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Deutschland - besser ohne christliche Kirchen?

Erstellt von strike, 30.12.2014, 07:17 Uhr · 135 Antworten · 8.237 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von strike

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    Deutschland - besser ohne christliche Kirchen?

    Anlass für die Frage ist ein Artikel in der FAZ (Die katholische Kirche steht in Deutschland vor dem Kollaps).

    ... Wie wenig die Kirchenmitgliedschaft heute noch mit dem Glauben zu tun hat, offenbarte eine Meinungsumfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der katholischen Kirche.

    Sie fiel allerdings so verheerend aus, dass die Ergebnisse nie veröffentlicht wurden. Auf die Frage, warum sie katholisch seien, antworteten 68 Prozent: „Weil man dann wichtige Ereignisse im Leben kirchlich feiern kann, zum Beispiel Hochzeit, Taufe.“ Auch beim zweithäufigsten Grund kann man die herzerfrischende Ehrlichkeit nur bewundern: „Es gehört für mich einfach dazu, das hat in unserer Familie Tradition.“

    Es versteht sich von selbst, dass diese Gründe nicht als religiös gelten können, sondern einfach kulturelle, soziale Gründe sind. Die meisten Geistlichen vor Ort können den Befund bestätigen: Kirche funktioniert heute dort am besten, wo sie eine glänzende Feier verspricht. Eine Trauung in Weiß, oft in einer fremden, aber imposanten Kirche, ist immer noch sehr gefragt, ebenso die Bilder vom Kommunionkind im weißen Kleid oder vom Konfirmanden im dunklen Anzug. ...

    Ein Grund fehlt noch: christliche Feiertage.
    Die nimmt natürlich jeder gerne mit

    Ich bin für eine strikte Trennung von Religion und Staat.
    Allerdings empfinde ich das "Verschwinden" der Kirchen schon auch als kulturellen Verlust.
    Was ist eure Meinung?

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Helli

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    @strike, das ist eine schwierige Diskussion.

    Einerseits haben die meisten Deutschen (besonders die im andersgläubigen Ausland) mit der Institution Kirche (da ist die Farbe wohl egal) nichts mehr am Hut. Die sogenannte Amtskirche, mit ihren wohlbestallten und überaus wohlwollend vom Staat alimentierten Vertretern, die sich seit Jahrhunderten auf Kosten der Allgemeinheit (Steuer- und/oder Abgabenzahler) einen schönen Lenz gemacht hat, ist von ihrem hohen Sockel gefallen. Die gesellschaftliche Entwicklung (u.a. Humanismus) ist über sie hinweggefegt, die "Gläubigen" sind mit der geschürten Angst nicht mehr zusammen zu halten, besonders nicht mehr nach dem Tabu-Bruch, dass man den Lebenswandel der bisher unantastbaren Kleriker selbst jetzt auch hinterfragen und bewerten kann.

    Andererseits darf man aber auch nicht vergessen, dass ein Großteil unserer Member (selbst in der ehemaligen DDR) eine Erziehung genossen hat, die auf kirchlichen Werten und/oder christlicher Ethik basiert. Das kann man gut finden oder auch nicht. Das kann man allerdings nicht abstreifen wie eine Jacke. Das ist eben drin und man hält sich meist unbewusst daran. Und je tiefer man in dieses "Netzwerk" involviert ist oder war, desto schwieriger wird auch das Auskommen mit Andersgläubigen. Denn es war schon immer so, dass die Hauptdarsteller Wasser gepredigt und Wein getrunken haben und die Anvertrauten Toleranz gelehrt und Abgrenzung vorexerziert hat. Die Schwarzen sind demzufolge ja auch unter den Christen die Einzigen, die ihre Lehre als die "allein seligmachende" bezeichnen.

    Politisch denkende Menschen sehen natürlich auch den Einfluss der Amtskirchen in Deutschland. Dabei ist interessant, dass die Politik die Na.zi-Zeit mit Recht verteufelt, die meisten Gesetze und Vereinbarungen aus dieser Zeit längst einkassiert hat. Nur die Amtskirchen haben es durch heute kaum noch nachvollziehbaren Einfluss geschafft, sich außen vor zu halten. Das Konkordat ist geblieben. Hier geht es ja auch um viel Geld. Sie haben es auch geschafft, ihren Einfluss mit Hilfe der konservativen Regierungen in der Nachkriegszeit (CDU, CSU) immer weiter zu erhöhen (als Gegenleistung gab es die Wahlempfehlungen von den Kanzeln), sodass die Vorgabe der Trennung von Staat und Kirche im Grundgesetz nie vollzogen wurde.

    Heute stellt sich das so dar, dass die, mit Zwangsabgabe finanzierten, Sendeanstalten sehr stark unter kirchlichem Einfluss stehen (Wort zum Sonntag etc.) und dass die kirchlichen Institutionen (meist mehr gemein als nützig) insgesamt überall am staatlichen Tropf hängen, was sogar häufig den staatlichen Gliederungen verweigert wird. In Ostdeutschland schießen z.B. die kirchlichen Kindergärten wie Pilze aus dem Boden. Die Bundesländer finanzieren die Belegschaft komplett und geben für Bau und Betrieb großzügige Subventionen. Eine Kommune, die das selbst machen möchte, bekommt dagegen keinen Cent aus diesen Töpfen.

    Dies sind nur einige Aspekte über das Verhältnis von Kirche und Staat. Da wird es wohl noch eine Menge anderer geben (z.B. die Bauten und Baudenkmäler, die alle von den Gläubigen/Mitgliedern und nicht von den Amtskirchen finanziert wurden).

    Letztlich sei mir noch die Bemerkung gestattet, dass ich nach 40jähriger aktiver Zeit in einem sehr guten Kirchenchor, trotz meinem Austritt aus diesem Verein, immer noch ein Anhänger der klassischen Kirchenmusik bin.

  4. #3
    Avatar von Helli

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    Der Gang durch die Institutionen
    JENS DIETRICH (JENSDIET) - 30.12.2014 00:11
    hat vor allem die evangelische Amtskirche zerstört, hier glaubt doch nur eine kleine Minderheit der Hauptamtlichen an die zentralen Botschaften der "Guten Nachricht". Die EKD-Oberen sekundieren doch seit Jahren nur dem Rot-Grünen-Zeitgeist. Die EKD wurde immer "Bunter" und wird sich auf diesem Weg selber abwickeln. Genau wie die Kirchen das Evangelium dekonstruieren, dekonstruieren die in Bund und Ländern regierenden Parteien unser Grundgesetz. Genau wie die Amtskirche Ihre Gläubigen aus dem Blick verloren hat, haben die regierenden Parteien das im Grundgesetz verankerte Volk aus dem Blick verloren. Genau wie die Kirchen nicht an den Segen glauben welchen Sie den Gläubigen zusprechen, glauben die Regierenden nicht an die Erfüllung Ihres Amtseid - für beide Gruppen ist es nur eine notwendige Floskel um den Schein zu wahren!

    Das habe ich noch in den Lesermeinungen Deines verlinkten Artikels gefunden - und wir sind direkt bei den "PEgIDA" genannten Bürgerprotesten.

  5. #4
    Avatar von hueher

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    Ja, und diesen "Zerfall" der christl/katholischen Kirchen muß man den "Oberen", also dem Vatikan zuschreiben!! Denn nur von dort kommen die Weisungen und Befehle, die widerum von den "Unteren" ausgeführt werden, weil sie nach "oben buckeln" um irgendwie gut angesehen zu werden, als williges Schäfchen! Es gab und gibt genug Beispiele von abgehobenen Priestern, Bischöfe usw...........
    Die Kirchen in Lateinamerika haben sich immer vor Ort mit den einheimischen "Naturreligionen" verbunden und fahren noch heute gut damit, ob dies dem "Boss" im Vatikan gefällt oder nicht? Am Sonntag und versch. Feiertagen sind dort die Kirchen übervoll...., davon darf ein Pfarrer in DACH nur träumen. Da der neue Papst selber aus solch einem Lande stammt, versteht er mit Sicherheit dieses kooperieren, nur er hat auch jede menge "Feinde" in den eigenen verknöcherten vatikanischen Katakomben und reagiert vorsichtig..................
    Ich kann hier nicht sagen wie es mit der "Religionsfreiheit" in D geregelt ist, in Ö gilt seit 1874 ein Anerkennungsgesetz welches alle großen Gemeinschaften zur freien Ausübung berechtigt, damals sogar auch schon der Islam, da die K&K Monarchie ein Vielvölkerstaat war.
    Daher sind die Kirchen, Tempel, Moscheen und seit 2000 der Buddhismus fest verankert................., was man besonders am flachen Land an einem Sonntag beobachten kann.
    Ich bin katholisch erzogen worden ( Internat ), daher achte ich "die Kirche" eigentlich, auch wenn ich sehr selten in einer bin, und wenn, dann irgendwo als interr. Besucher eines Domes, zB. Köln, Regensburg,Reims oder Wien

    Nachsatz: jedoch ein DACH ohne Kichen kann/will ich mir nicht so vorstellen, da dies zu unserer Kulturgeschichte gehört !

  6. #5
    Avatar von waltee

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    Uns wurde noch mit der Hölle gedroht, mein Sohn weiss nicht mal wer oder was der Papst ist.

    Bzw. es interessiert ihn einen S.cheiss.

  7. #6
    Avatar von hueher

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    Nee........??? in welche Schule geht er denn?? soetwas lernt doch schon jeder Taferlklassler.....................( für die Nordländer, ist Grundschule )

  8. #7
    Avatar von waltee

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    Er hat den Religionsunterricht auf meinen Wunsch hin nicht besucht da ich ihm diese Gehirnwäsche ersparen wollte.

  9. #8
    Avatar von hueher

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    Ok.........verständlich

  10. #9
    Avatar von Hermann2

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    Zitat Zitat von hueher Beitrag anzeigen
    Die Kirchen in Lateinamerika haben sich immer vor Ort mit den einheimischen "Naturreligionen" verbunden und fahren noch heute gut damit, ob dies dem "Boss" im Vatikan gefällt oder nicht? Am Sonntag und versch. Feiertagen sind dort die Kirchen übervoll...., davon darf ein Pfarrer in DACH nur träumen.
    Dies liegt aber m.E. an deren sehr niedrigen Lebensstandard!
    Laß es den Leuten in DACH aus irgendwelchen Gründen (z.B. Katastrophen aller Art) "schlechter" gehen, sind auch die Kirchen wieder gefüllt!
    Oder wie wir in Bayern sagen: Da wern d`Leit schnoi wieda katholisch!

  11. #10
    Avatar von Eutropis

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    Also ich fand so mit 8 - 11 Jahren die Bibel äußerst interessant.
    Man kann viel lernen und es sind ne Menge spannender Abenteuer drin.
    Fromm bin ich dennoch nicht geworden. Wenn ich denn Kinder hätte, würde ich das
    kennenlernen jeder freien Religion befürworten solange es sie nicht in ihrer freien Entwicklung einschränkt.

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