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Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

Erstellt von strike, 20.05.2010, 21:51 Uhr · 50 Antworten · 2.105 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von strike

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    Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

    Diese Aussage finde ich sehr, sehr gut.
    Und sie macht Hoffnung.

    Ich wuerde gern - abseits des Diskussionsthreads ueber die Ereignisse und hoffentlich auch auf hoeherem Niveau - in diesem Thread die Zukunft des Landes nach all diesen traurigen Ereignissen diskutieren.
    Perspektiven, Chancen, Risisken.

    Ich moechte nicht ueber Schuldige oder Halbschuldige oder Viertelschuldige diskutieren.

    Nachdem ich ja anfangs auch glaubte, dass Thailand nach diesen Geschehnissen in den Buergerkrieg versinken muss, bin ich trotz der traurigen Ereignisse wieder etwas optimistischer, dass das Heimatland meiner Frau nicht in Chaos und Gewalt versinken muss.

    Dieser Spruch von Veera Musikapong gibt mir die Zuversicht, dass die (oder Teile davon) augenblicklichen Verlierer nicht ohnmaechtig vor Zorn alle Chancen auf ein vielleicht doch wieder moegliches Zusammenleben und die weitere Entwicklung des Landes verschenken.

    Ist Versoehnung wirklich moeglich?
    Was ist dafuer notwendig?
    Wer kann was bewirken?

    Ich wuerde mich sehr freuen, wenn wir hier im wesentlichen ueber die Perspektiven und Chancen sprechen.
    Und diese unsaeglichen Tiraden gegeneinander einfach weglassen.
    Selbstredend sind hier auch die Skeptiker willkommen, wenn sie ihre Bedenken angemessen vortragen.
    Die Optimisten sollten Bedenken der Pessimisten genauso ernst nehmen wie die eigene Haltung.

    Es geht hier um Interesse und Wissensbildung.
    Nicht um Rechthaben und Dominieren.
    Schon gar nicht um Leben oder Tod.
    Nicht nur in der thailaendischen Politik, sondern gerade und auch hier.
    Paddy hatte ja schon Ideen angedeutet.
    Her damit!
    Bin auf eure Meinungen gespannt.

    :-)

    Danke!


  2.  
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  3. #2
    Avatar von ReneZ

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    Re: Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

    Im Grunde sehe ich die Chancen gar nicht schlecht. So wie ich Thailand kennengelernt habe, ist es ein Land mit einem Volk das wirklich lieber Harmonie und Verständniss betreibt, als Diskussion und Konfrontation.

    Eine Bedingung dafür scheint mir aber, dass Thaksin von der Bühne verschwindet. Erst dann wird man wissen ob die Roten nur da sind um ihn wieder an die Macht zu bekommen, oder ob sie wirklich nur auf Neuwahlen aus sind.

    Leider bin ich zu diesem zweiten Punkt eher pessimistisch.

    Gruss, René

  4. #3
    Avatar von mipooh

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    Re: Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

    Ich sehe die Chancen relativ schlecht. So harmoniebedürftig sind die Thai dann auch wieder nicht. Es ist oft mehr eine Scheinharmonie, lächelnd sagt man sich Dinge, die selbst verbal von einem Aussenstehenden durchaus nett klingen. Es sind die Zwischentöne, die tiefste Verachtung durchklingen lassen.

    Jeder bescheißt jeden. Nach meinem Empfinden noch mehr als hier bei uns. Dies alles mit vielen Ka´s und Kraph´s...

    Viele Menschen sind extrem ungebildet, auch die mit guter Schulbildung und das ist keine gute Voraussetzung.

    Blindes Vertrauen (zB gegenüber dem Königshaus), Obrigkeitsdenken, Gesicht statt Selbstbewusstsein...

    Da ist vieles, was es mir unwahrscheinlich sein lässt, dass auch nur so eine marode Demokratie wie unsere möglich wäre, von einer Demokratie im theoretischen Verständnis völlig zu schweigen...

    Konsumzwänge machen jetzt die Familienstrukturen kaputt, isoliert findet sich kein soziales Netz sondern eine "jeder gegen jeden"-Mentalität. Sanuk sollte darüber nicht hinwegtäuschen, denn der ist oberflächlich.

    Nee, noch lange nicht...

    Ich hatte lange Zeit gehofft, ihre buddhistischen Wurzeln würden ausreichen. Aber den Zahn habe ich mir dann doch ziehen lassen, tief gehen die nicht. Zwar tiefer als unsere christlichen, aber eben nicht tief genug um tragend zu wirken.

  5. #4
    Paddy
    Avatar von Paddy

    Re: Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

    Echte Siege erringt man dadurch, daß man Feinde zu Freunden macht - beiderseits.

    Das heißt aber auch, die Interessen der Anderen genauso hoch anzuerkennen, wie die eigenen.

    Ich habe mich früher immer zuerst gefragt, was kann ich dem anderen (Geschäftspartner) anbieten, damit er langfristig ein gutes Gefühl für unsere Geschäftsverbindung haben kann. Ich habe damit meist gute Erfahrungen gemacht. Da es aber die gleiche Fairness des Anderen voraussetzt, kann es nicht garantiert und immer funktionieren. Manchmal ist die Gier doch zu gross und am Ende verlieren dann immer beide (weil stabile, langfristige Profite unterm Strich mehr bringen, als ein kurzfristiger Vorteil).

    Die meisten Menschen können nur in ihren gelernten Denkmustern verharren. Deshalb ist meine Hoffnung nicht sehr groß, daß z.B. gemäßigte, demokratisch denkende Gegner, wie ich z.B. Veera einschätze, ins Regierungsteam übernommen werden und an dieser Stelle ihr Anliegen weiter entwickeln können. Eingebunden in das Ganze und die Möglichkeiten, die der Haushalt bietet. Es wäre ein Paradigmenwechsel.

    Allerdings glaube ich nicht an eine unkonventionelle Vorgehensweise, wobei ich aber glaube, daß es ohne nicht stabil werden wird. Ganz sicher aber wird es ohne eine unkonventionelle und überraschende Vorgehensweise sehr lange dauern, bis die Gräben vielleicht einmal zugeschüttet sind.

    Gar nicht passieren wird es, wenn nicht freie und starke Gewerkschaften aufgebaut werden, akzeptable Mindeststandards bei Lohn und Absicherung eingeführt werden, das Schulsystem gründlich verbessert wird, Lehre und Ausbildung qualitativ gefördert wird, Preise für Grundnahrungsmittel subventioniert bzw. eingefroren werden, das Gesundheitssystem weiter entwickelt wird, etc....

    Insgesamt also eine Tendenz zu westlichen, sozialen Standards forciert wird. Das widerum stützt nur ein stabiles und gerechtes Steuersystem.

    Ergo müssten gravierende Veränderungen stattfinden. Reformen, die mit Augenmaß und Realismus stetig verbessert werden und somit diesen Namen verdienen.

    Bei uns ist der Begriff Reform inzwischen zum Angstbegriff verkommen, weil er immer mit dem Abbau bereits Erreichtem verbunden ist; schlicht die meisten Menschen immer ärmer macht. In Thailand muss genau das Gegenteil davon stattfinden. So nähern wir uns in einer globalen Welt an und begegnen uns auf gleicher Augenhöhe. Noch ein langer, harter Weg.

    War das nun wieder zu links?

    ----

    "In Thailand herrscht eine der größten Einkommensdisparitäten auf der Welt. Nahezu der gesamte Wohlstand hat sich seit dem Wirtschaftsboom, der vor allem in den 80erJahren massiv an Fahrt aufgenommen hat, auf Bangkok konzentriert. Während Bangkoks Oberschicht ihren Reichtum ohne jegliche Bedenken zur Schau stellt und auch vor massiven Konsumexzessen nicht zurückschreckt, müssen sich Millionen von Thais vom Land von Tag zu Tag durchschlagen.

    Andererseits fügen sich die Proteste nahtlos in eine Linie mit den Demonstrationen, die gerade weltweit um sich greifen. Denn auch Thailand leidet unter den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise. Am stärksten hat der Abschwung auch hier die Armen getroffen."

    http://www.newsclick.de/index.jsp/me...artid/12267263

  6. #5
    Avatar von Klaus_L

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    Re: Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

    Dass ist das von einem Hardliner noch erleben darf.

    Ja, im Groben und Ganzen Zustimmung.

    Nur eine Subventionierung von Lebensmitteln, das geht schief.
    Und "Gewerkschaften" (also zumindest solche wie nach westlichem Standard mit Gutsverdienern an der Spitze, die Schnaps saufen und Wasser predigen), die werden nichts ändern. Das wäre dann die dritte Clique mit dem Willen, an die Fleischtöpfe zu gelangen.

  7. #6
    Paddy
    Avatar von Paddy

    Re: Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

    Zitat Zitat von Klaus_L",p="860914
    Dass ist das von einem Hardliner noch erleben darf.

    Ja, im Groben und Ganzen Zustimmung.

    Nur eine Subventionierung von Lebensmitteln, das geht schief.
    Und "Gewerkschaften" (also zumindest solche wie nach westlichem Standard mit Gutsverdienern an der Spitze, die Schnaps saufen und Wasser predigen), die werden nichts ändern. Das wäre dann die dritte Clique mit dem Willen, an die Fleischtöpfe zu gelangen.
    Du irrst. Ich bin kein Hardliner, sondern für demokratische Regeln. Vor allem, wenn man für eine gerechte Demokratie "kämpft".

    Bei uns werden übrigens auch Lebensmittel subventioniert. Ansonsten kostete z.B. Milch mindestens das 3fache.

    Natürlich meine ich auch keine Gewerkschaften mit korrupter Führung, sondern solche die Arbeitnehmerinteressen verhandelnd vertreten. Kann man einfach regeln mit einer Pflicht zur Offenlegung des Einkommens der Funktionäre und der Bestimmung einer zulässigen Obergrenze, die das Gehalt eines Beamten im höheren öffentlichen Dienst nicht übersteigt. Das machen nur Idealisten mit.

    Korruption, egal an welcher Stelle, sollte ohnehin mit sehr hohen Strafen belegt sein. Auch bei uns ist noch vieles zu tun.

  8. #7
    Avatar von Klaus_L

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    Re: Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

    Zitat Zitat von Paddy",p="860915
    Kann man einfach regeln mit einer Pflicht zur Offenlegung des Einkommens der Funktionäre...
    Bsirske verdient z.B. um die 250.000€ / Jahr? Plus Freiflüge, Dienstwagen etc.

  9. #8
    Paddy
    Avatar von Paddy

    Re: Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

    Zitat Zitat von Klaus_L",p="860917
    Zitat Zitat von Paddy",p="860915
    Kann man einfach regeln mit einer Pflicht zur Offenlegung des Einkommens der Funktionäre...
    Bsirske verdient z.B. um die 250.000€ / Jahr? Plus Freiflüge, Dienstwagen etc.
    Meines Erachtens nach deutlich zuviel. Damit gehört er "zum anderen Lager" und steht nicht mehr für die breite Arbeitnehmerschaft.

    Das Problem dabei ist, daß er damit seinen Realitätssinn verändert und vergisst, was "den kleinen Mann" täglich bewegt. Die Hälfte vor Steuern wäre ok.

    Aber wir sind ja bei Thailand.

  10. #9
    Avatar von phimax

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    Re: Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

    Zitat Zitat von Paddy",p="860921
    Aber wir sind ja bei Thailand.
    Danke

  11. #10
    Avatar von Volker M. aus HH.

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    Re: Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren

    Aus meiner Sicht werden zu westliche Standarts bemueht.

    Ich kenne hier Buddhisten, die mit Hingabe suatmon betreiben und Augenblicke spaeter den Farang oder Thai Landsmann beschei....
    Ich kenne aber auch Thais, die beharrlich Ihren Punktestand verbessern, indem sie STAENDIG bemueht sind ihren Mitmenschen Gutes widerfahren zu lassen.
    Selbst negative Aeusserungen ueber einen dorfbekannten ........... verkneifen die sich. Bleibt allenfalls ein "Buddha know".
    Damit einher geht auch die Ueberzeugung, dass am eigenen Elend niemand Schuld traegt, sondern die Ursache dafuer im vorherigen Leben zu suchen ist.
    Die Hoffnung, dass der Glaube zu einer Maessigung fuehrt, teile ich nicht.

    Die Thailaendische Streitkultur ist ein weiteres Problem.
    Wir koennen uns verbal in die Fresse hauen und anschliessend beim Bier die Bundesligaergebnisse diskutieren.
    Das geht hier eher garnicht. Feindschaft haelt ueber Generationen. Man ist sich durchaus bewusst, dass die Feindschaft das eigene Leben negativ beeinflusst, aber der status quo muss aufrecht erhalten bleiben.
    Und dennoch gibt es Mechanismen (die sich mir nicht erschliessen) die es den Thais ermoeglichen nach einem Konflikt wieder zusammen zu arbeiten. Darauf basiert meine diffuse Hoffnung, dass Thailand bald zur Tagesordnung uebergeht.
    Etwas gehaessig koennte man sagen, die Thais sind Meister des faulen Kompromisses.

    Gerne ins Feld gefuehrt wird von uns Auslaendern das hier tief verwurzelte Obrigkeitsdenken. Das ist aber keine Einbahnstrasse. So erwaechst dem Obrigen die Pflicht fuer seine "Untertanen" zu sorgen.
    Der Umgang mit unserem Personal hat mir am Anfang erhebliche Schwierigkeiten beschert, weil ich es schlicht nicht verstanden habe.

    Der soziale Status definiert sich in Thailand traditionell erheblich staerker ueber Vermoegen. In deutschland faellt es uns nicht schwer, jemanden als Dummbatz zu brandmarken, auch wenn er stinkreich ist. Verbunden mit den aufstrebenden Bildungseliten in den Metropolen hat das Sprengkraft.
    Hoffnung macht mir hier die begonnene Dezentralisierung.

    Sucht man hier im Sueden das Gespraech mit Thais zur aktuellen lage, so werden natuerlich die Opfer und die Zerstoerungen bedauert, es findet sich das eine oder andere Argument fuer gelb oder rot und dann geht man achselzuckend wieder dem Tagesgeschaeft nach. Sabei sabei, um die Zukunft kuemmern wir uns morgen.

    Dies nur ein paar persoenliche Erfahrungen aus meinem Umfeld, dass die hardliner zweifellos unter "so erklaert sich Lieschen Mueller die Welt" einordnen werden.
    Am Ende waere ich nicht ueberrascht, wenn uns die Thais ein Ergebnis praesentieren, dass jedem hier die Moeglichkeit eroeffnet zu sagen "siehste, hab ich Euch doch gesagt".

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