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Fehlende internationale Erfahrung

Erstellt von DisainaM, 29.06.2007, 13:38 Uhr · 6 Antworten · 841 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von DisainaM

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    Fehlende internationale Erfahrung

    Wenn ein Weltkonzern, wie Siemens, auf dem Weltmarkt bestehen will, muß er sich den Spielregeln anpassen.

    Ob es dabei um Erweiterungsaufträge des Skytrain in Bangkok geht, oder um Projekte in Südkorea oder anderswo,
    man muß die Spielregeln dieser Märkte kennen,
    um dort bestehen zu können.

    Auf der anderen Seite haben wir in Deutschland ein ausgeprägtes Unrechtsbewußtsein, wenn es darum geht, Aufträge durch Korruption zu erhalten.

    Der sich so ergebende Zielkonflikt war, auf der einen Seite den Aktienmarkt nach einem offenkundig gewordenen Korruptionsfall (Kollateralschaden ?) wieder zur Ruhe zu bringen,
    auf der anderen Seite im internationalen Wettbewerb keine Marktanteile einzubüßen,

    führte zu der Einrichtung einer Antikorruptionsabteilung bei Siemens, wo ein ehemaliger Staatsanwalt als Leiter gewonnen wurde.

    Nun, nach einem halben Jahr, wo sich die Öffentlichkeit schon lange beruhigt hat,
    trennte sich Siemens von dem eingesetzten Ex-Staatsanwalt, wegen
    fehlender internationaler Erfahrung.


    "Sehr gefremdelt"
    Ex-Staatsanwalt Daniel Noa sollte den Korruptionsskandal bei Siemens rasch aufklären - blieb aber nur die Probezeit. Nun wird ein "international erfahrener Compliance-Experte" gesucht.

    Nach nur sechs Monaten im Amt scheidet der Chef der Anti-Korruptions-Abteilung von Siemens, Daniel Noa, 55, Ende Juni wieder aus. Der gelernte Staatsanwalt soll nach Konzernangaben durch einen "international erfahrenen Compliance-Experten" ersetzt werden. Der neue Vorstandschef Peter Löscher will den Nachfolger mit auswählen.

    Noa war erst Anfang dieses Jahres als Chef der Anti-Korruptions-Abteilung in die Dienste des Münchner Konzerns getreten - er sollte auch helfen, den Korruptionsskandal aufzuklären, bei dem Siemens selbst fragwürdige Zahlungen in Höhe von mindestens 420 Millionen Euro eingeräumt hatte. In den vergangenen Jahren war die Compliance-Abteilung von Siemens, die für Ethik und Anstand sorgen sollte, durch sehr zögerliches Verhalten aufgefallen.



    Begrenzte Englisch-Kenntnisse
    Noa soll nach seinem Ausscheiden als angestellter Berater bis Ende nächsten Jahres dem Konzern zur Verfügung stehen. Bis ein Nachfolger feststeht, der in Abstimmung mit dem neuen Konzernchef Löscher bestellt werden soll, wird der Chefsyndikus des Konzerns, Paul Hobeck, das Amt übernehmen.

    Noa hatte rund zwanzig Jahre als Strafverfolger im Bereich der Wirtschaftskriminalität gearbeitet. Mitte der neunziger Jahre war er Leiter der Stabsstelle Recht der Treuhandanstalt in Berlin gewesen. Die Abwicklungsbehörde der DDR-Wirtschaft ging damals Hinweisen auf Korruption und Betrug in den neuen Bundesländern nach.

    Headhunter wurden auf Noa aufmerksam. Sie sprachen mit ihm vor rund neun Jahren über einen möglichen Wechsel zu Siemens, aber das Projekt hatte sich dann zerschlagen.

    Bis zu seinem Wechsel nach München hatte er als Abteilungsleiter für Verkehrsdelikte bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart gearbeitet und war zuständig für den Raum Stuttgart bis Waiblingen. Die Abteilung Verkehrsdelikte gilt innerhalb der Staatsanwaltschaften eher als Abstellgleis.

    Noa war in den großen Krisentagen bei Siemens Ende vorigen Jahres gefragt worden, ob er wechseln wolle: "Vielleicht haben da manche den Kopf geschüttelt, ich habe es aber gerne gemacht, man muss vielseitig sein", hatte er erklärt.

    Sein Name war von dem Noch-Siemens-Personalvorstand Jürgen Radomski und dem ehemaligen Compliance-Chef Albrecht Schäfer ins Spiel gebracht worden. Der damalige Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hatte dann mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) vereinbart, dass Noa vom Staatsdienst freigestellt werde und ein Rückkehrrecht habe.

    In der Business-Welt von Siemens kannte er sich nicht aus und hat, wie ein Top-Manager sagt, "sehr gefremdelt". Auch sind seine Englisch-Kenntnisse begrenzt, was in einem Konzern wie Siemens, der amerikanische Anwälte im Haus hat - aber auch sonst - ein Handicap ist.

    Noa, der am Ende seiner Probezeit den Compliance-Posten aufgibt, redet nicht über die Gründe seines Weggangs. Das Schweigen ist offenkundig Teil der Vereinbarung, die er mit dem Siemens-Vorstand getroffen hat.

    Vertraute von ihm sagen allerdings, Noa sei unglücklich darüber gewesen, dass er seine Strukturpläne nicht habe durchsetzen können. So habe er es als Fehler kritisiert, dass seine Abteilung der Rechtsabteilung des Konzerns zugeschlagen worden sei. Es habe auch mit dem Chefsyndikus Hobeck Reibereien gegeben. Noa wird von einem Vertrauten mit dem Satz zitiert, es sei "schon unsinnig, dass jemand, der kontrollieren soll, eine Probezeit hat".



    GSG-9-Leute sollten helfen
    In seiner kurzen Amtszeit hat er dennoch einiges auf den Weg gebracht: Er entwickelte ein ehrgeiziges Compliance-Programm, das er vor Wochen auf einer internationalen Konferenz von Siemens im Führungscenter Feldafing präsentierte. Dazu gehörte eine Art Strafverfolgungsapparat mit Spezialisten für Revision, Forensic Accounting und IT-Experten. Sogar GSG-9-Mitarbeiter sollten bei Siemens mitarbeiten.

    Der Abschied des Oberstaatsanwalts fällt mit einer anderen Personalie in der Compliance-Welt zusammen: Am 1. Juli nimmt der Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner die Arbeit als Chef der Compliance-Abteilung bei der Deutschen Bahn auf.

    Bei der Neugestaltung der Compliance-Abteilung wird sich Siemens ein Stück am amerikanischen Mischkonzern General Electric (GE) orientieren. Compliance hat bei dem US-Konzern, der als Hauptkonkurrent von Siemens gilt, eine lange Tradition. Bereits vor 63 Jahren wurde bei GE ein "Green Binder" eingeführt, der strenge Regeln für Ethik und Anstand im Geschäft enthielt. Diese Regeln sind bei GE immer weiter verfeinert worden. Siemens-Aufsichtsrat Gerhard Cromme und auch Löscher, der vor Jahren im GE-Vorstand gearbeitet hat, haben das GE-System als "Benchmark" für Siemens gelobt.


    (SZ vom 29.06.2007)

    http://www.sueddeutsche.de/,tt4l1/wi...el/989/120835/


    Bei dem goldenen Handschlag, einem Beratervertrag,
    wurde wieder die seichte Variante gewählt.
    Oft besteht ja das Problem, das bei einem Standartberatervertrag, später die Steuerfahndung den Vertrag als Scheinvertrag bewertet, weil es keinen tatsächlichen Leistungsaustausch gab,
    Geldzahlung gegen nicht erfolgte Beratung.
    Dies wird elegant dadurch gelößt, dass der Berater seine beraterdienste auf Abruf zu Verfügung stellt.
    Für diese Bereitstellung der Dienste erhält er das Geld, auch wenn er niemals etwas dafür an Beratung tun mußte,
    denn dann ist man wieder im legalen Rahmen.

  2.  
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  3. #2
    KKC
    Avatar von KKC

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    Re: Fehlende internationale Erfahrung

    Also das Thema ist bei weitem noch nicht vom Tisch sondern schwebt wie ein Damokles-Schwert über Siemens. Es können durchaus noch Geldstrafen in Mrd.-Höhe verhängt werden.
    Zu Hrn. Noa:
    Vollständig unverständlich, wie man ihn mit dieser Aufgabe hat betrauen können. Das hätte jemand aus den internat. Geschäft sein müssen, mit einem entsprechenden Ruf. Wenn der Hr. Noa noch nicht mal sattelfest englisch spricht, wie will er da mit den Verantwortlichen in den Landesgesellschaften kommunizieren?
    Ich denke da hat man bei den Verantwortlichen eingesehen, das war eine Fehlbesetzung.
    Ob die wenigen Monate bei siemens aber einen Beratervertrag rechtfertigen?

    Gruß

  4. #3
    Avatar von alhash

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    Re: Fehlende internationale Erfahrung

    Ich dachte, Personen die studiert haben können ein gutes englisch

    AlHash
    der nicht studiert hat

  5. #4
    Avatar von DisainaM

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    Re: Fehlende internationale Erfahrung

    Der Vorwurf ist IMO auch an den Haaren herbei gezogen.

    Ist doch klar, wer als Beamter bei der Staatsanwaltschaft gearbeitet hat,
    kann eben Schulenglisch, aber kein Bussiness Englisch,
    noch kann er bei einer Unterhaltung mit einem engl.spr. Juristen die gesamten Fachworte auf Englisch aussprechen,
    doch das wußte man vorher, und stellt man einem Manager für diese Sachen einen Zuarbeiter an die Seite, der dann in ausländischen Angelegenheiten beigezogen wird.

    Ne, ne, gehe eher von der Situation aus, der ist bei seinen Überprüfungen auf Sachverhalte gestossen, wo er sehr große Probleme sah, und deshalb mit dem Chef der jurist. Abteilung Reibereien hatte.
    Danach wollten die ihn nur los werden,
    frei nach dem Motto, im internationalen Geschäft läuft es eben nur mit dem Zuckerl-zubrot für den Auftraggeber, und wenn er da nicht mitspielt, brauchen wir ihn nicht.

    Damit er weiterhin dem Konzern verpflichtet bleibt, 18 Monate Beratervertrag und gut ist.

  6. #5
    KKC
    Avatar von KKC

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    Re: Fehlende internationale Erfahrung

    Ist natürlich alles nur Spekulation!
    Aber einen Abteilungsleiter für Verkehrdelikte halte ich zunächst mal nicht für geeignet, einen derartig exponierten und heiklen Posten in einem Weltunternehmen auszufüllen. Den lassen die Insider mit all ihrem Backgroundwissen doch voll vor die Wand laufen (was ja wohl auch passiert ist).

    Gruß

  7. #6
    Avatar von DisainaM

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    Re: Fehlende internationale Erfahrung

    aber das war doch absehbar, auch ohne Spekulation

    war halt nur ein zeitlicher Lückenbüsser,
    der zum Schluß noch lästig wurde.

  8. #7
    KKC
    Avatar von KKC

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    Re: Fehlende internationale Erfahrung

    ja, sehe ich auch so.

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