Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 18

Opfer. Taeter. Gleichheitsgrundsatz?

Erstellt von strike, 28.12.2011, 12:03 Uhr · 17 Antworten · 1.065 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von strike

    Registriert seit
    08.12.2007
    Beiträge
    28.011

    Opfer. Taeter. Gleichheitsgrundsatz?

    Unterschiedliche "Gewichtung" ist ja kein voellig neues Phaenomen in Deutschland.
    Dies gilt auch und besonders bei politisch motivierten Straftaten - wenn sie denn nur in eine bestimmte Schublade gesteckt werden koennen.

    Da muss noch nichts erwiesen, geschweige denn verhandelt sein, da darf die Sachlage verworren bleiben: die allgemeine Empoerung ist hoch, es wird von keinem Politiker vergessen, diese immer und ueberall einfliessen zu lassen und Hilfsangebote werden auch schon mal grosszuegig gemacht.

    Schade, dass die Menschen, die in der DDR fuer das Eintreten von Menschenrechte und Demokratie litten, nie diese Unterstuetzung durch die Politik hatten.
    Und - im Gegenteil - miterleben muessen, wie die ehemaligen Taeter (Polizei, Stasi, Richter, Staatsanwaelte, ... ) geruhsam und durch gute Pensionen abgesichert ihren Lebensabend einfach nur geniessen koennen.
    Hier wuenschte ich mir den gleichen Elan und das Durchsetzungsvermoegen geschehenes und bewiesenes Unrecht gut zu machen.
    Aber dies wird wohl fuer immer ein frommer Wunsch bleiben.

    ... obwohl es seit 1990 mehr als 100.000 Ermittlungsverfahren gegen ehemalige SED- und Stasi-Funktionäre gab, haben die Richter gerade einmal 46 Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt; tatsächlich ins Gefängnis mussten davon nur 40, die zudem fast ausnahmslos den im Rechtsstaat üblichen Strafnachlass bekamen.

    ... Geradezu deprimierend ist die Situation der DDR-Aufarbeitung, wenn man das Schicksal einzelner SED-Opfer betrachtet. So bekommen sie erst seit 2007 und nur nach oft erniedrigenden bürokratischen Formalien eine Sonderrente von maximal 250 Euro im Monat, sofern sie ihre Bedürftigkeit nachweisen.

    ... Hingegen kassieren seit anderthalb Jahrzehnten viele Angehörige der einstigen SED-Elite üppige Pensionen, die weit über dem Rentenniveau früherer DDR-Normalbürger liegen.

    ... Ein der "Ent....fizierung" nach 1945 auch nur entfernt ähnlicher, wenigstens zeitweiliger Elitenwechsel in Verwaltung und Wirtschaft ist im letzten Jahr der DDR nicht einmal versucht worden.

    Und immer wieder erstaunlich, dass es tatsaechlich nicht gelungen ist, die Buettel in den Zuchthaeusern fuer ihre brutalen Uebergriffe, die Rechtsbeuger in den Gerichtsaelen, die "Ermittler" in den Stasi- und Polizeidienststellen oder gar die Denunzianten zu verurteilen.

    Vielleicht eine moegliche Antwort auf die Frage, warum vor allem in den neuen Bundeslaendern viele Menschen der "Demokratie" nicht mehr trauen, die Verlogenheit junge Menschen in radikale Arme treibt?
    Ich habe nicht sehr viele Kontakte in den "Osten".
    Aber die Bitterkeit ueber die Etablierung der alten Kader und die Hilflosigkeit der westdeutsche Justiz im Umgang mit den DDR-Verbrechern ist schon immer mal wieder spuerbar.

    ... Bis 2002 mussten deshalb zwei Gefängnisbedienstete ins Gefängnis. „Der berüchtigte Oberwachtmeister Hubert Schulze, der in der Strafvollzugsanstalt Cottbus als ‘Roter Terror’ jahrelang Gefangene tyrannisiert hatte, kam ebenfalls mit einem blauen Auge davon. Er erhielt zwei Jahre und acht Monate Haft, die er im offenen Vollzug verbringen durfte, so dass er im Gefängnis lediglich übernachten musste...Von den 1795 Strafvollzugsbediensteten aus DDR-Zeiten wurden im Land Brandenburg ganze neunzig entlassen. Meist waren Spitzeldienste für den Staatssicherheitsdienst der Auslöser, während die in Salzgitter dokumentierten Misshandlungen kaum zu personellen Konsequenzen führten.“ (Knabe 2008, S. 107)

    20 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz: Stasi-Tätern geht es heute besser als den Opfern - Nachrichten Debatte - WELT ONLINE

  2.  
    Anzeige
  3. #2
    Avatar von DisainaM

    Registriert seit
    15.11.2000
    Beiträge
    26.857
    ja, dieses Thema ist fast natlos mit dem Wechselkurs 1 zu 1 Thema zu bewerten, was mit einem Schlag die Stabilität der DM tangierte.

    Bei der Frage, warum der Umgang mit den Tätern derart von statten lief,
    kommen wir wieder in den Bereich der Verschwörungstheorien.

    Angeblich lag bei den Tätern der DDR ein erhebliches Wissen über Täter in der BRD vor,
    also etliche unbekannte Skandale, die den Glauben der Westbürger in die Rechtstaatlichkeit der BRD aufs tiefste erschüttert hätte.
    Der Deal mit den DDR Tätern war nun, dass dieses Wissen unter Verschluss bleibt,
    dass man sich lediglich auf einige Schauprozesse auf wenige exponierte Persönlichkeiten beschränkt,
    dass man das Recht hat Stasi oder IM Kader nicht weiter zu beschäftigen,
    aber dass die Pensionen, der Ruhestand der grossen und kleinen Täter des Systems ungeahndet bleibt,
    im gegenzug für die Infoblockade, was die Stasi über die Vorgänge in der BRD wusste.

  4. #3
    Avatar von eyeQ

    Registriert seit
    31.12.2010
    Beiträge
    705
    Ich denke es geht auch ohne Verschwörungstheorie.
    Alles ging viel zu schnell ( aber wie sollte man das Wasser nach dem Dammbruch auch aufhalten )

    In der DDR hielt die Führung bis zum Ende an ihrer Ideologie fest.
    Im Westen haben wir zwar mitbekommen, da drüben tut sich etwas, man hat die Bilder der Botschaften und genschers rede noch vor Augen, aber wir ahnten nicht das sich wirklich alles ändern würde ( vieleicht einige, aber die MAsse wusste es nicht )

    Dann sollte alles sehr schnell gehen, Kohl war nicht mehr so popular... Wiederwahl gefährdet, als Einheitskanzler in die geschichte eingehen und von dankbaren Ossis gewählt werden, war priorität.
    ICh bin mir sicher, die ganzen VErhandlungen zwischen der SED und der BRD, waren mit der heissen NAdel gestrickt und damit es ja schnell geht, wurden Zugeständnisse gemacht.

    Der nächste Punkt dürfte sein, wir Wessis sind wie die Heuschrecken in den Osten eingefallen.... nicht nur die Verkäuferlein, die Justiz wurde ja auch erst mal von Westpolizisten Richtern, .... bestückt.
    Die Beamten in den Behörden ebenso....

    Der Unterschied zwischen Ost und West war vor allem, die Ossis wussten über uns Wessis genaustens bescheid.
    Aber umgekehrt, waren uns Wessis die Ossis relativ scheissegal...wir wussten nicht viel, vieleicht das Honeker deren Chef war und Namen wie Mielke kannte man noch, Ulbrich und die Klassiker, aber ansonsten nichts.

    Ich unterstelle mal, das viele Richter und ermittelungsbeamte gegen die Greuel der Stasi Wessis waren.
    Und denen fehlte eigenlich so ziemlich jedes Interesse, jedes Gespür.

    Aber die ossis selber, waren nach der Wiedervereinigung nicht besonders Rachelüstern.
    Ich wohne ja nun seid einigen jahren im Osten, im Dorf wo man vieles hört und erzählt bekommt.
    Ich wundere mich immer wieder, das niemand in den Dörfern, Lynchjustiz begangen hat, nachdem die namen der Spitzel bekannt wurden.

    Ok in manchen Dörfern wurde das Haus abgefackelt, das war aber versichert und man hat dem alten Stasisack noch einen gefallen getan, weil das HAus in Grau DDR Normbau 313 durch die VErsicherung in einen schicken Bungalow verwandelt wurde.
    Aber ansonsten passierte den alten STASI Typen...nicht viel.

    Mit mir war einer im Segellehrer Seminar 2 Jahre lang... EX Stasi Oberst Tätigkeit Briefe in Rostock abfangen lesen und ggfs verhaften lassen.
    Der Man verdient heute GELD an der UNI leipzig um Vorträge zu halten, über den Schwachsinn, die Lügen die über die Stasi erzählt werden.

    jeden Morgen bin ich mit dem in die Schule gefahren, vom Dorf ins 50KM entfernte Rostock....jeden morgen erklärte er mir, wie gut und effektiv die Stasi doch war.
    Und wie wichtig....
    man kann sich alles selbst glauben lassen.

    Was ich sagen will... es ging alles sehr sehr schnell, Osten wie Westen waren überrascht, als die Mauer fiel.
    Dann war ein jeder mit allem möglichen, vor allem sich selbst beschäftigt...
    Die meisten prozesse ...davon hat doch niemand was mitbekommen, ....

    Die meisten Stasi Säcke... haben tatsächlich Positionen in den gemeinden, stadträten und im LAndtag.
    Die anderen Ostbürger wissen genau, der HErr xxx und XYX waren früher STASI.--.--
    aber niemand macht den Mund auf.
    Vieleicht noch alte Ängste, wer könnte es ihnen verdenken.
    ICh als Wessi kann da keine Stellung nehmen, ich habe die Stasi nie erlebt....
    Aber ich könnte mir durchaus denken, das der gemeine Bürger hier und heute, immer noch Angst hat, fürchtet oder was auch immer.

    In meinem KAff die Bürgermeisterin, da wird unter vorgehaltener hand geflüstert, die war früher auch dabei.
    Gemeint die Stasi....
    Wenn ich dann frage, warum wählt ihr die dann????
    ... kommt nicht viel, nur nichtsagend vielsagende Gesichtsmimiken...

    Ich glaube das sind die Gründe......
    Das nebenbei vieles abgesprochen wurde, direkt bei der "Übergabe" wäre ebenfalls typisch

  5. #4
    Avatar von DisainaM

    Registriert seit
    15.11.2000
    Beiträge
    26.857
    Naja, ganz so unwissend war man nun doch nicht,
    in der Schule lernte man, dass man die Ost-Zone jetzt DDR nennen sollte,
    Leute, wie Biermann waren ja medienwirksam im Westen später unterwegs,
    in Hannover haben die Leute Mitte der 70ger Jahre ihren TV umrüsten lassen,
    um mit Hilfe eines Secam Ost Moduls das DDR TV in Farbe empfangen zu können.

    (Secam Ost war halt ein wenig abgewandelt von Secam West, wie in Frankreich)

    Natürlich hat man Sudel Ede (Karl Eduard von Schnitzler) gesehen, man wollte ja wissen, was imWesten wirklich passiert - lol.
    Beliebte Sendungen des DDR TV im Westen waren - Willi Schwabes Rumpelkammer


  6. #5
    antibes
    Avatar von antibes
    Zitat Zitat von strike Beitrag anzeigen
    Schade, dass die Menschen, die in der DDR fuer das Eintreten von Menschenrechte und Demokratie litten, nie diese Unterstuetzung durch die Politik hatten.
    Und - im Gegenteil - miterleben muessen, wie die ehemaligen Taeter (Polizei, Stasi, Richter, Staatsanwaelte, ... ) geruhsam und durch gute Pensionen abgesichert ihren Lebensabend einfach nur geniessen koennen.
    Hier wuenschte ich mir den gleichen Elan und das Durchsetzungsvermoegen geschehenes und bewiesenes Unrecht gut zu machen.
    Aber dies wird wohl fuer immer ein frommer Wunsch bleiben.

    ... obwohl es seit 1990 mehr als 100.000 Ermittlungsverfahren gegen ehemalige SED- und Stasi-Funktionäre gab, haben die Richter gerade einmal 46 Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt; tatsächlich ins Gefängnis mussten davon nur 40, die zudem fast ausnahmslos den im Rechtsstaat üblichen Strafnachlass bekamen.

    ... Geradezu deprimierend ist die Situation der DDR-Aufarbeitung, wenn man das Schicksal einzelner SED-Opfer betrachtet. So bekommen sie erst seit 2007 und nur nach oft erniedrigenden bürokratischen Formalien eine Sonderrente von maximal 250 Euro im Monat, sofern sie ihre Bedürftigkeit nachweisen.
    Deckt sich mit meiner Erfahrung. Die alten Garden haben die Stadtverwaltungen und Ämter so langsam wieder besetzt, wenn sie nicht schon vorher als "Schläfer" darin dezent im Hintergrund agierten.
    Auch das Eliminieren von ehemals wichtigen Posten im Osten mit Westbesetzung, wie bei dem "Putsch" durch den Stadtrat Leipzig für die Chefposition der LWB (Leipziger Wohnungsbaugesellschaft), der städischen Wohnungsgesellschaft, passiert, zeigt dies.

  7. #6

  8. #7
    Avatar von Chak

    Registriert seit
    02.06.2010
    Beiträge
    16.512
    Zitat Zitat von strike Beitrag anzeigen

    ... Ein der "Ent....fizierung" nach 1945 auch nur entfernt ähnlicher, wenigstens zeitweiliger Elitenwechsel in Verwaltung und Wirtschaft ist im letzten Jahr der DDR nicht einmal versucht worden.
    Ich finde es ebenso skandalös, aber hier verklärt der Artikel die Wahrheit doch ein bisschen. Auch nach 1945 hat nie ein wirklicher Elitenwechsel stattgefunden.

  9. #8
    Avatar von ฉลาม

    Registriert seit
    12.12.2010
    Beiträge
    414
    Ein Bekannter von mir beharrt darauf, daß die "Stasi-Leute" immer noch im Untergrund lauern. Ich vermute eher er meint die sitzen im 2.UG im Dunkeln oder so ähnlich ,
    Er ist leider recht einfach gestrickt. Aber ansonsten ein umgänglicher Kerl, wenn man ihm seinen Glauben lässt.
    Phantasien haben manche aber auch!

  10. #9
    Avatar von eyeQ

    Registriert seit
    31.12.2010
    Beiträge
    705
    Ja Daisina einige wenige haben sich tatsächlich für die DDR interessiert, es gab ja auch Verwandte usw.
    Aber im großen und ganzen, was haben wir den in der Schule gelernt????
    Nicht besonders viel, was die Ostzone betrifft. Auch wenn in Hannover oder Grenznähe einige Spaß hatten DDR Fernsehen zu linsen. Im Süden der Replik, haben wir uns ganz und gar nicht mit der DDR befasst, man wusste es gibt sie, aber was genau und wer und wie.... nee, neee
    Ich denke man konnte uns nicht viel beibringen, weil wir nicht viel gewusst haben.
    Oder man wollte nicht, ich kenne auch niemanden der sich einen Kopf damals gemacht hat, über die DDR.
    MAn hat an Weihnachten Pakete gepackt, nach Drieeeben geschickt und das war es.
    Udo Lindenberg ja der weckte mal ein bischen Interesse, für die DDR.
    Den Biermann hmmm.... na ja, .... so sehr hat der auch kein Interesse geweckt.

    Natürlich gab es immer Kreise intelektueller vor allem die sich dafür hielten, die wussten vieles Besser, auch über die DDR

  11. #10
    antibes
    Avatar von antibes
    Ich persönlich kannte die "DDR" seit den Siebzigern auch nur vom Durchfahren.

    Wir hatten auch Verwandte in Ostberlin, denen wir über Jahrzehnte viele Pakete zukommen ließen. Als die Wende kam, war der Kontakt vorbei.

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Santika-Opfer
    Von Schwarzwasser im Forum Thailand News
    Antworten: 34
    Letzter Beitrag: 22.10.13, 13:39
  2. 22 Opfer des EHEC - Erregers und...
    Von Samuianer im Forum Politik und Wirtschaft außerhalb Thailands
    Antworten: 41
    Letzter Beitrag: 09.06.11, 17:20
  3. Der Täter/ Das Opfer von Viernheim
    Von i_g im Forum Sonstiges
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 01.09.09, 14:28
  4. 487 deutsche Tsunami Opfer
    Von Serge im Forum Thailand News
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 19.05.05, 07:57
  5. Zwei Schweizer Opfer.
    Von odysseus im Forum Thailand News
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 09.02.03, 11:39