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Der Tod

Erstellt von Wuschel, 24.08.2013, 16:46 Uhr · 512 Antworten · 25.066 Aufrufe

  1. #261
    Tramaico
    Avatar von Tramaico
    Hm, da scheine ich aber nicht alleine zu stehen. Es scheint, dass diese Kameraden ebenfalls die Dinge so sehen wie ich und die werden immer als einer der groessen Hauptstroeme des Buddhismusses bezeichnet:

    Hinayana

    Hauptartikel: Hinayana
    Der Hinayana-Buddhismus (Sanskrit, n., हीनयान, hīnayāna, „kleines Fahrzeug“) bezeichnet einen der beiden großen Hauptströme des Buddhismus. Hinayana ist älter als die andere Hauptrichtung, der Mahayana. Im Hinayana strebt ein Mensch nach dem Erwachen, um selbst nicht mehr leiden zu müssen. Hinayana bezieht sich also nur auf eine Person, die danach strebt, vollkommen zu sein. In diesem Aspekt unterscheidet er sich vom Mahayana, in dem versucht wird, auch andere Lebewesen zum Erwachen zu führen.

    Quelle: Buddhismus

    Sind diese Hinayanas nun auch keine Buddhisten sondern eher Stoiker oder gibt es bei asiatischen Gesichtszuegen diesbezueglich einen Bonus?

    Und wie sieht es eigentlich mit Volksbuddhismus aus, der ja im Wesentlichen so gut wie gar nichts mit der Lehre zu tun hat? Mit Amulett verkaufenen Moenchen oder Schutztaetowierung stechenden Moenchen? Alles keine Buddhisten, sogar sicherlich noch weniger als ich? Kurzum, nach Deiner Aussage gibt es dann eigentlich nicht sonderlich viele Buddhisten auf dieser Welt obwohl doch Buddhismus oftmals als eine der Hauptreligionen gesehen und klassifiziert wird.

    Habe ich eine Chance bei Dir als Hinaya-Buddist duchzugehen, der also nicht den buddhistischen Benz sondern lediglich ein rostiges buddhistisches Fahrrad faehrt.

    Irgendwie ist mir bis dato immer noch nicht klar, was "Deine" buddhistische Lehre eigentlich anstrebt. Okay, Erloesungslehre aber Erloesung von eigentlich was, wenn nicht belastende und nunnoetige Emotionen? Zielstellung erneut als Mensch wiedergeboren zu werden in einer hoeheren Hierachieschicht, was ja wiederum irgendwie eine materialistsiche Denkweise waere. Fuer mich den hinayanischen Stoiker ist Nirvana auch ganz klar definiert und wofuer dieses steht. Bei Dir auch oder ist es fuer mich noch nicht klar greifbar und definierbar? In diesem Fall waere ich Dir ja als buddhistischer Radler irgendwie voraus, da ich sehr genau weiss wo die Reise hingehen soll und stetig auf das Ziel hinarbeite. Auch ohne Suttas.

  2.  
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  3. #262
    Avatar von Hansi

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    Eine amüsante Diskussion zwischen @Tramaico und @X-Pat!

    Tramaico als Stoiker?? Sicher, Apatheia, Autarkie, Ataraxie sowie Affektkontrolle sind schon vorhanden. Aber gibt es: (Ich zitiere aus Wikipedia) ''ein lebenslanges Bemühen um Selbstformung, das auch den Herausforderungen von Schicksal und mitmenschlichem Umfeld standhält''?.

    Oder um es mit den einfachen Worten des @Sokrates auszudrücken: ''Ich weiß, daß ich nichts weiß''

  4. #263
    Avatar von wasa

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    Ich vermute fast diese Diskussion wird nur durch den Tod beendet.

  5. #264
    Avatar von clavigo

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    @Hansi, ob Sokrates das wirklich gesagt hat ist unklar; nur Plato behauptet es. Es heisst übrigens korrekt: "ich weiss dass ich nicht weiß", m.E. ein fundamentaler Unterschied. Was @Socrates angeht, enthalte ich mir besser einen Kommentar....

  6. #265
    Avatar von x-pat

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    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Sind diese Hinayanas nun auch keine Buddhisten sondern eher Stoiker oder gibt es bei asiatischen Gesichtszuegen diesbezueglich einen Bonus?
    Ein Dreizeiler aus Wikipedia reicht leider nicht aus, um den Buddhismus zu definieren. Am besten nicht in der Enzyklopädie nachblättern, sondern ein einführendes Buch lesen. Mindestumfang: achtfacher Pfad, Samsara, Karma und Wiedergeburt, Nirvana, das bedingte Entstehen, Vipassana Meditation.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Und wie sieht es eigentlich mit Volksbuddhismus aus, der ja im Wesentlichen so gut wie gar nichts mit der Lehre zu tun hat?
    Das ist individuell verschieden. Bei den Menschen die den Buddhismus als Religion ausüben reicht das Verständnis von Null bis Hundert, also auch nicht anders wie daheim bei den Christen.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Habe ich eine Chance bei Dir als Hinaya-Buddist duchzugehen, der also nicht den buddhistischen Benz sondern lediglich ein rostiges buddhistisches Fahrrad faehrt.
    Philosophisch eher nein.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Okay, Erloesungslehre aber Erloesung von eigentlich was, wenn nicht belastende und nunnoetige Emotionen?
    Das könntest du auch auf Seite 15 der Einführungsliteratur nachlesen. Kurz gesagt ist das Ziel die Erlösung von Samsara, insbesondere von der Wiedergeburt in Samsara. Voraussetzung dafür ist nicht etwa, dass der Ausübende emotionslos wird, sondern dass der Ausübende durch Praxis die vier Stufen des Erwachens durchläuft, von denen die wichtigste wahrscheinlich der Stromeintritt ist. Jede Stufe wird durch die Befreiung von bestimmten "Fesseln" (i.e. Loslösung von bestimmten Anhaftungen des Geistes) definiert.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Fuer mich den hinayanischen Stoiker ist Nirvana auch ganz klar definiert und wofuer dieses steht. Bei Dir auch oder ist es fuer mich noch nicht klar greifbar und definierbar?
    Man kann es sich natürlich einfach machen und sagen: Nirvana ist das Ende des Leidens. Sache erledigt, aber das ist nicht sehr informativ; etwa so als ob man Schweden definiert indem man sagt, das Schweden zwischen Norwegen und Finland liegt. Die Definition ist korrekt, aber man kann damit bestimmt keinen Reiseführer verkaufen. Die Erfahrung von Nirvana ist per Definition unbeschreiblich. Auch nicht besonders reiseführertauglich, aber Nirvana ist bestimmt besser als Schweden. ;)

    Zitat Zitat von wasa Beitrag anzeigen
    Ich vermute fast diese Diskussion wird nur durch den Tod beendet.
    Es sei denn sie wird wiedergeboren.

    Cheers, X-pat

  7. #266
    Tramaico
    Avatar von Tramaico
    Zitat Zitat von x-pat Beitrag anzeigen
    Man kann es sich natürlich einfach machen und sagen: Nirvana ist das Ende des Leidens. Sache erledigt, aber das ist nicht sehr informativ; etwa so als ob man Schweden definiert indem man sagt, das Schweden zwischen Norwegen und Finland liegt. Die Definition ist korrekt, aber man kann damit bestimmt keinen Reiseführer verkaufen. Die Erfahrung von Nirvana ist per Definition unbeschreiblich. Auch nicht besonders reiseführertauglich, aber Nirvana ist bestimmt besser als Schweden. ;)
    Man kann es sich natuerlich auch sehr schwer machen, so wie Du, aber ich kann darin nicht den praktischen Sinn erkennen.

    Erinnert mich an eine Ausuzbildende, Anja. Sie studierte zusaetzlich zur Ausbildung zur Industriekauffrau auch noch Betriebswirtschaft, nach Feierabend. Eines Tages fragte ich sie, was sie denn da so lernen wuerde.

    Sie demonstrierte es an einem Beispiel, einer beeindruckenden Formel, mit der eine Betriebskennzahl errechenet wurde.

    Daraufhin fragte ich sie, wie sie dieses Wissen hier im Job praktsich anwenden koenne. Sie wurde rot und konnte mir keine Antwort geben.

    Aehnlich wie in unserer Situtation Dein Buddhismus (viel zu theoretsich) und mein Buddhismus (praktisch).

    Die Hinyanan Buddhisten wollen keine "Reisefuehrer" verkaufen, waehrend die Mayahana diesen jedem Mann und jeder Frau zuteil lassen moechten. Meiner Meinung nach sind die Mayahana vom eigentlichen Weg abgekommen, weil Ihnen Nirvana gleichbedeutend mit dem Ende des Leidens nicht genug ist. Da ist zwar menschlich aber wiederum meiner Philosopie zufolge nicht buddhistisch, weil es eher an eine typische Religion erinnert, in dem ein Gott ein genauso unbeschreibliches Gebilde ist, wie "Dein" Nirvana, das den menschlichen Verstand angeblich uebersteigen soll.

    Im Grunde ist es doch eher kontraproduktiv, sich mit dem Buddismus auf wissenschaftlich-mysthische Weise auseinanderzusetzen, weil sich auf diesem Wege viele Fragen ergeben, die anscheinend nicht beantwortbar sind. Das macht schnell Kopfweh und ist voellig unnoetig. Und genau dies hat meiner Ansicht nach Siddharta Gautama erkannt, nach jahrelangem Herumirren und Forschen. Unter einen Feigenbaum realisierte er sie Simplizitaet des Seins und schon tat sich die naechste noch hoehere Huerde vor ihm auf. Wie sage ich es meinem Kinde? Zwischenzeitlich komme ich zu der Ansicht, dass dieses weitaus schwerer als die eigentliche "Erleuchtung" sei, da wenn man an der Unbewaeligbarkeit dieser Huerde die Nerven verliert, dann war doch ansich das ganze Prozedre umsonst.

    Erstaunlicherweise machst Du es Dir aber andererseis sehr einfach und behauptest, dass meine Philosophie nicht buddhistisch sei. Ein bisschen wie Mr. Spock, der ja auch kein waschechter Vulkanier war sondern Luk Khrueng, wie wir aus dem Kino unter so fing es an erfuhren. Dies beantwortet dann wiederum einige Frage aus der Vergangenheit, dass er manchmal zur Sympahtie mit menschlichen Emotionen neigte. Bedingt durch die Gene muetterlicherseits.

    Lass mich mutmassen. Du bist Vertreter der anderen Hauptrichtung, dem Mayahana Buddhismus, der fuer mich wiederum die Unersaettlichkeit des Menschen zeigt. Genug ist nie genug, was doch im Grunde unbuddhistisch ist, weil der Schuster sich einfach nicht mit den Leisten abfinden wollen. Das soll es sein? Das kann es nicht sein, das darf es einfach nicht sein... Das Nirvana rueckt in unereichbare Ferne.

    Ergo, in Sachen Buddhismus werden wir sicherlich immer wie die zwei Koenigskinder sein und bleiben, was aber nicht schlimm ist. Hauptsache zufrieden. Du bist doch hoffentlich zufrieden, Thomas?

    @Yoda vom Khlong
    Dieser Thread sicherlich schneller vergehen als z. B. "Was habt ihr heute gegessen?". Eine Thematik, die immer akutell sein wird und zwar bis der Forentod sie beendet. In diesem Thread dagegen ist allerdings das Meiste bereits schon gesagt.

  8. #267
    Avatar von waltee

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    Hat jemand Lust auf ein paar Sprüche vom ollen Baghwan?

    Würden hier gut reinpassen:

    Love Is My Form,
    Truth Is Breath,
    Bliss Is My Food;
    My Life Is My Message;
    Expansion Is My Life.
    No Reason For Love;
    No Season For Love;

    No Birth, No Death.

  9. #268
    Avatar von x-pat

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    7.208
    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Daraufhin fragte ich sie, wie sie dieses Wissen hier im Job praktsich anwenden koenne. Sie wurde rot und konnte mir keine Antwort geben. Aehnlich wie in unserer Situtation Dein Buddhismus (viel zu theoretsich) und mein Buddhismus (praktisch).
    Es kommt immer darauf an, auf welchem Level man arbeitet. Für einen Kleinbetrieb mit einer 10-köpfigen Mannschaft braucht man vielleicht keine Betriebskennzahlformeln, aber für einen Konzern mit 1000 Mitarbeitern kann man nicht mehr Pi-mal-Daumen arbeiten und dann werden betriebwirtschaftliche Metriken auf einmal sehr wertvoll.

    Mit dem Buddhismus ist das ähnlich. Der Einstieg ist unkompliziert. Je tiefer man eindringt, desto mehr Wissen und Verständnis ist erforderlich. Der Buddha hat selbst gesagt, dass seine Lehre viele Stufen hat. Deshalb hat er seine Lehrreden jeweils an der Verständnistiefe des Publikums ausgerichtet.

    Ein Beispiel ist die Ursache des Leidens (dukkha), die in den vier edlen Wahrheit als Begehren (tanha) identifiziert wird. Auf einer tieferen Stufe wird jedoch Unwissen (avijja) als Ursache genannt. Für letztere muss man mit der zwölfgliedrige Kette der bedingten Entstehung vertraut sein, die den Zusammenhang zwischen Begehren und Leiden genauer darstellt.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Meiner Meinung nach sind die Mayahana vom eigentlichen Weg abgekommen, weil Ihnen Nirvana gleichbedeutend mit dem Ende des Leidens nicht genug ist.
    An konfessionellen Grabenkriegen werde ich mich sicher nicht beteiligen. "Vom Weg abgekommen" und "unbuddhistisch" sind Vorurteile, die bestimmt aus beiden Richtungen zu hören sind, und immer auf Unwissenheit basieren. Stichwort: avijja!

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    weil es eher an eine typische Religion erinnert, in dem ein Gott ein genauso unbeschreibliches Gebilde ist, wie "Dein" Nirvana, das den menschlichen Verstand angeblich uebersteigen soll.
    Du kommst an transzendenten Begriffen auch im Buddhismus nicht vorbei. Nirvana ist das Paradebeispiel. Schon die Pali Texte weisen darauf hin, wo Nirvana als "Bewusstsein ohne Ausprägung und ohne Ende, durchgängig strahlend" beschrieben wird. Dieser Zustand liegt jenseits der sechsten (unendliches Bewusstsein), siebten (Nichts/Leere) und achten Jhanas (weder Wahrnehmung noch Nicht-Wahrnehmung). Der Buddha sprach vom Erreichen des anderen Ufers.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Erstaunlicherweise machst Du es Dir aber andererseis sehr einfach und behauptest, dass meine Philosophie nicht buddhistisch sei.
    Ich sage nur was offensichtlich ist und beziehe mich dabei auf das gesagte. Natürlich kannst du trotzdem Buddhist sein. In dubio pro reo. Hört sich bisher aber nicht danach an. Daher würde ich dir eher Mark Aurel nahelegen als Nagarjuna.

    Cheers, X-pat

  10. #269
    Tramaico
    Avatar von Tramaico
    Zitat Zitat von x-pat Beitrag anzeigen
    Daher würde ich dir eher Mark Aurel nahelegen als Nagarjuna.Cheers, X-pat
    Haettest Du Richard Hall gesagt, dann waeren wir auf einen Nenner gekommen.

    Wie ist es bei Dir, da Du Dich mit den beiden genannten weitaus besser auskennst als ich. Bist Du Nagarjuna naeher als Mark Aurel obwohl Du Dich ja nicht in Glaubenskriegen verstricken willst. Dennoch hast Du keine klare Stellung auf meine Mutmassung bezogen, dass Du eher zu Mayahana als Hinayana tendierst sondern versuchst mich immer Richtung Stoiker zu schieben. Ja, da sind philosophische Parallelitaeten, aber auch absolute Unparallelitaeten. Z. B., dass Goetter existent seien und auch der Mensch im Mittelpunkt des Universums stehen wuerde. Bin in diesem Bezug viel eher atheistischer Buddhist (Hinayana-Richtung) und auch der Ansicht, dass der Mensch nur ein Lebewesen unter vielen sei. Eines eigentlich mit Verstand, aber von welchem oftmals aus emotinalen Gruenden nicht ausreichend Gebrauch gemacht wird.

    Der Name Ngarjuna ist mir durch Deinen Post erstmalig untergekommen und ja, vermutlich werden bei mir in der Tat zu Mark Aurel mehr Paralleilitaeten existieren als zu Ngarjuna, der ja der Begruender der von mir in mancher Hinsicht als unbuddhistisch gesehenen Mayahana Richtung ist. Somit handelt es sich hier um einen Taschenspielertrick Deinerseits, da der Vergleich eher zwischen Mark Aurels Philosophie und der hayabanischen Richtung stattfinden muessen.

    Dieses suggeriert dann wiederum, dass Mayahana tatsaechlich Dein Haus ist obwohl Du diesbezueglich eine Stellungnahme anscheinend geflissentlich zu vermeiden suchst.

    Schau, fuer fuer mich passt derzeit alles. Auch in Sachen Buddhismus. Warum sollte ich versuchen es unpassend zu machen, indem ich mich der Philosophie anderer Leute auseiandersetze oder sogar versuche diese gezielt anzunehmen? Wo waere da der Sinn? Zufriedener, idealer, optimaler, nirvaniger...?

    Du scheinst vehement an mehr als 2.500 Jahren manchmal sehr exotisch anmutenden Lehrtexten festzuhalten, schriebst aber wiederum, dass Du Dich ritualist

    Du hattest zwar geschrieben, dass Du mit den ritualistischen und exoterischen Elemten des Buddhisten in keiner Weise assozieren kannst, haftest diesen dann aber anscheinend sehr stark an. Auch scheinst Du die buddhistische Lehre stark esoterisch sehen, was ich absolut nicht tue. Fuer mich hat Mystik im Buddhismus nichts zu suchen, da sie meiner Meinung nach der Lehre gegenlaeufig ist.

    Nein, wenn ich "vom Weg abgekommen" oder "unbuddhistisch" schreibe, dann ist dieses kein Vorurteil sondern eine logische Schlussfolgerung meinerseits darauf, dass etwas der fuer meiner Meinung nach primaeren Zielsetzung der buddhistsichen Lehre "sich im Leben vom Leid zu befreien" in keiner Weise dienlich ist und stattdessen leicht genau in die Gegenrichtung marschiert wird.

    Ein "erboster" Buddha kann kein Buddha sein und hier beziehe ich mich nicht auf Philosophien irgendwelcher "buddhistischen Experten" sondern meinen eigenen Verstand. Dieser sagt mir auch es ist nicht dienlich am Weihnachtsmannglaube festhalten zu wollen so sehr man sich den Weihnachtsmann auch wuenschen mag. Fuer mich erstaunlich, wie viele "Buddhisten" sich doch den Weihnachtsmann wuenschen und somit grierig nach Passagen aus irgendwelchen Quellen suchen die dahingehend interpretiert werden koennten, dass der Buddha der Meinung war, dass die Moeglichkeit, dass der Weihnachtsmann tatsaechlich existent ist, nicht vollends ausgeschlossen werden koenne.

    Wir sind zwischenzeitlich mehr als 2500 Jahre weiter und weil Menschen eben Menschen sind, besteht natuerlich die Gefahr durch erhebliche Verzerrungen durch das "stille Post" Prinzip. Oftmals gegebenenfalls sogar bewusst verzerrt aus einem Wunschdenken heraus.

    Clavigo merkt an, dass unklar ist, was z. B. Sokrates gesagt haben koennte und dieser trat erst einige Jahrzehnte spaeter auf die Bildflaeche. Somit besteht dann auch erhebliches Potential, dass gewissen Persoenlichkeiten etwas angedichtet wird, egal ob es sich bei diesen um Buddha, griechische Philosophen, Jesus Christus oder sonst wem handelt.

    Was bleibt? Diese angeblichen Aussagen zu hinterfragen, sie mit eigenem Verstand zu analysieren und zu eigenen Schlussfolgerungen zu kommen. Ein absolutes Kernelement der buddhistischen Lehre, wie ich finde. Weitaus wichtiger als das Studium von Suttas oder das Herunterleiern von irgendwelchen Mantras. Letztgenanntes koennte ich mir sogar eher als bewusstseinsmanipulierend als bewusstseinfoerdernd vorstellen. Aehnlich als wenn ich mir unaufhoerlich einrede "den Weihnachtsmann gibt es doch". Tue ich dies lange genug, dann ist natuerlich wahrscheinlich, dass sich dies im Bewusstsein manifestiert und der Praktizierende tatsaechlich in einem Art Trancezustand die feste Ueberzeugung gewinnt, dass es so sei. Das einzige Manko hierbei aber ist, dass der Weihnachtsmann real aber trotzdem nicht existiert sondern lediglich in der individuellen Einbildung. Es kann nichts herbeigeredet werden. Genausowenig wie Glaube tatsaechlich Berge versetzen kann. Schaufelbagger koennten Berge versetzen, Spiritualitaet aber nicht.

    Nein, hier beziehe ich mich jetzt auf die Denkweise von Mark Aurel, auf dessen Namen ich lediglich durch Deine Posts aufmerksam gemacht wurde, sondern ausschliesslich auf meinen eigenen Verstand. Ehrlich gesagt ist mir auch voellig egal, was Herr Aurel gedacht oder gesagt haben koennte, da ich ja meinen eigenen Verstand habe und in der Lage bin diesen ausreichend zu gebrauchen.

    Habe ich konkrete Fragen auf die ich alleine keine fuer mich ausreichende Antwort finden kann, dann hilft hier Guggel. Verschiedene Aspekte und Ansichten werden verglichen, analysiert und letztendlich kommt es dann zu einer eigenen Schlussfolgerung auf dieser Basis. Das bezieht sich auch auf den Buddhismus, von dem es ja unendlich viele Spielarten gibt. Manche muten fuer mich aeusserst bizarr, also unbuddhistisch an, weil fuer mich die buddhistische Lehre nicht bizarr, nicht mystisch oder in irgendeiner Weise raetselhaft sondern kristallklar ist.

    Warum sollte ich somit Einfuehrungsliteratur in den Buddhismus lesen, wobei dann dabei naemlich wieder wesentlich ist, welcher Stilart (Schule) der Autor letztendlich angehoert, speziell wenn es dann auch noch zu Aspekten kommt, die nicht nachvollzogen werden koennen, weil sie gegen die eigene im Laufe der Zeit gewachsene Ueberzeugung verstoesst. Der Autor wird schon wissen, wovon er schreibt ist hierbei einfach nicht gut genug. Zumindest nicht fuer mich. Nachvollziehbare Begruendung ist wesentlich. Alles andere ist ansonsten eher Irrglauben und somit eher die Welt der Pubertierenden als die von gereiften Menschen.

  11. #270
    Avatar von x-pat

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    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Der Name Ngarjuna... Mayahana Richtung... der hayabanischen Richtung...
    Oh je. Bevor wir weiterdiskutieren, schlage ich vor dass wir uns die Rechtschreibung und Bedeutung dieser Begriffe noch einmal kurz vergegenwärtigen. Das wäre schon ein erster Schritt heraus aus dem Sandkasten in Richtung Studium des Buddhismus. Nāgārjuna ist ein indischer Philosoph des zweiten Jahrhunderts. Er ist nicht, wie du sagtest, der Begründer der Mahayana Richtung, sondern der Begründer einer der wichtigsten Schulen des Mahayana, nämlich der Madhyamaka. Statt Hinayana sagst du lieber Theravada, denn das ist die einzige überlebende Schule des Hinayana und die Begriffe sind damit heute synonym.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Bist Du Nagarjuna naeher als Mark Aurel obwohl Du Dich ja nicht in Glaubenskriegen verstricken willst?
    Schwierig zu sagen. Ich habe Aurelius mit 17 gelesen und Nagarjuna mit 34. Meine Wurzeln sind eher in der westlichen Philosophie, aber mein derzeitiges Interesse liegt eher in der östlichen Philosophie.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Dennoch hast Du keine klare Stellung auf meine Mutmassung bezogen, dass Du eher zu Mayahana als Hinayana tendierst...
    Ich tendiere mal so und mal so. Ähnlich wie mit dem Frühstück: manchmal ein großes Büffet (Mahayana) und manchmal ein einfaches Bauernfrühstück (Hinayana). Ersteres ist aufwändiger aber nicht von sich aus besser.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Schau, fuer fuer mich passt derzeit alles. Auch in Sachen Buddhismus. Warum sollte ich versuchen es unpassend zu machen, indem ich mich der Philosophie anderer Leute auseiandersetze oder sogar versuche diese gezielt anzunehmen?
    Wenn für dich alles passt, bedeutet das nichts anderes als geistiger und spiritueller Stillstand. Ich muss ja nicht betonen, dass Stagnation kein erstrebenswerter Zustand ist.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Du hattest zwar geschrieben, dass Du mit den ritualistischen und exoterischen Elemten des Buddhisten in keiner Weise assozieren kannst, haftest diesen dann aber anscheinend sehr stark an.
    Woraus schließt du, dass ich ritualistischen oder exoterischen Aspekten des Buddhismus anhafte?

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Fuer mich hat Mystik im Buddhismus nichts zu suchen, da sie meiner Meinung nach der Lehre gegenlaeufig ist.
    Diese Aussage bringt auf den Punkt, dass du den Buddhismus nicht wirklich verstanden hast, denn die Lehre hat ganz klar einen mystischen Kern. Offensichtlich wird dies durch die Methode des Buddhismus, dem achtfachen Pfad und den damit assoziierten Praktiken der Meditation, Achtsamkeit, und Versenkung. Wie passt das in dein Buddhismusbild?

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Was bleibt? Diese angeblichen Aussagen zu hinterfragen, sie mit eigenem Verstand zu analysieren und zu eigenen Schlussfolgerungen zu kommen. Ein absolutes Kernelement der buddhistischen Lehre, wie ich finde.
    Richtig, aber der eigene Verstand ist oft begrenzt. Insofern ist er für die Erreichung mancher Ziele nicht ausreichend. Das Problem mit dem Verstand bzw. der Logik ist das der Wahrheitswert von (korrekten) Schlussfolgerungen immer dem Wahrheitswert der Prämissen entspricht. Wenn man von falschen Prämissen ausgeht, bekommt man falsche Schlussfolgerungen. Die Ziel von Vipassana ist die Manifestation von Prajna, richtige Erkenntnis und richtige Gesinnung, die Korrektur der Prämissen wenn du so willst. Erreicht wird dieses Ziel nicht durch logische Schlussfolgerung, sondern durch intuitive Einsicht, bzw. Anschauung.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Ein "erboster" Buddha kann kein Buddha sein.
    Auch richtig, aber die Interpretation ist falsch. Der Buddha ist nicht erbost über vom Weg abgekommene Schüler, sondern lediglich energisch, wobei und die aufgewandte Anstrengung darauf abzielt, den Schüler zu korrigieren, nicht ihn zu bestrafen.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Schaufelbagger koennten Berge versetzen, Spiritualitaet aber nicht.
    Der Geist versetzt Berge, lieber Tramaico, nicht der Schaufelradbagger. Letzterer ist ja auch nur ein Produkt des Geistes.

    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Warum sollte ich somit Einfuehrungsliteratur in den Buddhismus lesen?
    Um etwas zu lernen?

    Cheers, X-pat

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