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Ukraine - Ereignisse, Analysen

Erstellt von hueher, 22.02.2014, 08:23 Uhr · 2.307 Antworten · 120.527 Aufrufe

  1. #1611
    Avatar von Nokhu

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    Zitat Zitat von Dieter1 Beitrag anzeigen
    Das ist die Meinung von wahlweise Linksradikalen oder Rechtsradikalen,
    Klar, wieder mal der Hinweis auf Radikale.....prust.


    ...aber mindestens 90% der Westdeutschen empfanden die USA nie als Besatzungsmacht.
    Weil sie nie aufgeklärt wurden.

  2.  
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  3. #1612
    Avatar von Dieter1

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    Zitat Zitat von joachimroehl Beitrag anzeigen
    Die Bundesrepublik dagegen hat den sowjetischen Vorschlag auf ebensolche Neutralität in 1952 unter Adenauer abgewiesen.
    Das war eine sehr kluge Entscheidung, denn wer 1952 noch Stalins Zusicherungen vertraute war ein strikter Realitaetsverweigerer.

  4. #1613
    Avatar von joachimroehl

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    Du bist doch solange Du noch in München gewerkelt hattest ganz nah bei den Österreichern dran gewesen. Ich habe lediglich zwei Anverwandte in Wien, die 1938 im Zuge der Arisierung eine jüdische Schokoladenfirma übernommen haben und mir bis vor wenigen Jahren die Stimmung im Nachbarland recht gut rübergebracht haben. Da gab es keinen der die seit 1955 auf ewig geltende Neutralität mit allen Alliierten im Österreichischen Staatsvertrag festgehalten, gegen amerikanische Militärbasen und Kernwaffen eintauschen wollte. Zudem Freunde und Partner kann man sich aussuchen, Besatzer und Okkupanten nach einem verlorenen Krieg nicht. Leider hatte zu Wendezeiten Helmut Kohl nicht den nötigen Schneid um die Amerikanern zu befragen, vor wem sie uns eigentlich noch beschützen wollen? der Warschauer Vertrages befand sich in Auflösung. Und Michail Gorbatschow hat mit seiner Verhandlungsschwäche nicht nur die Deutschen, sondern auch sein Land in eine sehr abhängige Stellung gebracht, aus der sich die spätere Russische Föderation erst seit einigen Jahren wieder erholt.


    Quelle: Unternehmen & Märkte « Archiv « wirtschaftsblatt.at
    Knäbchen Schokolade ist Geschichte, Roshen von Poroshenko ess ich aber dennoch nicht..

  5. #1614
    Avatar von franki

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    Als neutraler Staat, der zudem im 20.Jahrhundert schon 2 Weltkriege angefangen hat, wäre Deutschland - anders als Österreich oder die Schweiz - zu groß, da hätten die anderen Staaten in Europa mit Sicherheit Bedenken. Aber für die Ukraine wäre das meiner Meinung nach eine Perspektive: Ukraine-Konflikt mit Russland: Österreichs Neutralität als Lösung - SPIEGEL ONLINE
    Schon von der Lage her ist dieses Land doch dafür prädestiniert, eine Vermittlerrolle zwischen Ost und West, zwischen Europa und Russland zu spielen und natürlich sollte die Ukraine mit beiden gute Beziehungen pflegen - nur leider wird das mit den guten Beziehungen zu Russland aufgrund des Krieges momentan nichts werden. Aber, wir wollen mal die Hoffnung nicht aufgeben, vielleicht dreht sich der Wind in Russland auch mal wieder und es gibt dort eine Entwicklung zur Demokratie hin, auch wenn es momentan nicht danach aussieht. Unter Medwedjew gab es schon ein paar Ansätze dazu, schade das er zu feige war, Putin die Stirn zu bieten und ihm kampflos die Präsidentschaft überlassen hat.

  6. #1615
    Avatar von Micha L

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    Zitat Zitat von joachimroehl Beitrag anzeigen

    Das kann man so nicht stehen lassen Micha L, die Schweiz und Schweden sind zwei europäische Beispiele dauerhaft praktizierter Neutralität bei ununterbrochener Ausrichtung auf christlich-westliche Werte. Und das selbst in Zeiten von 33-45 und durch den ganzen Kalten Krieg hinweg. Auch Österreich hat für seine im Staatsvertrag dauerhaft fundamentierte Neutralität den freien Abzug der Besatzer schon zehn Jahre nach Kriegsende erreicht.
    Ich erkenne keinen Widerspruch zu meiner Aussage, daß trotz staatsrechtlicher Neutralität eine Westbindung dieser Staaten besteht, auch ohne militärisches Bündnis (Du selbst betonst in dem Zusammenhang die westlichen Werte).

    Bis 1939 funktionierte das Konzept der Nationalstaaten noch, weil in Mitteleuropa noch keine der heutigen Weltmächte etabliert war.
    Im sowjetischen Machbereich nach 1945 war eine Neutralität nicht möglich. Die Präsenz der USA war es, die den Fortbestand der Neutralität in Mittel- und Nordeuropa nach 1945 ermöglichte. Nur wegen dieser Präsenz fand die Sowjetunion schließlich eine neutrale Zwischenzone vorteilhaft. Nicht anders ist der Staatsvertrag mit Österreich zu bewerten oder die Idee vom neutralen Deutschland gleich nach 1945 und 1989. Ohne die USA hätte die Sowjetunion das Konzept der "Weltrevolution" kaum von der Tagesordnung genommen (ein weltweiter Kommunismus war auch weiterhin das unverhohlene Ziel).
    Wesentlich aber ist, daß gerade Österreich nach Erlangung seiner "Neutralität" keineswegs die Nähe zur Sowjetunion suchte. Im Gegenteil. Es machte sich unabhängig vom sowjetischen Einfluß und orientierte sich wie alle anderen, die konnten, westwärts. Eine wahre Neutralität gibt es also gar nicht mehr.

  7. #1616
    Avatar von joachimroehl

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    Nach dem 2.Weltkrieg hatten die Russen mit zerstörtem Land bei zwanzig Millionen Toten (Platz 1 belegt dennoch mit 6 Millionen Opfern das jüdische Volk) sicher kein missionarisches Interesse, wie auch die griechischen Kommunisten 1946 schmerzlich erfahren mussten.

    Österreich musste sich nie "nach Westen" bewegen, denn es ist seit eh und je europäisches Kernland und Kulturland, von dem viele in der Welt lernen durften. Es hat traditionell tiefe Verbindungen in den postsowjetischen Raum, da bis 1918 Galizien noch zu Österreich-Ungarn gehörte. Von daher sind auch die traditionelle Abneigung der Westukrainer gegen Juden, intensive Judenpogrome und ein übersteigerter Nationalismus zu erklären. Wir erinnern uns an den übereifrigen SS-Angehörigen Demjanjuk, der vor kurzem in München spät abgeurteilt wurde.

    Für die Sowjetunion hatte sich nach Kriegsende eine hunderte Kilometer breite Pufferzone aus den verlorenen Ostgebieten Polens und Deutschlands ergeben. Die nach Süden zu verlängern in den Alpenraum war der Grund Österreich gern in die Unabhängigkeit zu entlassen. Finnland im Norden war bereits neutral geworden.

    Und auch wenn viele das gern vergessen wollen, die Westalliierten waren die, welche mit Währungsreform und Gründung der Bundesrepublik bis hin zur Aufstellung einer Bundeswehr, Wiederbewaffnung etc. den Russen immer einen Schritt zuvor kamen. Da hätte eine neutrales freies Deutschland nur gestört. Wie hatte es ein Franzose später so schön formuliert "Ich liebe Deutschland. Ich liebe es so sehr, dass ich froh bin, dass es zwei davon gibt."


    Quelle: Galizien (Deutsches Kulturforum östliches Europa) und http://www.dieterwunderlich.de/John-Demjanjuk.htm

  8. #1617
    Avatar von Micha L

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    Laß es mich, ganz un"verblendet" von den USA oder Rußland formulieren:

    Wie viele andere auch habe ich im Osten zwangsläufig die Abhängigkeit von beiden Großmächten jeweils Jahrzehnte mit wachem Auge erlebt.
    Die Erfahrung mit beiden "Übeln" betrachtet, ist die Bindung an die USA das wesentlich geringere und das "Joch" unvergleichlich leichter.
    Auch ohne Sozialismus hat sich am besonderen russischen Hegemonialgehabe nichts geändert, ist die Sowjetunion immer noch Vorbild (wie Fotos mit Hammer und Sichel und Plakaten Sowjetunion 2.0 unterm Lenindenkmal anschaulich zeigen)

    Diese Erfahrung bestimmt die Nachbarn Rußlands um so mehr.
    Daß sich z. B. das Baltikum, wie hier geäußert, nur habe vom Westen aufhetzen lassen, setzt voraus, daß die Regierungen dort nicht in der Lage sind, selbst zu denken. Das ist natürlich Unsinn.

  9. #1618
    Avatar von Loso

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    Merkwürdige Diskussion hier. Was war ist vorbei. Man sollte nicht versuchen, die Geschichte nachträglich zu ändern oder umzudeuten. Die von Dieter genannten 90% halte ich noch für untertrieben, als wichtigster Verbündeter und nicht als Besatzer hat man im Westen sicher nahezu zu 100% die USA gesehen. Das hat mit dem politisch berechtigten, später aufkommenden Anti-Amerikanismus nichts zu tun, der die weltpolitische Rolle der Amerikaner scharf kritisierte. Sie waren (wie die anderen Alliierten) aber auch nicht Teil der Gesellschaft, wobei die Pfalz durch deren enorme wirtschaftliche Rolle und Berlin durch die Berlin-Blockade und Frontstadt/Insellage eine völlig andere Wahrnehmung hatten als der ganze Rest der Bonner Republik. Mein Vater war als junger Gymnasiast Übersetzer und mein Grossvater wegen seiner Verhaftung durch die ....... Ent....fizierer, da hatte man in den ersten Monaten reichlich Kontakte. Nachdem die deutsche Verwaltung etabliert und die Alliierten sich in den Kasernen eingerichtet hatten, dünnten sich die direkten Kontakte deutlich aus, auch durch ständige Rotation. Ich habe dann als Kind bei den Herbstmanövern nachts manchmal am Fenster geguckt, wenn hunderte britische Panzer zum 1km entfernten Rheinübergang knatterten, später gerne BFBS gehört (war cool), aber sie sonst gar nicht wahrgenommen.

    Die Alliierten Streitkräfte sind ausser aus der neuen (und alten) Hauptstadt aber nirgends hinauskomplimentiert worden, andere Krisenherde und Sparzwänge haben dazu geführt, einzig der Frankfurter Flughafen hätte sie liebend gerne weg gehabt um wachsen zu können, aber da sind sie solange geblieben wie sie es wollten und nicht die Deutschen. Daß die Amerikaner mit ihrer modernen Gesellschaft, enormen Wohlstand und Englisch als der Weltsprache schlechthin eine erheblich höhere Strahlkraft nicht nur auf die Deutschen ausübten als die Russen, das versteht sich von selbst. Die ca. 35 Mio. getöteten Russen und Polen im Vergleich zu ca. 1Mio. getöteten Franzosen, Briten und Amerikanern, der Kommunismus und die ungünstigeren wirtschaftlichen und geografischen Rahmenbedinungen taten ihr Übriges.

    Staaten haben keine Freunde, sondern nur Interessen. So gesehen hat Russland durchaus Verbündete innerhalb der GUS, einige haben sich abgewendet, bei anderen sind die russischen Truppen ein erwünschter Garant für Stabilität für elendige Diktaturen. Von Armenien bis zur Mongolei sind alles Länder, die zwischen russischem, chinesischem oder amerikanischem Einfluss lavieren. Da haben sich die Amis auch noch nirgendwo so recht festsetzten können. Sind aus Usbekistan rausgeschmissen worden, konnten den tatschikischen Flughafen Mary trotz aller Versuche nicht pachten (perfekt für Iran und Zentralrussland), konnten trotz aller Versuche die atomwaffenfreie Zone der fünf zentralasiatischen Länder (Vertrag von Semei) nicht verhindern (für Stationierung zukünftiger Atomraketen mitten unter ihren "Lieblingen").

    Sie (die Amerikaner) schickten 2008 die Georgier mit ihrem Drängen zu einer militärischen Lösung schon ins Verderben. Da ist es doch schon seltsam, wenn sie Sezessionbestrebungen wie in Bengasi dann auf einmal toll finden und drauflos bomben, die Rebellen gar vor dem UN-Mandat heimlich aufrüsten, in Syrien ganz ohne Mandat. Ich will gar nicht zu weit ausholen, aber das Drehbuch in der Ukraine war ganz ähnlich wie in Tiflis 2008, wo zuvor die Aussenministerin Rice bei ihrem Besuch den Startschuss gab. Nachdem erste halbherzige Versuche der Ukrainer, ihre rebellischen Landsleute zu überwältigen fehlschlugen, gar ganze Einheiten überliefen, gaben sich CIA-Chef höchstpersönlich, Verteidigungs- und Aussenminister der USA hektisch die Klinke in Kiev in die Hand. Dann begann die mörderische Offensive, der die Rebellen nicht gewachsen waren und selber in ihrem Methoden zunehmend brutaler wurden.

    Mich wunderte, dass Russland die Rebellen nicht schon vorher mit mehr schwerem Gerät unterstützt hatte, bzw. eigene Leute schickte. Die panzerbrechenden Granaten waren vorher jedenfalls wohl nicht da. Da der Westen mit seinen Sanktionen sowieso nahezu alle Türen zugeschlagen hat, hat er den Nationalisten in der RF kurz vor der finalen Niederlage der Rebellen dann wohl doch nachgegeben. Erst diese Kräfteveränderung hat Poroschenko dann zum Einlenken gebracht, ganz sicher auch die Anweisung vom Oligarchen Achmetov, der ultimativ einen Waffenstillstand vor Einnahme seines Stahlwerks in Mariupol verlangte.

    Die grosse Frage ist jetzt allerdings, wie es weitergeht. Wird die dritte Sanktionsstufe gezündet trotz Waffenstillstand? Werden die Kämpfe zugunsten der ein oder anderen Seite weitergehen? Ist eine Föderalisierung der Ukraine ohne Parlament und neuer Verfassung möglich oder langfristig realistisch? Wird es gar ein eingefrorener, ungelöster Konflikt wie in Süd-Ossetien und Transnistien? Dass die beiden kleinen Fragmente der Provinzen Doneszk und Luhansk sich abspalten bzw. von der RF annektiert werden, halte ich für extrem unwahrscheinlich.

  10. #1619
    Avatar von joachimroehl

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    1. Was ist in Minsk passiert? Eine Unterwerfung oder ein Sieg? Darüber streitet sich nicht nur der Durchschnittsbürger unseres riesigen Landes, sondern leider auch ein erheblicher Teil der Expertengemeinschaft. Es gibt keine einfache Antwort auf diese Frage ohne zu betrachten was eine Woche vorher in Brüssel passierte, beim Summit der EU, und in Newport, Wales, wo vom 4.-5. September das NATO-Summit stattfand.

    Russland hat einen politischen Sieg in Bruessel errungen: Die EU (Deutschland und die Länder des alten Europa) weigerten sich, neue Sanktionen gegen Russland unter Druck der USA und ihrer loyalsten Vasallen (Brittanien, Polen, die baltischen Staaten und die Ukraine) anzunehmen. Die EU hat also beschlossen, den Konflikt mit Russland angesichts des Winters nicht zu eskalieren. Weiterhin hat die EU selbst einen Weg aus der Situation mit dem South Stream gefunden, mit dem die Sanktionen des Dritten Energie-Pakets umgangen werden können: Dieselben Regeln zu verwenden wie für Offshore-Projekte der EU; Beispielsweise in Bulgarien, man erlaubt Gazprom sie zu kaufen und mit dem “South Stream” zu verbinden.

    Trotz vieler Tipps und Drohungen von den US-Pudeln vor dem Summit der NATO Mitglieder (wie im Detail diskutiert im Artikel “Das Schicksal Neurusslands: Die USA erhöht die Einsätze”: a) Die Drohung der Aufstellung eines europäischen Raketenabwehrsystems gegen Russland; b) Der Aufbau von fünf neuen NATO-Basen in Polen, Rumänien und den baltischen Staaten; c) Kündigung des Grundlagenaktes Russland – NATO.) hat der Summit nur mit einer offiziellen Erklärung geendet, die die Meinung der Nordatlantischen Allianz zu den aktuellen Ereignissen auf dem Territorium der zerfallenden Ukraine darstellt.

    Wie erwartet, verurteilt die NATO die russische Militärinvasion in der Ukraine, fordert von Russland, sein Militär aus der Ukraine zurückzuziehen, seine Unterstützung der Milizen einzustellen und sich unter keinem Vorwand in die Situation in der Ukraine einzumischen. Von mehr war nicht die Rede. Der Grundlagenakt “Russland – NATO” wurde nicht gekündigt, das europäische Raketenabwehrsystem nicht beschlossen, und von Basen in den fünf genannten Staaten war nicht die Rede. Nach den Worten von Rasmussen hat er zur Kenntnis genommen (besser kann man es nicht sagen), dass die Polen, Balten und Rumänen “Transportpunkte” der NATO auf ihrem Territorium wünschen.

    2. Was besagt dies? Dass die EU, ungeachtet aller Drohungen und Aufschreie der USA und ihrer dienstbaren laut bellenden Pudel nicht bereit ist, über das augenblickliche Konfrontationsniveau mit Russland hinauszugehen. Deutschland, die Länder nicht nur des alten Europa (Griechenland, Italien) sondern auch des neuen (Tschechei, Slowakei, Ungarn) waren gegen die Verschärfung der Rhetorik in den Beziehungen zu Russland, die Ausarbeitung neuer Sanktionen und erst recht gegen die Einschaltung der Mechanismen und Druckinstrumente der NATO.

    Mehr noch, die Summits in Brüssel und Newport haben gezeigt, dass Europa die augenblickliche nervöse Situation in den Beziehungen mit Russland möglichst schnell beenden und zur früheren Zusammenarbeit zurückkehren will. Ungeachtet, unterstreiche ich, ungeachtet dessen was in der Ukraine vorgeht. Im Prinzip ist Europa einverstanden damit, dass Russland sich seine früheren Gebiete (Krim und die Gebiete der Ukraine, die ihr seinerzeit von den Bolschewiken übergeben wurden) im Tausch für reibungslose Gaslieferungen und die Fortsetzung des beiderseitig nützlichen ökonomischen Zusammenenarbeit.

    Der Grund dafür ist, dass Europa nicht zufrieden ist mit dem neuen Format der Staatlichkeit der Ukraine, die sie nach dem Februarumsturz bekommen hat. Daher muss man dieses gefährliche Regime, welches zu Instabilität führt, beenden. Zuerst einmal so, wie es in den Gesprächen in Minsk im Vorfeld des Winters getan wurde.

    Daher ist der Abschluss eines Vertrags über den Waffenstillstand in Minsk zwischen der Junta und den Vertretern Neurusslands ein ernster Sieg Russlands, weil wir mit diesem Zug den USA nicht erlaubt haben, die Beziehungen zwischen Russland und Europa zu zerreißen, und Europa die notwendigen Argumente gegeben haben, um in Brüssel wie in Newport die Beschlüsse, die die USA gegen Russland annehmen wollten, zu blockieren und abzulehnen. Für heute ist dies ein großer gemeinsamer Sieg von Russland und Europa.

    3. Gehen wir weiter und kommen zum leidgeprüften Neurussland zurück. Viele, sogar angesehene Experten wie Boris Roshin, halten das für einen Verrat von Neurussland. Lasst uns dies einmal genauer betrachten.

    Erstens scheint, nach allem zu urteilen, Poroschenko und die Junta nicht gewillt zu sein, die Bedingungen des Waffenstillstands einzuhalten – Beschuss von Donezk, Lugansk, Gorlowka, Kampfhandlungen im Gebiet Mariupol von Seiten der Junta werden fortgesetzt. Entsprechend haben auch die Widerstandskräfte freie Hand.

    Zweitens, selbst wenn die Beschüsse von Seiten der Juntatruppen beendet werden und ein friedlicher und anstrengender Prozess von Verhandlungen beginnt, wohin wendet sich die Aufmerksamkeit der Bewohner der Ukraine, die sich heute unter der Macht der neobandero-faschistischen Junta befinden? Richtig, in Richtung innerer Probleme – Preise für Lebensmittel, Benzin, Inflation, Arbeitslosigkeit, Kurs der Grivna, Willkür von Banden usw. usf. Poroschenko wird so tun, als ob er etwas löst – er muss schließlich Parlamentswahlen gewinnen.

    Und was machen Kolomoisky, Ljaschko, die Bataillone der Nationalgarde und all die anderen, die an der Entfachung des Krieges interessiert sind? Was können sie tun? Sie können in dieser Situation gar nichts tun, weshalb die Spannungen innerhalb der Junta selbst ansteigen. Und wenn es Russland und Deutschland gelingt, Poroschenko von der Anwendung von Gewalt im Osten abzuhalten, wird früher oder später die eitergefüllte Beule der Junta aufbrechen.

    4.Und was das “neue Pridnestrowje” betrifft – das, womit die Experten die Bevölkerung und die Neophyten verängstigen, als Beleg für die Losung der amerikanischen Partei und Regierung, dass “Putin alles verraten” hat. Der Punkt ist, dass das Phänomen Pridnestrowje so wurde aufgrund eines Faktors – des Fehlens einer gemeinsamen Grenze zu Russland. Mehr nicht. Abchasien und Südossetien haben eine gemeinsame Grenze mit Russland – und schon sieht die Lage ganz anders aus. Ja, formell sind beides nicht anerkannte Staaten. Aber reell – ich unterstreiche, reell – befinden sich Abchasien und Südossetien heute unter dem Schutz der russischen Armee, und keine “Fledermaus” traut sich dorthin, im Unterschied zu Pridnestrowje.

    Daher kann im Zusammenhang mit DVR und LVR überhaupt nicht die Rede sein von einem “neuen Pridnestrowje” – das Vorhandensein einer gemeinsamen Grenze gibt keinerlei Möglichkeit eines solchen Szenarios her. Ja, eine Zeitlang wird es Unklarheiten über den Status dieser Gebiete geben. Aber nach dem Durchbruch der eitergefüllten Beule in Kiew oder einem anderen Szenario werden zu den zwei Gebieten Neurusslands auch die fünf anderen stoßen, die die Bolschewiken der Ukraine gegeben haben. Und das ist das Ende der Ukraine in ihrer heutigen Form.

    5.Und zum Schluss zur Hauptfrage: Warum geht Russland gerade nach diesem Szenario vor, statt den Fluss der Ereignisse in Neurussland zu beschleunigen. Der erste Grund ist oben genannt – man musste Deutschland und Europa die Argumente geben, mit deren Hilfe sie verhindern konnten, dass die USA auf den Summits von Brüssel und Newport ihre Pläne durchbekommt.

    Zweitens, man muss Europa einen ruhigen Winter absichern, und die Länder Osteuropas, die von Gaslieferungen durch die Ukraine abhängen, nicht erfrieren lassen. Denn, wenn im Gebiet der Ruine das Chaos ausbricht, werden die Gasleitungen in die Luft gesprengt, Osteuropa beginnt zu frieren, die USA erhält sehr ernste Argumente für Druck auf die EU wegen Russlands Position in der Ukraine-Krise.

    Die Frage der Sicherung der Gaslieferungen nach Europa im Winter ist daher heute eine der wichtigsten. Deswegen lohnt es sich schon, einen Waffenstillstand einzugehen, auch ganz ohne die friedlichen Bürger Neurusslands zu betrachten. Außerdem wird ein kalter und hungriger Winter auf dem Territorium der Ukraine, welches die Junta jetzt kontrolliert, einige Leute zu Verstand bringen. Und nach dem Winter wird die Junta in jedem Fall erledigt.

    Drittens, die schnelle Einnahme der sieben Regionen Neurusslands erlaubt es der USA, einen neuen Eisernen Vorhang zu errichten. Diesmal nicht irgendwo in Deutschland, sondern direkt an der Grenze mit Russland, in Form der notorischen NATO-Basen im Baltikum, Polen und Rumänien. Wir hätten auch für lange den Rest der Ukraine verloren, was nicht zugelassen werden darf. Jede schnelle Aufteilung gibt uns äußerlich einen Sieg – soviel wurde erobert, und das schnell. Aber vom strategischen, langfristigen Standpunkt aus gesehen ist gerade solch ein Szenario unsere Niederlage, weil wir den Rest der Ukraine verlieren würden und der USA gestatten würden, Europa vollständig und endgültig zu kontrollieren.

    ***

    Deshalb brauchen wir die ganze Ukraine, die, analog zu Belorussland, ein mit Russland befreundeter Staat sein wird, und der ganz (vielleicht mit Ausnahme der drei Westregionen) in die eurasische ökonomische Union eintritt, wonach wir zusammen eine Handelszone mit der EU aufbauen, um den ganzen eurasiatischen Kontinent von Frankreich und Holland bis China, Iran und Indien in eine einheitliche ökonomische Zone zu vereinen.



    Quelle: http://www.vz.ru/opinions/2014/9/7/704366.html (russische Sicht im Original)

  11. #1620
    Avatar von socky7

    Registriert seit
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    Analog zur Diskussionsrunde hier im nittaya-Forum sind auch die Leserkommentare in Spiegel Online gespalten,
    wie z.B. dieser Kommentar von Furiosus zeigt :

    "9.Furiosus heute, 19:45 Uhr
    Natürlich möchten die Handlanger der Kiewer Regierung uns gerne glauben machen, dass dies unser Krieg wäre. Ist es aber nicht, war es nie und wird es nie sein. Die Vorstellung, dass Russland militärisch gegen die EU oder ein NATO-Land vorgehen könnte ist illusorisch und schlicht dumm. Die Ukraine geht uns nichts an und wir haben mehr Interesse an einer lukrativen Partnerschaft mit Russland als an der Ukraine. Was auf keinen Fall passieren darf ist, dass noch ein korruptes, kaputtes, chaotisches Land wie die Ukraine auch nur in die Nähe eines EU-Beitritts kommt. Wir haben genug Pleitestaaten durchzufüttern."

    http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-990465.html

    Bevor die EU finanzielle Zusagen macht, sollte erst das Ergebnis der Parlamentswahlen in der Ukraine abgewartet werden. Es ist auch möglich, dass analog zum Irak und zu Afghanistan in der Ukraine eine Regierung an die Macht kommt, bei der die Hilfsgelder schneller versickern als man zuschauen kann.

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