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Psychologie des roten Protests

Erstellt von x-pat, 13.04.2010, 13:18 Uhr · 234 Antworten · 6.420 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von x-pat

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    Psychologie des roten Protests

    Was bringt die Rothemden auf die Straßen? Natürlich können wir dazu wortreiche Analysen von Journalisten und sogenannten Experten in den Zeitungen lesen, aber das ist alles ein wenig abstrakt und akademisch. Ich hatte bereits in einem anderen Thread Stimmen des Volkes aus dem TV zitiert. Ein reicheres Bild gewinnt man jedoch durch persönliche Erfahrungen. Genau daran bin ich interessiert. Da ich das zweifelhafte Vergnügen habe, in einer Rothemden-Hochburg zu wohnen, habe ich selbst schon verschiedene Eindrücke sammeln dürfen. Aber zuerst seid ihr an der Reihe. Welche Erfahrungen habt ihr mit den Akteuren des Protests gemacht? Wie erklärt ihr die Motivation und Ziele der Demonstranten?

    Cheers, X-Pat

  2.  
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  3. #2
    Avatar von waanjai_2

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    Re: Psychologie des roten Protests

    Wie sagte man früher an der Universität so schön: Besser Pychologie als garnix.

  4. #3
    Avatar von x-pat

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    Re: Psychologie des roten Protests

    Zitat Zitat von waanjai_2",p="845680
    Besser Pychologie als garnix.
    Jo. Sehr erhellend.

    Ein kleiner Anstoß: der Name UDD steht für "United Front of Democracy against Dictatorship" (Vereinigte Front der Demokratie gegen Diktatur") und der Name PAD steht für "People's Alliance for Democracy" (Volksbündnis für Demokratie). Dem Namen nach kämpfen also beide Seiten für die Demokratie, was ein wenig verblüfft, da sie sich ja nicht riechen können. Weiterhin verblüffend ist, das Thaksin während seiner Amtszeit einen autokratischen Führungsstil verfolgt hat und sich oft über demokratische Entscheidungsmechanismen hinwegsetzte. Die Rothemden dagegen behaupten, dass die Abhisit Regierung undemokratisch ist. Das ganze scheint irgendwie scheinheilig und unglaubwürdig. Ist es wirklich Demokratie (im herkömmlichen Sinn), wofür die Rothemden auf die Straßen ziehen, oder ist Demokratie nur ein Vorwand oder Platzhalter-Wort für andere Ziele? Wenn ja, was sind diese Ziele?

    Cheers, X-Pat

  5. #4
    Avatar von gehfab

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    Re: Psychologie des roten Protests

    Wie (fast?) überall auf der Welt geht es um Macht. Kaum jemand hat doch Interesse an den waren Bedürfnisse der Masse. Ist mir gestern erst wieder klar geworden, als ich den Mann gesehen habe, der in unserer Soi Altglas und Plastikflaschen sammeln geht. Er saß am Strassenrand mit seinem Sammel-Wagen...Ihm ist es sicherlich egal wer "da oben" ist. Für ihn wird sich nichts ändern.

  6. #5
    woody
    Avatar von woody

    Re: Psychologie des roten Protests

    Zitat Zitat von x-pat",p="845706
    ....
    Ist es wirklich Demokratie (im herkömmlichen Sinn), wofür die Rothemden auf die Straßen ziehen, oder ist Demokratie nur ein Vorwand oder Platzhalter-Wort für andere Ziele? Wenn ja, was sind diese Ziele?
    Reichtum für alle und das Paradies in Udon und Umgebung.

  7. #6
    Avatar von waanjai_2

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    Re: Psychologie des roten Protests

    Jo, ich glaub auch denen geht es wirklich nicht um Psychologie oder andere subjektive Befindlichkeiten.
    Aus meiner Sicht geht es im Kern um Politik und um eine längst überfällige Metamorphose der thail. Gesellschaft.

    Aber zum roten Protest kann man es noch knapper zusammenfassen.

    Die derzeitige Opposition in Thailand demonstriert ja nun nicht erst seit gestern. Sie hat mit dem Demonstrieren begonnen als sie es konnte.

    1. Dagegen, dass man ihr den von ihr getragenen PM Thaksin weggepuscht hat, obwohl der 2x vom thail. Volk in freien Wahlen gewählt worden war.

    2. Dagegen, dass man ihr die Regierung Samak mit fadenscheinigenden Gründen "weggemacht" hat, nachdem sie wieder wählen durfte. Das war nach der Wahl, die Abhisit gegen Samak eindeutig verloren hatte.

    3. Dagegen, dass die mit den Gelbhemden verbündete Junta-Justiz, ihnen die Regierung Somchai "weggemacht" hat.

    4. Dagegen, dass der derzeitige PM von einer Koalition von zusammengekauften Abgeordneten-Stimmen gewählt wurde und seit genau diesem Zeitpunkt sich nicht mehr an seine frühere regelmäßige Forderung nach Neuwahlen erinnern konnte.

    5. Dagegen, dass sich die derzeitige Koalitionsregierung als eine Regierung des zweierlei Maßes erwiesen hat. Stichwort: Die Ermittlungen gegen die Gelbhemden seien angeblich immer noch nicht abgeschlossen!

    Eine so um Gerechtigkeit betrogene Opposition, die zudem mit Hilfe der alten, bürokratischen Eliten systematisch um die Errungenschaften mit dem allg. Wahlrechts gebracht wurde, gar selbst heute noch mit der Forderung konfrontiert wird, man müsse das allgemeine Wahlrecht abschaffen, die wird dann über Zeit immer politischer. Und sieht dann auch in Thailand eine ungemein extrem ausgesprägte soziale Ungleichheit, aber so kaum etwas wie Sozialpolitik. Das soll und muß sich ändern.

    Sorry, hat nix mit Pychologie zu tun. Vielleicht die selektive Demenz beim Abhisit in Sachen Neuwahlen? Aber auch da stehen knallharte Interessen dahinter.

  8. #7
    Avatar von x-pat

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    Re: Psychologie des roten Protests

    Zitat Zitat von woody",p="845709
    Reichtum für alle und das Paradies in Udon und Umgebung.
    Das klingt simplistisch, aber ich glaube Woody hat damit ins Schwarze getroffen. Ich kann bei den Rothemden, womit ich in diesem Fall die Massenbewegung meine und nicht deren politische Drahtzieher, keine artikulierte politische Position vorfinden außer das alle Thaksin wiederhaben möchten, bzw. zu den Thaksinomics der frühen 2000er zurückkehren möchten. Thaksin scheint bei diesen Leuten eine Art Heiland-Status eingenommen zu haben.

    Ich kenne persönlich eine Frau aus Chiang Mai, die sehr engagiert bei den Rothemden ist und an den Besetzungen der City Hall teilgenommen hat. Sie ist nicht das typische Landei, das immer im Fernsehen dargestellt wird, sondern eine Geschäftsfrau die mehrere Unternehmen leitete. Sie ist während der Thaksin Amtszeit mit einem Bauunternehmen reich geworden, genauer gesagt durch Korruption im Straßenbau, bei dem sie Scheinverträge mit den Beamten abschloss. Sie konnte so innerhalb weniger Jahre zweistellige Millionenbeträge auf die Seite schaffen.

    Nach dem Putsch konnte die Baufirma jedoch nicht weitermachen, da die Verträge annulliert wurden. Sie hat dann einen Shopping-Plaza aufgekauft, der 2008 mit großen Verlusten pleite machte. Inzwischen hat sie ihr Vermögen verspielt, Privatinsolvenz angemeldet, und ihre Villa in Chiang Mai gehört inzwischen der Bank. Trotz ihrer Finanzprobleme führt sie einen weiterhin üppigen Lebensstil, der vermutlich von geliehenem Geld aufrecht erhalten wird. Sie sieht in Thaksin eine Art Erlöser und ist davon überzeugt, dass nur Thaksin ihre persönliche Finanzkrise beenden kann, durch die Wiederaufnahme von korrupten Geschäften mit ihren alten Seilschaften.

    Die Frau macht eigentlich einen kompetenten und netten Eindruck, keineswegs ungebildet, aber sie ist was die Politik betrifft äußerst naiv, und ich bezweifle dass sie Interesse an oder auch nur Verständnis von Demokratie hat. Irgendwie scheint sie Demokratie mit wirtschaftlichem Neoliberalismus zu verwechseln, aber sie hat kein besonderes Interesse dieses intellektuelle Missverständnis aufzuklären.

    Cheers, X-Pat

  9. #8
    Avatar von J-M-F

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    Re: Psychologie des roten Protests

    Zitat Zitat von x-pat",p="845706
    Weiterhin verblüffend ist, das Thaksin während seiner Amtszeit einen autokratischen Führungsstil verfolgt hat und sich oft über demokratische Entscheidungsmechanismen hinwegsetzte.
    das bei den rothemden sogar taxingegner mitmachen verblüfft dicht dagegen nicht

    allerdings finde ich, dass taksin in diesem spiel eine wichtige rolle einnimmt. er zahlt. ohne diese zahlungen, hätte das alles viel länger gedauert, um die massen in bewegung zubringen

    je länger es gebraucht hätte (die besagten massen in bewegung zu bringen), um so mehr zeit hätte es gehabt, die neuen strukturen zu verfestigen. dh aber mehr gewahlt würde nötig sein, um diese strukturen wieder aufzubrechen.

    nach wie vor sehe ich die möglichkeit, einen großen schritt nach vorn zu tun, hin zu mehr achtung und respekt der eliten vorm volk

  10. #9
    Avatar von ReneZ

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    Re: Psychologie des roten Protests

    Zitat Zitat von x-pat",p="845741
    Ich kann bei den Rothemden, womit ich in diesem Fall die Massenbewegung meine und nicht deren politische Drahtzieher, keine artikulierte politische Position vorfinden außer das alle Thaksin wiederhaben möchten, bzw. zu den Thaksinomics der frühen 2000er zurückkehren möchten.
    [...]
    Eins der interessantesten Beiträge die ich zu diesem Thema gelesen habe.

    Ich weiss von einem überzeugten 'Roten' dass es stimmt dass sie (oder viele unter ihnen) für ihr Einsatz bezahlt werden. Ihm war keine Demonstration bekannt die ohne das stattgefunden hat.

    Es gibt sehr viele Leute deren Zukunft eng mit Thaksin's Los zusammenhängt. Nicht alle sind schon ruiniert wie die Frau in x-pat's Beispiel. Auch sie müssen aber Schlimmes befürchten wenn Thaksin nicht an die Macht sondern im Knast kommt.

    Kurz gesagt, ich habe auch nichts gesehen oder gehört was darauf zeigen würde dass es den Roten um etwas Anderes ginge als die Rückkehr Thaksins als PM.

    Gruss, René

  11. #10
    antibes
    Avatar von antibes

    Re: Psychologie des roten Protests

    der waanjai_2 hat`s eigentlich sehr gut erklärt. Thaksin, egal wie man sein Wirken bewertet, hat dem einfachen Menschen im Isaan das Gefühl gegeben auch ein Bürger Thailands zu sein.

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