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Von Kontrolleuren und Aufpassern

Erstellt von moselbert, 06.04.2008, 12:08 Uhr · 46 Antworten · 2.410 Aufrufe

  1. #21
    Avatar von moselbert

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    Re: Von Kontrolleuren und Aufpassern

    In der Kravekres

    Hedwig Maas kam wie jeden Morgen eines Werktages an ihren Arbeitsplatz bei der Kravekres. Auf ihrem Schreibtisch lag ein kleiner Stapel zu bearbeitender Akten. Nachdem sie sich am Kaffeeautomaten eine Tasse gefüllt und ein paar Schlucke getrunken hatte, öffnete sie die oberste Akte.

    „Oskar Vetter.“ las sie. „13 Jahre. Nierentransplantation.“

    Bei Schulkindern hatte sie die Noten mit zu berücksichtigen. Sie schaute nach, ob die letzten Zeugnisse in der Akte waren. Viele befriedigende Noten, wenige gute. Der Beruf der Eltern war auch angegeben. Der Vater arbeitete bei der lokalen Steuerbehörde im Mollen Dienst. Die Mutter war Hausfrau.

    Hedwig gab alle Daten in den Computer ein. Während sie auf das Ergebnis wartete, schätzte sie den Fall:

    „Mittelschicht, also 1,5.“

    Aus dem Drucker kam ein Aufkleber. 1,6 hatte der Rechner bestimmt.

    „Fast.“ meinte sie zu sich.

    Die Akte ging mit dem Aufkleber in die Rohrpost. In der Poststelle wurde der Vorgang an den Arzt oder das Krankenhaus, das den Antrag auf Kostenkontrolle gestellt hatte, weitergeleitet. Das Krankenhaus wusste nun, das es das 1,6fache des Regelsatzes berechnen durfte. Der Regelsatz wurde von der Pflichtversicherung bezahlt, alles darüber musste vom Patienten beglichen werden. Der hoffentlich hierfür eine private Versicherung abgeschlossen hatte. In diesem Fall natürlich seine Eltern.

    Sie öffnete die nächste Akte.

    „Johannes Brauer.“ las sie. „61 Jahre, Oberbürgermeister von Hannover. Oh der bekommt sicher einen hohen Wert.“

    In diesem Fall war der Verdienst unwichtig. Der Computer spuckte einen Wert von 4,2 aus. Die Kosten für die OP waren natürlich dieselben wie beim einfachen Satz. Alles was darüber hinausging, teilten sich Staat und Krankenhaus als Gewinn. Der Staat konnte hiervon die Pflichtkassen, auch staatlich, gut unterstützen.

    „Helga, 4,2!“ rief sie ins Nachbarzimmer.

    „Wer?“ rief ihre Kollegin zurück.

    „Der Oberbürgermeister von Hannover!“

    „Das dürfte heute Vormittag nicht mehr zu toppen sein. Also bezahlen wir anderen Dir heute das Mittagsessen!“

    „Es sei denn, Ihr bekommt einen Minister auf den Tisch!“ rief Hedwig zurück.

    Sie steckte die Akte in die Rohrpost.


    Die Geschichte wird mit einem Wettschwimmen fortgesetzt. Bis dann...

  2.  
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  3. #22
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Von Kontrolleuren und Aufpassern

    Eine begnadete Schreiberhand - auch wenn ich die Nierentransplantation noch nicht mit Frau Vogel in Verbindung bringen kann

  4. #23
    Avatar von moselbert

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    Re: Von Kontrolleuren und Aufpassern

    Das kommt noch, Kali.

  5. #24
    Avatar von moselbert

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    Re: Von Kontrolleuren und Aufpassern

    Das Wettschwimmen

    Hans war mit seinem Drink in der Hand auf der schattigen Hotelterrasse eingeschlafen. Nach dem ausgiebigen Mittagsschlaf wachte er schließlich wieder auf.

    „Hallo, Herr Hans.“ hörte er Noks Stimme. Obwohl er die Augen noch geschlossen hatte, spürte er, dass sie lächelte.

    „Hallo, Frau Nok. Waren Sie die ganze Zeit hier?“

    „Nein. Ich habe etwas auf den Straßenmarkt gegessen. Wenn Sie schlafen, brauke ich nicht aufpassen.“

    Hans lächelte gequält.

    „Wie spät ist es?“

    „Vier Uhr nachmittags.“

    Hans öffnete die Augen. Nok hatte Shorts an, ein kurzärmliges T-Shirt und Sandalen. Im Urlaub am Strand sah sie weniger streng aus als in ihrem dunklen Kostüm in ihrer Funktion als Betreuerin.

    „Gefällt Ihnen meine Outfit?“ fragte Nok.

    „Lässig, sportlich und locker. Sieht gut aus.“

    „Danke.“ Nok lächelte. „Gleiche Outfit wie Sie.“

    Hans musste lachen.

    „Shorts und T-Shirt stimmen. Aber ich habe wesentlich mehr Bauch und bin weniger attraktiv.“

    „Sie finden mich attraktiv?“

    „Ja sicher. Sie sind intelligent, haben eine gute Figur. Allerdings sind Sie meine Aufpasserin und somit verläuft der Strandurlaub anders als geplant.“

    „Manches verläuft anders als geplant, Herr Hans. Was trinken Sie da?“

    „Cola mit einem ganz kleinen Schluck Whisky.“

    „Darf ich probieren?“

    „Ja, sicher.“

    Nok nahm einen Schluck.

    „Man schmeckt die Whisky gar nicht.“

    „Ist ja auch nur ein ganz klein wenig.“

    „Wie ist es mit etwas Swimmen, Herr Hans?“

    „Jetzt? Die Sonne geht bald unter.“

    „Ja. Für Thais ist das die beste Zeit zum Swimmen. Sonst ist es su kalt oder su sonnig.“

    „Warum nicht? Oder ‚Why not’?“

    „Ich habe schon verstanden.“ lächelte Nok.

    Eigentlich müsste Nok im Bikini oder Badeanzug sehr nett aussehen, dachte Hans.
    Nok stand auf und ging in Richtung Strand.

    „Ziehen Sie sich nicht um?“

    „Thais baden in Shorts und Shirts. Nur leichte Mädchen haben Bikinis.“ lächelte Nok. „Sie brauken auk nicht umsiehen, Herr Hans. Handtücher sind hier auf die Terrasse für später.“

    „Na, gut.“ Hans folgte ihr zum Wasser. Die Sandalen hatten sie auf der Terrasse zurückgelassen.

    Nok lief in die herankommenden Wellen.

    Hans ließ zunächst das Wasser um seine Beine spielen. Es war angenehm warm.

    „Angst oder Nichtswimmer?“ hörte er Nok rufen.

    „Weder noch. Ich komme.“

    Hans ging tiefer ins Wasser hinein. Schließlich schwamm er mit ein paar kräftigen Kraulschlägen durch die sanften Wellen.

    „Wo sind Sie?“ rief er.

    „Hier.“ antwortete Nok, etwa 5 Meter entfernt. „Sie swimmen gut. Sehen Sie die Boje rechts?“

    Hans schaute in die von ihr gewiesene Richtung.

    „Das Ding etwa 20 Meter weg? Ja, sehe ich.“

    „Wettswimmen? Wer suerst da ist, gewinnt.“ Nok schwamm los.

    „Frühstart!“ rief Hans und eilte hinterher. Allerdings war Nok sehr sportlich und so konnte er den Vorsprung nur wenig verkleinern. Deshalb kam sie zuerst am Ziel an. Lässig hielt sie sich mit einer Hand an der Boje fest und ließ sich in Rückenlage auf dem Wasser treiben.

    Das Wasser war flach genug, so dass Hans stehen konnte. Noks dünnes sommerliches T-Shirt verhüllte im nassen Zustand weniger als ein Bikini, so dass ihre festen kleinen Brüste im Licht der sich dem Horizont zuneigenden Sonne schimmerten.

    Hans hüstelte.

    „Was ist?“ lächelte Nok.

    „Für eine Aufpasserin ist das ein sehr gewagtes Outfit.“

    „Stimmt. Ich stehe wohl besser, wie Du.“ sagte Nok und versuchte Grund zu erreichen. „Ich bin su klein. Kannst Du mich tragen?“

    Hans fasste sie unter die Oberschenkel und um die Hüfte, während Nok ihre Arme um Hans’ Hals schlang.

    Sie küssten sich.

    „Du bist eine schlechte Aufpasserin.“ meinte Hans.

    „Nein.“ widersprach Nok lächelnd. „Ich passe sehr gut auf. Ich muss jetzt auch nakts aufpassen, Hans. Welches Bett ist breiter, Deins oder meins?“

    „Ich weiß nicht. Ich kenne Dein Zimmer nicht.“ erwiderte Hans.

    „Wird Seit, dass Du meine Simmer kennen lernst.“ Nok lächelte.



    Als nächstes erfolgt ein Zusammenbruch. Später mehr...

  6. #25
    Avatar von moselbert

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    Re: Von Kontrolleuren und Aufpassern

    Der Zusammenbruch

    „Rettungsleitstelle Berlin Dahlem.“

    „Kommen Sie schnell. Lützelsteiner Straße 12, Danek. Meine Schwiegermutter ist zusammengebrochen. Der Puls ist schwach und die Atmung ist fast weg.“

    „OK. Ich schicke einen Wagen vorbei. Sie atmet noch?“

    „Ja. Aber schicken Sie schnell jemanden.“

    „Der Wagen ist auf dem Weg. Ich habe schon alles im PC notiert. Der Wagen bekommt die Mitteilungen automatisch aufs Display. Wie alt ist Ihre Schwiegermutter?“

    „85 Jahre.“

    „OK. Sie sitzen neben ihr? Wo ist sie?“

    „Sie ist auf dem Sofa zusammengebrochen.“

    „Legen Sie sie waagerecht, die Beine leicht erhöht.“

    „Mache ich.“

    Renate rückte ihre Schwiegermutter entsprechend zurecht.

    „So, ich habe sie nach Ihren Anweisungen zurechtgelegt. Was kann ich sonst noch tun?“

    „Kontrollieren Sie Atmung und Puls.“

    „Ich spüre beides.“

    „Gut. Warten Sie. Der Krankenwagen ist jeden Moment da.“

    Es klingelte.

    „Das werden sie sein.“ sagte der Mann am Telefon. „Ich lege jetzt auf.“

    „Danke.“

    Renate ging zur Haustür und öffnete sie. Ein Arzt und zwei Sanitäter mit einer Trage standen vor der Tür.

    „Tach. Die alte zusammengebrochene Dame, ist das hier?“

    „Ja, meine Schwiegermutter. Im Wohnzimmer geradeaus.“

    „OK.“ Die drei stürmten hinein. Der Arzt prüfte Puls und Atmung, gab den Helfern einige Anweisungen, die Renate nicht verstand.

    „Wir nehmen sie vorsichtshalber ins Zentralkrankenhaus Stieglitz. Darf ich noch um die Daten Ihrer Mutter bitten?“

    „Schwiegermutter. Maria Danek, geboren am 9. September 1939.“

    „OK. Wir werden alles Notwendige einleiten. Wollen Sie mitfahren?“

    In dem Moment klingelte das Telefon.

    „Ich komme später nach. Sie hören ja selber.“

    „Alles klar. Sie erkundigen sich dann im Krankenhaus nach der Zimmernummer.“

    „Ja. Danke für Ihre Hilfe.“

    „Bitte, gern geschehen.“ Der Arzt verließ das Haus. Die Sanitäter hatten ihre Schwiegermutter schon auf der Trage hinausgebracht.

  7. #26
    Avatar von moselbert

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    Re: Von Kontrolleuren und Aufpassern

    Telefonate mit Politikern

    Renate nahm das Telefon hoch. Das Klingeln hörte auf.

    „Hallo?“ meldete sie sich.

    „Renate? Hier ist Gerd Beyer. Kann ich Hans sprechen?“

    Der Anruf des Fraktionsvorsitzenden verwunderte sie doch erheblich.

    „Hans? Der ist doch noch in Bangkok.“ meinte sie erstaunt.

    „Ist sein Flug ausgefallen?“

    „Wieso ausgefallen? Er hat doch noch Klausurtreffen zu der Klimatagung. Er kommt Freitag zurück.“

    Herr Beyer lachte. „Die Tagung ist doch schon am Sonntag zu Ende gewesen.“

    „Ja, aber die anschließenden Besprechungen…“

    „Renate. Du solltest das als Politikerehefrau doch besser wissen. Besprechungen kommen vor dem Abschluss und nicht danach.“

    „Ja. Eigentlich schon. Aber das wäre eine besondere Konferenz, sagte er.“

    „Das glaube ich. Allerdings wohl nicht wegen des Themas. Obwohl… Weißt Du, wenn Du ihn erreichst… Es wäre nett, wenn er so schnell wie möglich seine Erfahrungen von der Konferenz hier vor der Fraktion vortragen könnte. Es gibt ein wenig Unruhe, vorsichtig gesagt, wegen der CO2 Sache. Bist Du noch da?“

    „Ja.“

    „Du sagst ihm Bescheid?“

    „Ja. Wenn ich ihn erreiche.“

    „Danke. Bis später dann.“

    Er trennte die Verbindung.

    ‚Ich hätte meinen seligen Alfons nicht alleine dahin fahren lassen.’ hatte ihre Schwiegermutter gesagt. Das hätte sie vielleicht auch nicht tun sollen. Aber immerhin war sein Freund doch als Aufpasser mitgeflogen.

    Automatisch wählte sie dessen Nummer.

    „Klausheinrich Moll.“ meldete er sich.

    Renates Blick verfinsterte sich.

    „Wo ist Hans?“

    „Ach, hallo Renate.“

    „Wo Hans ist, will ich wissen.“

    „Der ist noch auf den abschließenden Klausurtagungen. Ich hatte bösen Durchfall und bin früher weg als gedacht. Ich bin gerade angekommen.“

    „Klausheinrich, Hans’ Fraktionsvorsitzender hat eben angerufen und wollte ihn sprechen. Es gibt keine Klausurtagungen.“

    „Ach. Ja, kann sein. Ich dachte, hm…“ stammelte er.

    „Also, wo ist er.“

    „Am Meer. Er wollte bis Freitag ausspannen.“

    Renates Eifersucht stieg weiter an.

    „Am Meer? Mit irgendwelchen leichten Mädchen vielleicht, oder?“

    „Nein. Er hat sogar einen Aufpasser mit. Da passiert nichts.“

    „Wen?“

    „Eine Frau Vogel. Sie war für die Betreuung von Teilnehmern abgestellt.“

    „Soso. Frau und Betreuung. Bestimmt keine zahnlose 60jährige.“

    „Nein. Sie sieht sehr attraktiv aus. Aber bei der beißt er sicher auf Granit.“

    „Mein Mann mit einer attraktiven Thailänderin von einer Betreuungsagentur zusammen am Palmenstrand. Danke, ich weiß Bescheid.“

    Wütend trennte sie sie Verbindung.



    Fortsetzung folgt: "Die Fallmanagerinnen"

  8. #27
    Avatar von Frank und Supaporn

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    Re: Von Kontrolleuren und Aufpassern

    jetzt wos richtig interessant ist,hoffe ich das es schnell weiter geht.

  9. #28
    Avatar von moselbert

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    Re: Von Kontrolleuren und Aufpassern

    gemach, gemach...

  10. #29
    Avatar von moselbert

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    Re: Von Kontrolleuren und Aufpassern

    Die Fallmanagerinnen

    Hedwig hatte wieder eine Akte geöffnet. Dringlich, stand darauf.

    „Frau, 85 Jahre, akute Herzschwäche.“ las sie.

    Maria Danek. Der Name kam ihr irgendwie bekannt vor, aber sie konnte ihn nirgends unterbringen. Sie bezog eine kleine Rente. Sie wohnte offenbar bei ihrem Sohn, der sei von Zeit zu Zeit unterstützte. Genaue Beträge standen Hedwig nicht zur Verfügung. Somit nahm sie an, dass hier ein geringer Faktor vom Computer berechnet werden würde.
    Sie schätzte 1,0.

    1,0 stand auch auf dem Sticker.

    Sie klebte ihn auf die Akte und übergab sie der Rohrpost.

    „Einen Treffer eben!“ rief sie Helga zu.

    „Klasse! Was für einen?“

    „Rentnerin, alte Frau. 1,0!“

    „Das war sicher nicht schwer!“

    „Nein!“ antwortete Hedwig. „Obwohl… Sagt Dir der Name Danek was?“

    „Schon! Aber ob der aus der Familie ist, keine Ahnung! Ein Politiker heißt auch so!“

    „Na, vielleicht kenne ich den Namen auch von da her!“

    „Du hast in letzter Zeit häufiger so Glücksfälle, was?“ rief Helga. „Jetzt richtig geraten und letztens den Bürgermeister!“

    „Ja, klar! Sonst wird die Arbeit als Fallmanagerin ja doch zu langweilig! Die bei den ARGEn haben wenigstens noch mit Leuten zu tun!“

    Helga kam aus dem Nebenzimmer herüber.

    „So erstrebenswert ist das aber auch nicht. Letzter ist einer durch die Sicherheitskontrollen geschlüpft. Er hatte eine Rasierklinge in der Schuhsohle versteckt und wollte damit auf die Kollegin los.“

    „Oh, mein Gott.“ meinte Hedwig. „Ich dachte, da wird so scharf kontrolliert.“

    „Ja sicher. Die Hartzer müssen sich in einem Sicherheitsraum sogar ganz ausziehen.“

    „Das wusste ich noch nicht.“

    „Ja, das ist neu. Bei Frauen wird sogar die ...... untersucht, ob sie irgendwelche Waffen mitführen. Aber die Schuhsohlen haben sie wohl übersehen.“

    „Hier ist es wirklich sicherer.“ sinnierte Hedwig.

    „Ja eben. Und die Hände brauchen die Hartzer ja noch. Falls sie Arbeit finden wollen.“

    „Wieso Hände?“

    „Weißt Du, wie viele Kolleginnen und Kollegen schon gewürgt wurden? Eigentlich müsste man den Leuten die Hände amputieren. Aber vielleicht würden ja auch für die Zeit ihres Besuchs Handschellen ausreichen.“ Helga strahlte plötzlich. „Vielleicht ist heute auch ein Glückstag für mich. Ich glaube, auf die Idee ist noch keiner gekommen. Ich werde mal einen Arbeitsverbesserungsvorschlag ausformulieren.“

    „Mach das. Das würde die Sicherheit doch deutlich verbessern. Viel Glück.“

    „Danke.“ Helga ging in ihr Zimmer zurück.

  11. #30
    Avatar von moselbert

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    Re: Von Kontrolleuren und Aufpassern

    Die Dienstbesprechung

    „Guten Morgen.“ begrüßte Professor Burwinkel die anwesenden Schwestern und Ärzte. „Was haben wir heute hereinbekommen?“

    „Erstens eine Niere, Blutgruppe 0 Rhesus negativ.“

    „OK. Welche passenden Anträge sind aktuell schon genehmigt?“

    „Einen Schüler 1,4, einen Sozialhilfeempfänger 1,0 und einen Beamten 2,1.“

    „Gut. Schwester Veronika, rufen Sie den Beamten an. Er soll sich für die Transplantation bereitmachen. Ein Krankenwagen holt ihn ab.“

    „Der 1,0er wartet aber schon länger.“ warf ein Assistenzarzt ein.

    „Frisch von der Uni, was? Wenn Sie nur nach Regelsatz operieren, können Sie den Laden hier bald dicht machen. Und vergessen Sie nie: Ihr Gehalt steigt mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Krankenhauses. Ich denke kaum, dass der 1,0er freiwillig mehr bezahlen kann. Wir werden schon noch eine passende Niere für ihn hereinbekommen. Weiter im Text.“

    „Ein Herz, AB, positiv. Passende Fälle Facharbeiter 1,5, Rentner ebenfalls 1,5.“

    „Ich liebe diese Überraschungen.“ meinte Professor Burwinkel.

    Er holte eine Münze aus der Tasche.

    „Rentner Kopf.“ sagte er, warf die Münze hoch und fing sie mit dem Handrücken wieder auf.

    „Zahl. Schwester Veronika, der Facharbeiter wird es. Zwar nur 1,5facher Satz, aber immerhin. Noch etwas?“

    „Im Moment nicht, Herr Professor. Ich melde mich, wenn wir wieder was haben.“

    „Na ja, Herz und Niere ist ja auch ausreichend für heute, denke ich. Piepsen Sie mich an, wenn der Beamte angekommen ist. Dann ist noch Zeit für eine Visite, vor der OP. Ich gehe so lange in die Cafeteria.“

    Er verließ das Besprechungszimmer. Auf dem Weg in die Cafeteria traf er einen Kollegen.

    „Wie sieht es heute aus?“ fragte Professor Burwinkel.

    „Zwei Ohren 3,5 und 3,3, eine Nase 2,8. Und bei Dir?“

    „Nur 2,1 und 1,5. Aber Du hast es ja auch besser bei der Plastischen. Welcher 1,0er wird sich die Nase richten lassen wollen.“

    „Stimmt. Ich hatte eigentlich noch nie einen 1,0er. Wann war Dein letzter?“

    „Vorige Woche. Eine Niere. Man muss ja auch mal einen Hartzempfänger unter das Messer nehmen, sonst heißt es noch, wir würden nur die Reichen operieren.“

    „Ich darf das sagen.“

    „Ja, Du als Plastischer.“

    Inzwischen waren sie an der Cafeteria angekommen.

    „Kaffee oder Tee?“

    In diesem Moment meldete sich der Summer von Professor Burwinkel.

    „Hm, scheint ein Beamter von der schnellen Sorte zu sein. Wir sehen uns vielleicht später noch. Jetzt erst Visite, dann die OP.“

    „Bis dann. Viel Erfolg.“

    „Danke.“


    Fortsetzung folgt.

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