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Linke Sozialromantik - aus Sicht eines Jugendrichters

Erstellt von lucky2103, 02.11.2015, 10:55 Uhr · 11 Antworten · 1.277 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von lucky2103

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    Linke Sozialromantik - aus Sicht eines Jugendrichters

    Ich beschäftige mich seit ein paar Wochen intensiv mit unserem Land und seiner Gesellschaft im weiteren Sinne.
    Hierbei studiere ich einschlägige Litaratur, wie Buschkowsky, Todenhöfer, Scholl-Latour - und Andreas Müller, ein Jugendrichter.

    Da ich in D des Jahres 2015 u.a. zwei Meinungsblöcke ausgemacht habe, ein Block links und ein anderer Block rechts, wollte ich einige signifikante Erkenntnisse als Zitate wiedergeben...zwecks besserem Einblick in die Denke der Linken (die Rechte soll hier erstmal aussen vor bleiben):

    Die linke sozialromantische Perspektive ist eine reine Täterperspektive. Sie stellt die Verhältnisse auf den Kopf, macht aus dem Täter ein Opfer der Gesellschaft, und vergisst dabei diejenigen, die eigentlich von den Regelungen des Jugendstrafrechts auch profitieren müssten: die echten und die potenziellen Opfer. Der linke Sozialromantiker kümmert sich intensiv und liebevoll um den, der das Nasenbein gebrochen hat. Der, dem es gebrochen wurde, ist ein lästiger Kollateralschaden. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort, was man ja dem Täter nicht vorwerfen kann.
    Das Mantra der linken Sozialromantik wurde zuletzt nochmals sehr deutlich durch den Kriminologen Wolfgang Heinz, einen Weggefährten von Professor Pfeiffer, auf dem Jugendgerichtstag 2010 präzisiert: »Eine Strategie des Zuwartens zeitigt bessere Ergebnisse. Milde zahlt sich aus.«

    Wie oft habe ich mir überlegt, wie viele Taten die jungen Menschen, die vor diesen Richtern standen, im Rahmen des sogenannten »Zuwartens« begangen haben müssen, und wie viele Opfer von diesen Kollegen letztendlich durch das Abwarten billigend in Kauf genommen wurden. Übrigens meint der ungewöhnliche Begriff des »Zuwartens« laut Duden ein »untätiges Warten«. Allein diese kleine sprachliche Feinheit zeigt schon, wes Geistes Kind die linke Sozialromantik ist. Untätigkeit als Prinzip auszurufen ist schon ein starkes Stück.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von x-pat

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    Ich glaube zu dem Thema können sich nur Leute qualifiziert äußern die sich intensiv mit dem Thema befassen, also Richter, Sozialarbeiter, Polizisten, Beamte im Strafvollzug, usw. Meine 2 Cent dazu: Ich habe den größten Teil meines Zivildiensts in einem Jugendzentrum verbracht, wo einige Leute mit Vorstrafenregister herumliefen. Ich hatte dort auch schon mal eine Messerstecherei erlebt/verhindert.

    Meine Erfahrung: viele dieser Leute sind therapierbar, aber manche sind auch unbelehrbar. Bei den Unbelehrbaren wirkt Strafe rein gar nichts. Ich bin trotzdem dafür diese Leute aus dem Verkehr zu ziehen, denn sie haben einen sehr schlechten Einfluss auf ihre Umgebung und tendieren dazu andere zu Straftaten zu animieren oder zu provozieren.

    Jeder sollte eine zweite Chance bekommen. Aber die Leute die ihre zweiten Chancen verspielen, gehören zum Wohl der Gruppe und der Gesellschaft nicht in die Therapie, sondern vorrangig in die Sicherheitsverwahrung.

    Cheers, X-pat

  4. #3
    ccc
    Avatar von ccc

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    Zitat Zitat von x-pat Beitrag anzeigen
    [...] Jeder sollte eine zweite Chance bekommen. [...]
    Sicher! Nur was lucky meinte ist glaube ich etwas anderes, nämlich dass es jede Art von "Betreuung" des Täters gibt, das Opfer aber einfach auf der Strecke bleibt.

    Vor ein paar Wochen im Fernsehen:

    Ein 16-jähriger überfällt eine Rentnerin in ihrer Wohnung, die ihm gelegentlich ein paar Euro zugesteckt hat und von der er weiß, dass sie einen Videorekorder hat. Um den ging es ihm, was anderes hat er gar nicht mitgenommen, dafür hat er der Frau aber im Handgemenge das Handgelenk gebrochen.

    Nach der Gerichtsverhandlung: Der 16-jährige kommt in die Jugendstrafanstalt, hat dort freie Kost und darf den ganzen Tag seinem Hobby, Filme im TV ansehen, nachkommen. Den gestohlenen Videorekorder hat er längst weiterverkauft, er hat aber kein Geld, muss ihn daher der Frau auch nicht ersetzen.

    Die alte Dame musste monatelang wegen des komplizierten Handgelenksbruch wöchentlich ins Spital. Das verursachte Fahrtkosten, die ihr nicht ersetzt werden, ihr Handgelenk ist nie ganz ausgeheilt, sie hat immer noch Schmerzen, und ihre heißgeliebten Videos anschauen kann sie auch nicht mehr, da sie sich keinen neuen Videorekorder leisten konnte.

    Fazit: Der Täter bekommt (für ein paar Wochen) jetzt kostenloses Essen und TV-Zugang, muss sich um nichts kümmern, alles als Folge der Straftat

    Das Opfer ist motorisch beeinträchtigt, muss sich das Essen jetzt schmerzvoll mit beeinträchtigter Hand zubereiten und ihre DVDs kann sie sich nicht mehr ansehen, die Straßenbahnkosten für die Fahrten ins Spital gingen auch ins Geld, und alles als Folge des Überfalls.

    Resozialisierung des Täters, schön und gut, aber muss man seine Lebensumstände quasi als Belohnung auch noch verbessern, während man die Verschlechterung der Lebensumstände des Opfers völlig ignoriert. Irgendetwas stimmt nicht an diesem System, denke ich!

    Nachbemerkung: Nein, der Täter hatte KEINEN Migrationshintergrund.

  5. #4
    Avatar von lucky2103

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    @ccc, Du siehst das völlig richtig.
    An anderer Stelle wird wiedergegeben:

    Ich war mir meiner Sache absolut sicher, und diese Sache hieß: Hier war der Zeitpunkt gekommen, um Härte zu zeigen und das Gewaltmonopol des Staates mit aller Konsequenz zu untermauern. Das hieß: Zwei Jahre und fünf Monate für Mike, etwas kürzere Jugendstrafen für Heiko und die anderen. Ohne Bewährung. In allen vier Fällen. Die beiden auf freiem Fuß befindlichen Jungs wurden noch im Saal festgenommen. Das Ziel war erreicht: Keiner der Angeklagten verließ den Saal als freier Mann.

    Vier der Ihren gingen direkt hinter Gitter, das hemmungslose Rumprügeln und Verängstigen von Menschen, deren Nationalität, Denken oder Aussehen ihnen nicht passte, hatte tatsächlich ganz konkret spürbare Auswirkungen. In dieser Form war das neu für sie.

    Müller, Andreas (2013-09-19). Schluss mit der Sozialromantik!: Ein Jugendrichter zieht Bilanz (German Edition) (p. 98). Verlag Herder. Kindle Edition.

  6. #5
    Avatar von rolf2

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    Strafe muss auch ein Abschreckungspotential enthalten und Strahlkraft haben.

    Wenn in der Bevölkerung, die ja zum Teil auch aus den Tätern von morgen besteht, der Eindruck vorherrscht der Knast wäre so eine Art Hotel und bis es dazu kommt ordnet ein Richter erstmal ein paar Mal ein paar Sozialstunden an, dann hat die Strafe ihre abschreckende Wirkung verfehlt.

  7. #6
    Avatar von lucky2103

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    Wir schauen weiter, was passiert, wenn man an falscher Stelle Milde walten läßt:

    Durch die gute Entwicklung des Mädchens behielt ich mir für eine Frist von sechs Monaten vor, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.

    Meine Hoffnung, Heike mit Milde zu ermöglichen, die Kurve zu kriegen und etwas aus ihrem Leben zu machen, wurde brutal enttäuscht. Ganze zehn Tage, nachdem das Urteil gesprochen war und ihr die Chance auf Freiheit gegeben hatte, schlug und trat Heike zusammen mit einer Freundin mit voller Aggressivität in der S-Bahn einen türkischen Jugendlichen zusammen. Manchmal hilft auch die beste Sozialarbeit nichts.

    Hatte sich Milde hier ausgezahlt? Doch, hatte sie, und zwar für Heike und ihre Kumpel, die einfach kein eindeutiges Signal erhalten hatten. Für sie galt: Man konnte zwei junge Menschen bis aufs Blut quälen und lief trotzdem anschließend frei herum. Ich hatte die Schnauze gründlich voll. Eine Strategie des Zuwartens war nicht mehr drin, Milde gegenüber den Tätern wäre der reine Hohn gewesen.


    Müller, Andreas (2013-09-19). Schluss mit der Sozialromantik!: Ein Jugendrichter zieht Bilanz (German Edition) (pp. 113-114). Verlag Herder. Kindle Edition.

  8. #7
    Avatar von Loso

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    Zitat Zitat von x-pat Beitrag anzeigen
    ...Meine Erfahrung: viele dieser Leute sind therapierbar, aber manche sind auch unbelehrbar...
    Lässt sich alles auf die Theorie der operanten Konditionierung zurückführen. Dabei ist intermittierende Verstärkung sehr viel löschresistenter. Auf Deutsch: Nur selten erfolgte Belohnung für ein unerwünschtes Verhalten kann sehr viel schlechter aberzogen werden. Eine Schulung in diese Gesetzmässigkeiten für alle beteiligten Betreuer, und daraus resultierendes, diszipliniertes, konsequentes Verhalten ist dabei extrem wichtig. Daraus folgt, dass es theoretisch keine "Unbelehrbaren" gibt. Ein zweistündiger Crashkurs auch für Zivis (heute Buftis) könnte da schon sehr viel helfen. Dass diese Theorie aber trotzdem nicht absolut durchsetzbar/wirksam ist, ergibt sich natürlich allein schon daraus, dass es keine 24Std. Betreuung geben kann, und dass man nicht alle negativen Einflüsse abschirmen kann.

    Was die Justiz betrifft, hat schon die Berliner Richterin Heisig darauf hingewiesen, dass für den Lernerfolg eine zeitliche Nähe des Strafverfahrens zur Straftat zwingend erforderlich ist.

  9. #8
    Avatar von x-pat

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    Zitat Zitat von Loso Beitrag anzeigen
    Daraus folgt, dass es theoretisch keine "Unbelehrbaren" gibt. Ein zweistündiger Crashkurs auch für Zivis (heute Buftis) könnte da schon sehr viel helfen.
    Haha, Lehrgang für Zivis. Da hätte man ja Geld ausgeben müssen. Dabei wollte man doch Geld sparen. Aber du hast sicher Recht, schlechte Wortwahl. Sagen wir renitent statt unbelehrbar.

    Unbelehrbar ist keiner, nicht einmal Thais.

    Cheers, X-pat

  10. #9
    Avatar von Chak

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    Zitat Zitat von lucky2103 Beitrag anzeigen
    Ich beschäftige mich seit ein paar Wochen intensiv mit unserem Land und seiner Gesellschaft im weiteren Sinne.
    Durch Bücher? Das halte ich für zum Scheitern verurteilt, damit liest du dir nur die Meinung des jeweiligen Autors an, aus seinem Blickwinkel. Je nachdem, wie eng deine Auswahl ist (da scheint es eine Richtung zu geben) erweitert das deinen Horizont nicht, sondern engt ihn ein.

    Mal abgesehen davon, dass ich wenig Sinn darin sehe sich darüber Gedanken zu machen.

  11. #10
    Avatar von lucky2103

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    Ich denke, daß zwischen Todenhöfer und Buschkowsky schon einige Nuancen dazwischen sind.

    Desweiteren war mir Todenhöfer suspekt, aber ich habe ihn trotzdem gelesen - vielleicht ist das nicht das Schlechteste.

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