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Das Lächeln...

Erstellt von Kali, 04.01.2005, 22:52 Uhr · 1 Antwort · 886 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    Das Lächeln...

    Suay, die wo was meine Gattin ist, hatte mir vorgestern so ganz nebenbei beim Frühstück erzählt, dass drei ihrer unmittelbaren Nachbarinnen aus Ban Tab Kung derzeit auf Phuket arbeiten.
    Sie wusste heute noch nichts Näheres, auch nach einem Anruf bei ihrer Mutter nicht.

    Sie ..lächelte...dabei, als sie es mir erzählte - doch eigentlich war´s kein Lächeln.

    Sie sorgt sich ganz schön...

    Sorry, ich setz´ ihn mal hier rein, den Beitrag:
    Zitat Zitat von Kali
    Nun, der Auslöser dafür, hier was zu schreiben, ist das Brainstorming zwischen Suay und mir vom gestrigen Morgen. Auf dem Balkon waren es linde 23°, es war Schatten, die Sonne kommt dort erst gegen 14:00 h um die Ecke.
    Brainstorming, eigentlich nicht so treffend, hört sich aber gut an – eine Einrichtung, die bei uns im Grunde seit fast zwei Jahren besteht. Einfach ein Gedankenaustausch, die Schilderung unserer Träume, ein paar alltägliche Sachen, das Aufdröseln der verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen, und ein bisschen Klatsch und Tratsch ist auch immer dabei.
    Micha brachte mal sein Erstaunen darüber zum Ausdruck, dass ich so einen intensiven Einblick in das hätte, was um uns herum in der Thai-Szene vor sich geht. Es ist das Produkt dieses fast täglichen Gedankenaustausches, bei dem – wenn auch manchmal Bröckchenweise – alles so auf den Tisch kommt, was uns selbst bewegt und auch das, was so um uns herum passiert. Natürlich oftmals mit der klaren Anweisung von Suay, dass alles eben nur für unsere Ohren bestimmt ist. Und da halte ich mich dran, denn diese unbezahlbare Informationsquelle werde ich mir nicht verstopfen. Anfangs war ich ein wenig skeptisch, denn man hört und liest ja immer wieder, dass die Thais Meisterinnen im Geschichten-Erzählen sein sollen und auch eine etwas eigenwillige Einstellung zu dem haben, was wir hierzulande unter Wahrheit verstehen. Erschreckenderweise haben sich bisher allerdings alle Insider-Informationen bestätigt, wurden, um es auf neudeutsch zu sagen, von anderen Stellen verifiziert. Somit ist der Authentizitätsgehalt von dem, was Suay mir über die Szene berichtet, als sehr hoch anzusiedeln.
    Sei´s drum, warum geht es nun niemanden etwas an, wie´s drinnen aussieht, in dem, was man als die Seele, oder korrekter als das Seelische bezeichnet ?
    Sie erzählt viel von sich selbst, von dem, wie sie gelebt hatte, gearbeitet, und wie man mit ihr umgegangen ist. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch daran, was Suay mir auf meine Frage geantwortet hatte, warum sie denn mit mir zusammenbleiben will. Weil sie nicht wusste, wo sie bleiben sollte. Nach dem Tode ihres Mannes Anfang 2000 auf sich alleine gestellt, die Kinder zwar bereits gross, aber lediglich eine kleine Hütte, in der zu bleiben sie Angst hatte, schwer arbeiten konnte sie nicht mehr, weil die Knochen ziemlich kaputt sind. Ihre Mutter, die im Haus ihrer Halbschwester lebt, hat im Grunde auch keine Beziehung zu ihr, bis auf die, dass Suay gefälligst die anfallenden Arbeiten zu machen hätte. Ihre (unsere) Schwägerin, die mit ihren beiden Kindern (noch) mit in dem Haus lebt, hat´s auch nicht mit ihr, hatte sie in der gemeinsamen Zeit wie den letzten Dreck behandelt.
    Und so setzt sich das hier alles fort, sie, Suay, steht in dem Verwandten- und Bekanntenkreis in Heinsberg genau wieder da, wo sie in Ban Tab Kung gestanden hatte: in der Hierarchie an letzter Stelle. Gut genug, um anfallende Dreckarbeit zu machen. Sie hat niemanden hier, den sie als Freund(-in) bezeichnen könnte. Und so brach es langsam aus ihr heraus, am gestrigen Vormittag, ein paar zaghafte Tränen in den Augen, es ist von den Frauen keine da, der sie trauen würde. Gut, mit zwei ehemaligen Nachbarinnen könne man reden, wenn man zusammen sei, aber als Freundinnen ? Nein, will sie gar nicht. Sie mag auch nichts mehr von Problemen hören, von dem, wie andere ihre Männer offensichtlich belügen, wie manche von ihren Männern getäuscht werden, wie ihre etwas intimere Bekannte ihr ständig von den Problemen von Zuhause erzählt, dass deren Vater als Chef einer recht grossen Sippe ständig lamentiert, dass nicht genug Geld da sei. Unsere Schwägerin, die mit dem arbeitslosen Fernfahrer, komme ja sowieso nur nach hier, um bei nächst bester Gelegenheit sich einen anderen Mann zu suchen, einen, der mehr oder überhaupt Geld hat. Ausserdem würde man es ihr sehr neiden, dass sie in diesem Leben noch etwas Glück gehabt hätte, und man sehe mir Argusaugen, ob sie als Schlusslicht dieser etwas merkwürdigen Hierarchie etwa zuerst Land bzw. Haus in Thailand habe. Und auch die andere Nachbarin, die hier einen kennen gelernt hatte, komme auch nur des Geldes wegen, sie hat noch einen Mann in Bangkok, den sie immer noch liebt, und vielleicht eines Tages, wenn sie selbst etwas Geld habe, kommt er ja zu ihr zurück. Und noch eine Nachbarin, bei der sie nicht verstehe – schliesslich habe diese Land und Haus in Thailand -, ja, wenn sie das gehabt hätte, wäre sie nie auf die Idee gekommen, ins Ausland zu gehen.
    Ich fragte sie, ob sie lieber in Thailand leben würde, auch, wenn ich ihr Geld schicken würde, damit sie keine Sorgen hätte. Sie sah´ mich nur unverständlich an: natürlich nicht, schliesslich habe sie einen Mann, und mit dem bleibe sie zusammen, fast so, als ob ich sie mit diesem Vorschlag beleidigt hätte.

    Ob sie traurig wäre, dass sie hier keine thail. Freunde (-innen) hat, wollte ich wissen. Nein, traurig nicht, nur manchmal wütend, weil sie es einfach, wenn man zusammen sei, nicht sein lassen würden, auf ihr rum zu hacken und schlechte Dinge über sie zu erzählen. Und von daher möchte sie mit denen nicht viel zu tun haben.
    Und ihre Kinder und ihre Mutter ? Sie denke ab und zu in sie, habe auch etwas Mitleid mit der Mutter, die vermutlich bald alleine in dem grossen Haus sein wird, weil Schwägerin ja mit ihren Kindern so schnell wie möglich nach hier will. Und ihre Kinder sind gross, um die mache sie sich keine Gedanken mehr. Vermissen ? Nein, ich denke ab und zu an sie, ob es ihnen auch gut geht.

    Und ich bedankte mich für das Vertrauen, das sie mir entgegen bringt, denn das ist nur ein Bruchteil dessen, was gestern Morgen ans Tageslicht, ans deutsche, kam. Warum bedanken? Du bist mein Mann, warum sollte ich Dir das nicht alles erzählen? Allerdings, und schon kam auch wieder die berühmte Falte auf die Stirn:" Wir Thais reden nicht über solche Dinge, es muss keiner wissen, wenn wir ein schweres Herz haben, und weshalb. Und so spricht der Mund nicht das, was das Herz eigentlich sagen will."
    Und so erzählte ich ihr von meinen Sorgen, von der Arbeit, die nicht immer schön ist, von meinem Sohn, der sich seit fast einem Jahr nicht mehr bei mir gemeldet hat, von den manchmal fehlenden vermeintlichen Freunden, die sich nach der Trennung von meiner Frau abgesondert hatten.
    Sie versteht es nicht "Er hört wahrscheinlich nur auf das, was die Mutter sagt, das gibt´s aber in Thailand auch." Und mit Freunden sei das auch so eine Sache, die kämen meistens auch nur, wenn sie etwas wollten.

    Und dann sagte sie noch, dass es schlecht aussehe in diesem Jahr, mit der Reisernte in Ban Tab Kung, es gäbe nicht genug Wasser. Und das Zuckerrohr ist billig, es wird wieder zu wenig Geld geben.

    Doch dann strahlte sie wieder, schien erleichtert, froh darüber zu sein, dass sie jemanden hat, mit dem sie reden kann. Und ich bin auch froh, dass ich mit ihr reden kann. Wir wissen (fast) alles voneinander, und das verbindet, schafft Vertrauen. Und da ich schon manchmal ein kleiner Hitzkopf bin, und Suay die Gelassenheit in Person, ergänzt sich das doch, oder...??

    Und dann stand sie auf, hatte ein verschmitztes Lächeln in den Augenwinkeln, wie immer, wenn sie sich ihrem ´som tham´ zuwendet, sang in der Küche und griemelte bei der Erinnerung an für sie fremdes Farang-Verhalten. Und so schien diese kleine Frau aus dem tiefen Isaan mit sich und der Welt wieder im Reinen...

    Doch wie gesagt: Wie´s darinnen aussieht, geht im Grunde nur uns beide was an...

    Und das Bild rundet sich immer mehr ab, der vor zwei Jahren begonnene Stammbaum ihrer Familie wird immer grösser, die Beziehungen unter der Verwandtschaft immer klarer. Sie versteht und akzeptiert es auch, dass ich sie vor Einzelnen schützen will, damit sie nicht wieder ausgenutzt wird. Doch ein wenig Mitgefühl möge ich ihr gestatten, sie kämen doch mitunter alleine nicht zurecht.
    Und ich gestatte, denn der grösste Fehler wäre, ihr die Möglichkeit zu ´tham bun´ zu nehmen. Ich muss ja auch nicht alles verstehen.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von MichaelNoi

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    Beiträge
    3.844

    Re: Das Lächeln...

    Schön, dass ihr noch brainstormt , Kali :-)
    ...manchmal lächelt man in Situationen, wo es eigentlich gar nix zu lächeln gibt...

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