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Die Gesellschaft der Besserwisser

Erstellt von Chainat-Bruno, 16.12.2001, 11:57 Uhr · 7 Antworten · 1.078 Aufrufe

  1. #1
    Chainat-Bruno
    Avatar von Chainat-Bruno

    Die Gesellschaft der Besserwisser

    Viele Menschen sind unfähig, ehrlich und offen miteinander zu reden / Ein Plädoyer für eine neue Gesprächskultur

    Der Dialog ist ein zentrales Thema der abendländischen Philosophie. Von So-krates bis Martin Buber, von Gadamer bis Habermas. Der Dialog ist nicht lediglich eine Kommunikationsform, sondern er gehört zum Wesen menschlicher Identität und des gesellschaftlichen Miteinan-ders. Im Gespräch mit anderen kommen wir zu uns selbst, entwickeln wir unser Selbstbewußtsein, erleben wir unsere Zugehörigkeit zu einer Verständigungsgemeinschaft, erzeugen wir eine Welt, die wir mit anderen teilen, und die sich dadurch als viabel,. als vernünftig erweist. Der Dialog hat somit eine persönliche, eine soziale und eine politische Dimension. Und dennoch sind Dialoge selten.

    Funkstille zwischen Eheleuten

    Es wird viel geredet, wenn der Tag lang ist. Es wird viel diskutiert, belehrt und informiert. Und gleichzeitig wurde errechnet, daß Ehepartner in den USA im Durchschnitt täglich weniger als vier Minuten miteinander sprechen. In der modernen Informationsgesellschaft scheinen die Fähigkeiten einer dialogischen Gesprächsführung eher verloren zu gehen. Wie David Bohm in seinem Buch „Der Dialog - das offene Gespräch am Ende der Diskussion" schreibt „steckt eine Menge Gewalttätigkeit in den Meinungen, die wir verteidigen. Es sind nicht lediglich Meinungen; es sind Annahmen, mit denen wir uns identifizieren und die wir verteidigen, weil es ist, als würden wir uns selbst verteidigen."

    Dem Dialog geht es dagegen nicht um Positionsbehauptung oder rhetorische Eloquenz, Rechthaberei oder Durchsetzung, sondern um Verständigung. Deshalb ist es wesentlich, nicht nur gesprächsbereit zu sein, sondern auch zuhören zu können, aber auch nachzudenken, bevor man redet. Zuhören als Haltung, nicht wo kann ich widersprechen, sondern was will der andere sagen. Die Denkhaltung des Dialogs unterscheidet sich prinzipiell von der des politischen Streitgesprächs. Aus politischen Diskussionen will man als Sieger hervorgehen, man lauert darauf, den Gegner auf dem falschen Fuß zu erwischen.

    Im Dialog ist man auch nicht an einem sofortigen Einverständnis interessiert, denn dann wäre das Gespräch sofort zu Ende, sondern man läßt sich anregen, erwartet Widerspruch, um das eigene Argument zu prüfen. Der Dialog ermöglicht ein Probedenken, eine heuristische Haltung. Im Dialog will niemand Recht haben, sondern alle wollen gemeinsam eine Sache klären. Im Dialog ereignet sich eine Koevolution, eine gemeinsame Entwicklung unter Wahrung der Individualität. Im Unterschied zu einer Sekte geht der einzelne nicht völlig in der Gemeinschaft auf und gibt seine kritische Urteilsfähigkeit nicht an einen Guru ab. Der Dialog erfordert kritische Partner, aber eine konstruktive, freundliche Kritik.

    In den 70er Jahren wurde „kritisches Bewußtsein" an Universitäten häufig als Kunst des gewollten Mißverstehens praktiziert. Dialogfähigkeit und -bereitschaft ist nicht nur eine kommunikative Kompetenz, sondern eine Haltung, und zwar sich selbst gegenüber als Bewußtsein der eigenen Individualität, anderen gegenüber als Zeichen der Anerkennung und schließlich der Gesellschaft, der Umwelt gegenüber. Damit rückt der Dialogbegriff in die Nähe des Bildungsbegriffs im Sinne Hartmut von Hentigs: „Die Menschen stärken und die Sachen klären.".

    Dialog schafft Nähe

    Der Dialogbegriff wird vorwiegend auf Zweiergespräche oder Gespräche in kleinen Gruppen bezogen. Angesichts wachsender Individualisierungs- und Pluralisierungsprozesse und damit verbundener Sprachbarrieren und Milieuunterschiede kommt dem Dialog zwischen den Generationen, zwischen den Geschlechtern, zwischen den Kulturen eine große gesellschaftspolitische Bedeutung zu. Die Sozialforschung hat deutlich gemacht, daß Ängste, Aggressionen, Vorurteile gegenüber anderen Gruppen zunehmen, je weniger Sozialkontakte möglich sind. Je weniger Gespräche zwischen der älteren und jüngeren Generation, zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen stattfinden, desto mehr Konflikte und sozialer Sprengstoff entwickeln sich. Obwohl der Dialogbegriff auch politisch in aller Munde ist - als Bürgerdialog, ökologischer Dialog, Dialog mit der Jugend, Dialog zwischen den Kulturen und Religionen - unterliegt Politik anderen Regeln und Rationalitäten. Dabei stelle ich nicht die Dialogbereitschaft einzelner Politiker in Frage, sondern ich denke an Politik als System, an die politischen Strukturen. Andererseits steht es auch um die politische Kultur der Öffentlichkeit nicht zum besten. Die vorherrschende Mentalität scheint die der permanenten Besserwisser, der terribles simplificateurs zu sein. Ulrich Beck stellt für die 90er Jahre fest: „An die Stelle des Schreckens tritt das Gleichgewicht der Nörgler - alle sind uneins mit allem und allen. "

    Haben wir in der politischen Bildung der 70er Jahre mehr Kritikfähigkeit eingeklagt, so müssen wir heute angesichts der Komplexität der politischen Probleme für mehr Urteilsvorsicht plädieren, für mehr Nachdenklichkeit anstelle der radikalen Lösungen ohne Rücksicht auf unkalkulierbare Folgen und Nebenwirkungen.

    In der Tat läßt sich das Dialog-Projekt als Bestandteil eines weltweiten Paradigmenwechsels betrachten. So zeichnet sich im Bildungssektor, aber auch in der Managementwissenschaft und Organisationsentwicklung, in der Psychotherapie und in Ansätzen in der Politik eine Akzentverschiebung von einem normativen zu einem interpretativen Weltbild ab. Stichworte für diese Wende der Wahrnehmung sind der Abschied von einem technologischen Machbarkeitswahn und Aufwertung von Selbstorganisation, der Abschied von dogmatischen Wahrheitsansprüchen und Anerkennung einer Pluralität von Wirklichkeitskonstruktionen und der Abschied von der Informationsgesellschaft (mit ihrer entmündigenden Informationsfülle) hin zu einer Kommunikations- und Lerngesellschaft.

    Reinkopier von Chainat für .......

  2.  
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  3. #2
    Chainat-Bruno
    Avatar von Chainat-Bruno

    Re: Die Gesellschaft der Besserwisser

    Wie wird man Klugsche-isser?


    Ein Klugsche-isser zu werden ist gar nicht so schwer, wie man glaubt. Mit etwas elementarem Grundwissen kommt man schon ganz schön weit. Der Trick ist, dass die Leute recht schnell glauben, man hätte zu Allem etwas zu sagen, keiner wird bemerken, dass sich das Wissen nur auf einige Teilgebiete bezieht.
    Wichtig ist es natürlich, die Fehler, die man kritisiert, selbst zu vermeiden. Das ergibt sich jedoch ganz automatisch, wenn man in folgenden Stufen vorgeht:

    • 1. . . .Auf Fehler anderer Leute achten und nur eine Gedankennotiz machen, ohne zu verbessern
    • 2. . . .In Gespächen darauf achten, diese Fehler selbst nicht zu machen.
    • 3. . . .Vorsichtig damit zu beginnen, auf die Fehler hinzuweisen.



    Doch das wichtigste ist noch nicht erwähnt worden. Der Klugsche-isser braucht einige gescheite Bücher (Heute meisst durch CD-Rom ersetzt, hilft dass nicht mehr abgetippt werden muss), wo er sich dann die einzelnen wichtigen worte herausholen kann zum Aufschreiben.

    Chainat

  4. #3
    Avatar von Jinjok

    Registriert seit
    05.07.2001
    Beiträge
    5.556

    Re: Die Gesellschaft der Besserwisser

    Bruno,
    Wem wolltest Du denn den Klugsche.isser mit auf den Weg geben, Kritik oder Selbstkritik? Klugsche.ißer würde ich jemand bezeichnen, der anderen mit seinem Wissen ungefragt auf die Nüsse geht. Aber in einem Forum, wo es um Wissensaustausch geht? Das von Dir angesprochene und praktizierte copy/paste hat doch nix mit Klugschieterei zu tun.
    mfg jinjok

  5. #4
    Chainat-Bruno
    Avatar von Chainat-Bruno

    Re: Die Gesellschaft der Besserwisser

    die person, die es angeht wird es schon slbst bemerkt haben oder wird es bemerken, wenn er es gelesen hat.

    c-b

    heut ist ein schöner tag um zuhause in der warmen stube zu bleiben.

  6. #5
    MrLuk
    Avatar von MrLuk

    Re: Die Gesellschaft der Besserwisser

    Klugscheisser gibt´s recht viele hier:-)
    Der eine ist es mehr der andere weniger...
    Des einen Wissen ist fundierter als des Anderen.
    Hier wird auch mehr oder weniger vorsichtig auf Fehler hingewiesen - und die Fehlersuche ist so manchem kein
    unbekanntes Hobby:-)

    Soweit mir bekannt gibt es hier keine ECHTEN Spezialisten...
    Jeder versucht sein Pfefferkorn irgendwo anzubringen wo er
    glaubt eine Ahnung zu haben. Wenn hier alles fundiert und durch
    langjährige Erfahrung bestätigt sein müßte, dann wäre es verdammt ruhig hier. Hier will fast jeder überall mitreden!

    Aber was dem richtigen Klugscheißer am meisten auf die Nerven geht, das sind Artgenoßen die ihn mit ihrer Klugscheißerei übertrumpfen:-)

  7. #6
    Chainat-Bruno
    Avatar von Chainat-Bruno

    Re: Die Gesellschaft der Besserwisser

    BINGO

    c-b

  8. #7
    Avatar von Jinjok

    Registriert seit
    05.07.2001
    Beiträge
    5.556

    Re: Die Gesellschaft der Besserwisser

    Bingo?

    Was ist verkehrt daran, wenn mehrere ihre Erfahrungen, die ja immer nur Teilwissen darstellen, hier zusammentragen, um für allen Lesenden ein komplexeres Bild zu formen. Das ist der Nachteil bei den Praktikern, die sehen nur was wir selbst erlebt haben. Der Theoretiker kennt nur was das Buch ihm weismacht. Ideal ist doch wenn Theoretikers Meinung sich an den vielfältigen Erfahrungen der Praktiker reibt. Thailand ist kein abgeschlossenes Wissensgebiet wo schon alles geschrieben steht. Täglich passiert neues, das Land lebt und entwickelt sich. Laß doch Leute hier darüber berichten. Selbst Leute mit jahrelanger Reiseerfahrung werden noch neues über Thailand erfahren können.
    mfg jinjok

  9. #8
    MrLuk
    Avatar von MrLuk

    Re: Die Gesellschaft der Besserwisser

    Jinjok,

    Du hast nicht verstanden:-)
    Er meinte Bingo daß ich in seine Falle getappt bin...leider
    fällt oft derjenige selbst in die Grube die er andern gräbt - vielleicht ohne daß er es merkt:-)

    Man lernt eine Menge über andere in dem man sich ihre Vorwürfe anhört, Vorwürfe verraten sehr viel über die Person die sie macht - oft mehr als über den, an den sie gerichtet sind:-)
    Man macht nämlich keine Vorwürfe oder unternimmt Gegenmaßnahmen (psychologische Fallen etc..) wenn man kein Problem mit dem Subjekt hat...sonst könnte man ja darüber schmunzeln, oder in einer anderen Art und Weise darüberstehen. Das kann ich wirklich aus persönlicher Erfahrung sagen!

    Tsk, tsk, tsk...Brrruuuuunoooo, laß doch einfach gutsein:-)
    Ich tue doch niemandem was zuleide.



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