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Verpaßte Gelegenheit...

Erstellt von Kali, 15.11.2003, 11:15 Uhr · 2 Antworten · 636 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    Verpaßte Gelegenheit...

    Mir ist gestern, nachdem ich den Bericht über die Freunde in Bangkok gelesen hatte, ein wenig über das von Woody zitierte ‚Issaan-Gesülze’ meditiert hatte (obwohl, er hatte es ja nicht abwertend gemeint, und, daß es außer dem Issaan noch etwas anderes in Thailand gibt, ist jedermann klar), auf einmal eingefallen, daß meine erste Begegnung mit Thailand ja bereits vor ca. 7 Jahren stattgefunden hatte, also nicht erst im Dezember 2000, als ich meine Frau kennen lernte.

    Im Sommer 1996, ich lebte gerade 1 Jahr getrennt, ging ich, wie so oft, mal wieder etwas Gutes essen. Auf zum ‚Kochlöffel’, um eine dieser berühmten Curry-Würste mit Pommes und Mayo zu vertilgen. Forsch, wie ich nun mal sein kann, setzte ich mich tablett-beladen an einen Tisch, der bereits von einem nach meiner Meinung japanisch aussehenden Menschen männlichen Geschlechts besetzt war. Hatte schon etwas Exotisches, beruflich intellektuell nicht gerade verwöhnt, war ich begierig, mal wieder das los zu werden, was man im Volksmund auch schon mal als Englisch-Kenntnisse bezeichnet. ‚Hoffentlich spricht der kein Deutsch...“, dachte ich nur, und pflanzte mich mit einem weltmännischen ‚Hello..’, sehr wohl auf die richtige Aussprache achtend, auf den Stuhl gegenüber, Angesicht zu Angesicht, diesem exotisch aussehenden Mann also, face to face, wie wir zu vorgerückter Stunde auch schon mal zu sagen pflegen.
    ’Hello...’, schallte es zurück, meinem Kommunikationseröffnenden Gruß ebenbürtig, und da bemerkte ich ein Lächeln in seinem Gesicht, das mir gar nicht so japanisch erscheinen wollte, obwohl, wer außer einem Japaner sollte sich nach Heinsberg verirren. ??
    “From where do you come ?“, zog ich den zweiten Bauer nach, lehnte mich, einen blasierten Eindruck vortäuschend, voll des Bewußtseins meiner wieder entdeckten Schul-Englisch-Kenntnisse, auf meinem lediglich in Steißbeinnähe gepolsterten Stuhl zurück und sah ihm voll, nein, nicht voll, sondern direkt in die Augen. Wann hatte ich das letzte Mal Englisch gesprochen ? Ach ja, als mich ein afrikanischer Bewohner meiner ‚Firma’ um Tabak gebeten hatte...
    “I come from Bangkok, from Thailand...“, singsangte es zurück, wobei beide Mundwinkel das geographisch zugehörige Ohrläppchen zu berühren schienen.. ‚Nimmt der Dich nicht ernst `’, dachte ich flüchtig, „na ja, vielleicht lacht er halt nur gerne.“ Aber japanisch war er ja nun nicht, ja, stimmt ja, Asien ist ja eigentlich ziemlich groß, und ähnlich sehen sie sich ja auch alle.
    Nun, es stellte sich heraus, dass er, 32-jährig, als Ingenieur ein einjähriges Praktikum bei einer Verpackungsfirma in der Nähe von Heinsberg absolvierte. Es waren wohl noch drei weitere Mitarbeiter seiner Bangkoker Firma dort. Er selbst hatte ein Zimmer in einer Pension nicht weit von hier. Das der ‚Kochlöffel’ nun nicht gerade die typisch deutsche Küche verkörperte, war ihm allerdings bekannt. Er war halt sparsam, schickte seiner Frau, die demnächst Nachwuchs erwartete, regelmäßig Geld. Er würde noch ca. drei Monate in Deutschland bleiben, um dann in der Nähe von Bangkok bei Aufbau einer ebensolchen Verpackungsfirma mitzuwirken.
    Er erzählte auch gleich von einer Schwester, die noch ledig sei und ebenfalls in Bangkok arbeiten würde. Außerdem gefiele es ihm in Deutschland, es wäre ein schönes Land, und die Menschen wären nett und freundlich. ‚Ein feiner Mensch...’, dachte ich, ‚und so freundlich im Umgang. Findet man auch selten...’
    Wir unterhielten uns noch ein wenig, wobei ich – offen gestanden -, von der Exotik seiner Ausstrahlung und der offenen Art, in der er mit mir sprach, ziemlich beeindruckt war. Er hinterließ mir noch seine Karte, nicht ohne mir zu sagen, dass ich ihn unbedingt besuchen müsse, wenn ich mal nach Bangkok kommen sollte. Das würde ich auf jeden Fall machen, sagte ich ihm, krampfhaft überlegend, was ich wohl in Thailand sollte, und von Pattaya und anderen geschichtsträchtigen Orten hatte ich zu der Zeit auch noch nichts gehört.

    Es war auf jeden Fall eine nette Begegnung, die einzige dieser Art. Ich habe ihn auch nicht angerufen, wie ich es versprochen hatte – hatte zu der Zeit andere Probleme, mit mir selbst nämlich -, und nach Thailand bin ich auch nicht gefahren, was sollte ich auch dort.

    Doch eines ist gewiss: hätte ich die Foren damals bereits gekannt, wär’ das Gespräch mit Sicherheit anders verlaufen

    Auch dies fällt unter die Kategorie verpasste Gelegenheit, wie die nicht wahrgenommene Einladung eines Studenten aus Palermo, des Deutsch-Kanadiers vom Shuswap-Lake in British-Columbia und viele andere Dinge auch...

  2.  
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  3. #2
    Avatar von phimax

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    Re: Verpaßte Gelegenheit...

    Es ist noch nicht zu spät, zum anrufen.

    Und dann lesen wir von dir ganz andere Geschichten, über Freunde aus Bangkok :-)

    Und Angst vor der ledigen Schwester brauchst du auch nicht mehr zu haben ;-D

    Michael

  4. #3
    Avatar von MichaelNoi

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    Re: Verpaßte Gelegenheit...

    Sehr amüsant zu lesen Kali :bravo:

    Gab es 1996 eigentlich schon Thaiforen ?