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Buchtip

Erstellt von HPollmeier, 18.04.2004, 00:24 Uhr · 0 Antworten · 434 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von HPollmeier

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    Buchtip

    Hallo,

    die Edition Freitag hat ein Südostasienbuch herausgebracht.
    Unter
    http://www.freitag.de/
    schreibt der Verlag:

    Charlotte Wiedemann
    Die Hütte der kleinen Sätze
    Politische Reportagen aus Südostasien
    Berlin 2004, ISBN 3-936252-04-1, Paperback, 200 Seiten, EUR 14,80


    „Die Hütte der kleinen Sätze ist eine Sammlung von Reportagen aus acht Ländern Südostasiens: Kambodscha, Vietnam, Burmua (Myanmar), Thailand, Malaysia, Indonesien, Osttimor, Philippinen.
    Die Reportagen in diesem Buch vermessen extreme Entfernungen. Nur manchmal sind sie in Kilometern zu rechnen, wie in Indonesien, dem riesigen Inselreich, das jeden Tag den Traum und den Albtraum ethnischerVielfalt lebt. Extrem sind die sozialen Unterschiede, die Entwicklungsabstände, sie reichen von den stahlglänzenden Zwillingstürmen in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur bis zu den grasgedeckten Rundhütten in Papua auf Neu-Guinea. Und extrem ist auch die Distanz zwischen unserer ethisch satten, abgesicherten Welt und der heillos abschüssigen Lebensbühne mancher tropischer Protagonisten. Fast alle Reportagen erzählen von den Reibungsflächen zwischen Tradition und Moderne in diesen so rasch entwickelten Gesellschaften. Im Nachwort beschäftigt sich Charlotte Wiedemann mit der Wahrnehmung des Fremden im Zeitalter globaler Medien. Entfernungen spielen in Raum und Zeit aber auch in Hinsicht der Kulturen und Lebensverhältnisse scheinbar keine Rolle mehr. Ihr Fazit: Mithilfe von Internet und Satellitenfernsehen kann ein schreibender Korrespondent, der in Jordanien sitzt, die Folgen eines Erdbebens im Iran so farbig schildern, als wäre er vor Ort. Wofür ich plädiere: den Rahmen weit machen, Entfernungen wieder anerkennen, Zweifel honorieren. Nichts ist so dumm und so lächerlich wie der Glaube, durch unser kleines Guckloch würden wir dieWelt erkennen.

    Charlotte Wiedemann, geb. 1954, arbeitete als politische Journalistin für die TAZ, den Sternund die Woche. Sie lebte von 1999 bis 2003 in Südostasien. Sie wohnte auf der malaysischen Insel Penang und unternahm ausgedehnte Reisen durch die ganze Region. Die Texte in diesem Buch beruhen auf Recherchen für deutsche und Schweizer Wochenzeitungen und Magazine: Geo, Freitag, Woche, Weltwoche, Merian, Brigitte

    Die Hütte der kleinen Sätze

    Die Reportagen in diesem Buch vermessen extreme Entfernungen. Nur manchmal sind sie in Kilometern zu rechnen, wie in Indonesien, dem riesigen Inselreich, das jeden Tag den Traum und den Albtraum ethnischer Vielfalt lebt. Extrem sind die sozialen Unterschiede, die Entwicklungsabstände, sie reichen von den stahlglänzenden Zwillingstürmen in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur bis zu den grasgedeckten Rundhütten in Papua auf Neu-Guinea. Und extrem ist auch die Distanz zwischen unserer ethisch satten, abgesicherten Welt und der heillos abschüssigen Lebensbühne mancher tropischer Protagonisten. Eine Mutter in Kambodscha streichelt die Köpfe ihrer Kinder, und niemand sieht ihr an, welches Kind sie als nächstes verkaufen wird. In den Slums von Manila verehren die Besitzlosen einen Präsidenten, der ihnen Häuser versprach und statt dessen seinen Geliebten Villen mit Swimmingpool baute. Noch in den Trugbildern der Verblendeten zeichnen sich Umrisse eines Kampfes ab, der in den meisten Ländern der Region begonnen hat, der Kampf um bürgerliche und demokratische Rechte. Seine Muster sind modern oder archaisch, seine Formen so disparat wie die sozialen Welten. In Malaysia kämpft die Opposition im Internet um Meinungsfreiheit, in Papua ist der .....köcher zum Symbol der Selbstachtung geworden, auf den Philippinen gehen Nonnen gegen Korruption auf die Straße.

    Mancher Kampf gewinnt nur in der Nahsicht Plausibilität, das gilt für den Separatismus an den Peripherien Indonesiens, wo seelisch verletzte Gesellschaften um Selbstheilung und Identität ringen, unter islamischem Vorzeichen oder unter christlichem. Osttimor, so heroisch im Widerstand, erlebt nun, wieviel Bitterstoffe im Geschmack der Freiheit sind, wenn ein Staat nur eine halbe Insel umfaßt. Selbst im Mikrokosmos dieser winzigen Nation taucht jenes Thema auf, das ganz Südostasien umspannt: ethnische und kulturelle Pluralität. Osttimor hat mehr Dialekte, es sind 32, als Ärzte.

    Fast alle Reportagen erzählen von den Reibungsflächen zwischen Tradition und Moderne in diesen so rasch entwickelten Gesellschaften. Konsumdenken und Verwestlichung haben Thailands Buddhismus in eine tiefe Krise gestürzt. Neue Sekten für die ungeduldige Mittelschicht verkaufen Spirituelles wie Versicherungspolicen, arrangieren bei Massenmeditationen zigtausend Anhänger zu einer Choreographie totalitärer Harmonie. Einen radikal anderen Weg religiöser Erneuerung gehen fromme Bauern; sie wenden sich von Thailands exportorientierter Agrarindustrie ab und verstehen biologische Landwirtschaft als angewandten Buddhismus: Besinnung auf die eigene Kraft. Die Paradoxien einer Gesellschaft in Krise und Umbruch bündeln sich in diesem Bild: Ausgerechnet jener König, der im alten Siam das unterwürfige Kriechen vor Höhergestellten abschaffte, wird von jungen Thailändern heute gottgleich verehrt – auf den Knien.

    Malaysia und Indonesien werden in diesem Buch ausführlicher beschrieben. Obwohl durch ihre kulturellen Wurzeln und ihre Sprache verbunden, stehen beide Länder heute für ganz unterschiedliche Mentalitäten und Erfahrungen. Das kleine Malaysia, verliebt in sich selbst, seine Stabilität, seine materiellen Errungenschaften, hat Wohlstand vor Demokratie gesetzt. Ein Modell, verkörpert durch Mahathir Mohamad, 22 Jahre Premierminister, der letzte aus der Riege der kleinen starken Männer Asiens. Das große Indonesien, strukturell unregierbar, ringt seit dem Ende der Herrschaft Suhartos um einen demokratischen Neubeginn, theatralisch verkörpert durch den Präsidenten Abdurrahman Wahid. Der blinde, gebrechliche Gelehrte begann in einer Atmosphäre ekstatischer Hoffnung und endete bei Notstandsdekreten, als Inbegriff des gescheiterten Intellektuellen.

    Alte Kulturen, junge Staaten: In Südostasien blieb nur Thailand die Erfahrung kolonialer Demütigung erspart. Offenkundig oder verborgen wirkt das koloniale Erbe in allen Ländern nach. Burma (Myanmar), gleichfalls ein Vielvölkerstaat, wurde von den Briten nach dem Prinzip Teile-und-herrsche regiert; sie bevorzugten die ethnischen Minderheiten, gaben ihnen Macht und Autonomie. Als England Burma freigab, war es ein vielfach zerrissenes Land. Die Generäle, die Burma regieren, rechtfertigen sich bis heute als Garanten der nationalen Einheit. Alle Unterstützung aus dem Westen hat Aung San Suu Kyi, der Frau mit der Blume im Haar, nicht geholfen. Burma, in seiner Silhouette ganz altes Asien, markiert die Grenze westlichen Einflusses.“

    Porto/Verpackung ab Verlag = 1 €. Vielleicht besteht ja Interesse.

    Gruss
    Heinz Pollmeier

  2.  
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