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Die 68er - Fluch oder Segen?

Erstellt von strike, 12.01.2013, 18:10 Uhr · 236 Antworten · 11.471 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von strike

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    Die 68er - Fluch oder Segen?

    Angeregt durch einen Hinweis von @Socrates in einem anderen Thread, bietet sich an, die Auswirkungen dieser Bewegung(Haltung), positive und negative, zu betrachten.

    Welche Implikationen hat diese Zeit auf die heutige Politik, auf die Bildung, Musik und Erziehung?
    Eure Meinung ist gefragt.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von wingman

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    die 68ger, also meine generation haben dafür gesorgt, das vieles starre konservative an den schulen und unis entstaubt und reformiert wurde. die zeit war schon echt geil, die musik, die konzerte, die demos ........... vieles stand einfach kopf.

  4. #3
    Avatar von Micha L

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    Selbstverständlich Beides, wie bei allen Dingen und Erscheinungen.

  5. #4
    Avatar von Nokhu

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    Zitat Zitat von wingman Beitrag anzeigen
    die 68ger.... vieles stand einfach kopf.
    Und steht es leider noch heute.

  6. #5
    Avatar von Socrates010160

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    Meine Erinnerung an diese Zeiten sind: FJS ist Verteidigungsminister und die Spiegel Affaire...lange Haare, Rockmusik, Trambahn fahren, Zoff mit den Alten, Badeofen mit Holz & Kohle heizen, Haschisch, Studentenrevolution, "wer zweimal mit der selben pennt, gehört zum Establishment", Benno Ohnesorg, Baghwan, Poona, später dann Bader-Meinhoff, RAF, Willy Brandt wird abgelöst, Helmut Schmidt wird Bundeskanzler, Herbert Wehner, Samstagnachmittags Tanz mit Schwoof - je enger desto besser...teilweise noch Lehrer die den 2. Weltkrieg an d Front erlebt hatten, Ohnmacht der Politik die Veränderungen im Land auf zu halten, Neckermann, das HB-Männchen, die Werbung von Sanso: "siehst Du, jetzt hast Du ein schlechtes Gewissen", Muhammed Ali gegen Joe Frazier, Mondlandung, JFK, Richard Nixon, schwarz-weiss Fernsehkommode, VW Käfer, Ford Taunus, Opel Kadett A, Opel Admiral, Milch holen mit der Milchkanne, Prügelattacken der Polizei gegen Demonstranten, Startbahn West, die Gründung der Grünen, Paragraph 218, ARD-ZDF-BR waren das Kanalangebot im TV, Heinz Erhardt, Theo Lingen, Luis Trenker, Olympiade in München mit Terroranschlag,

    als ich meine erste H-Pfeife rauchte, hatte ich eine Matte bis zum Hintern, schlief unter der Brücke und rebellierte gegen alles, was meine persönliche Freiheit einschränkte. Der Krat zur Kriminalität war sehr dünn. Dass ich nicht abstürzte war nur der Fügung des Lebens und den Eltern meiner ersten Freundin zu verdanken.

    Es war die Zeit, in der ich meine eigene Meinung vertrat, aber auch gelernt bekam, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Es gab kein Gericht, bei dem ich als Jugendlicher meine Eltern auf Unterhalt hätte verklagen können, weil ich nicht mehr zu Hause wohnen wollte...

    Es ist gut, dass jede Generation ihre Grenzen austestet. Doch mit roher Gewalt gegen Wehrlose hatten wir, mit Ausnahme der Terroristen, nichts am Hut. Die damalige Gesellschaft war noch geprägt vom 2. Weltkrieg und dessen Folgen, sowie dem Wiederaufbau und der Teilung Deutschlands. Der Einfluss der katholischen Kirche in Bayern in Schule und Familie dürfte auf seinem Höhepunkt gewesen sein.
    Die verlorenen Kriege hatten die Verantwortung für das Land von den Männern auf die Frauen übertragen. Dies war der Beginn der Emanzipation in Deutschland zu dieser Zeit.

    Die 68er Bewegung hat bis heute noch nicht aufgehört zu existieren. Ich habe erst vor wenigen Tagen Gerhard Veer kennen gelernt. Er ist genau der Typ aus dieser Zeit und sein unangepasstes Verhalten (Revolution) ist ihm bis ins Pensionsalter geblieben.

    Jede Generation hat ihre Existenberechtigung. Die Frage Fluch oder Segen stellt sich nicht.

  7. #6
    Avatar von Nokhu

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    Zitat Zitat von Socrates010160 Beitrag anzeigen
    Meine Erinnerung an diese Zeiten sind: FJS ist Verteidigungsminister und die Spiegel Affaire...lange Haare, Rockmusik, Trambahn fahren, Zoff mit den Alten, Badeofen mit Holz & Kohle heizen, Haschisch, Studentenrevolution, "wer zweimal mit der selben pennt, gehört zum Establishment", Benno Ohnesorg, Baghwan, Poona, später dann Bader-Meinhoff, RAF, Willy Brandt wird abgelöst, Helmut Schmidt wird Bundeskanzler, Herbert Wehner, Samstagnachmittags Tanz mit Schwoof - je enger desto besser...teilweise noch Lehrer die den 2. Weltkrieg an d Front erlebt hatten, Ohnmacht der Politik die Veränderungen im Land auf zu halten, Neckermann, das HB-Männchen, die Werbung von Sanso: "siehst Du, jetzt hast Du ein schlechtes Gewissen", Muhammed Ali gegen Joe Frazier, Mondlandung, JFK, Richard Nixon, schwarz-weiss Fernsehkommode, VW Käfer, Ford Taunus, Opel Kadett A, Opel Admiral, Milch holen mit der Milchkanne, Prügelattacken der Polizei gegen Demonstranten, Startbahn West, die Gründung der Grünen, Paragraph 218, ARD-ZDF-BR waren das Kanalangebot im TV, Heinz Erhardt, Theo Lingen, Luis Trenker, Olympiade in München mit Terroranschlag,

    als ich meine erste H-Pfeife rauchte, hatte ich eine Matte bis zum Hintern, schlief unter der Brücke und rebellierte gegen alles, was meine persönliche Freiheit einschränkte. Der Krat zur Kriminalität war sehr dünn. Dass ich nicht abstürzte war nur der Fügung des Lebens und den Eltern meiner ersten Freundin zu verdanken.

    Es war die Zeit, in der ich meine eigene Meinung vertrat, aber auch gelernt bekam, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Es gab kein Gericht, bei dem ich als Jugendlicher meine Eltern auf Unterhalt hätte verklagen können, weil ich nicht mehr zu Hause wohnen wollte...

    Es ist gut, dass jede Generation ihre Grenzen austestet. Doch mit roher Gewalt gegen Wehrlose hatten wir, mit Ausnahme der Terroristen, nichts am Hut. Die damalige Gesellschaft war noch geprägt vom 2. Weltkrieg und dessen Folgen, sowie dem Wiederaufbau und der Teilung Deutschlands. Der Einfluss der katholischen Kirche in Bayern in Schule und Familie dürfte auf seinem Höhepunkt gewesen sein.
    Die verlorenen Kriege hatten die Verantwortung für das Land von den Männern auf die Frauen übertragen. Dies war der Beginn der Emanzipation in Deutschland zu dieser Zeit.
    Yes, same same and not different.


    Jede Generation hat ihre Existenberechtigung.
    ....hatte... jawohl.


    Die Frage Fluch oder Segen stellt sich nicht.
    Die stellt sich sehr wohl, wenn man aus "Jugendsünden" nicht gelernt hat. Könnte jetzt Namen nennen, aber............

  8. #7
    Avatar von kcwknarf

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    Die 68er hatten Auswirkungen bis 1989. Dann kamen die Zonis hinzu, die ja keine 68er-Erfahrungen hatten. Daher wurde die Gesellschaft insgesamt wieder spießig, prüde, intolerant, unlustig, träge und rückständig. Es wird eigentlich mal wieder Zeit für 68-reloaded, z.B. 2068. Bis dahin liegen wir eher auf der Basis von 1950-1960.

  9. #8
    RAR
    Avatar von RAR

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    Zitat Zitat von Socrates010160 Beitrag anzeigen
    Ich habe erst vor wenigen Tagen Gerhard Veer kennen gelernt. Er ist genau der Typ aus dieser Zeit und sein unangepasstes Verhalten (Revolution) ist ihm bis ins Pensionsalter geblieben.
    Wer ist das >?......

  10. #9
    Avatar von strike

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    Zitat Zitat von kcwknarf Beitrag anzeigen
    ... Dann kamen die Zonis hinzu, die ja keine 68er-Erfahrungen hatten. Daher wurde die Gesellschaft insgesamt wieder spießig, prüde, intolerant, unlustig, träge und rückständig....
    Hmmm, so einfach also.
    Ich geb es zu: den "Zonis" haette ich bislang viel weniger Einfluss zugestanden- zumal sie zahlenmaessig weniger als ein Drittel der Bevoelkerung stellen.
    Aber ja, warum solltest ausgerechnet Du Dich in der Verallgemeinerung von anderen unterscheiden?
    Egal.

    War ja bis Ende der 70er Jahre auch mittendrin statt nur dabei.
    Mangels Hasch wurde getrunken, statt Konzerte von Led Zeppelin mussten eben Live Auftritte der Tanzcombo Blau-Rot in einer Garage reichen.
    Lange Haare, Parka und Jeans waren verdaechtige Zeichen von Dekadenz und gesellschaftspolitisch aeusserst bedenklich - was umso mehr Spass machte aufzubegehren.

    Den Westen habe ich(!) dann spiessiger erlebt - selbst wenn die, die keine Spiesser sein wollten, einfachere und bessere Moeglichkeiten hatten, dies deutlich zu machen und zu leben.
    Mein Eindruck in einem anderen, wichtigen Anliegen der 68er war, dass auch dies im Osten - mangels Alternativen? - "intensiver" gelebt wurde: das Kennenlernen, Austauschen und Erforschen des anderen Geschlechts.

    Es gibt ja einige Bemerkungen zu dem Thema auch im Netz.
    Diese hier finde ich aufschlussreich:

    In seinem 2008 erschienenen Buch Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück analysiert Aly die Reaktion der Gegenseite auf die deutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre. Er greift dabei auf Akten deutscher Behörden und zeitgenössische Reaktionen, unter anderem von Joseph Ratzinger, Ernst Fraenkel und Richard Löwenthal zurück. Er kommt zu dem Schluss, dass die 68er ihren Eltern – der nationalsozialistisch geprägten „Generation von 1933“ – weitaus ähnlicher gewesen seien, als sie dies selbst wahrnehmen wollten.

    Als Indizien für seine These benennt Aly den anti-bürgerlichen Impetus, die Gewaltbereitschaft, den Antiamerikanismus, den latenten Antisemitismus, das Ausblenden von Kritik an linken Despoten. Die 1968er seien als „Spätausläufer” nicht die Lösung des Totalitarismus-Problems, sondern ein Teil des Problems selbst. Auch bei der Liberalisierung der Moral und Sitten seien die 68er nicht die Auslöser, sondern lediglich Nutznießer eines Prozesses gewesen, der schon in den 1950er Jahren begonnen habe.

    An anderer Stelle findet man folgendes:

    .... Schnell mutierte die als antiautoritäre Revolte apostrophierte Bewegung zum autoritären Antiautoritarismus – auch und gerade dort, wo man sich betont "antiautoritär" gab, wie beispielsweise in den "Kinderläden" und den (anfangs maoistisch angelegten) "Kommunen", jenen Spielwiesen, die die Familie als "repressiv-neurotischen Zwangsverband" sahen, die Rolle der Eltern auslöschen und die "ödipale Grundstruktur in der bürgerlichen Kleinfamilie" aushebeln wollten, in dem u. a. Kinder bereits frei ihre 5exualität "ausleben" sollten.


    Auch diese Beobachtung ist sicher nicht komplett verkehrt.

    Spätestens Ende der 70er Jahre kommt es zu einem Paradigmenwechsel von der jahrelang betriebene[n] Kritik der politischen Ökonomie hin zu einer radikalen und zur insgeheimen Apokalyptik neigenden Ökologie- und Technikkritik - die Grünen wurden "geboren". War Westberlin das Zentrum der APO und Achtundsechziger gewesen, kamen etliche Protagonisten der "Grünen"-Bewegung aus der "Sponti"-Szene in und um Frankfurt, ohne die es keine Grünen, die sich zunächst primär als "Anti-Atomkraft"-Bewegung formierten, gegeben hätte.

    Zunächst als primär ausserparlamentarische Opposition mit maximalistischen Positionen (den sogenannten "Fundis"), aber später dann übernahmen die Gradualisten – "Realos" – das Ruder und vollzogen (endgültig) den Marsch durch die Institutionen.


    Es scheint also immer auch wichtig zu sein, wie verklaert und nostalgisch, oder sachlich nuechtern man diese "Bewegung" sieht.

    Götz Aly
    Wolfgang Kraushaar - Achtundsechzig, eine Bilanz - Glanz und Elend Magazin fr Literatur und Zeitkritik

  11. #10
    Avatar von kcwknarf

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    Zitat Zitat von strike Beitrag anzeigen
    Hmmm, so einfach also.
    Ich geb es zu: den "Zonis" haette ich bislang viel weniger Einfluss zugestanden- zumal sie zahlenmaessig weniger als ein Drittel der Bevoelkerung stellen.
    Aber ja, warum solltest ausgerechnet Du Dich in der Verallgemeinerung von anderen unterscheiden?
    Es ist offensichtlich, dass sich um 1990 herum sehr vieles in Deutschland durch die gewählte Zwangseinnahme sehr vieles geändert hat.
    Damit will ich aber den Zonis (den Begriff nutze ich übrigens als liebevoll gemeinte Bezeichnung und nicht als Schimpfwort oder Abwertung) keine "Schuld" geben. Es ist vor allem eine Angst innerhalb der Wessies entstanden, die man gut und gerne mit der heutige Islamphobie vergleichen kann.
    Es kam halt etwas zusammen, was schon lange nicht mehr passte, sonderen eben fremd war.

    Und seitdem ist ja auch zu spüren, wie der Freiheitsdrang und der Liberalismus der 70er und 80er Jahre in extremes Sicherheitsdenken, Fremdenangst und -feindlichkeit umschlug. Es lag aber weniger an den Zonis, sondern eben an dieser überhasteten einseitigen Einverleibung. Heute würde man dazu Integration sagen. Die Zonis mussten zwangsweise die Werte der Wessies annehmen, was natürlich zum einen nicht sofort ging und zum anderen auch nicht sinnvoll war. Gepaart mit der Angst im Westen ergaben sich dann halt diese drastischen Rückschläge in Zeiten vor 1968.

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