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Die Thaiyerinnen

Erstellt von FarangLek, 16.07.2004, 21:34 Uhr · 34 Antworten · 1.741 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von FarangLek

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    Die Thaiyerinnen

    Ich musste diesen Text unbedingt posten...

    Die Thaiyerinnen

    Bayern kann so exotisch sein – besonders aus der Sicht von Thailänderinen, die bayerische Mannsbilder geheiratet haben

    Von Cosima Schmitt

    E in Picknick auf einer Wiese am Ammersee, mit Glasnudelsalat, Mangofleischstangen und Tamarindensnacks. Drei Freundinnen, die vor einiger Zeit Thailand verlassen und bayerische Männer geheiratet haben, erzählen von ihren Begegnungen mit einer fremden Kultur:

    Phatchara Meier, 32 Jahre, kam vor drei Jahren nach Helmstetten und arbeitet als Zimmermädchen.

    Konekanok Rau, 35, Hausfrau und Dolmetscherin, lebt seit acht Jahren in Mammendorf.

    Nuttakarn Tripech, 48, wohnt seit 14 Jahren in Unterschleißheim und kocht für ein Münchner Hotel.


    Sie kamen aus einem thailändischen Dorf in ein bayerisches Dorf. War das ein Kulturschock?

    Rau: Zuerst fand ich es großartig. Ich kam vom Flughafen, müde und hungrig, mit Olivers Nissan fuhren wir hinein ins Dorf. Und dann standen da alle Nachbarn, sie winkten und guckten und reckten die Hälse. Ich kam mir vor wie ein Filmstar, habe gelächelt, Hände geschüttelt und »Hello, I’m Konekanok!« gerufen. Der Schock kam am nächsten Morgen. Ich wachte auf, im Gästezimmer der Raus, meine Schwiegermutter saß an der Bettkante und reichte mir Tee und eine Marmeladensemmel. Ich biss hinein und dachte: Widerlich! Süßes Essen am Morgen! Bei uns frühstückt man Suppe oder Fisch oder gebratenen Reis mit Garnelen.

    Tripech: Mein erster Bayernschock war ein Stück Bergkäse. Ich war erst zwei Tage in München, da lud mich eine Freundin zum Frühstück in ihre deutsche Familie ein. Ich setze mich an den Esstisch und denke: Hier riecht es aber streng. Dann sehe ich, wie der Mann meiner Freundin sich stinkende blasse Lappen auf die Semmel legt. Wie unappetitlich, habe ich gedacht, wie kann man das essen?

    Meier: Seltsam fand ich die bayerischen Brezeln. Sie sind zu trocken, zu salzig, zu hart. Sie rutschen nicht durch die Kehle, wenn man sie schlucken will.

    Tripech: Zuerst dachte ich, warum tun die Bayern nicht mehr Hefe in ihr Gebäck, dann wird es luftig und lecker wie in Thailand. Jetzt mag ich Brezeln und Semmeln. Ich kaufe sie sogar in Thailand – bei Otto, dem bayerischen Bäcker von Bangkok.

    Rau: Ich finde, die Leute hier trinken zu wenig Wasser. Ich sage oft zu meinen Mann: Ob in der Wohnung oder im Gasthaus – immer trinkt ihr nur Bier. Mein Mann sagt, das ist normal in Bayern. Bier ist unser Leben.

    Tripech: Ich habe Bier probiert. Danach hatte ich Kopfweh.

    Rau: Wenn ich einkaufen gehen will, sagt manchmal mein Mann: Du musst einen Einkaufszettel machen. Zu Hause planen, was man im Supermarkt einkaufen wird! Das finde ich absurd. Wir Thais entscheiden spontan, mit Augen und Nase: Die Lychees sehen frisch aus, und gerade jetzt habe ich Lust auf gebratenen Tofu. In unserer Kultur ist Genuss wichtiger als ein Wochenplan.

    Tripech: Bayern essen auch im Thai-Restaurant jedes Mal dasselbe Gericht. Die Kellner sagen: Heute ist die Glasnudelfrau wieder da mit dem Kokoscurry-Mann. Außerdem sind die Bayern verrückt nach Soße. Am Anfang dachte ich, sie gießen Suppe über ihr Essen. Wir Thais bestellen Suppe, wenn wir Suppe wollen, und essen sonst Gemüse, Reis, Fleisch oder Fisch – trocken, nur gebraten und gewürzt. Bayern wollen Essen, das schwimmt.

    Rau: Enttäuscht war ich von den bayerischen Frauen. Ich dachte immer, deutsche Frauen sind schön und groß und schlank. Dann ging ich zum Metzger. Die Verkäuferin hatte oben viel und auch am Bauch, eins, zwei, drei, von oben bis unten Kugeln. Na ja, sie isst viel Fleisch, dachte ich, aber dann lief ich durchs Dorf: Überall waren die Frauen bum-bui, wie man in Thailand sagt, pummelig.

    Tripech: Und sie haben so große Nasen! Mit den Nasen ist es wie mit den Zwiebeln: Wir in Thailand haben kleine rote Zwiebeln, Deutsche haben große weiße Zwiebeln.

    Was machen Bayern, das ein Thai niemals täte?

    Rau: Schnupftabak schniefen. Mein Schwiegervater und ein Freund meines Mannes nehmen ihn manchmal. Sie streuen ihn auf den Handrücken und saugen, ein Häufchen in jedes Nasenloch. Dann runzeln sie die Stirn und niesen in ein Taschentuch, schwarze Krümel kleben ihnen an der Nase. Ich finde das scheußlich.

    Meier: Wenigstens sind bayerische Ehemänner treu. In Thailand hat fast jeder Mann noch eine Zweitfrau oder Geliebte.

    Was wussten Sie über Bayern, als Sie noch in Thailand lebten?

    Rau: Ich kannte BMW. Es gibt diesen thailändischen Schlager: Ein reicher Mann fährt BMW, drum kriegt er alle schönen Frauen…

    Tripech: Die Bayern bauen tolle Fernseher, von Grundig, die halten ewig, sind aber sehr teuer.

    Meier:Und sie haben gute Fußballer, Lothar Matthäus und Oliver Kahn. Kaum ein Thailänder kennt Schloss Neuschwanstein, aber der FC Bayern, der ist berühmt.

    Tripech: In Thailand hat mich Fußball nicht interessiert, jetzt schauen wir im Fernsehen fast jedes Spiel von Bayern. Eine Freundin kommt zu mir, wir essen Garnelensuppe, Ingwerwürfel und Mangostreifen und jubeln, wenn Ballack ein Tor schießt. Ins Stadion gehe ich aber nicht. Die Menschen dort sind mir zu groß.

    Sprechen Sie auch Bayerisch?

    Rau: Ich habe eineinhalb Jahre gebraucht, um mich halbwegs auf Deutsch unterhalten zu können. Trotz Sprachkurs dreimal in der Woche. Bayerisch, das wäre zu viel.

    Meier: Ich kenne nur ein paar Wendungen wie »da Mo«, »da Bua« und »oans, zwoa«. Leider. Wir haben sehr nette Nachbarn, die nur Bayerisch sprechen. Manchmal zeigen sie mir Fotos von ihrem Thailand-Urlaub. Ich nicke und lächle und verstehe kein Wort.

    Tripech: Ich verstehe Bayerisch recht gut, spreche es aber kaum. Das »R«, bei dem die Zunge rollt und hüpft – das kann eine Thai nicht lernen.

    Seltsame Bräuche, eine unverständliche Sprache – warum haben Sie sich dem ausgesetzt?

    Meier: Deutschland hat bei uns daheim ein gutes Image. Thailänder denken, eine deutsche Ehefrau sitzt tagsüber im Café und nippt an ihrem Tee, abends trägt sie ihre Brillantringe in die Oper. Wie eisig und grau ein bayerischer Winter ist, wie hart die Menschen für ihr Geld arbeiten müssen, das ist kaum bekannt.

    Rau: Ich war verliebt – und neugierig auf ein fernes Land. Ich stamme aus dem Nordosten Thailands, aus einem Dorf am Mekong. Das ist der Grenzfluss zu Laos. Oliver hat für eine Woche in dem kleinen Gasthaus gewohnt, in dem ich damals Geschäftsführerin war. Er hat Spaghetti für mich gekocht, durch das ganze Dorf sind wir auf seinem Moped gefahren, Basilikum suchen. Er hat mir zugelächelt, so schöne grüne Augen, habe ich gedacht, wir haben geplaudert und gescherzt, ich spreche ja Englisch. Kurz darauf kamen seine Mutter und Schwester, sie wollten mich anschauen, später auch der Vater. Ein Jahr lang haben wir uns geschrieben, dann habe ich ihn in Bayern besucht. Mittlerweile haben wir einen Sohn, Linus ist jetzt drei.

    Tripech: Meine Eltern leben in einem Dorf in Mittelthailand. Es ist sehr grün, sehr hübsch und sehr arm. Man ackert den ganzen Tag auf den Reisfeldern und verdient kaum genug, um ein bisschen Huhn und Fisch zu kaufen. Als ich 14 war, bin ich in die Großstadt gezogen. Eines Tages las ich eine Anzeige: Münchner Restaurant sucht thailändische Köchin. Ich habe gleich eine Bewerbung hingeschickt. Eigentlich wollte ich nur zwei, drei Jahre bleiben, diese Woche aber feiere ich ein Jubiläum: 14 Jahre Unterschleißheim. Vier Jahre war ich verheiratet, jetzt lebe ich ganz allein. Meine Tochter, sie ist 28, wohnt in Thailand.

    Meier: Meine beiden Söhne, neun und elf Jahre alt, leben auch noch in Thailand, bei meiner Mutter. Ich möchte sie nach Deutschland holen, sobald mein Mann das erlaubt. Nach Bayern bin ich auf Einladung einer Tante gekommen, meinen Mann habe ich dann hier über eine Anzeige kennen gelernt – ich hatte nicht viel Zeit. Nach drei Monaten lief das Besuchervisum ab.

    Rau: Meine Freundin Laongdan traf ihren Mann in einem Nürnberger Gasthaus – drei Tage später haben sie geheiratet. Sie sind glücklich, aber das ist eine Ausnahme. Die meisten dieser Ehen enden im Streit. Die Frauen heiraten den Erstbesten, denn meist hat sich die Familie verschuldet, um den Flug nach Deutschland zu bezahlen.

    Tripech: Die Familie in Thailand denkt, hier ist alles reich, golden, toll, wie in Saudi-Arabien. Dabei ist hier immer nur Arbeit, Arbeit, Arbeit. Man kann ja am Telefon nicht die Wahrheit sagen. Wenn die Familie Geldprobleme hat, ruft sie mich an.

    Rau: Wir alle schicken Geld nach Hause, 300 oder 400 Euro pro Monat. Die möchten wir gerne selbst verdienen, aber die Männer sagen: Bleib im Haus, du brauchst nicht zu arbeiten. Ein bisschen Geschirr abwaschen im Flughafencafé oder Putzen in der Sparkasse – für manche Männer ist das ein Riesenproblem.

    Tripech: Viele deutsche Ehemänner denken: Heirate ich statt einer emanzipierten Bayerin eine Thailänderin, die ist glücklich, wenn sie daheim kocht und die Kinder hütet. Dabei sind Frauen in Thailand sehr selbstständig. Viele sind gut ausgebildet, fast jede verdient ihr eigenes Geld, oft mehr als ihr Mann.

    Rau: Manche Männer schimpfen schon, wenn ihre Frau einen Deutschkurs besucht. Sie wollen keine Partnerin, sondern eine Dienerin, am Tisch und im Bett. Das schöne Leben in Bayern – für viele Thai-Frauen beginnt es erst mit der Scheidung.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von norberti

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    Re: Die Thaiyerinnen

    Der letzte satz passt wie die Faust aufs Auge
    Rau: Manche Männer schimpfen schon, wenn ihre Frau einen Deutschkurs besucht. Sie wollen keine Partnerin, sondern eine Dienerin, am Tisch und im Bett. Das schöne Leben in Bayern – für viele Thai-Frauen beginnt es erst mit der Scheidung.

  4. #3
    Avatar von FarangLek

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    Re: Die Thaiyerinnen

    Zitat Zitat von norberti",p="151612
    Der letzte satz passt wie die Faust aufs Auge
    Rau: Manche Männer schimpfen schon, wenn ihre Frau einen Deutschkurs besucht. Sie wollen keine Partnerin, sondern eine Dienerin, am Tisch und im Bett. Das schöne Leben in Bayern – für viele Thai-Frauen beginnt es erst mit der Scheidung.
    Traurig... aber es muss ja nicht immer so sein !

  5. #4
    Avatar von norberti

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    Re: Die Thaiyerinnen

    Aber leider immer Öfter.

  6. #5
    Avatar von bigchang

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    Re: Die Thaiyerinnen

    Zitat Zitat von norberti",p="151612
    Der letzte satz passt wie die Faust aufs Auge
    Rau: Manche Männer schimpfen schon, wenn ihre Frau einen Deutschkurs besucht. Sie wollen keine Partnerin, sondern eine Dienerin, am Tisch und im Bett. Das schöne Leben in Bayern – für viele Thai-Frauen beginnt es erst mit der Scheidung.

    irgendwie tun mir diese frauen leid

    gruss matt

  7. #6
    UAL
    Avatar von UAL

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    Re: Die Thaiyerinnen

    @ KF, :-)

    hättest noch die Quelle angeben sollen, aus der Du kopiert hast, scheint mir schon ein bischen angestaubt

    Beispiel:

    Tripech: Die Bayern bauen tolle Fernseher, von Grundig, die halten ewig, sind aber sehr teuer.
    Das ist ja bekanntlich -leider- Geschichte...

  8. #7
    Avatar von Ampudjini

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    Re: Die Thaiyerinnen

    Hallo Kleiner!

    da hast du mich aber mal positiv überrascht. Ein nett geschriebener (protokollierter) Text.
    Wo hast du ihn denn gefunden?

  9. #8
    Avatar von FarangLek

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    Re: Die Thaiyerinnen

    @alle die es wissen wollten

    Der Text stammt aus der Zeitung "Die-Zeit".

    Wurde aber auch im I-Net veröffentlicht..

    Nämlich hier

    Jahr: 2003

    Sooo alt ist es nun doch nicht.

    Und der gute alte Grundig Fernsheher steht den Marken aus Fern-Ost auch um nichts nach. Auch wenn er ein paar Jahre auf dem Puckel hat. [ Hoffe ich doch ]

  10. #9
    UAL
    Avatar von UAL

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    Re: Die Thaiyerinnen

    @ KF, :-)

    Der Text stammt aus der Zeitung "Die-Zeit".
    Macht mehr Sinn, das zuerst anzugeben und nicht auf Nachfrage...

  11. #10
    Avatar von FarangLek

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    Re: Die Thaiyerinnen

    Aus Fehlern lernt man.

    Danke für den Tip !

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