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Das Methusalem-Komplott

Erstellt von Leipziger, 19.09.2005, 19:51 Uhr · 203 Antworten · 7.947 Aufrufe

  1. #31
    Avatar von Nokhu

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    Re: Das Methusalem-Komplott

    @ Amras

    Nicht mehr und nicht weniger! Das ist der Dreh- und Angelpunkt! Gut auf den Punkt gebracht.:bravo:

  2.  
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  3. #32
    Avatar von Bakwahn

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    Re: Das Methusalem-Komplott

    0. Vorab ein Wort zur Politik- und Politikerschelte:

    Sie ist ungerecht! Wir machen die Politik und die Politiker für Probleme und Entwicklungen unserer Gesellschaft verantwortlich, die sie im vorgegebenen Rahmen unseres Rechtsstaats und der sozialen Marktwirtschaft nicht oder nur zum Teil lösen können. Es ginge nur, wenn wir eine ganz andere Gesellschaft mit einem anderen Wirtschafts-, Rechts- und Gesellschaftssystem wollten, was ich aber nicht sehe, wo doch ein solcher Versuch vor ca. 15 Jahren in einem Desaster geendet ist …


    1. Zum demographischen Wandel - Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft an den Einzelnen und die Politik.

    Es hat in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder Enquete-Kommissionen zum demographischen Wandel auch für den Bundestag gegeben. Enquete-Kommissionen sind vom Bundestag oder von einem Landtag eingesetzte überfraktionelle und überparteiliche Arbeitsgruppen, die langfristige Fragestellungen lösen sollen, in denen unterschiedliche ethische Aspekte abgewogen werden müssen (enquête franz. für Untersuchung)
    Die Politik weiß also sehr wohl Bescheid.
    Trotzdem handelt sie aus unserer Sicht unvollständig, zaghaft, widersprüchlich … oder wie auch immer.
    Das führt zur ersten These:

    These 1:
    Egal wie kinder-, eltern- und familiengerecht die Politik über entsprechende sozial-, steuer- und familienpolitische Entscheidungen unsere Gesellschaft gestaltete, die Fertilität würde das kaum oder nur in ganz geringem Maße beeinflussen.


    Die Anzahl der Kinder pro Frau (=Fertilität) liegt schon seit zig Jahren bei ca. 1.4. Um die Bevölkerung ungefähr im Gleichgewicht zu halten, wären 2,2 bis 2,4 Kinder pro Frau nötig.
    Jeder von Euch kann sich jetzt ganz konkrete Maßnahmen ausdenken. An der zu niedrigen Fertilität würde das kaum etwas ändern. Das ist nämlich die Kernaussage solcher Untersuchungen, Studien, Gutachten von Kommissionen.
    Andere vergleichbare Länder des Westens wie Spanien, Italien, Griechenland und vor allem auch Japan schliddern in ähnliche demographische Probleme hinein wie wir.
    Ausnahmen sind in der Tat – wie hier bereits mehrfach erwähnt – die USA und Frankreich. (Warum dort die Fertilität deutlich höher liegt, ist ein anderes Kapitel und Thema)


    2. Woran liegt dieser Einbruch der Geburtenrate? Wie lässt sich das Phänomen der (zu) niedrigen Fertilität erklären?

    In meiner Antwort stütze ich mich auf den Soziologen Ulrich Beck, den großen Denker des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft, von Individualisierung und modernen industriegesellschaftlichen Lebensformen.

    Jeder einzelne von uns ist ganz auf sich allein gestellt. Ich bin zunächst und ganz substantiell Ich und das, was ich einmal werde, hängt ganz allein von mir ab. Unsere gesamte Erziehung, Bildung und Ausbildung ist auf die berufsmäßige Erwerbsarbeit ausgerichtet. Unser materielles Wohlergehen ist unser Leben lang ausschließlich vom Job, vom Beruf abhängig. Er bestimmt auch unseren Sozialstatus, unseren sozio-ökonomischen Hintergrund, unsere Kommunikations- und Konsumchancen. Das gilt auch für die Frauen.

    These 2:
    Genau diese Individualisierungsdynamik, die jeden einzelnen von uns, Männer wie Frauen, unter das Joch eines risikoreichen Arbeitsmarktes zwingt, wirkt bis in die (Ehe-)Partnerschaft hinein, in Küche, Bett und Kinderzimmer. Kinder und die Partnerin (oder der Partner) können zu Risiken werden, zum Klotz am Bein, zur Armutsfalle etc.



    3. Die Probleme des demographischen Wandels

    Zunächst Stichworte zur Zuwanderung:
    Seit ein bis zwei Jahren ist interessanterweise die Zuwanderung aus der öffentlichen Diskussion. Das hat einen einzigen Grund: Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit bei uns. Wir haben (je nach Zählweise) zwischen 5 – 6 Millionen Menschen ohne bezahlte Arbeit. Eine weitere Zuwanderung von sagen wir 500.000 Menschen pro Jahr, wie sie uns von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) empfohlen wird, ist illusorisch; selbst dann, wenn diese Menschen alle eine qualifizierte Berufsausbildung mitbringen. Wir haben keine Arbeit für sie.
    Ich glaube auch beobachten zu können, dass der Einwanderungsdruck auf Deutschland deutlich nachgelassen hat. Für viele halbwegs qualifizierte Menschen ist Deutschland schon lange nicht mehr lukrativ genug. (Abgesehen von den ganz Armen aus Afrika und den Ländern Südasiens).

    Das führt mich zu These 3:

    Das eigentliche Schicksal unserer Gesellschaft ist nicht so sehr die in der Tat katastrophale demographische Verschiebung durch Alterung und Kinderlosigkeit und die daraus resultierenden Probleme, sondern der Arbeitsmarkt.


    Bei Vollbeschäftigung und weiteren Millionen (gutbezahlter) Jobs ließen sich die heraufziehenden Probleme bei Rente, Pension, Altenpflege und Gesundheit sicherlich lösen.
    Ich halte mich auch hier an Ulrich Beck, der bereits vor knapp 20 Jahren die These aufstellte, dass der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgeht! Diese Voraussage bewahrheitet sich leider. Seit Jahren ist eine Auslaugung des Normalarbeitsverhältnisses zu beobachten. Die lebenslange rentenversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung, die dem durchschnittlichen Arbeitnehmer während der letzten 50 Jahre ein „auskömmliches Einkommen“ (Rainer Barzel in den 70ern) bescherte, erodiert zusehends. An dessen Stelle treten mehr und mehr Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse, Formen von Unter- und Nebenbeschäftigung, Jobs auf 400 was-weiß-ich-für-Euro-Jobs. Wir haben in den Unterschichten unserer Gesellschaft bereits "thailändische Arbeitsmarkt- und Einkommensverhältnisse".
    Die deutsche Gesellschaft und die in ihr lebenden Menschen sind einem Zangenangriff ausgesetzt: Überalterung und Erodierung der Arbeitsmärkte. Beidem sind wir fast hilflos ausgeliefert.


    4. Ausdifferenzierung der deutschen Gesellschaft

    These 4:
    Die Bundesrepublik verändert sich von einer "nivellierten Mittelschichtgesellschaft" (Helmut Schelsky) zu einer allmählich aber unaufhaltsam auseinanderdriftenden Schichtung mit reicher werdenden Oberschichten, einer zerbröselnden, nach unten sich ausdifferenzierenden Mittelschicht und einer stets wachsenden und ärmer werdenden Unterschicht.


    Die letzte Bundestagswahl macht das offensichtlich: Es sind jetzt 5 verschiedene politische Gruppierungen im Parlament vertreten, die die bundesrepublikanische Schichtung repräsentieren. Aufgrund der Ausdifferenzierung verlieren die beiden großen Volksparteien zunehmend Wähler an kleinere Parteien. Sie erhalten zusammen noch gerade ca. 70% der Stimmen. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck der sich ausdifferenzierenden Gesellschaft.

    Ich höre mal auf. Ich will nicht weiter Schwarzmalen.
    "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch" Friedrich Hölderlin

    Bakwahn

  4. #33
    ray
    Avatar von ray

    Re: Das Methusalem-Komplott

    Servus,

    dem absolut gelungenen Beitrag von Amras ist nur noch hinzuzufügen, dass Deutschland mit 8o Mio Menschen ein hoffnungslos überbevölkertes Land ist. Hier kann Zuwanderung nichts positives bringen.

    Gruß Ray

  5. #34
    Avatar von Leipziger

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    Re: Das Methusalem-Komplott

    Hallo ray

    dem absolut gelungenen Beitrag von Amras ist nur noch hinzuzufügen, dass Deutschland mit 8o Mio Menschen ein hoffnungslos überbevölkertes Land ist. Hier kann Zuwanderung nichts positives bringen.
    Wer ein kleines bißchen Einblick in die demographisch Struktur Deutschlands hat der müsste eigendlich wissen dass in den nächsten 10 Jahren durch altsbedingtes millionenfaches weggehen aus dem Arbeitsleben sich der Arbeitskräfte-Überschuß in einen Arbeitskräfte-Mangel drehen wird !

    Warum :???:

    Der mit Abstand größte Bevölkerunsteil jetzt 40-55 jährig ist durch junge Leute nicht mehr auszugleichen , dass heisst es gehen fast doppelt so viele vom Markt als von unten nachrücken können !


    Und mal noch nebenbei :

    Warum kommen die Wölfe nach Deutschland zurück ?????
    Sind sehr schlaue Tiere , sie wittern eine aussterbende Art !!!!
    ;-D

  6. #35
    Avatar von eletiomel

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    Re: Das Methusalem-Komplott

    @Leipziger

    stichworte:rationalisierung,modernisierung,compute risierung
    (fuzzy-logik,neuronale-netze etz.) roboterisierung.

    was glaubst du wieviele jobs in 10-20jahren nicht mehr gebraucht werden?

  7. #36
    Avatar von tira

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    Re: Das Methusalem-Komplott

    Zitat Zitat von Leipziger",p="277637
    ...Warum kommen die Wölfe nach Deutschland zurück ?????
    Sind sehr schlaue Tiere , sie wittern eine aussterbende Art !!!!
    ;-D
    hmm leipziger,

    weil ihr mittlerweile so viele mc doof habt.

    gruss :P

  8. #37
    Avatar von woma

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    Re: Das Methusalem-Komplott

    stichworte:rationalisierung,modernisierung,compute risierung
    (fuzzy-logik,neuronale-netze etz.) roboterisierung.

    was glaubst du wieviele jobs in 10-20jahren nicht mehr gebraucht werden?
    Rationalisierung: wir arbeiten täglich daran - es wird eine Jobumverteilung geben - Jobs, die eine höhere Qualifikation benötigen werden zunehmen, Bedarf wird es auch im Dienstleistungssektor geben, wegfallen werden viele Jobs, die nur eine geringe Qualifikation benötigen z.B. Fließbandarbeiter, teilweise werden/wurden solche Jobs aus Kostengründen bereits ins Ausland verlagert, andere Jobs fallen durch fortschreitende Automatisierung weg, betroffen ist also das gesamte produzierende Gewerbe.

    woma

  9. #38
    Avatar von woma

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    Re: Das Methusalem-Komplott

    Nachtrag:

    Russland: Zu wenig Kinder, 'Überalterung', Bevölkerungsrückgang

    Statistisch fehlt in jeder russischen Familie ein Kind gegenüber den zwei bis drei Kindern, die russische Eltern gerne hätten, wenn ihre Lebensbedingungen es erlauben würden.

    Die immer älter werdende russische Bevölkerung könnte in den nächsten dreißig Jahren um mehr als 20 Millionen Menschen schrumpfen.

    Russia Faces Demographic Disaster

    woma

  10. #39
    Avatar von Lille

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    3.481

    Re: Das Methusalem-Komplott

    zu dem thema russen, das ist ja völlig klar die sind ja alle hier

    immer weniger arbeitsplätze in deutschland das ist klar. da schreibt einer es werden dann mehr qualifizierte jobs gebraucht, ist schon richtig dann ist es ein job mehr und 40 - 50 weniger.

    billiger produzieren im ausland heisst die deviese, marktwirtschaft hat mit sozial nichts gemein. gewinnoptimierung heisst das zauberwort.

    das der deutsche binnenmarkt stagniert bzw. einbricht ist doch logisch immer weniger leute haben einen job und die die noch einen haben haben real weniger im geldbeutel.

    politikerschelte also ich finde es nicht angebracht das diese herren und damen ihr gehalt weiter bekommen wenn sie aufhören oder gar zurücktreten müssen, bekommt ja auch kein normaler arbeiter.
    welcher arbeitnehmer kann sein gehalt selbst bestimmen nur die politiker lasst mal das volk entscheiden was denen zusteht.

    mein vorschlag währe die nach hartz IV zu bezahlen und für jede erbrachte std arbeit noch ein euro dazu, dann habne die damen und herren auch eine grundlage des wissen worüber sie reden bzw. was sie von anderen verlangen.

    wenn ich mir das kaspereltheater angesehen habe wie die politiker eine fachmann (vielleicht der verkehrte?) demontiert haben weil er sich nicht politisch verhält. da kann ich nur sagen aua.




    mfg lille

  11. #40
    Avatar von

    Re: Das Methusalem-Komplott

    Hallo Amras,

    dann mach ich mal mit beim Rechnen nach Milchmädchen Art.

    Zitat Zitat von Amras",p="277582
    Zuwanderer, die [...]in ihre Heimat zurückreisen,weil sie dort verwurzelt sind, werden daran wohl kaum etwas ändern.
    Schlechtes Beispiel, in die Soz.versicherungskasse eingezahlt haben die in der Zeit ihrer Erwerbstätigkeit trotzdem, selbst wenn sie danach wieder in ihre Heimat zurückkehren.

    Zitat Zitat von Amras",p="277582
    Und warum sollte ein Zuwanderer überhaupt Arbeit finden.
    Weil er besser ist? Weil es keinen Einheimischen gibt, der die gleiche Arbeit leisten kann?
    Ja, warum nicht. Ist diese Möglichkeit für dich ausgeschlossen?
    Warum werden in Dtl. bspw. händeringend Ingenieure gesucht? Vielleicht sollten wir alle mal daran arbeiten unseren Überheblichkeitskomplex abzubauen, wäre vielleicht der 1. Schritt zur Besserung.

    Zitat Zitat von Amras",p="277582
    Was er in´s Pensionssystem einbezahlt, vorausgesetzt es findet einen gutbezahlten Job, den kein Deutscher ausfüllen kann, kriegt er für die "Kinder, die unsere Pension bezahlen", mehrfach zurück, vom Kindergeld über Kindertagesstätten über die Schule bis zum Studium.
    Entschuldigung, hast Du dir schon mal den Lohnzettel eines besserverdienenden in Dtl. Erwerbstätigen angehsehen? Was da abgezogen wird an Sozialversicherungsbeiträgen (A-losenversicherung, Pflegeversicherung,...) meinst du ernsthaft das würde durch Kindergeld etc. aufgewogen?

    Dass Kinder zu haben in Dtl. netto eine finanzielle Belastung darstellen ist wohl allgemein anerkannt. Ich weiß nicht, ob das in Österreich anders ist.

    Gruß,
    Yaso

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