen leiden. (Laut Angaben der irakischen Regierung sind seit 1991 rund 480.000 Menschen an den Folgen des akuten Nahrungs- und Arzneimittelmangel gestorben.)
    Geheimdienstchef Wafik Smarai - er galt bisher als engster Vertrauter von Saddam Hussein - setzt sich nach Syrien ab. Er soll innerhalb des Sicherheitsdienstes eine Oppositionsgruppe gegen den Präsidenten aufgebaut haben.
    23. Februar 1996
    Die Schwiegersöhne von Präsident Saddam Hussein, Hussein Kamel Hassan al-Majikd und sein Bruder Saddam Kamel Hassan al-Majid, werden kurz nach ihrer Rückkehr aus dem Exil (in Jordanien) in den Irak erschossen. (Die beiden - sie gehörten zur Führungsriege Saddam Husseins und waren somit in zahlreiche Staatsgeheimnisse eingeweiht - hatten sich nach Familienzwistigkeiten vor sechs Monaten mit ihren Frauen und Kindern nach Jordanien abgesetzt und Kontakte mit verschiedenen Geheimdiensten aufgenommen; nun hatte ihnen ihr Schwiegervater die Versöhnung angeboten und sie zur Rückkehr eingeladen.)
    Mai 1996
    Die irakische Regierung in Bagdad akzeptiert die Bedingungen der Vereinten Nationen für eine begrenzte Wiederaufnahme der Erdölexporte: Bis Ende des Jahres darf Öl im Wert von 2 Milliarden US-Dollar verkauft werden, wobei 45% des Erlöses für den Erwerb von Nahrungsmitteln und Medikamenten für die irakische Bevölkerung ausgegeben werden sollen; den restlichen Gewinn wird die UN für Wiedergutmachungszahlungen an Kuwait (30%), Hilfslieferungen in die Kurdengebiete (15%) und für die Finanzierung der UN-Inspektorenteams (10%) verwenden.
    Juli 1996
    Die Türkei unterzeichnet trotz des internationalen Handelsembargos gegen den Irak mit der Regierung in Bagdad (sowie mit dem Iran) Erdgaslieferverträge und ein Abkommen über den Bau einer Gaspipeline.
    3. September 1996
    Nach dem erneuten Eindringen der irakischen Armee in die Kurden-Schutzzone nördlich des 36. Breitengrades starten die USA Raketenangriffe auf Militärstützpunkte im Südirak.
    30. Oktober 1996
    Nach Vermittlung der USA und Großbritannien unterzeichnen die beiden rivalisierenden Kurdenorganisationen Iraks in der türkischen Haupstadt Ankara ein Friedensabkommen, in dem die von der irakischen Regierung unterstützte DPK (Demokratische Partei Kurdistans) und die mit Iran und dem Westen verbündete PUK (Patriotische Union Kurdistans) die Bildung einer neuen gemeinsamen Regierung für das nordirakische Kurdengebiet vereinbaren. Der vorläufige Waffenstillstand soll in einen dauerhaften Frieden umgewandelt werden und die territoriale Integrität Iraks gewahrt bleiben.
    Juni 1997
    Nachdem die irakischen Behörden den Inspektoren der Vereinten Nationen wiederholt den Zugang zu Anlagen, in denen biologische, chemische oder nukleare Waffen vermutet werden (der Irak ist seit dem Ende des Golfkriegs 1991 verpflichtet, alle Massenvernichtungswaffen zu zerstören), verwehrt hat, will der Weltsicherheitsrat die wirtschaftlichen Sanktionen gegen den Irak verschärfen.
    29. Oktober 1997
    Die Regierung in Bagdad fordert alle für die "UNSCOM" (UN-Abrüstungskommission) arbeitenden US-Amerikaner auf, den Irak innerhalb einer Woche zu verlassen und droht darüber hinaus mit dem Abschuss von US-Überwachungsflugzeugen. Während der Irak den Amerikanern u.a. Spionage vorwirft, sprechen UN-Experten von einem Ablenkungsmanöver Saddam Husseins, da die Inspektoren herausgefunden hätten, dass der Irak 750 Tonnen Chemikalien zur Produzierung des extrem giftigen Nervengases VX bestellt und man sich kurz vor der Entdeckung eines Giftgaslagers befunden habe.
    Das gesamte 75 Mann starke Waffeninspektoren-Team der Vereinten Nation zieht sich aus dem Irak zurück. Gleichzeitig verstärken die USA ihre Militärpräsenz im Persischen Golf um ein Vielfaches.
    4. November 1997
    Nach der Androhung von UN-Militäraktionen lenkt Bagdad ein und erlaubt den Vereinten Nationen, eine Vermittlungsdelegation ins Land zu lassen.
    21. November 1997
    Die insgesamt 75 UN-Abrüstungskontrolleure, darunter vier US-Amerikaner, kehren auf Beschluss des Weltsicherheitsrats in den Irak zurück und nehmen die Inspektion der irakischen Waffenarsenale nach dreiwöchiger Unterbrechung wieder auf.
    22. November 1997
    Der Weltsicherheitsrat in New York wie auch US-Präsident Bill Clinton lehnen die Forderung des russischen Präsidenten Boris Jelzin nach Lockerung der seit 1991 bestehenden UN-Sanktionen gegen den Irak ab. Trotz der Not der irakischen Bevölkerung sei an eine Teilaufhebung des Embargos erst zu denken, wenn der Irak alle UN-Auflagen zur Vernichtung seiner Waffen erfüllt hätte.
    23. November 1997
    Der Irak verweigert den UN-Waffeninspektoren erneut den Zutritt zu insgesamt fast 80 als "Paläste" Saddam Husseins deklarierten und hermetisch von irakischen Militärs abgeriegelten Anlagen. Als Begründung gibt Bagdad an, dass dadurch die Souveränität des Irak verletzt würde. Die Vereinten Nationen vermuten auf den teilweise riesigen Geländen geheime Lager bzw. Produktionsstätten von Massenvernichtungswaffen.
    26. November 1997
    Der Irak lenkt ein und lädt je zwei Vertreter der "UNSCOM" sowie je fünf Diplomaten der Länder des UN-Sicherheitsrats zur Besichtigung der "Paläste" Saddam Husseins ein. Die Delegation könne sich überzeugen, dass dort weder geheime Waffenfabriken noch verbotene Waffen versteckt seien.
    27. November 1997
    Die Regierung in Bagdad korrigiert die "Einladung" vom Vortag: Waffeninspektoren der "UNSCOM" bleibt der Zutritt zu den Präsidentenpalästen weiterhin verwehrt; lediglich "Experten und Diplomaten" des UN-Sicherheitsrats (insgesamt 115) dürfen die Gelände besichtigen.
    Ende Dezember 1997
    Bagdad und die Vereinten Nationen einigen sich nach wochenlangen Verhandlungen über einen Verteilplan für Lebensmittel und Medikamente im Irak. Damit wird das "Öl-für-Lebensmittel"-Abkommen um ein weiteres halbes Jahr verlängert, d.h., der Irak darf innerhalb der kommenden sechs Monate erneut Erdöl im Wert von zwei Milliarden Dollar exportieren, und der Erlös wird hauptsächlich für den Kauf von Nahrung und Medikamenten verwendet, der Rest für Wiedergutmachung an Kuwait, Hilfslieferungen in die Kurdengebiete sowie für die Finanzierung der UN-Inspektorenteams im Irak.
    Anfang Januar 1998
    In Teheran findet erstmals seit dem Ende des iranisch-irakischen Krieg vor zehn Jahren ein Treffen zwischen den Außenministern des Iran und des Irak statt. U.a. wird bei den Gesprächen ein Austausch von Kriegsgefangenen vereinbart.
    Mitte Januar 1998
    Die irakische Führung weist ein weiteres Mal die Forderung der Vereinten Nationen nach freiem Zugang zu allen militärischen Anlagen zurück und fordert zudem, die "Dominanz amerikanischer Bürger" bei den Kontrollen zu verringern. Um den Irak zur Zusammenarbeit mit den UN-Kontrolleuren zu zwingen, stationieren die USA im Persischen Golf zwei Flugzeugträger mit 420 Kampfflugzeugen an Bord.
    23. Februar 1998
    UNO-Generalsekretär Kofi Annan und der stellvertretende irakische Regierungschef Tarik Asis unterzeichnen in Bagdad ein Abkommen zur Beilegung des neuerlichen Irak-Konflikts.
    30. Juni 1998
    Nachdem die Irakis nach US-Angaben Flugzeuge der alliierten Luftüberwachung mit Zielradar erfasst haben - dies wird als feindlicher Akt gewertet - schießt ein US-Jet eine Rakete auf eine irakische Luftabwehrstellung im Süden des Irak ab.
    Mitte September 1998
    Das irakische Parlament beschließt ein Ende der Zusammenarbeit mit der UN-Abrüstungskommission für den Fall, dass der Weltsicherheitsrat dem Irak hinsichtlich der seit 1990 verhängten Sanktionen nicht entgegenkommt.
    5. Januar 1999
    Die anhaltenden Spannungen zwischen Irak und den USA eskalieren zu einem Luftkampf: Vier patrouillierende US-Maschinen feuern in der Flugverbotszone über Südirak Raketen auf irakische Kampfflugzeuge, ohne jedoch zu treffen.
    10. Januar 1999
    Die irakische Nationalversammlung – sie verfügt nur über eine beratende Funktion – fordert die Regierung in Bagdad einstimmig dazu auf, die vom UN-Sicherheitsrat gegen den Irak verhängten Sanktionen nicht mehr anzuerkennen, da die nach der Invasion von Kuwait 1990 verhängten Auflagen ungerecht seien. Zudem droht das irakische Parlament damit, Kuwait als souveränen Staat nicht mehr anzuerkennen.
    24. Januar 1999
    Die Außenminister der 22 Mitgliedsländer der Arabischen Liga fordern die irakische Führung auf, voll mit dem UN-Sicherheitsrat zusammenzuarbeiten, alle UN-Resolutionen zu erfüllen und ihre "provokativen Erklärungen" einzustellen.
    26. Januar 1999
    Die USA verstärken ihren militärischen Druck auf den Irak. US-Präsident Bill Clinton gibt den in der Golfregion stationierten Streitkräften freie Hand für ein aggressiveres Vorgehen bei Verstößen gegen das Flugverbot im Norden und Süden des Irak
    19. Februar 1999
    In der heiligen Stadt Nadschaft werden der ranghöchste Geistliche der irakischen Schiiten, Ayatollah Mohammed Sadik al Sadr, und seine beiden Söhne, erschossen. Zehntausende irakische Schiiten gehen daraufhin in Bagdad und anderen irakischen Großstädten auf die Straße und fordern den Sturz des Regimes von Saddam Hussein, das sie für die Ermordung verantwortlich machen. Die Regierung in Bagdad, die ihrerseits "ausländische Agenten" der Tat bezichtigt, geht mit Waffengewalt gegen die schwersten Massendemonstrationen seit 1991 vor. Dabei kommen bis zu 1 500 Menschen ums Leben, zahlreiche weitere erleiden Verletzungen und mehrere Hundert werden verhaftet.
    Anfang März 1999
    Präsident Saddam Hussein lässt mehrere hochrangige Militärs, darunter auch den Kommandeur der irakischen Truppen beim Einmarsch in das Emirat Kuwait 1990, General Kamal Sadschit, wegen Vorbereitung eines Putschversuchs exekutieren.
    23. November 1999
    USA und Großbritannien sind im Weltsicherheitsrat weiterhin gegen eine Aufhebung der Sanktionen gegen den Irak, solange dieser über Massenvernichtungswaffen verfügt. Aus Protest stellt der Irak seine Erdöllieferungen im Rahmen des UN-Programms Öl für Nahrungsmittel ein. Daraufhin steigen in New York die Rohölpreise auf den seit acht Jahren höchsten Wert.
    Anfang Februar 2000
    Das US-Außenministerium bestätigt einen Bericht der "New York Times", wonach der Irak 1999 mehrere bei amerikanischen und britischen Angriffen zerstörte Fabriken zur Herstellung von Langstrecken-Raketen und chemischen Waffen wieder aufgebaut hat.
    12. August 2000
    Als Reaktion auf Gefechte der irakischen Flugabwehr mit amerikanischen und britischen Militärflugzeugen beginnen die USA mit einer Serie von Luftangriffen auf den Irak.
    14. Oktober 2000
    Der Irak und der Iran wollen ihre Beziehungen zwölf Jahre nach dem 1. Golfkrieg normalisieren. Bei einem Besuch des iranischen Außenministers Charasis im Irak einigt man sich unter anderem darauf, das iranische Pilger wieder heilige Stätten im Irak besuchen dürfen. Der irakische Staatschef Saddam Hussein äußert die Absicht, die Beziehungen zum Iran weiter auszubauen.
    22. Oktober 2000
    In seiner Abschlusserklärung macht der Kairoer Sondergipfel der Arabischen Liga (LAS) Israel für die Gewalt in den Autonomiegebieten verantwortlich. Der Gipfel fordert die UN auf, Truppen zum Schutz der Palästinenser zu entsenden, beschließt jedoch gleichzeitig, den Friedensprozess fortführen zu wollen. Außerdem fordern die Mitgliedsstaaten der LAS ein internationales Kriegsverbrechertribunal, das Gewalttaten israelischer Soldaten gegen Palästinenser untersuchen soll. Als Antwort darauf verkündet Regierungschef Barak bei den Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern einen Verhandlungsstopp; innerhalb der israelischen Regierung beginnen Verhandlungen über eine Notstandsregierung.
    20. Januar 2001
    Nach irakischer Darstellung sterben bei einem Luftangriff britischer und amerikanischer Flugzeuge sechs Menschen. Die USA erklärt den Angriff als Reaktion auf irakisches Luftabwehrfeuer.
    16. Februar 2001
    Flugzeuge der USA und Großbritannien bombardieren zum ersten Mal seit 1998 irakische Militärstellungen außerhalb der Flugverbotszonen. Die Angriffe stoßen auf internationale Kritik. Saddam Hussein droht Vergeltungsschläge an und ruft dazu auf, Israel zu befreien. Eine Woche später droht US-Präsident George W. Bush auf einer Pressekonferenz dem Irak indirekt mit Angriffen, falls dieser Massenvernichtungswaffen entwickeln sollte.
    18. April 2001
    Der Iran beschießt die Rebellengruppe der "Volksmudschahedin" mit Raketen. Die Raketen explodieren dabei auf irakischem Territorium, da die Rebellen ihre Lager im Irak nahe der Grenze haben.
    30. April 2001
    Alliierte Kampfflugzeuge bombardieren erneut Flugabwehrstellungen des Irak.
    27. Mai 2001
    Der Irak lehnt einen französischen Vorschlag, der im UN-Sicherheitsrat vorgestellt wurde, ab. Der Initiative Frankreichs zu Folge wären die UN-Sanktionen gegen den Irak gelockert worden, wenn dieser einer effizienteren Kontrolle des Waffenembargos und einer UN-Kontrolle über die Öleinnahmen zugestimmt hätte.
    10. August 2001
    Kampfflugzeuge der USA und Großbritanniens fliegen schwere Angriffe gegen Abwehrstellungen des Irak. Als Grund für die Angriffe werden zunehmende Provokationen durch den Irak genannt.
    27. August 2001
    Die Flugabwehr des Irak schießt ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug der USA ab. Als Reaktion darauf greifen US-Flugzeuge eine Raketenabwehrstellung des Irak an.

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